Einzelbild herunterladen
 

Skr. 4C8. _ Mittwoch, S. September 1014.

ausgenommen und das Justizministerium mit der späteren Vorlegung zum Zwecke einer Umwandlung der Todesurteile in lebenslängliches Zuchthaus beauftragt. Gesterreichifche Auszeichnungen des deutschen SKutarl - Detachements.

W. T-B. Serajewo, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Der Ar- meekonrmandant Potiorek hat kraft einer ihm vom Kaiser Franz Joseph verliehenen Befugnis folgenden Soldaten des deutschen Skutari - Detachements für besonders tapferes und heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde Auszeichnungen verliehen, und zwar: die gol­dene Tapferkeitsmedaille dem Feldwebel Hermann Rein. Hardt, die silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse den Sergeanten Hans Döllinger, Rudolf Schlüter und Eugen Zinaer sowie dem Gefreiten Willy Meinhold, die silberne TapferkeiiSmedcrille zweiter Klasse dem Unteroffizier Christoph Dittmann, den Gefreiten Ernst Kessel, Alois Fleitz, Max Wenköl, Karl Mühlhausen, Georg Bayer und Wilhelm Egger sowie den Seesoldaten Georg Rau und Karl Kurz.

Dis revolutionäre Bewegung in Rußland.

4- Köln, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Ein aus Rußland zurückgekehrter Deutscher erklärt der „Köln. Ztg.", daß die russische Bauernschaft nur teilweise dem Rufe zur Fahne und nur widerwillig gefolgt sei. Die industriellen Arbeftermassen seien außerordentlich unzufrieden, so daß der Ausbruch einer Revolution fast mit Sicherheit zu er­warten sei, falls es den Russen nicht gelingen werde, ihren Gegnern eine entscheidende Niederlage beizubringen. Der Gewährsmann der „Köln. Ztg/' versichert, es sei dies um so mehr vorauszusehen, als durch den Ausfall der russischen Ernte Schwierigkeiten in der Ernährung der Bevölkerung und der Armee zu erwarten seien.

Zeppclinsurcht in England.

bä. Rotterdam, 1. Sept. Der Marinesachverständige der „Times" äußert die Befürchtung, daß die Deutschen, sobald sie einen Hafen im Pas de Calais besitzen, dort einen Stützpunkt für ihre Luftfahrzeuge errichten werden, was für England s e h r b e d r o h l i ch wäre. Die englischen Sports­leute sollen sich daher zu Gruppen vereinigen und für eine Saison das Entenschießen unterlassen. Sie sollen sich zum Beschießen von Luftfahrzeugen in den Dienst des Vaterlands stellen.

Englische Eindrücke vom westlichen Kriegsschauplatz.

Bon der holländischen Grenze, 31. Aug. Einen einiger, maßen ernst zu nehmenden Bericht aus Fvankoeich gibt die „Times" aus Amiens. Andere Blätter, wie „Daily Tele­graph", erhalten aus der französischen und englischen Haupt­stad! eitel Geflunker. Ich entnehme die Äußerungen oer „Times" einem Sonderbenicht des „Mgemeen Hanvelsblad". Der Berichterstatter gibt eine ausführliche Schilderung der Kämpfe von der französi'ch-helgischen Gvenze. Er lbemcrlt, °>«h das französische Publikum noch immer in Un­wissenheit gelosten wird, daß die Pariser Blätter nicht einmal den Fall von N a m u r melden. Me _ verbündeten Truppen hätten tapfer gekämpft gegen die deutschen Hecres- massen. Die Brilon hätten auf ihrem Rückzug keinen Augenblick Ruhe vor ihnen gshabt. Die britischen Ver­luste seien beträchtlich gewesen. Der Berichterstatter 'ah die Trümmer vieler Regimenter, doch niemals eine Lockerung d^r Manneszucht, keine Panik. Sämtliche Divisionen seien in Tättnkeit gewesen, viele hatten eine große Zahl ihrer Offiziere berloren. Auch die deutschen Verluste müssen sehr groß gewesen sein. Der französische Generalstab habe ohne Zweifel die dentsche Streitmacht in Belgien unterschätzt. Diese sei wahrscheinlich im Elsaß hinter dem Schleier der Vorposten viel geringer gewesen, als angenommen wurde, allein die deutschen Befehlshaber hätten ihre Mannschaften vorgeschickt, als oh sic einen unerschöpflichen Nachschub hätten.

Wie ein englisches Bataillon gefangen wurde.

