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Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.
iesLaderrer TagblaLt.
Donnerstag, 3. September 1S1L.
Nr. 400 .
die nötigen Unterlagen zu beschaffen für die Entschädigungsansprüche der Lurch die barbarische -Kriegsführung der Russen >betroffenen Ostprsußen.
Ein Schlachtcnbericht des russischen Generalissimus.
W. T.-B. Petersburg, 2. Sept. (Petersburger Telegraphenagentur.) sNichtamtlichj Eine Mtteilung aus dem Stabe des Generalissimus besagt: Im Südosten Preußens führten die Deutschen erhebliche Verstärkungen von der ganzen Front herbei und griffen mit erheblich überlegenen Kräften unsere beiden Armeekorps an; diese erlitten schwere Verluste durch schwere Artillerie, welche die Deutschen aus den benachbarten, an der Weichsel belegenen Festungen -herangebracht hatten. In diesem Kampfe fiel der General S a m s o n o w. Wir sind weiter in Fühlung mit dem Feinde und haben neue V e r - stärkungen herangerückt. Auf der Ostfront wird der hartnäckige Kampf fortgesetzt.
Für Ostpreußen.
W. T.-B. Breslau, 2. Sept. Das „Schles. Volksblatt" meldet: Als Beitrag zum Hilfswerk für Ostpreußen hat der Magistrat 60 000 M. bewilligt.
Eine Stiftung der Kaiserin für die notleidenden Ostpreußen.
W. T.-B. Berlin, 2. Sept. (Nichtamtlich.) Die Kaiserin hat der Provinz Ostpreußen zur Linderung der Not, die durch den Einfall der Russen unter der Bevölkerung entstanden ist, 10 000 M. überwiesen.
Von der Kaiserin.
— Berlin, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die Kaiserin begab sich heute nachmittag in Begleitung der Herzogin Viktoria Luise und des ältesten Sohnes der Kronprinzessin im Auto nach Fredersdorf, um einen ihrer Söhne bei der Durchfahrt eines Truppentransports zu begrüßen.
Die Engländer beschießen ihre eigenen Handelsdampfcr.
Aus Kiel wird der „Köln. Ztg." berichtet: „Anscheinend werden die Engländer nervös; sie schießen schon auf ihre eigenen Handelsdampfer. Rach der „Handels- und Seefahrtszeitung für Norwegen" fuhr der kleine englische Dampfer „Stratford", von Alloo mit einer Ladung Bier kommend, abends 91 / 2 . Uhr in den ostenglischen Hafen Sunderland. Der Kapitän erhielt von der Militärwache den Befehl zum Stoppen. Bevor das Schiff den Befehl ausführen konnte, wurde es scharf beschossen. Der Kapitän und der Rudersmann erlitten Verwundungen; jenem drangen Kugeln in beide Beine über den Knöcheln, und diesem eine in den rechten Arm. Auch das Schiff zeigte Spuren der Beschießung. Der Kapitän konnte nicht begreifen, weshalb das Schiff beschossen worden sei."
Deutsche Kriegsgefangene in England.
$ Berlin, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Wie die „Deutsche Tagesztg." englischen Zeitungen entnimmt, sei die erste Abteilung deutscher Kriegsgefangener nach Frith Hill verbracht worden. Sie seien dort in einem Schuppen von Wellblech untergebracht. -Der Schuppen sei von einem Stacheldrahtzaun umgeben, durch welchen ein hochgespannter elektrischer Strom gehe.
Hartnäckiges Leugnen der Engländer.
Am Sonntag wurde einem holländischen Blatte zufolge amtlich aus London gemeldet: ,,Die deutschen Berichte
über die Kämpfe an der belgisch-französischen Grenze sind vollkommen falsch. Das englische Heer ist nicht geschlagen und nicht auf -dem Rückzüge. Es hat mit Erfolg Widerstand geleistet und dem viel -stärkeren -Feinde -große Verluste beig-e- bracht. Die Lage ist fetzt so: die englischen Truppen besetzen eine starke Linie, in der sie, unterstützt zu beidei Seiten durch französische Heere den deutschen Aufmarsch abwarten."
Ein phantastischer Bericht über deutsche Gefangene in Paris.
