Seite 4k Morgen-Ausgabe, 1'. Blatt.
Kn den Pranger mit Len Lügnern!
Von New Uork aus hat sich die Pariser Ausgabe des „New Jork He bald" unter dem 19. August folgendes melden lassen:
„Während der letzten Tage ist eine Reihe von Nachrichten über die innere Lage in Deutschland nach Amerika gelangt. Diese Nachrichten, die aus verschiedenen unabhängigen Quellen kommen, weichen in Einzelpunkten voneinander ab, stimmen aber in einem wesentlichen Punkte überein: darin nämlich daß der Pessimismus das ganze Land ergriffen hat und nur ein schneller und ent- scheidenderi Sieg des deutschen Heeres über die verbündeten Heere den Schrecken besänftigen kann, der sich des deutschen Volkes bemächtigt hat. Die verschiedenen Nachrichten, die glücklich über die deutsche Grenze gekommen sind, machen es glaubhaft, daß eine Schlappe des kaiserlichen Heeres im Lauf der nächsten Wochen das Vorspiel einer fürchterlichen sozialen, moralischen und intellektuellen Erschütterung in Deutschland sein würde, und dieses Erwachen Ereignisse Hervorrufen könnte, die weltgeschichtlich sein werden."
Kann man die unverschämte, den Tatbestand auf den Kopf stellende Lügenmache über Deutschland noch weiter treiben — so bemerkt mit gerechter Entrüstung die „Kölnische Zeitung" ■—■ als es hier durch den „New Dork Herald" unter dem betrügerischen Schein aus Deutschland selbst geholter Auskünfte geschieht? Ja! Man bringt dies in Frankreich fertig, indem man mit der zynischsten Lüge noch die gemeinste Infamie in der Verleumdung des Gegners verbindet. Der „Figaro" veröffentlicht aus der Feder seines Mitarbeiters Peladan einen Artikel, der der von diesem Mitarbeiter übernommenen Aufgabe, die Deutschen dem französischen Volk als die Hunnen des 20. Jahrhunderts hinzustellen, durch die Behauptung nachkommt, die deutschen Soldaten machten ihren eigenen Verwundeten den Garaus, und dafür angebliche Beweise bringen will. Darüber schreibt der Genannte:
„Die Deutschen geben ihren eigenen Verwundeten den Rest. Das ist kein Druckfehler, sondern Sie haben ganz richtig gelesen. Auf die erste Behauptung hin weigerte ich mich, daran zu glauben. Auf die dritte mutz man aber diese Ungeheuerlichkeit enthüllen und die Beweise dafür sammeln. Sie werden dazu dienen, die unversöhnliche Gerechtigkeit der Zivilisation zu rechtfertigen. Erste Tatsache: eine Streifwache wird vom Feuer der Belgier überrascht; einem Deutschen wird das Bein zerschossen. Er klammert sich verzweifelt an einen Kameraden, der fliehen will, und dieser streckt den Verwundeten mit einem schweren Hiebe nieder. Zweite Tatsache: zwei Ulanen sind zersprengt und werden überrascht. Der eine hat sein Pferd verloren, der andere sitzt aber noch auf dem seinigen, indes mit verwundeter rechter Hand. Der erste Ulan wirft seinen Kameraden mit einem Lanzenstich auf dem Steigbügel, schwingt sich in den Sattel und jagt davon. Dritte Tatsache: eine kleine bayrische Truppenabteilung zieht sich zurück. Ein am Fuh verwundeter Soldat fällt nieder. Der Offizier schietzt ihn mit dem Revolver tot, damit er nichts erzählen kann. Die beiden ersten Fälle sind von harmlosen französischen Verwundeten berichtet worden, die nur nrätzige Bildung besitzen und sichtlich außerstande sind, solches zu erfinden. Der dritte Fall ist von einem deutschen Gefangenen, der Augenzeuge war, enthüllt worden. Dieser fügte hinzu, daß manche Soldaten, wenn sie 48 .Stunden nichts zu essen gehabt hätten, imstande wären, einein verwundeten Landsmann den Rest zu geben, um ihm seinen Mundvorrat abzunehmen!
