Sette 4*
Morgerr-Ausgave, I. Blatt.
WiesdaSlmrr Tagblatt.
wie das deutsche Empfinden verletzend. Ich bestimme daher, daß innerhalb des mir unterstellten Korpsbezirks französische Predigten nur in Len Gemeinden gehalten werden dürfen, welche als zum französischen Sprachgebiet zahlend anerkannt worden sind. Straßburg, 30. August 1914. ®er stellvertretende kommandierende General: Ritter
Hentschel v. Gilgenheimb.
Die Schweizer Behörden gegen französische Pamphlete.
hd. Genf, 1. Sept. Die Behörden beschlagnahmten gestern in Zigarrenläden ein gemeines, gegen den deutschen Kaiser gerichtetes Pamphlet, das auch von Zeitungsveirkaufern auf der Straße im geheimen verbaust wurde. _ Die Verfasser vermutet man unter den hiesigen Franzosen, wofern das Pamphlet nicht überhaupt aus Frankreich ^importiert. Eine strenge Untersuchung wurde eingelleiiet,^ die hoffentlich erfolgreich ist. Es ist anzuer- kennen, daß die Behörden alles zu vermeiden suchen, was die hiesigen Deutschen irgendwie verletzen könnte, und gegen die Schuldigen unnachsichtlich Vorgehen.
Ein eigenartiges Ansuchen des russischen Geschäftsträgers in Rom.
ETcl. Köln, 2. Sept. Wie der „Köln. Volksztg." von zuverlässiger ©eite gemeldet wird, hat der russische Geschäftsträger in Rom die Naivität gehabt, bei der Kurie anzufragen, ob sie nicht den päpstlichen Nuntius in München anweisen könne, daß er den Schutz der Russen in Bayern übernehme. Der Russe hatte geglaubt, er könne den Vatikan auch für die russische Politik einfangen. Hätte der Nuntius den Schuh der Russen übernommen, so bestände der Eindruck, als ob der Vatikan auch zu den russenfreundlichen Mächten zähle, loenigstens moralisch und mit seinen Sympathien.
Italienischer Protest gegen die Österreich-Hetze.
8iom, 2. Sept. Die italienische Kolonie in Trient protestiert in einer Erklärung gegen die von interessierter Seite ausgestreute Verdächtigung, daß italienische Bürger in Österreich schlecht behandelt und verfolgt würden. Gerade das Gegenteil sei wahr, da sowohl die österreichischen Behörden wie die Bevölkerung den Italienern freundlich st entgegengekommen sei und man überall eine engere Annäherung Österreichs an Italien wünsche. Die Italienische Presse solle sich vor dem Abdruck solcher Hctzberichte hüten, die lediglich die Absicht hätten, Italien zu beunruhigen und zwischen beiden Staaten Unfrieden zu säen.
Die beiden Großherzoginnen von Luxemburg besuchen die verwundeten deutschen Krieger.
Luxemburg, 1. Sept. Die Großherzoginnen von Luxem bürg besuchten dieser Tage in Begleitung von Gräfin Mont- lfelas und Graf Stolberg die im offiziellen Haupilazarett im Konvikt untergebrachten Kriegsverwundeten. Mit jedem einzelnen Patienten unterhielten sich die fürstlichen Herrschaften auss leutseligste. Sogar bis in die Küche stiegen die Groß- herzogirmen, um nach der Pflege der Soldaten zu sehen. Die Pflege ist in jeder Hinsicht tadellos. Verschiedene Universitätsprofessoren versehen den Dienst als Militärärzte. Die Großherzogin sowie die Großherzogin-Mutter haben ansehnliche Summen dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt.
Die Japaner an der deutschen Grenze scstgehalten.
Eid- Berlin, 2. Sept. Den schlauen Japanern, die ganz heimlich namentlich ans allen Universitätsstädten verschwanden, um noch vor Überreichung des Ultimatums ihrer Regierung über die Grenze zu kommen, hat die deutsche Regierung doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unseren Behörden war die Bewegung unter den Japanern nicht unbekannt geblieben, sie konnten aber die asiatischen. Gäste zunächst an der Abreise nicht hindern. Sobald aber das Ultimatum überreicht war, benachrichtigten sie die Behörden an der holländischen Grenze, in der richtigen Voraussetzung, daß die Japaner ihren Weg über Rotterdam nehmen würden. Es gelang denn auch, einen erheblichen Teil der verschlagenen Gelben an der Grenze noch abzufassen. Die Erwischten, meistens Studenten, werden nun nicht in der Lage sein, ihre dank unserer deutschen Gastfreundschaft erworbenen Kenntnisse gegen uns zu verwerten.