A Rom, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der „Stampa" wird gemeldet, in Achtzres bei Paris sei gestern eine Anzahl deutscher Gefangener angekommen, darunter ein Leutnant Graf Schwerin, angeblich ein Neffe des Kaisers. (Es stehen mehrere Grafen Schwerin als Leutnants in der deutschen Armee, darunter einer beim 1. Garde-Dragoner-Regi- ment in Berlin, doch ist keiner von ihnen mit dem Kaiser überhaupt verwandt. Schriftl.) Der Graf sei von einem französischen Jägeroffizier gefangen genommen worden. Der Graf fuhr in einem Abteils 2. Klasse und sei, da er fern Ehrenwort verweigerte, an Händen und Füßen mit K e t t e n g e f e s s e l t und werde von zwei Gendarmen überwacht. Der leichtverwundete Graf sei barhaupt, denn der ihm
dom Kaiser geschenkte Silberhelm und sein Säbel seien die Kriegsbeute eines Jägeroffiziers geworden, der ihn gefangen nahm.
Der heilige Krieg der russischen „Zivilisation".
Berlin, 1. Sept. Wie weit die Verlogenheit der Pariser Zeitungen geht, beweist, wie die „Nationalzcitung" aus Christiania meldet, eine Äußerung des Pariser „Matin", der den russischen Vorstoß in Ostpreußen den heiligen Krieg der Zivilisation- gegen die Barbarei (!!) zu nennen wagt.
Die Verlogenheit der Belgier.
X X Berlin, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Dem „B. T." wird aus London gemeldet, daß dort eine Kommission belgischer Mitglieder eingetroffen sei, um „gegen deutsche Greuel" zu protestieren. Die Kommission soll beabsichtigen, auch andere Hauptstädte Europas und Amerikas zu besuchen.
Die englischen Gewaltakte.
-f- Leipzig, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der bekannte Arabist und Jslamforscher an der Leipziger Universität, Geh. Hoftat Dr. August F i s ch e r, ist auf der Rückkehr von einer Forschungsreise in Marokko von den Engländern in Plymouth für kriegsgefangen erklärt worden, obgleich er bereits im 60. Lebensjahr steht.
Landung indischer Truppen in Port Said.
Ä Rom, 2. Sept. (Eig. Dr-ccht-ber.) Der „Mesia- acro" meldet die Ankunft von Transportschiffen mit 25000 Mann indischer Truppen ttt Port Said.
Die Genugtuung in Österreich über die deutschen Wasfcntatcn W. T.-B. Wien, 2i Sept. (Nichtamtlich.) In begeisterten Worten weisen 'die Blättar erneut auf .die unvergleichlichen Wasfentat-n der deutschen Armee und den staunenswerten Sieg des Generalobersten von Hindenburg hin, des Befreiers von Ostpreußen, welcher den Russen an der deutschen Qstgrenze ein zweites Sedan -bereitete. Dieser Sieg sei die glänzendste -Vorfeier des Sedantages, die in festlicher Weise zu begehen Deutschland gerade heute wahrhaftigen Anlaß habe. In den Blättern wird die Hoffnung und die Qu‘t>e ( nfirt)t auAgedrücki, >dah die -ersten Septembermige jetzt auch für Österreich-Ungarn an der galirnchen Grenze gleiche Erfolge bringen, damit sie in Zukunft ebenso historische Festtage werden mögen wie diejenigen der deutschen Armee von 1870 und 1914.
Ein österreichisches Urteil über die englische Brutalität gegen den „Kaiser Wilhelm den Großen".
W T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Das „Neue Wiener Tageblatt" führt aus, die in Deutschland herrschende Entrüstung über das Vorgehen des englischen Kreuzers Hiahflyer" gegen den Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große" müsse von allen ehrlich Denkenden geteilt werden. Die Brutalität, die vor dem Heiligtum des Völkerrechts nicht Halt mache, drücke den Tätern ein unauslöschliches Brandmal auf.