Daran knüpft der Mitarbeiter des „Figaro" _ noch eine lange Erläuterung der barbarischen Greueltaten, die bei den deutschen Söldnern im 30jährigen Kriege an der Tagesordnung gewesen seien, um daun zu der Belehrung zu gelangen, datz die deutschen Soldaten von heute noch genau so wären. Wir haben — so bemerkt die genannte „Kölnische Zeitung" — das Zeugnis eines russischen Verwundeten angeführt, den deutsche Soldaten vor dem Verbluten retteten, indem sie ihm noch auf dem Schlachtfelde den ersten Verband anlegten. Aber soll man solchen infamen Verleumdungen, wte hier der „Figaro" sie »vollbringen sich nicht scheut, überhaupt Widerlegungen gegenüberstellen? Das würde für sie zu viel Ehre. Viel wichtiger ist die Frage: Woher kommen diese Verleumdungen und was bezwecken sie? Darauf ist die Antwort: Sie entspringen der freien Erfindung zu dem bewutzten Zwecke, dem französischen Volke den Glauben an diese Hunnentaten der deutschen Soldaten betzubringen, damit es sein infolge der französischen Niederlagen schon erwachendes Bevmtztsein von dem Unglück, in das verbrecherische Politiker die Nation gestürzt haben, vergesse und zurückstelle hinter dem Schrecken, gegen solche Hunnen den letzten Rest ihrer Verteidigungskraft aufraffen zu müssen. Dieser Politiker und ihre Pretzsöldlinge konnten sich an der jahrelangen Verhetzung des Volkes gegen Deutschland auf den Krieg mit ihm nicht genug tun, und es ist daher jetzt auch der eigene blasse Schrecken, datz dem Volke über das hereirrbrechende Unglück die Augen aufgehen und es sie zur fürchterlichen Verantwortung ziehen wende, welcher ihnen diese neuen Lügen und infamen Verleumdungen eingibt, um das Volk Wester zu täuschen und es von dieser Frage der Verantwortung abzulenken. Das Mittel ist seiner Urheber und seines Zweckes würdig.
Russische Lügenberichte.
Die russischen Zeitungen haben fabelhafte Nachrichten über angebliche russische, französische und englische Siege verbreitet. Lemberg und Krakau sollten schon erobert sein, die russischen Truppen marschieren nach Wien. In Prag ist eine gefährliche Revolution ausgebrochen. Dasselbe soll auch in Posen geschehen. Rußland sollte schon Ostpreußen bis Danzig besetzen. Danzig selbst ist von einer russischen Flotte mit Erfolg Lombardiert. Kaiser Wilhelm hat einen besonderen Boten nach Zarskoje-Sselo geschickt mit der Bitte um Waffenstillstand. Die Deutschen sollen aber abwarten, bis der russische Zar persönlich nach Berlin kommt und die Friedensbedingungen dort diktiert. England sollte schon die deutsche Flotte längst vernichtet haben und sämtliche deutsche Kriegs- und Handelshäfen an der Nordsee sind schon von Engländern besetzt. Die Franzosen haben schon Elsaß-Lothringen bis an den Rhein besetzt. Italien hat Österreich-Ungarn den Krieg erklärt, Rumänien hat ein scharfes Ultimatum an Österreich gestellt, in dem die Wiedergabe der Bukowina und Siebenbürgen an Rumänien verlangt wird. Bulgarien mobilisiert natürlich auf Befehl Rußlands, um Serbien gegen Österreich- Ungarn zu unterstützen. Solche Lügen gefallen aber sogar den Russen nicht mehr. Die Zeitung „Odessaer Tageblatt" schreibt u. a.: „Unser Nationalsprichwort sagt: Lüge, aber wisse die Grenze dabei zu behalten! Die Fabelnachrichten, die jetzt ein Teil der russischen Presse verbreitet, werden bald der schrecklichen Wahrheit Platz räumen müssen. Wer nur die unerhörte Tapferkeit, Strammheit und Ausbildung der deutschen und der österreichischen Truppen kennt, wird solche Nachrichten mit großer Reserve aufnehmen. Wir haben 1904 auch
_Wiesbadener Tagblatt.