Die Haltung der Deutschen in Kanada.
W . T.-B. Kopenhagen, 3. Sept. (Nichtamtlich.) „National Tidende" meldet aus Ottawa: Die deutsche Bevölkerung West- Kanadas bekundet offen, daß sie auf seiten Deutschlands stehe. Dies erweckt großen Unwillen bei der übrigen Bevölkerung. Man befürchtet Unruhen.
Nachrichten für das Ausland während des Kriegs. *
Der Gedanke, daß die Beziehungen zwischen den deutschen Kaufleutcn und ihren ausländischen Geschäftsfreund-en verwertet werden, um den wahrheitswidrigen Berichten unserer Feinde über die Kriegsereignisse und die Zustände im Deutschen Reich entgegenzuwirken, hat einen überaus großen Beifall gefunden. Beim Deutschen Handelstag, der die Verwirklichung dieses Gedankens übernommen hat, sind durch Vermittlung seiner Mitglieder (Handelskammern usw.) etwa 200 000 Bestellungen aus die im Ausland zu verbreitenden wahrheitsgetreuen Berichte in deutscher, englischer, französischer, italienischer, portugiesischer oder spanischer Sprache ein- gegangen. Nachdem die der Versendung in den fremden Sprachen entgegenstehende Schwierigkeit überwunden ist, wird das Unternehmen nunmehr zur Ausführung gelangen.
Aufruf!
Ein gewaltiger Krieg ist über Deutschland hereingebrochen. Millionen deutscher Männer bieten ihre Brust dem Feinde dar. Viele von ihnen werden nicht zurückkehren. Unsere Pflicht, ist es, für die Hinterbliebenen der Tapferen zu sorgen. Des Staates Aufgabe ist, hier zu helfen, aber er kann es nicht allein, diese Hilfe muß ergänzt werden. Deutsche Männer, deutsche Frauen gebt! Gebt schnell! Auch die kleinste Gabe ist willkommen! Das Bureau befindet sich Berlin NW. 40, Alsenstraße 11. Das Präsidium der Nationalstistung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen.
Besonders erwünschte Liebesgaben.
Unseren kämpfenden Truppen sind nachfolgend ausge- sührte Gegenstände dringend erwünscht: 1. Zigarren, Zigaretten, Tabak (Pfeifen), Konserven, Schokolade, Kakao, Tee, Kaffee, Bonbons, Bouillonkapseln, Suppenwürfel, Gemüsekonserven, Dauerwurst,, geräucherte Fleischwaren, alkoholfreie Getränke, Mineralwasser, Trockenmilch, kondensierte Milch, Lebkuchen. 2. Wollene Strümpfe, Unterjacken, Hosenträger, Halsbinden, Leinwand (zur Fußbekleidung), Taschentücher, Hemden, Unierbeinkleider, wollene Leibbinden. 3. Taschenmesser, Löffel, Notizbücher,.. Postkarten, Briefpapier, Bleistifte mit Schonern, Zahnbürsten, Zahnpulver, Zahnseife, Seife, Seifendosen, Stearinkerzen, zusammenlegbare Handlaternen, Haarbürsten mit Futteral, Taschenspiegel, Streichhölzer mit MetaWMe. Keine Nähkasten ^enthaltend Zwirn,
Frettag, 4. SeptemVer 1944,
"Nr. 4k«
Knopfe, Band, Nadeln, Fingerhut), endlich Sicherheitsnadeln, ^zch bitte um schnelle und reichliche Gaben an die bekanntgegebenen Sammelstellen des Roten Kreuzes und der Ritterorden. Von diesen werden sie unverzüglich an die Abnahmestellen bei den stellvertretenden Generalkommandos, von dort aus den Truppen zugeführt werden. Berlin, 1. Sep. 1914. Der stellvertretende Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege. Herzog zu Trachenberg, Fürst v. Hatzfeldt
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Das Weißbuch der deutschen Regierung, das bekanntlich in englischer Sprache den abreisenden Amerikanern zur Verbreitung in ihrer Heimat mitgegeben wurde, ist nun auch in deutscher Sprache erschienen (Verlag Liebheit u. Thiesen, Berlin C.) und im Buchhandel erhältlich.
Neue Karten vom Kriegsschauplatz.
