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Verlag Langgaffe 21

Tagblatt-HauS".

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Tagblatt-HauS" Nr. «650-83.

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Mittwoch, 2. September 1914.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 408» 62. Jahrgang.

Die Kriegslage.

DieNeue Pol. Corr." vom 31. Aug. schreibt:

In einem alten Liede über die Schlacht der Tannenberg im Jahre 1410 heißt es: Auf Tannen­bergs Feldern entbrannte der Kampf, dumpf krachte der Hall der Geschütze; die Erde erdröhnte vom Rosse­gestampf, und die Schwerter sausten wie Blitze jetzt ist der Name Tannenberg wieder in . aller Munde. Generaloberst von Hindenburg hat bei Tannenberg, Ortelsburg und Hoihenstein, südlich von Allenstein, ein russisches Heer von über 200000 Mann bis zur Ver­nichtung geschlagen und ostwärts in die masurischen Seen geworfen. Bisher sind über 70 000 Gefangene gemacht. Man kann annehmen, daß die vernichtete Armee auch sämtliche Geschütze verloren hat. Die kleinen VorstLßee der Russen nördlich von Tilsit wer­den dadurch in der Flanke getroffen, und der gesamte russische Vormarsch auf Ostpreußen ist damit b e - endet. Schulter au Schulter, wenn auch räumlich ge­trennt, kämpfen unsere Bundesgenossen in Russisch- Polen und Galizien. Der linke Flügel der Österreicher hat bei Krasnik in zweimaliger Schlacht gesiegt und steht vor L u b l i n. Im Z e n t r u m und aus dem rechten Flügel nördlich L emb er g - B ra d y ivird noch gekämpft. Hier ist die Schlachtlinie 100 Kilometer lang und zieht sich zwischen Zloczow und dianvaruska hin. Entscheidende Nachrichten von diesen österreichischen Kämpfen liegen noch nicht vor. Doch steht die SÄacht günstig.

Im Westen ist Lille geräumt und Antwerpen hird belagert. Wir dürfen seinen Fall in der nächsten Zeit erwarten, während unsere Truppen gleichzeitig Ais Paris marschieren. Diesmal werden uns keine Sentimentalitäten und keine englischen D-el m e TI wie 1870 abhalten, die lutetia Parisiorium so zu behandeln, wie es sich für nötig erweist, und von einer v i e r m o n ati gen Belagerung kann da­her diesmal nicht die Rede sein. Der französische Generalissimus Joffre tritt zurück. Offizieller Grund: Streitigkeiten unter - den französischen Generalen. Wirklicher Grund: Der Mann sieht das Ende voraus, will nicht der Sündenbock sein und drückt sich_ nicht sehr schön bei Zeiten. Nachdem die englische H i l f s ar nt e e bei St. Quentin vom Generalobersten d. Kluck aufgerieben worden ist, hat die englische ft I o i t e. ein Vorgehen gegen Helgoland versucht, das blutig abgewiesen wurde. Diesseits sind das Torpedo­bootV 187" und die kleinen KreuzerAriadne", »Köln" undMainz" opfermutig in den Tod ge­gangen. Unsere braven Blaujacken standen bis znm letzten Augenblick bei den Geschützen und gingen unter Absingung desFlaggenliedes" in die Tiefe. Dre Offiziere voran. Die Engländer hatten 2 große Dreadnought-Kreuzer der Lionklasse. 4 kleine Kreuzer Und 40Zerstörer" 2 Zerstörer-Flottillen im Gefecht. Sie zogen schwer beschädigt nach dem Westen ab. England will bei Ostende ein zweites Hilfs- wrps. landen oder hat es schon getan die armen Leute! Keiner unserer Siege hat solche Freude erregt wie der des Generalobersten v. Kluck über die Eng­länder. Sind sie doch die Kriegsanstifter und Hetzer, die jetzt die gereckte Strafe trifft. In P a r i s hat das lAinisterium einen Aufruf der nationalen Verteidi­gung erlassen, der sich liest, als wenn er von hyste­rischen Weibern verfaßt wäre. Sonderbare Leute, was man dort unterStaatsminister" versteht. Dian denke sich unsere Delbrück, Sydow, Beseler, von Loebell, v. Trott usw. unter solch einem Aufruf! Die ftranznsen befestigen Paris und die Russen Peters- b u r g. Wie lange noch wird es dauern, und die Eng­länder schanzen um London!

