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fd)ef)cn. Ach bat bett ^Beamten ffetjentlidj, mir doch bie 9TB reife nidjt fo git ctfdjtvercn und sagte:Bis id) triebet alle Pa- piere botlgä^Iig beisammen habe, betgefjen mindestens zwei Tage, und wer weiß, ob ich dann überhaupt noch fahren kann." Endlich, nach inständigem Bitten, erhielt ich tatsächlich den Schein und erreichte mittels Auto in der letzten Minute den Zug. In dem Abteil waren noch sechs deutsche Damen, die alle Nummern trugen; ich hörte, daß eine Gesellschaft von 27 Damen unter dem Schutz derWomen Suffrage Society" von einer Amerikanerin bis Goch geleitet würde ich schloß mich sofort der Gesellschaft an und erhielt Nr. 8. Bon hier aus ging alles tadellos, ohne die geringsten Schwierigkeiten, nur waren wir alle entsetzsich niedergeschlagen, noch ganz unter dem Eindruck der unwahren Zeitungsnachrichten, z. B. hatten wir tatsächlich Angst, jeden Moment in die Luft zu fliegen. Erst an der deutschen Grenze, wo man uns als /.wiedergefundene deutsche Frauen" einen sehr herzlichen Empfang bereitete und uns ein rheinischer Stationsvorsteher mit den Worten empfing:Sieg auf der janzen Linie, meine Damen das war aber auch ne heilje Bejeisterung in Deutschland hier in Jooch ist ja nicht zu sehen, aber kommen Sie erst mal nach Kölle rin, wie da die Jlocken läuten!" war unsere gedrückte Stimmung dahin und wir freuten uns innig, wieder deutschen Boden unter den Füpen zu haben. Tatsäch­lich waren die Berichte in London so niederschmetternd, daß die Deutschen jede Hoffnung verloren hatten. Ich selbst las in den letzten Tagen meines Dortseins von derdrohenden Hungersnot" und der in Bälde ausbrechendenRevolution" in Berlin. Ich erwog schon allen Ernstes von Holland Mehl und Salz mitzubringen, da nach den englischen Berichten, be­sonders diese zwei Lebensmittel in Deutschland nicht mehr zn haben seien. Die Vergleiche, die wir auf der Reise zwischen unseren herrlichen begeisterten Soldaten und der in allen Londoner Parks neugedrillten Söldner - Armee anstellcn

konnten, beseitigten aber auch jedes ängstliche Gefühl.--

In London können einem jetzt nur die deutschen Geschäfts­leute leid tun, vornehmlich die Bäckereien, die ja meistens in deutschen Händen sind ich sah viele eingeworfene Erker­scheiben und demolierte Schilder, überhaupt setzt jetzt da drüben ein deutscher Boykott ein. Hum Trost für die Fa­milien, die weibliche Angehörige drüben haben, mochte ich doch noch bemerken, daß meinem Empfinden nach keiner weib­lichen Person in England ein Haar gekrümmt werden wird. ' * * *

Der August als Schlachtenmonat. Am 20. und 21. August ist die erste große Entscheidungsschlacht dieses Krieges ge­schlagen lvorden, und ihr glänzender Erfolg für die deutschen Waffen tvird hoffentlich dazu beitragen, daß nicht ebenso viele und große Schlachten wie im Jahre 1870/71 der ersten folgen müssen. Schon vielfach ist darauf hingewiesen worden, daß auch im Jahr 1870 der Monat August die gewaltigen, ersten Dounerschläge des über Frankreich niedergehenden Gewitters brachte. Aber wenig bekannt ist, daß überhaupt der August unter allen Monaten des- Jahres die meisten bedeutenden Schlachten der Weltgeschichte aufzuweisen hat, zumal in feiner zweiten Hälfte. Um nur einige der allerwichtigsten und be­rühmtesten anzuführen, seien außer den allbekannten August- Schlachten der Jahre 1818 Und 1870 die folgenden genannt: Cannae (2. August 216 v. Ehr.), Tagliacozzo (23. August 1268t, Marchfeld (26. August 1278), Erbch (26. August 1346), Döf­fingen (23. August 1388), St. Jakob an der Bios (26. August 1444), Bosworth (22. August 1485), Mohacs (26. August 1626), Lutter am Barenberg (27. August 1626), Höchstädt (13. Ang. 1704), Belgrad (16. August 1717), Zorndorf (25. Aug. 1758), Kunersdorf (12. August 1769), Liegnitz (15. August 1760), Borodino (17. August 1812) u. v. a. Besonders beachtens­wert erscheint aber die Tatsache, daß durch die jüngsten kriege­rischen Erfolge sonderbarerweise gerade diejenigen Daten des August, die bisher in der preußischen Kriegsgeschichte noch keine besondere Wichtigkeit hatten, historische Berühmtheit er­langt haben und. zu Gedenktagen ruhmvoller Kriegsereignisse geworden sind, so daß jetzt in der ganzen Zeit vom 9. bis 31. August nur noch zwei Daten (24. und 28. August) ohne Be­ziehung zu deutschen bezw. preußischen Kriegsereignifsen ge­blieben sind. Es sind nämlich fortan an den einzelnen Daten dieser Zeit folgende Gedenktage zu feiern: 9./10. August

Mülhausen (1914), 11. August Lagaroe (1914), 12. August Kunersdorf (1759), 13. August Höchstädt (1704), 14. August Colombeh-Nouilly (1870), 15. August Liegnitz (1760), 16. Aug. Bionville-Mars-la-Tour (1870), 17. August Stallupönen (1914),

18. ütuguft Gradekotke-St. Privat (1870), 19. Wuguft Goidverg (1813), Weiler und Perwez (1914), SO. August Tirlcmont und Lothringer Grenze (1914), 21. August Trebbin (1813), Putziger Bucht (1870), 22. August Heinersdorf - Wittstock (1813), 23. August Großbeeren (1813), 25. August Zorndorf (1758), 26. August Katzbach, Dresden, Gadebusch (1813), 27. Anglist Hagelberg (1813), Buzanch (1870), 29. August Culm (1813), Nouart und Boncq (1870), 23. August Nostendorf (1813),

Beaumont (1870), 31. August Noiffeville (1870). Mit dem 1. September, dem Tage der Sedanschlacht, schließt dann diese lange, ruhmreiche Reihe würdig ab, die kaum in der Ge­schichte eines anderen Volkes ihres gleichen finden dürfte.