von Siegen gegen Japan gehört. Damals sollten auch russische Truppen bereits in Tokio gelandet fern; aber wie sich später zeigte, waren das nur russische Gefangene. Vielleicht haben diese Blätter auch jetzt die Tatsachen verdreht."
Russische Sorgen.
Kopenhagen, 1. Sept. Wie dem „Berl. Lok.-Anz." aus Kopenhagen gemeldet wird, hat der Telegraph aus Petersburg gemeldet, daß der Rückzug der englischen und französischen Truppen in den russischen Regierungskreisen große Sorge hervorgerufen habe. Die Mißstimmung des Volkes gegen die Verbündeten wächst beständig.
Minensperre schwedischer Häfen.
Stockholm, 1. Sept. Laut amtlicher schwedischer Bekanntmachung ist in den Häsen Schwedens die Minensperre eingeführt. Kauffahrteischiffe erhalten den Fahrweg angewiesen.
Französische Ieitungslese.
Unser französischer Mitarbeiter sendet uns weiter die folgenden Stichproben aus der Pariser Presse:
Der „Matin" veröffentlicht em 27. August das folgende sensationelle Spezialtelegramm aus St. Petersburg: „Die
Russen haben Königsberg ein ge sch lassen !und setzen ihren Vormarsch fort." Diese jedenfalls auf sehr drahtlosem Wege von der Newa an die Seine .gekommene Lügendepesche hat einen Freudentaumel hervorge- rusen, der über die halbwegs eingestandenen eigenen Niederlagen an der Ostgrenze hinwegsetzen Hilst urtd selbst der neuen Regierung erlaubt, in ihrem Ausruf an das Land die baldige Eroberung Berlins zu versprechen.
Das „-Echo de Paris" erweitert die Nachricht durch die Meldung, die russische Ossensive dehne sich über 175 Kilometer Front aus, 13 Armeekorps stünden schon im Feuer und in 14 Tagen würden 6 Millionen russischer Soldaten in Feindesland eingedrungen sein.
Der „Petit Parisien" will gar aus Berlin über Umwegen erfahren haben, daß dort die am Abend des 26. August vsröfsentlichten Meldungen über die ernsten Niederlagen der deutschen Truppen in Ostpreußen große Aufregung hervovgevusen haben. Die Zeitungen mußten gestehen, daß die erlittenen Schlappen beunruhigend seien. Der „B o r - w ä r t s" rede von einer gefährlichen Lage und spreche die Hoffnung aus, daß der Bormarsch der Rüsten bald aufgehalten werden könne.
Die sozialistische „Humanits" behauptet, deutsches Militär habe das Haus des „Vorwärts" verwüstet und alle Maschinen zerstört, weil er in einem Artikel vorsichtig, aber bestimmt gesagt hübe, der Kaiser werde die Verantwortung für die jetzigen und künftigen Ereignisse zu tragen haben. Das Blatt veröffentlicht auch ein M a n i f e st der Partei, die erklärt, daß sie nicht ansteht, den Genossen G u e s d e und S e m b a t die Mitwirkung an dem bürgerlichen Ministerium zu erlauben und die auffordert, die ganze Nation möge den Boden und die Freiheit Frankreichs verteidigen.
DeNtsches Reich.