In dem gestrigen Bericht des Generalquartiermeisters von der französischen Front ist mitgeteilt, daß die Armee des Generalobersten b! Bülow eine überlegene französische Armee vollständig geschlagen habe, nachdem im Vormarsch bereits ein englisches Bataillon gefangen genommen sei. Wie komisch diese Gefangennahme vor sich ging, wird uns aus einer Quelle, die wir für gut zu halten berech­tigt sind, mitgeteilt: Das betreffende englische Bawillon

wurde in einem Militärzug an die Front geschafft. Als es an der vorgesehenen Auslade st eile ankam, war diese schon von deutschen Truppen, deren Vormarsch in­zwischen fortgeschritten war, besetzt. Der Zug wurde umstellt. Mit den Worten: „Bitte, meine Herren, steigen Sie aus", wurden die Engländer empfangen. Das ganze Bataillon war also sozusagen „verhaftet".

Verhaftung eines deutschen Handclssachverständigen durch die Engländer.

W. T-B. Berlin, 2. Sept. Der „2-21." berichtet: Der Handelssachverständige bei den deutschen Gesellschaften in Zentralamcrika, Dr. W. G e r l a ch. ist am 25. August in eng­lische Kriegsgefangenschaft geraten. Er befand sich auf der Rückreise nach Deutschland an Bord eines holländischen Schiffes und wurde kurz vor Rotterdam von Engländern, die das Schiff.anhielten, verhaftet. — Ebensowenig wie Frankreich kümmert sich England um die völkerrechtlich gewähr­leistete Unverletzlichkeit unserer diplomatischen Verträge. Fürwahr, diese Bundesgenosten sind einander wert und würdig.

KitchencrS Prinzip — die unbegrenzt wachsende Anstrengung.

hi Kopenhagen, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die Pariser Zeitungen berichten, daß Kitcheners Prinzip der unbegrenzt wachsenden Anstrengung dem deutschen Prinzip der äußersten Kraftentwicklung gegenüberzustellen sei. Die allgemeine Meinung geht dahin, daß der Krieg sich sehr in die Länge ziehen werde. Man stellt fest, daß Kitchener gelobt habe, daß 30 englische Divisionen innerhalb von sechs Monaten in Frankreich stehen wer­den. Augenblicklich beträgt die Expeditionsarmee 165 000 Mann. Schließlich sollen 700000 Engländer (Wo sollen die Herkommen? Schrift!.) nach Frankreich transportiert werden.

Der gewollte Krieg.

hd. Köln, 1. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: In Schweizer Blättern begegnet man einer Erklärung, die ersichtlich von der französischen Vertretung in ^ern herrührt. Der Botschafter der französischen Republik wßt darin ausführen, daß schon vor mehreren Monaten Frankreich der Schweiz die Versorgung mit Ge- treibe für den Kriegsfall angeboten habe. Dieses ganz un-. begründet und unerwartet erfolgte Anerbieten ist ein Beweis, d°K bereits vor mehreren Monaten Frankreich mit dem Krieg rechnete. '

_ ANesöaSerrer Tagmsm.

Unstimmigkeiten zwischen Joffrc und French.

hd. Gens, 1. Sept. Zur besseren Würdigung der eng­lischen Truppenführung hat General Joffre in einer be­sonderen Zeitungsnotiz den jüngsten Bericht des französischen Generalstabs ergänzt, der zwar die englischen Anstrengungen rühmend hervorhebt, aber mit anderen Ausdrücken, als French gewünscht hatte. Dadurch entstand das Gerücht von Unstim­migkeiten zwischen French und Joffre. Man kam schließlich überein, daß French fortan alle Berichte, in denen von englischen Truppen die Rede ist, vor der Veröffent­lichung einsehen wird.

Abschiebung französischer Sanitätsmannschaften über die Schweiz.

Z. Zürich, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Sonntag und Montag sind die französischen Sanitätsmann­schaften, etwa 180 Mann, die im Oberelsaß in dem Be­reich der deutschen Feldarmee geraten und von dieser an die Schweizer Grenze geleitet worden waren, von Basel aus wieder in ihre Heimat zurückbefördert worden.

Die Anerkennung für die Haltung der Sozialdemokratie.

Aufhebung eineS sozialdemokratischen Schriftenverbotes.

8. Berlin, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der „Vorwärts" schreibt: Genosse Stadthagen als Vertreter des „Vor­wärts" erhielt vom Kriegsministerium folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 17. August teilt Ihnen das Kriegsministcrium mit, daß der kriegsministerielle Erlaß vom 24. Januar 1894, welcher „das Halten und die Verbreitung revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften sowie jede Einführung solcher Schriften in die Kasernen oder sonstige Dienstlokale" verbietet, so weit es sich auf sozial­demokratische Schriften bezieht, welche nach dem 31. August 1914 erscheinen, aufgehoben wird."