Antwerpen vor hundert Jahren. Im Jahre 1814 wurde Antwerpen von den Briten und Sachsen blockiert und von Carnot verteidigt, der die Stadt an den britischen General Graham übergeben mußte. Die Stadt zählte nur 59 035 Ein­wohner und etwa 10 000 Häuser. Das war gegen frühere Jahrhunderte ein arger Rückgang. Vor dem Kriege mit Spanien war sie eine bedeutendere Handelsstadt als Amster­dam gewesen, dessen Größe sich erst im 16. Jahrhundert auf den Ruinen von Antwerpen gründete. Damals war die Schelde mit Schiffen von allen Nationen bedeckt, deren 2500 auf einmal in ihrem Hafen lagen und oft Wochen warten mußten, ehe sie löschen konnten. Etwa um 1650 zählte die Stadt über 200 000 Einwohner. Der blühende Zustand der Stadt bekam während der Belagerung von 1585 unter dem Prinzen Parma den ersten Stoß und schwand gänzlich, als im westfälischen Frieden die Schelde für sie geschlossen wurde. Dadurch geriet der Handel in gänzlichen Verfall und zog sich ganz weg. Josephs II. Versuch, diesen Zwang auszuheben, mißlang und erst die Franzosen setzten nach der Eroberung der österreichischen Niederlande durch, was der Kaiser Joseph für Antwerpen beschlossen hatte. Die Schelde wurde für frei erklärt, und der Handel würde sich nun schnell gehoben haben, wenn es den Siegern nicht eingefallen wäre, den Ort in einen Waffenplatz umzuschaffen. Doch waren 1807 schon wieder 1342 Fahrzeuge in ihrem Hafen einklariert. Vor hundert Jahren waren besonders Antwerpens Manufakturen in Spitzen, Zucker, Bleiweiß, Lackmus, Stöcken, baumwollenen Zeugen, Spitzenzwirn sehr ansehnlich, und Antwerpener Näh­seide, schwarze'Seidenstoffe und Druckerschwärze überall be­rühmt.

Mvltkcs drei Worte auf dom Schlachtfeld, über blutigen Schlachtfeldern steht wieder wie vor 44 Jahren die purpurne Sonne, deren goldiger Herbstesglang einen ergreifenden Schimmer um das tragische Schauspiel breitet. Welche Ge­fühle mögen unsere siegreichen Heerführer beschleichen, wenn sie am Abend der Schlacht die ernste Walstatt betrachten? Der große Schweiger" Moltke, dessen Heldengeist noch heute mit unfern Truppen kämpft, hat bei der Besichtigung der Schlacht­felder nur selten die große Stille durchbrochen, die ihn um­gab. Desto bedeutsamer sind die Äußerungen, die er am Abend des 19. August auf der Walstatt von Gravelotte tat. Er fuhr mit Winterfeldt und Verdi, du Vernois zusammen im Wagen nach Pont-a-Moüsson und unterbrach dabei dreimal- den stillen Lauf seiner Gedanken.Das erste Mal war es", erzählt Verdy du Vernois,als wir auf dem Wege von Rezon- bille nach Gorze einen Teil des Gefechtsfeldes vom 16. August durchfuhren und hier auf die Massen der noch unbeeidigten hingestrecken französischen Gardevoltigenrs.stießen, in deren vordersten Reihen ein junger Unteroffizier von unserm 11. Regiment, das gefällte Gewehr noch von seinen Händen um­schlungen, lag. Da sagte der General:Das war der Tapferste der Tapferen!" Weiterhin bemerkte er plötzlich:Ich habe doch wieder gelernt, daß man auf dem Schlachtfelde nicht stark genug sein kann." Diese Bemerkung bezog sich darauf, daß, als das 2. Armeekorps sich dem Schlachtfelde näherte und Mel­dungen hiervon eingingen, man einige Zeit lang der Ansicht war) daß man desselben überhaupt nicht mehr bedürfen würde und sich daher mit dem Gedanken getragen hatte, ob man es nicht halten und ruhen lassen sollte. Die letzte Äußerung aber des Generals erfolgte, als wir uns Pont-a-Moufson näherten und im Abendlicht vor uns Lie Kirchtürme und Häuferumrisse der Stadt malerisch beleuchtet dalagen Und darüber sich die Höhe des rechten Ufers mit einer alten Ka­pelle oder Ruine erhob, wodurch das Ganze zu einem schönen Bilde abgerundet wurde. Da gab der General dem Gedanken Ausdruck:Mit welchen Gefühlen würden wir jetzt hier ent­lang fahre»/ wenn wir die Besiegten gewesen wärest!"

StrantworUich IÜI Me Schriftleitung! 0. v. SJauentorf in Wiesöa»«. Drag ned Verla, der L. SHellenberglchen Hof-BllchdruSerei in WiedSaden.