NPC. Stellvertretungen. Der int Groben Hauptquartier weilende NeiKskanzler wird durch den Vize-Präsidenten des Slavtsministerrums. Staatsminister und. Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück, vertreten. Staotsmimster und Staatssekretär b. Jagow wird durch den Unierstaatssekretär Zimmermann vertreten; der Geheime Kamnettsrat Wirklicher Geheimer Rat b. Balentini durch den Geheimen Oberreqierunqsrat v. S t r e m v e l.
* Druckfehlcrberichtigung. In dem in der Dienstag- Morgen-Ausgabe veröffentlichten Aussatz von Landgerichtsdirektor Dr. v. Campe heitzt es: Bange Wochen liegen hinter uns. Jeder Tag gebar eine neue Niederlage, die züngelnd ihr Haupt -gen Deutschland erhob. Feind auf Feind erstand. Natürlich stand in dem Manuskript: „Jeder Tag gebar eine neue Niedertracht usw.".
Ku§ Stabt und Land.
Wiesbadens? Nachri^len.
Die Grtskrankenkasse mutz sparen.
Der Krieg und seine Begleiterscheinungen stellen die Ortskrankenkaffen vor eine ganz außerordentliche Belastungsprobe. Wohl hat das Gesetz vom 4. August 1914, betreffend die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Krankenkassen, regulierend eingegrifsen, die Beiträge in einer bestimmten Höhe festgesetzt, die Leistung bis zu einer bestimmten Grenze eingeschränkt. Aber gewaltig sind immer noch die Anforderungen, die an die Kasse gestellt werden, und erheblich eingeschränkt sind demgegenüber die Einnahmen der Krankenkassen. Die besten Beitragszahler der Kaste, also die Leute, auf deren Beitragsleistungen die Leistungsfähigkeit der Kasse beruht, stehen im Feld und können keine Beiträge zahlen. Die Kasse versucht aber trotzdem ihre Leistungen, so weit wie möglich, aus- zudehuen. Sie hat die Familienversicherung aufrecht erhalten, was mit nicht geringen Opfern verknüpft ist, und wird auch durch die zahlreichen Angehörigen des Kriegsheers, die sie zur Aufrechterhaltung ihrer Mitgliedschaft veranlaßt hat, und von denen viele verwundet aus dem Feld heimkehren, recht erheblich in Anspruch genommen, well natürlich diesen Mitgliedern alle Rechte der übrigen Mitglieder zustehen. Die Kaffe muß also mit wesentlich geringeren Einnahmen ihren Betrieb aufrecht erhalten. Dazu können die Mitglieder selbst viel beitragen, indem sie ihr Verhalten darnach einrichten.
Die Herren Ärzte haben sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, die Angehörigen der ins Feld gezogenen Mitglieder unentgeltlich zu behandeln. Die Ärzte sind aber gegenwärtig so in Anspruch genommen, daß es sich jedes Mitglied zur Pflicht machen sollte, nur in wirklich notwendigen Fällen ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Kasse bittet auch ihre Mitglieder, die Ärzte nicht mit Wünschen zu bedrängen, deren Erfüllung im Einzelsall unwesentlich erscheint, aber in der Masse die Finanzen der Kasse außerordentlich ungünstig beeinflussen. Insbesondere können die Mitglieder die Kaffe leistungsfähig erhalten, wenn sie keinen Wert legen auf unnötige Verordnungen, indem sie selbst den Arzt ersuchen, nur das zu verschreiben, was unbedingt notwendig erscheint. Ungeheure Summen müssen die Kaffen jährlich unnötig an die Apotheken zahlen für Arzneien, die ihren Zweck verfehlen. Das können die Mitglieder selbst beurteilen, wenn sie sich die Anzahl der Flaschen, Tuben, Büchsen und Schachteln mit Arzneien, Mixturen, Salben und Pulvern bei Tausenden von Mitgliedern zusammen-
DonnerStag, 3. September 1914«_Nr. 404).