G. FreytagL Karte von Europa. 1 :7 600 000, und G. Frey tags Karte von Serbien, 1 :600 000. Während die Karte von Europa eine große Übersicht all der in Betracht kommenden Kriegsschauplätze in unserem Erdteil gibt bietet me neue Karte von ganz Serbien in dem großen Maßstabe 1 : 600 00(L pme sehr gute Darstellung des zwischen Serajevo, Eattaro. Salomchr, Sofia. Temesvar liegenden Gebietes
Die Buchhandlung G. Umbreit u. Co., Stuttgart gibt je eure billige Karte des westlichen und des östlichen Kriegsschauplatzes heraus.
Deutsches Reich,
* Die Winterbestellung. Der Präsident des Deut scheu Landwirtschastsrats Gras von Schtverjn-Lötvitz hat an die landwirtschaftlichen Körperschaften folgende Mahnung gerichtet: Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird es in dieser ernsten Zeit zu einem dringenden Gebot, mit allen Mitteln für eine normale Winterbestellung zu sorgen. Da von verschiedenen Seiten die Besorgnis ausgesprochen ist, daß viele Landwirte wegen der Kriegsgescchr die Winterbestellung entweder nicht oder nicht in dem bisherigen Umfange vorzunchmen gedenken, gestatten wir uns die dringende Bitte auszusprechen, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die Winterbestellung, Bodenbearbeitung, Düngung mit tierischem und künstlichem Dünger sowie Aussaat in demselben Umfange und mit derselben Sorgfalt vorge- nommen wird wie in Friedensjahren. Da das Winter- getrei-de in Deutschland fast 60 Proz. der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränkung unserer Winterbestellung gegenüber ihrem normalen Friadensstande geradezu eine Katastrophe nicht nur für die Landwirtschaft selbst, sondern für die gesamte Volksernährung herbeiführen können.
Heer tmö Sloffe.
Eine Zentralstelle für Armeelieferungen. Der Bundesrat hat, wie schon kurz gemeldet wurde, am Samstag, von anderen Angelegenheiten abgesehen, der Errichtung einer Zentralstelle für die Beschaffung der Heeresverpflegung zugestimmt. Durch diese Stelle wird, wie wir Mitteilen können, die Einrichtung der Armeelieferanten, denen noch im Kriege Von 1870 die Verpflegung des deutschen Heeres oblag, überflüssig gemacht. Armeelieferanten in dem damaligen Sinne gibt es diesmal nicht. Wer für das Heer etwas liefern will, kann dies durch Vermittelung der Z e n t r a l st e I l e tun, die aus den a n gesehensten Vertretern der deutschen Landwirtschaft und des deutschen Handels be- steht und darauf achtet, daß das Reich bei den Lieferungen für das. Heer nicht übervorteilt wird. Zu diesem Zwecke sind auch für alle zu liefernden Erzeugnisse Höchstpreise festgesetzt. Es mangelt nicht an Angebot, und die Verpflegung vollzieht sich ohne Schwierigkeit, so daß von Zwangsliesierungen abgesehen werden konnte.
N. p. C. Verleihung des Eisernen Kreuzes. Ne ersten Verleihungen des Eisernen Kreuzes an hervor- ragende Kämpfer auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplätze werden jetzt bekannt. Als einer der ersten erhielt diese Auszeichnung im Osten der Leutnant Erich v. MarteIs zu Daenkern für eine mit großer Tapferkeit und Unerschrockenheit Lurchgeführte Leistung.
N. p. C. Unser Ponr le merite und der Maria-Therc- sien-Orden. In der „Kreuz-Zeit-untz" macht eine „Deutsche Frau" den Vorschlag, den I’out le merite umzulausen in „H elden -Orde n". Derartig« Vorschläge sind ja gut ge- mrint, riber sie Äbertreiben vielfach. Hekden-Orden klingt sehr gesucht. Der Pour le merite führt diesen Namen seit ca. 200 Jahren und ist auf das engste verknüpft mit dem Andenken än ustseven großen König Friedrich IE. und seine glorreichen Kriege. Der Versuch, diesen Orden umzutaufen, ist schon üdnmcrl mißglückt unter Friedrich Wilhelm Hl., wo er bekanntlich den Namen „Verdienst-Orden" erhallten hatte. Will man ihn durchaus jetzt wieder umtauf,en, so kann es unseres Erachtens nur unter BezugNthme auf Friedrich den Großen geschehen, und er müßte dann einen Namen bekommen analog >dem Maria-Theresien-Orden, also etwa, Friedrich des G ro tz e n - O rde n. Die Abkürzung würde dann wie bei jenem das „Theresienkireuz" bei uns das „Friedrichskreuz" heißen. Der M-rrji-a-Dherchfen-Ovden steht bekanntlich in Österreich-Ungarn im Range unseres Po Ur lo merite. Mit feinem Verständnis für >dfe deutschen kriegerischen Leistungen und für das Einpfinden unserer Volksseele hat Kaiser Franz Joseph bekanntlich das Großkreuz dieses stolzen Kriegsordens unserem Kaiser verliehen- wie er seinerseits unseren höchsten Kriogsorden erhielt. '
ftus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
von der Feldpost.