Die Slnfhebung der Sperre gegen sozialdemokratische Wirt­schaften.

Karlsruhe, 31. Aug. Durch Verfügung des hiesigen Garnisonskommandos ist die Sperre über die sozialdemokrati­schen Wirtschaften aufgehoben worden.

Verzicht deutscher Gelehrten auf englische Ehrungen.

IV. T-B. Jena, 1. Sept. (Nichtamtlich) Im Namen vieler deutscher Gelehrter veröffentlicht Ernst Hackel eine Erklärung, nach welcher die Unterzeichneten auf alle ihnen von englischen Universitäten, Akademien und gelehrten Gesellschaf­ten verliehenen Ehrungen und die damit verbundenen Rechte verzichten.

Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen schwerverwundct?

8. Rom, 2. Sept. (Eig. Drahtberich!) Ein in italienischen Blättern wiedergegebenes CommuniquL der französischen Regierung vom 27. August teilt mit, daß bei einem Gefecht Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen schwer ver- mundet und nach Maubeuge verbracht worden sei. Prinz Ernst ist der zweite Sohn des jüngst im Felde gefallenen P r i n z e n F r i e d r i ch. Er ist 1895 in Hannover geboren und stand als Leutnant im 6. Thüringischen Infanterie- Regiment Nr. 195.

Die Bayern im Kampse.

Von allen Seiten wird anerkannt und gerühmt, daß die bayerischen Truppen mit größter Tapferkeit und Todesver­achtung für das Vaterland kämpfen. So wird der „Pfälzer Ztg." aus dem Brief eines badischen Infanteristen berichtet, daß demselben ein gefangener französischer Soldat in ge­brochenem Deutsch gesagt hat: „Die Bayern sein schreckliches Soldat — nicht verwunden — nur kaput machen — sein Volk von der Hölle!"

Das Eiserne Kreuz für einen Bayern.

Fürth, 1. Sept. Dem Infanteristen Fritz Lang aus Fürth ist, wie der „Voss. Ztg." berichtet wird, das Eiserne Kreuz verliehen worden. Nachdem sein Leutnant schwer ver­letzt mit mehreren Wunden zusammengesunken war, über­nahm er das. Kommando über die kleine Truppe. In einem heftigen Kampf erbeutete sodann die kleine Schar vier Ge­schütze und zwei Maschinengewehre und rieb 300 Franzosen vollständig auf.

Erzherzog Franz Joseph im Feuer.

Budapest, 1. Sept. Ein bei Schabatz verwundeter Reservist, der mit einem Verwundetentransport hier einge­troffen ist, teilte der Erzherzogin Augusta, der Gemahlin des Erzherzogs Joseph, mit, daß die Division des Erzherzogs be­sonders durch die Tapferkeit und Kaltblütigkeit seines Kom­mandeurs sich ausgezeichnet habe. Der Reservist sah, daß der Erzherzog selbst wiederholt im feindlichen Feuer . bei den Schwärmerlinien stand, wo er die iL-oldaten durch sein eigenes Beispiel ermunterte und anfeuerte.

Ausweisung der Prinzessin Luise von Belgien.

bä, Wien, 1. Sept. Prinzessin Luise wurde angewiesen, Wien innerhalb 24 Stunden zu verlassen.

Kriegsgcfangcn in Lagos.

hd. Hamburg, 1. Sept. In einem dem Hamburgischcn Korrespondenten von einer hiesigen Firma zur Verfügung ge­stellten Telegramm wird mitgeteilt, daß in Lagos die Fak­toreien geschlossen sind und aller Handel aufgehört habe und daß die d e u t s ch e n A n g e st e l l t e n zwar kriegs­gefangen, aber in den Faktoreien gelassen worden seien.

Apia in englischen Händen!

hd. Rotterdam, 1. Sept. Der englische Kolonialminister erhielt eine Depesche des Gouverneurs aus Neuseeland mit der Mitteilung, daß Apia in Deutsch-Samoa nach Belagerung durch eine englische Expedition am 29. August kapituliert hat.

Stabt und taub.

Wiesbadener Nachrichten.

Der ernsten Zeit ein würdiges Gewand!

Wir halten es für richtig, daß wir unserer Gesinnung auch nach außen einen ihr entsprechenden Ausdruck geben: wenn wir Trauer haben, ziehen wir kein auffallendes, helles Gewand an, und wenn Freude uns bewegt, kleiden wir uns nicht in düstere Farben. Sondern immer wollen wir, daß dem inneren Menschen irgendwie auch der äußere entspreche.