denken, die jahraus, jahrein kaum oder nur zum geringsten Teil benutzt, in allen Winkeln herumstehen, oder in den Müllkasten wandern. Eingebildete Kranke sind in diesen schweren Tagen für eine Krankenkasse, die wirklich Not lindern soll, eine doppelteLast. Den Arzt zur Stellung von Anträgen auf Kuren, Landaufenthalt usw. zu veranlaffen, ist zunächst zwecklos, da die Kasse solchen Wünschen vorläufig nicht Rechnung tragen kann. In wirklichen Fällen der Not will die Kasse ihre Hilfe nicht versagen, sondern um so tatkräftiger und wirksamer eingreifen.
Die Allgemeine Ortskrankenkasse, die uns diese mahnenden Ausführungen zur Verfügung stellt, hofft, daß ihre Mitglieder diese Maßnahmen als wirklich notwendig anerkennen und daß sie ihre Bestrebungen durch Weitergabe dieser Bekanntmachung und gegebenenfalls durch persönliche Aufklärung tatkräftig unterstützen werden. An der Größe deS tatsächlich vorhandenen Elends läßt sich die Geringfügigkeit eigenen Leids und Ungemachs leicht erkennen und ab- meffen. _
fln die zu Hause!
Einer für alle! so lautet die Parole, mit der unsere tapferen Krieger in Ost und West ihr Leben einsetzen für die Erhaltung des Ganzen, des Vaterlands.
Diese Parole muß ein mächtiges Echo finden auch in unserem wirtschaftlichen Verkehr, der nur dann in der heutigen schweren Zeit auftecht erhalten werden kann. Niemand vergesse, daß in dem kunstvollen Uhrwerk des wirtschaftlichen Getriebes ein Rad das andere treibt, keines fehlen und keines versagen darf. Zahlt die Privatkundschaft ihre Schulden an die Kleinkaufleute und Handwerker nicht pünktlich und bar, dann können diese die Zwischenhändler und letztere die Fabrikanten nicht bezahlen. Gehen Fabrikanten, Grotz- kaufleute, Banken und Syndikate rigoros gegen ihre Kundschaft, insbesondere den Zwischenhandel, vor, oder entziehen sie ihr generell die ihr zugesagten Kredite, so kann der Zwischenhandel den Kleinkaufleuten und Handwerkern keine Aufträge überweisen und diese können der Privatkundschaft nicht liefern. Werden Angestellte über das absolut notwendige Matz hinaus entlassen und Betriebe aus
Kleinmut und Mangel an Vertrauen auf die Zu
kunft eingestellt, so bedeutet dies eine Lähmung des Gesamtorganismus, der doch unter allen Umständen gesund und leistungsfähig erhalten werden muß. In dieser ernsten Zeit gibt es nur ein richtiges Verhalten: Jeder denke auch an des anderen Not, nicht lediglich an sich selbst. Jeder handle so, als ob der Bestand der Gesamtwirtschaft allein von seinem richtigen Verhalten abhänge, und jeder, ob Gläubiger oder Schuldner, sage sich, daß nur bei gegenseitiger Rücksichtnahme aller Beteiligten der Kreislauf des Wirtschaftsorgcmismus erhalten werden kann. Geschieht dies, so darf jeder einzelne sich sagen, daß er treu und selbstlos mitgearbeitet hat am Sieg des Vaterlands! Rieß er.
— Eisenbahnverkehr. Die Handelskammer Wiesbaden teilt mit: Die Beschränkung, wonach die Benutzung der Schnellzüge bis zu 50 Kilometer Entfernung aus der Strecke Wiesbaden-Frankfurt a. M. ausgeschlossen war, ist wieder aufgehoben. — Wie die Handelskammer, so hatte sich auch der Wiesbadener Magistrat um die Aufhebung der Beschränkung bemüht. Der Magistrat ist übrigens auch in einer Eingabe bei den Eisenbahndirekticmen Mainz, Frankfurt und Köln um baldige Verdichtung des Verkehrs mit Wiesbaden vorstellig geworden.