Der höchste bayerische Militärorde« für den bayerischen Kronprinzen. ., v _
Wi- T.-B. München, 31. Aug. (Nichtamtlichst Die „Kor- reivondenz Hoffmann" meldet: Der Komg hat dem Krön-
Prinzen Rupprecht das Großkreuz des Militär. Ma r - Jo sieph -Ordens verliehen. Die -Okdensinstg- nien wurden dem Kronprinzen i'm Aufträge des Königs durch den Kriegs minister m,t emem Allerhöchsten Handschreiben überreicht. Das Handschreiben 'st vom 26 August datiert und lautet: Lieber «öhn! Vom Kaper
mit der Führung der Armee betraut, haben Euere Königliche Hoheit die bayerischen Truppen mit den Truppen anderer deutscher Stämme zu dem ersten großen Siege m dem gewaltigen Kampfe geführt, den Deutschlands Heere aeaen übermütige Feinde auszufechten gezwungen fmd. Ganz Bayern, ja ganz Deutschland, teilt nnt Dm die Freude über «diesen '©rfota den .deutschen Waffen, .ubeT bte glänzenden Leistungen der deutschen Truppen nüd über den bayerischen Kronprinzen, meinen Sohn, der dieft
Truppen mit hervorragender Um,icht m -dre
Schlacht geführt hat. In dankbarer Würdigung der hohen Verdienste, die Euere Königliche Hoheit sich erworben haben, verleihe ich demselben das Großkrenz -des Militar-Max- Josoph-OrdonS, und zwar dasselbe Großkreuz, daS Ew. König!. Hoheit höchstscligen Herrn Urgroßvater König Ludwig I. als Kronprinzen für seine Verdienste indem Treffen bei Poplowy am 6. Mai 1807 von König
Max Joseph I. verliehen wurde. Möge Mitt auch fernechist mit Ew. Königlichen Hoheit und mit dem tapferen -deutsches Heere sein. Euerer Königlichen Hoheit von Herzen anhänglicher Vater Ludwig.
Ein Telegramm des Königs von Sachsen «tt die Wacht im der Weichsel.
llä. Dresden, 2. Sept. König Friedrich August hat dem Generaloberst v. Hindenburg folgendes Glückwunschtelegramm -gesandt: In Erinnerung _ an meinen
letzten Besuch Ostpreußens habe ich -an dem glänzenden Sieg bei Ortelsburg besonders freudigen Anteil genomnwn. Möge die schwergeprüfte Provinz wissen, daß Sachsen die tapfere Wacht an der Weichsel und ihre für die Sicherheit des Vaterlandes gebrachten Opfer dankbar zu würdigen weiß.
Elsäsfische Landesverräter.
W. T.-B. Colmar, 1. Sept. (Bekanntmachung.) Der Maler Jean Jacques Waltz. genannt Haust, der Rechtsanwalt Albert Helmer und der Zahnarzt Karl Huck, alle drei aus Colmar, welche sich bei den französischen Truppen befinden, werden für Landesverräter erklärt. Wer ihnen Aufenthalt gewährt oder ihren Aufenthalt verheimlicht, wird nach Kriegsgebranch erschossen^ Der Ortskommandant v. Mellenthin, Oberstleut-
mnt w! T.'-B. Straßburg, 2. Sept. Aus Kalmar schildert ein Brrtchterstatter der „Straßb. Post" das rigorose Vorgehen der Franzosen in bewegten Worten: Zu den zahlreichen Verhaftungen von Beamten und Alldeutschen wird festgestellt, daß die französischen Truppen mit fertigen Ver- haftnngsltsten in die Dörfer kamien, wobei der bekannte Kol-marer Maler Jacques Walz, genannt Haust, die tranrtg- Rolle eines Angebers und Verräters spielte. Die Leute in den Dörfern, die Hansi täglich in der Uniform eines französr sche!n Infanteristen gesehen haben, erzählen mit Abscheu von dem gemeingefährlichen Treiben dieses Vaterlandsverräters. Die Franzosen waren in dem festen Glauben, daß sie.das Elsaß nicht mehr würden verlassen müssen. Sie hißten unter theatralpchen Ansprachen auf dem Turm zu Türkheim die französische Fahne, stellten die Uhr nach französischer Zeit, regelten die Verkaufspreise, verboten der Bevölkerung jedes Verlassen. des Dorfes, das Lichtentzünden usw. und waren über- Haupt sehr mißtrauisch, so daß die ersten Pickelhauden als eine wahre Erlösung begrüßt wurden. Außer dem nichtswürdigen „Hansi" fand sich auch sein Verteidiger RechtS- anwalt Helmer bei den Franzosen im Munstertal ern, des- gleichen auch eine unbekannte Große, der Zahnarzt Hu ck. Der Ortskommandant erklärte, wie schon beruhtet, alle drei für Landesverräter. Er warnt die Bevölkerung davor, ihnen Aufenthalt zu gewähren oder ihren Aufent- halt zu ve r h e i m l i ch e n. Hansis Nucksack, Uniform und Munition wurden im Münstertal gefunden. Der „Heid" ist anscheinend in Z iv i l g e f ln ch t e t. — Von seinen Aden Gesinnungsgenoss en Wetterle und Blumenthal schreibt der erstere als ehemaliger Reichstagsabgeovdneter smne (Th- tigen Artikel gegen Deutschland und Elsaß rm „Ech 0 d 2 Paris", letzterer im „Matin", natürlich gegen gute Bezahlung, wie dies aus Offerten der Zeitung hervorgeht, die in Hansis Rucksack gefunden wurden. Blumenthat schädigte sogar vor seinem Abschied die Staatskasse, indem er am 31. Juli noch sein Gehalt in Höhe von 1000 M. sich auszahlen ließ, obwohl er damals bereits wußte, daß Her- Diefenbach bereits als Bürgermeister bestätigt hxto. _ Wir gönnen den Franzosen von Herzen solche Leute und freuen uns, daß wir diese politischen Brunnenvergifter endlich los sind, bemerkt hierzu die „Straßb. Zost".