Viele Frauen beherzigen diesen Grundsatz in dieser gro­ßen Zeit — und ihnen sei's gedankt —, viele aber scheinen — und an diese wenden wir uns hier — dafür kein Verständnis zu haben. So muß es ihnen offen gesagt werden und die öffentliche Meinung muß ihnen zum Bewußtsein bringen, was ihnen der Herzenstakt selbst sagen sollte, aber, da er nicht da ist, nicht sagen kann. Ich empfinde es als uitet«

Abend-Ausgabe, 1. Blatt.Seite »

träglich (und ich weih, daß ich mit dieser Empfindung nicht

allein dastehe), daß in dieser ernsten, großen Zeit immer noch Gestalten herumlaufen, die in Haltung und Kleidung mehr an einen stolzierenden Pfau als an eine deut­sch e g t a u erinnern. Und leider sind mir solche Erscheinun- gen besonders in Wiesbaden ausgefallen; daher schreibe ich diese Zeilen hier. Ich meine, hier ist jetzt Storms Wort von den „goldenen Rücksichtslosigkeiten" am Platz: bringe es jeder in seinem Kreis, und wo es ihm möglich ist, solchen Damen zum Bewußtsein, daß sie nicht in diese Zeit passen, und daß man von ihnen fordert, sie mögen sich wenig­stens nicht auffallend kletden, wenn sie sonst nichts zu tun im­stande sind. Sie sollen uns das w ü r d i g e B i l d dieser Zeit nicht stören mit ihren Lächerlichkeiten und Modetorheiten. Wer jetzt noch Zeit hat für derlei Kram, ja, ich weiß nicht, wie ich den nennen soll. Aber das dürfen und müssen wir verlangen, daß man unsere Augen nicht beleidige und unsere Gefühle nicht verletze. Und das geschieht durch solches Wesen.

Der ernsten Zeit ein würdiges Gewand! Wir brauchen nicht in Sack und Asche zu trauern und uns nun alle schwarze Kleider anzuziehen. Aber wir wollen uns schlicht und einfach kleiden, so, wie's der Zeit entspricht. Helfe jeder da­zu mit, daß es gelte —, denn das gehört auch mit zur Würde unseres Volkes in großer Zeit: Der ernsten Zeit ein würdiges Gewand!

Lic. theol. Fresenius, Festungs-Garnisonpfarrer (Mainz).

§8r das Rote Rreuz.

Bei dem „Tagblait"-Verlag gingen ein: von den staatlich vorgebildeten Gemcindeförstern des Regierungsbezirks Wies­baden durch Herrn Förster Müller, Marxheim i. T., 100 M., Abr. Frank 6 M„ Frl. Staub 6 M., L. M. 20 M., E. Kämpfer 20 M., Frau Agnes Frisch 30 M., v. Sch. 20 M., Rechnnngs- rat Hübner, 2 Rate, 10 M.. C. R. 10 M., August Schwank 30 M., bisher zusammen 13 916 M. 33 Pf.

Für die Natioiialstiftung für die Hinterbliebenen der im Feld Gefallenen gingen bei dem „Tagblatt"-Berlag von Karl Frank 5 M., Friedrich Blum 10 M., bisher zusammen 366 M. 15 Pf., ein.

Für die Heimarbeiterinnen (Frau Professor Fresenius) erhielt der „Tagblatt"-Berlag ferner von Frau Direktor Schultz, Rheinstraße, 3 M., Herrn Dr. Laser 10 M., Frl. N. F. 5 M„ bisher zusammen 213 M.

Für die Arbeitslosen gingen bei dem „Tagblatt"-Verlag ein: von Herrn Dr. Laser 20 M., Julius Berghof 5 M., Nach­trag zur Gabenlifte vom 31. August von Frau Kupferberg 100 M., N. N. 20 M., A. O. 5 M., bisher zusammen 1595 M. 50 Pf. . _