— Die Beerdigung eines Kriegers. Der erste unserer Verwundeten, der am Montag verstorbene Kanonier Fritz K u b i tz a vom 63. Artillerie-Regiment, ist gestern nachmittag auf dem Südfriedhos zur letzten Ruhe gebettet worden. In dem Trauerzug bemerkten wir unmittelbar hinter dem Sarg den Garnisonältesten sowie einen Vertreter des „Roten Kreuzes", sodann zwölf hier untergebrachte Verwundete, und ferner eine Wordnung des Ersatzbataillons unserer 80er. In der Trauerhalle hielt Pfarrer Schüßler von der Marktkirchengemeinde die ergreifende Gedächtnisrede, welcher er das Bibelwort Johannis 15, Vers 13, zugrunde legte: „Niemand hat eine größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde." Am offenen Grab legten der Garnison- älteste, Oberstleutnant Hell, den Kranz für die Garnison und zwei Verwundete Kränze nieder, welche die im „Hotel Metropol" untergebrachten, dem Toten besonders nahestehenden Kameraden gestiftet hatten. Die Aktiven gaben die drei Ehrensalven ab.
— Die Siegcsglockcn. In einem „Eingesandt" in der gestrigen Morgen-Ausgabe wurde darüber Beschwerde geführt, daß bei dem Siegln Ostpreußen die Glocken nicht geläutet hätten, obwohl er keineswegs hinter den großen Siegen im Westen zurückgestanden habe. Von evangelisch- kirchlicher Seite tmrd uns dazu folgendes mitgeteilt: Bei einem der Siege haben die Pfarrer selbständig das Läuten der Glocken angeordnet; die Folge war, daß das Läuten aur nächsten Tag, als die Verfügung des Gouverneurs der Festung Mainz kam, wiederholt werden mußte, wodurch im Publikum der Irrtum hervorgerufeu wurde, als habe man einen neuen Sieg zu verzeichnen. Das Siegesgeläute ist so geregelt, datz der Befehl dazu von Mainz ausgeht; er gelangt zunächst an den Herrn Polizeipräsidenten, der ihn" dann an die zuständigen kirchlichen Stellen weitergibt. Bei dem Sieg in Ostpreußen war von Mainz aus ein Befehl nicht ergangen; nur aus diesem Grunde unterblieb das Glockengeläute. — Es darf bei dieser Gelegenheit vielleicht die Bitte an die Bevölkerung gerichtet werden, die Häuser nicht dauernd zu beflaggen, da sonst ein neuer großer Sieg in der Beflaggung nicht mehr erkennbar wird. Es ist vielleicht überhaupt angebracht, die Fahnen nur herauszuhängen, wenn entscheidende Siege errungen werden. Dadurch würde ihnen gewiß auch äußerlich die ihnen zukommende Bedeutung in dem siegreichen Vorgehen unserer Armee gegeben.
— Die Bismarckturmspcnde für die Kriegsbeihilfe. Im Anschluß an den in Nummer 397 des „WieLbad. Tagblatts" veröffentlichten Aufruf: „An die Spender für den Bismarckturm auf der Bierstadter Höhe" machen wir darauf aufmerksam, daß jetzt in den meisten Geschäften der Stadt und auch in der Schalterhalle des „Tagblatthauses" Listen aufgelegt worden sind, in denen jeder Spender seine Zustimmung zu dem Vorschlag, den Fonds für die Nationalstiftung, das Note Kreuz und für Arbeitslosenfiirsorge zur Verfügung zu stelleir, durch Eintragung des Namens bekunden kann.
— An die Spender von Liebesgaben wendet sich „ein alter Feldwebel": „Gelegentlich eines Besuchs der Verwundeten in dem Paulinenstift und in dem Militärlazarett am Exerzierplatz habe ich feststellen können, daß die Ver-