Ein Landesverräter erschossen.
W T-B Colmar, 1. Sept. (Bekanntmachung.) Durch kriegsgerichtliches Urteil vom 28. August 1914 ist ter Stetn- hauer Alexander Keufling aus Logelbach wegen Landesverrats zum Tode verurteilt worden. Urten n
am 29. August durch Erschießen vollstreckt worden Der Verurteilte batte einem französischen Posten die Pfadfinder als Personen verraten, welche der Laiwesverteidt- gung Dienste leisteten. Er hatte dadurch den Posten zum Schießen auf einen Knaben veranlaßt, den derselbe für einen Pfadfinder hielt. Der Knabe wurde durch zwei Schufle schwer verwundet. Colmar. 29. August. Der Ortskommandant von Mellenthin, Oberstleutnant z. D.
Zunehmendes Vertrauen in den elsässtschen Sparkassen.
W- T--B. Stratzburg, 2. Sept. Die „Straßb. Neue Ztg." schreibt: Bei den andauerudeu Erfolgen der deutschen Truppen auf der gnnzeii Linie hat -auch sofort wieder das Zutrauen zu de» Sparkassen zugenommen. Ein Beweis für di« außerordentliche Entspannung zwischen den ein- und ausg^ zahlten Beträgen bei der hiesigen Sparkasse ist, daß in de-
Kriegsbriese aus dem Osten.
Mit dsm Munitionssugr.
von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter.
Oberkommando der Ostarmee, 28. August.
Wir liegen vierundzwanzig Stunden auf der Bahn, um einige sechzig Kilonieter weiter zu kommen. Die Lokalzüge haben längst aufgehört zu verkehren. In der leinen Stadt, in der wir ein paar Stunden auf einen Munitionszu-g warten, der uns weiterbringen soll, hat man seit vier Tagen keine Zeitung mehr gesehen. Wir erzählen von der Gefangennahme der 7000 Engländer, dre wir am Morgen erfahren haben. Man freut sich, aber die ernsthaften Gchch er Hellen sich nicht auf. Man horcht zu gekannt nach der Ost. grenze, an der seit vierundzwanzig Stunden eine Schlacht, entbrannt ist. Ostpreußen und der -größere Teil von West- preußen gehen durch eine schwere Zeit. Am Samstag war bekannt gegeben worden, daß man bis zur Weich-sellmie räumen wolle. Alles Vieh solle in Sicherheit gebracht werden. Da ging die Angst durch die Ostmark, und dreienigen, die sie mit fsstem Auge hätten 'bannen sollen, die Reichen und Führenden, gaben znm Tetl das Signal zur Panik, indem sie Hals über Kopf ihre Wohnungen verließen, als stünden die Russen schon vor den Toren und nicht eine nicht nur unbesiegte, sondern eine siegreiche, -deutsche Feldarmee' zwischen ihnen und dem Feinde. In Marienwerder waren ganze Wohnungen verlassen, die noch wie erfüllt waren von dem warmen Atem ihrer Bewohner, Wohnungen, in denen die angefangene Näharbeit mit herabhängender Nadel neben dem angebissenen Frühstücksapfel lag. Es -gab natürlich Ausnahmen, -aber bezeichnend -ist, daß man auf -der Bürgermeisterei Marienwcrder seufzend erklärte, man habe 2000 Ouartierzettel schreiben müssen. Sohr viele kleinere Städte haben die dreifache Anzahl mit Freuden bewältigt, ohne Seufzen, mit Stolz, Hatz.sie an ihrer Stell« Mitarbeiten
durften. In dem Ort, an dem wir uns augenblicklich befinden, hat die Kommandantur sogar in einer Bekanntmachung darauf hintveisen müssen, daß wir uns im Kriegszustände -befänden und daß die Kriegsgesetze Geltung hätten! Große Hotels haben den hungernden und durstenden^ Truppen vielfach die Türe vor der Nase zugemacht. Die Küche sei um 11 Uhr abends geschlossen. ...