Die Feldpost, 1870 zuerst eingeführt, ist in diesem Krieg genau so organisiert und hat auch nicht mehr Sammelstellen wie damals. Alle für die im Feld stehenden Personen einge- lieferten Sendungen gehen zunächst an Zentralstellen, eine der grüßten ist in F r a n k s u r t a. M., die nur Sendun-' gen von und zur Westarmee befördert, alle anderen aber
an eine Sammelstelle im Norden Preußens abgibt. Bei der Sammelstelle treffen nun Tausende und Abertausende von L-endungen zusammen, die von erfahrenen Beamten schnellstens erledigt werden. Das ist nicht so einfach wie bei gewöhnlichen Postsendungen, denn es sind riefe, rätselhafte Adressen herauszuknobeln. Viele Leute kürzen prinzipiell alles ab, manche lassen sogar den Namen des Adressaten weg, und die Post hat schwere Mühe, die Sendung richtig weiterzuschaffen. _ Die Postzentralstelle sendet die Feldpostsachen an das der beiresfenden Division zunächst gelegene Postamt, das sich mit dem Vorgehen der Armee täglich ändert. Von dort fährt die Feldpost die Sendungen zum Stab der einzelnen Divisionen. In den Postsäcken sind aber die Sendungen schon nach Brigaden usw. sortiert. Die Sendungen gelangen an die Regimenter und werden dort verteilt wie im Frieden. Nur geht die Sache nicht so glatt, weil große Entfernungen zurückzufegen sind, weil vielleicht gerade gekämpft wird usw. Die Sendungen vom Heer nach der Heimat machen den gleichen Weg. Sie werden einzeln gesammelt, treffen sich ber der Division, werden der nächstgelegenen Postanstalt übermittelt und gehen von dort an ri<; einzelnen Sammelstellen. Es 'st ein etwas umständlicher, aber praktisch bewährter Apparat, der da funktioniert, und es wird alles so schnell wie möglich erledigt. Die deutsche Feldpost hat sich 1870/71 bewährt, und sie wird es auch diesmal tun. , rr .
— Mehr Geschäftssinn. Zu dem Artikel, der kürzlich un» ter vorstehender Spitzmarke erschien, wird uns noch geschrieben: Eine Dame wollte gern in ihren Mußestunden Kriegerstrumpfe stricken und ging in das Schloß, um Wolle zu holen. Als sie erfuhr, daß ihr die Wolle dort kostenlos geliefert werde, erklärte sie, dieselbe bezahlen zu wollen. Man bedeutete ihr, auf das Rathaus zu gehen, da dort Wolle verkauft würde zum Besten des Roten Kreuzes. Da aber auf dem Rathaus gerade keine Wolle mehr zu haben war und die Dame nicht warten wollte bis zum nächsten Tage, dem neuen Eintreffen von Wolle auf dem Rathaus, so kaufte sie ihren Bedarf in einem Laden. Einer anderen Dame, die Wolle auf dem Rathaus kaufen wollte, wurde dort gesagt, daß von solcher Einrichtung nichts bekannt sei, und auch sie kaufte die Wolle in einem Geschäft. Wenn auch den hiesigen Läden ein Verdienst recht sehr zu gönnen ist, so ist es andererseits doch schade, daß man das „Rote Kreuz" in zwei uns bekannten Fällen um Geld brachte; dabei wird es wohl noch anderen Damen ebenso gegangen sein. Warum wird im Schloß nicht Bezahlung angenommen, wenn Damen die Wolle nicht unentgeltlich haben wollen? Es könnte ja einfach eine Sarnmelbüchse in dem Zimmer ausgestellt werden. Auf diese Weise käme immer noch ein Sümmchen zusammen, und den Damen würde das fruchtlose Umherlausen erspart, was dann besonders unangenehm ist, wenn ihnen niemand richtig Auskunft zu geben weiß.