— Hilfe für Ostpreußen. Angesichts der furchtbaren Greuel, die von den russischen Horden in Ostpreußen durch Verwüstung, Raub und Brand verübt worden sind, erscheint eine schnelle und großzügige Hilfe für die schwer heimgesuchten Bewohner unserer Ostmark dringend nötig, weit nötiger als in den anderen deutschen Provinzen und Ländern, die von eigentlicher Kriegsnot bisher doch nur recht wenig betroffen worden sind. Zlvar ist nach Zeitungsmeldungen eine Haupt­stelle zur Hilfeleistung für Ostpreußen in Berlin errichtet worden, aber da dieser doch wohl nicht alle Einzelgaben aus dem ganzen Land zugesandt werden können, so dürfte es der Hilfeleistung sehr förderlich sein, wenn überall beson­dere Sam meist eilen für Ostpreußen gebildet und die da­selbst gesammelten Beträge an die Hauptstelle in Berlin ab­geführt würden. Das KreiZkomitee vom Roten Kreuz hat, wie uns mitgeteilt wird, eine solche Betätigung als nicht zu seinen Aufgaben gehörig abgelehnt; der Verlag des „Wiesbadener Tagblatts" hat daher beschlossen, selbst eine Sammelstelle für Ostpreußen einzurichten, bei der bereits die folgenden Beträge eingegangen sind: Geheimrat A. Siewert 20 M., E. Fessel 1 M., Malerin O. Siewert 10 M., Marie Stöhr 2 M., Vorschullehrer a. D. Henrich 20 M., R. B. 5 M. Wir bitten um weitere Spenden.

— Arbeitsamt. Bei der Vermittlungsstelle standen rm Monat August d. I. in der Abteilung für Frauen 1067 Ar­beitsgesuche 858 Angeboten von Stellen gegenüber, von denen 600 beseht wurden. Der Abteilung für das Gastwirtsgewerbe waren 713 Arbeitsgesuche, darunter 245 von weiblichen, zuge- gangen, denen 539 offene Stellen, darunter 233 für weibliche, gegenüberstanden; von denselben wurden 602, darunter 202 durch weibliche, besetzt. In der Abteilung für Männer lagen 1577 Arbeitsgesuche vor, 466 Stellen waren gemeldet und 424 wurden besetzt. Bei der Fachabteilung für das Maler-, Lackierer- und Weißbindergewerbe gingen 253 Arbeitsgesuche ein. Offene Stellen wurden 27 gemeldet und 27 wurden be­setzt. Bei dem Stellennachweis für kaufmännische Angestellte meldeten sich 208 männliche und 93 weibliche Stellensuchende; offene Stellen wurden 20 für männliches und 18 für weib­liches Personal gemeldet. Besetzt wurden 23 durch männliche und 17 durch weibliche Stellensuchende. In der Abteilung für Krankenpflegepersonal meldeten sich 13 Stellensuchende, darunter 3 weibliche; 3 offene Stellen für männliches Per­sonal wurden gemeldet und 3 durch männliche Stellensuchende wurden besetzt. Insgesamt waren im Monat August d. I. 3914 (im Vorjahr 2729) Arbeitsgesuche und 1931 (2376) Ange­bote angemeldet; beseht wurden 1596 (1832) Stellen. In der Schreibstube für Stellenlose der schreibgewandten Berufe wur­den 26 Aufträge erledigt und durchschnittlich 6 Stellenlose beschäftigt.

— Der Wehrbeitrag, und zwar die erste Rate, muß jetzt bezahlt werden. Die Stadtkasse sieht sich genötigt, gegen die säumigen Zahler nach Ablauf dieser Woche mit dem Zwangs­verfahren vorzugehen. Jeder, dem es möglich ist, den gan- z e n Wehrbettrag auf einmal zu entrichten, erfüllt eine vater­ländische Pflicht, wenn er die ganze Zahlung der Ratenzah­lung vorzieht.

— Das Holzlesen im Wald wird zurzeit von der Stadt nicht mehr von der Entrichtung einer Gebühr abhängig ge­macht, auch die Beschränkung des Holzlesens auf zwei Tage der Woche ist bei der Stadt in Wegfall gekommen. Bei der Königl. Oberförsterei, Schützenhofftraße 17, kann die Lese» erlaubnis zurzeit unentgeltlich erteilt werden. Dagegen sind dort die seitherigen beiden Lesetage vorerst noch beibehalten.

— Fcldpostscndunge». Noch immer gehen täglich Tau­sende von Briefsendungen für Angehörige der im Feld stehen­den Truppen mit Angabe des Bestimmungsorts „Metz", „bei Metz" usw. ein. Hierdurch wird der Postdienst­betrieb, da ein großer Teil der Truppen sich nicht mehr . in Metz befindet, außerordentlich erschwert, und es läßt sich nicht vermeiden, daß derart adressierte Sendungen erst mit bedeu­tender Verspätung in die Hände der Empfänger gelangen. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß auf Feldpostsendun- gen an Angehörige des Feldheeres kein Beftimmungs-