Die kleinen Gewerbetreibenden, die schon schwere Lasten tragen, nehmen die Einquartierung im Gegensatz dazu freundlich und freudig auf. Sie bleiben auch an dem Ort, an dem ihr HauS, ihr Glück, ihr Auskommen steht und ihre ernsten, gefaßten, tüchtigen Gesichter entschädigen für manches, was man in diesen Tagen sehen und hören mußte. Übrigens, um keine falschen Schlüffe aufkommen zu lassen, die meisten Guts- und Bauerngutsbeisitzer haben ihre Schuldigkeit in aufopferndster Weise getan. Ich erfuhr ein paar Beispiele, in denen die Frauen — Mann im Feld, Inspektor im Feld, die meisten Knechte eingezogen — stolz ablehnten zu fliehen, obgleich, da wirklich „Kampfnähe" vorhanden war. „Ich bin hier nötig -auf dieser Scholle", sagte eine Guts- -besttzersftau, „noch sind die Russen nicht da. Meine Pflicht ist es, unseren wundervollen Truppen Quartier, Nahrung und Pflege zu gelben. Das ist das wenigste, was sie verlangen können."
Am Sonntag wurde dann erklärt, daß es nicht nötig sei, Vieh und Ernte über die Weichsel zu bringen, da nach der Auskunft von militärischer Seite eine Gefahr nicht mehr zu befürchten sei. Man braucht in dem Lesen von Kundgebungen nickt besonders geübt zu sein, um -die schwerwiegenden Ereignisse und Entschlüsse zwischen Leiden Bekanntmachungen zu ahnen. Eine Beruhigung setzte auch sofort ein, aber es ist leicht vorzustellen, was inzwischen an Werten verloren ging. Das Vieh hatte sich beim eiligen Abtrieb verlaufen, die alten Kaleschen hatten nachgegeben und ganze Wirtschaften lagen auf der Landstraße. Das schlimmste scheint mir aber, daß nicht nur mancher Wagen und manches Vermögen zerbrochen wurden, sondern jauch manches Zu
trauen. Freilich, der unüberwindliche Heldenmut unfereö Truppen wird auch hier alles bald wielder herstellien.
Immer muß man an das Bismarck-Wort denkent „Un'sere Leute sind zum Küffen." Sie haben hier im Osten ändere Arbeit als im -Westen, der Sieg-esadler fliegt nicht mit so mächtigem Rauschen vor ihren Kolonnen, die feindlichen Festungen fallen hier nicht -t-ageweis unter dem Feu«r unserer Riesenmörser, ckber hier wird in einem Kampfe, in dom übornrenschliche Kraft eingesetzt wird, ideutschrs La«" vor wölfischem F-emd bewährt. -Der Osten hat oft an Glang vor dom Westen zu-rückstehen müssen, er leistet auch dieSrnm ein Stück stilleren Heldenkampfes. Aber Preis -und Ehri sind ebenso groß wie im Westen.
Der -Munitionszug fährt langsam durch -die Nacht. Alle Augenblicke flirrt eine Sternschnuppe -ülber den dunkelblauen Himmel. Wir denken jedesmal das gleiche, wenn der g^ dene Tropfen über den Himmel gleitet: „-Sieg in der Schlag vor uns! Sieg der kämpfenden Ostarmee!"
Plötzlich geht ein heller Schein über den Horizo"^ Scheunen brennen, die russische Erntearbeit-er angezüud^ haben. Gestern hat man ein Dutzend erschossen. Wer naw 10 Uhr das Quartier verläßt, bekommt die Kugel. Im ^ gemeinen sollen die Leute, namentlich die gedient haben, aut tun, was man von ihnen verlangt, wenn sie nur nicht «fr Rußland kommen. Sie baten einen Gutsbesitzer an v Grenze, der fliehen mußte, ob sst nicht sein Vieh treive dürften. Jede Art zu leben in Deutschland scheint w"" besser, -als für Rußland zu sterben.
Um sechs Uhr morgens waggonieren wir unsere auS. Die riesige Menge der Züge schiebt sich zu vorwärts. Unsere Wagen sind bespannt, es geht dem vationsselde näher. ^ ^
Da ich diese Zeilen schreibe, ist eben die gliidEIi-o^e . scheidung der großen Schlacht gefallen. Nähere Nachrrch werde ich morgen geben.
Molt Brandt, Kriegsoevichterstaüer,