— Eine große Sprachreinigung hat offenbar begonnen Täglich werden wir auf dieses oder jenes Fremdwort aufmerk, sam gemacht und aufgefordert, dafür zu sorgen, daß es verschwindet. Wir sollen auf Ladenbesitzer und Wirte zeigen, die noch irgend ein stanzösisches oder englisches Wort an ihren Schaufenster oder aus ihrem Schild haben, auf die nicht ganz sprachreinen Geschäftsanzeigen will man uns hetzen usw. Wir sind gewiß dafür, wenn möglichst für jedes Fremdwort ein gutes deutsches Wort gebraucht wird, und sind mich mit verschiedenen Einsendern der Meinung, daß gerade die «rgen- wart ganz besonders zur Bekämpfung einer Unsitte geeignet ' ist. durch die wir Deutschen uns leider von jeher vor anderen Völkern — nicht zu unserem Vorteil — ausgezeichnet haben. Aber wir meinen, daß es zunächst einmal Sache des „Deutschen Sprachvereins" wäre, die günstige Gelegenheit zu benutzen, die sich ihm bietet. Die Deutschen sind jetzt willfähriger als je, das stemdsprachliche Unkraut aus dem schönen Garten ihrer Sprache au^urotten. Wäre es da nicht angebracht, wenn der „Deutsche Sprachverein", der ja auch in Wiesbaden eine eifrige und zielbewutzte Vertretung hat, einmal die schlimmsten der in der Geschäftssprache immer wiederkehrenden französischen und englischen Eindringlinge zuscnn- menstellen und gleichzeitig eine gute deutsche Übersetzung geben würde? Wir würden die Zusammenstellung gern veröffentlichen, und andere Zeitungen wären sicher ebenfalls für die Veröffentlichung zu haben. Unsere Leser aber bitten wir, die Entdeckung fremdsprachlicher Bezeichnungen an Schau- enstern, auf Schildern, in Anzeigen, auf Speisekarten und önstwo der Ortsgruppe Wiesbaden des „Deutschen Sprachvereins" mitzufeilen. Das ist die Stelle, an die man sich in diesem Fall wenden muß. Wir können unmöglich aus jedes einzelne Fremdwort Jagd machen!
— Kinder und Automobile. Im Anschluß an einen Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten gibt die Regierung in Wiesbaden bekannt, daß nach Bekundungen von Automobilisten die Kinder wie in rüheren automobilfeindlichen Zeiten, gleichgültig, ob die Jüchsen der Wagen Offiziere oder Zivilpersonen sind, die Fahrer belästigen. Fast in jedem Dorf stellten sich die Kinder mitten in den Weg, sprängen im fetzten Augenblick zur Seite und berrrten so den Fahrer. Dieser könne natürlich nicht vorher wissen, nach welcher Seite die Kinder forteilen, ebensowenig wie er berechnen könne, ob die absichtlich über die Straße laufenden Kinder die andere Seite rechtzeitig erreichen oder !m Lauf stürzen würden. Der Fahrer sei daher genötigt, abzustoppen, wodurch Zeit verloren gehe, der Wagen in die Gefahr des Schleuderns gerate und unnötig Benzin, Gummi und Nervenkraft verschwendet werde. Geistliche und Lehrer werden aufgesordert, dem schändlichen und gefährlichen Treiben der Kinder entgegenzuwirken und Missetäter exemplarisch zu bestrafen.
— Ein Gebet gegen die Engländer finden wir arf einer aus der Münzensammlung des Herrn Architekten W. Gerhardt hier stammenden Gedenkmünze, die von den Buren während des südafrikanischen Kriegs geprägt worden ist. Die Vorderseite der Münze zeigt einen in liegender Stellung schießenden und einen fallenden Buren nebst der Randinschrist: „Wer als Held sein Blut für der Freiheit Gut seinem Volk gab, der schläft süß im Grab". Auf der Rückseite ■ steht das folgende Gebet:
„Herr, sieh die Rotz In Schmach und Tod!
Goldgierige Brut,
Lacht unserer Tränen,
Lechzt gleich Hyänen,
Nach unserem Blut.
Steh' du uns bei,
Herr, mach' uns steil"
Die wackeren ehrlichen Buren unterlagen, au den Deu» Men aber soll sich die „goldgierige Brut" die Zähne ausbeißen!