In Belgisch-Konao sind unsere Schutztruppen ein- warschiert. Die Türkei rüstet zum Angriff gegen Rußland. Nur nicht lange fackeln: der Kaukasus m ein schönes Ziel. In Russisch-Polen wird "Aeits hinter den vorgehenden Truppen eine öster- ^Achisch-unghris che Verwaltung eingerichtet. Auf

1 c ii Fronten liegen unsere Gegner blutend am "öden. . Nun wird das französische, englische und russische Sieaesaelüge sowie das gegenseitige wlegraphische Beglückwünschen zu den Entente- "Pwchttruppen" Wohl endlich aufhören.

Lodz von deutsch-österreichischen Truppen besetzt.

Ä Mailand, 2. Sept. (Eig. Drahtber.) Nach amt- 'chen Meldungen aus Petersburg gibt die russische ^Pcruug zu, daß in S ü d p o l e n außer Pctrikow, . "usk, Radom und Opadow auch die wichtige Fabrik- Lodz von deutsch-österreichischen Truppen be- "dt ist.

Die Zeste Givet gefallen!

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Sept. (Amtlich.) Die Feste Givet ist am 31. August gefalle».

(Glvet liegt im französischen Departement der Ardennen, Arrondissement Rocroi, auf beiden Ufern der Maas und ist Grenzstation gegen Belgien. Die Feste hatte den deutschen Vormarsch nicht ausgehalten, da bekanntlich die deutschen Heere auch in dieser Gegend schon tief in Frankreich stehen.)

Kuf dem Schlachtfelds von Tannenberg.

(Von unserem zum Ostbeer entsandten Kriegsberichterstatter.)

Oberkommando der Ostarmcc, 30. Aug. Wir sind soeben durch das brennende Hohenstein ge­fahren, den S ch l ü s s c l p u n k t der riesigen Schlacht, die fünf russische Armeekorps vernichtete. Die Ge­schichte wird die Schlacht nach dem Orte Tannen- b c r g nennen, an dem Generaloberst v. Hinden­burg sein Quartier aufgeschlagcn hatte.

Wir fuhren in fünfstündiger Fahrt durch das Operationsgebiet nach dem völlig zerschossenen Hohen­stein, das zwei Tage lang in den Händen der Russen war. Vor Hohenstein hatte eine gemischte Land- wchrbrigadc den starken Vorstoß der Russen nach Rordwesten auszuhalten. Die Landwehr schlug sich prächtig und warf schließlich die Russen in er­bitterten Kämpfen aus der Stadt. Zu beiden Seiten der Provinzstraßen nach Osterode, wo die Russen in unser Schrapncllfeucr geraten waren, lagen die Ge­fallenen so dicht übereinander, daß sie die Gräben fast ausfüllten. Die Hauptstraße der brennenden Stadt war ein Trümmerfeld, so daß unsere Wagen kaum passieren konnten.

Im Süden hatte eine rechte Nebendivision die Landtvchrbrigadc durch E i n s ch w e n k e n auf Hohen­stein unterstützt; namentlich die Wirkung unserer schweren Artillerie hatte hier alles zer­schmettert. Im Nordflügel wurden die Russen durch and ere Korps über All ein st ein zurück- geworsen. Dann griffen die s ü d l i ch der Lnndwehr- formationcn stehenden Armeekorps über N e i i/e n - bürg mit vorgenommencm rechten Flügel ein, lvährcud nördlich über Alleinstein, Wartcnburg, Bischoffsburg starke Kräfte mit dem linken Flügel auf Hasscnhcim vorsticßen, so daß die Russen von drei, beinahe vier Seiten ein gekesselt wurden. Ihr Gros wurde in die Sümpfe und die weit- gedehnte S e e n k e t t e geworfen.

Der kühne und weitsichtige Schlachtenplan des Oberkommandiercndcn hatte zu einem Erfolg geführt, wie er k a u m z u hoffen war. Nur die Anspannung aller Mittel und teilweise ungeheure M a r s ch l e i st u n g hatten es ermöglicht, mit den vor­handenen Kräften gegen große Überlegenheit diesen entscheidenden Sieg zu gewinnen.

Die Zahl der Gefangenen wächst stündlich. 6000 sah ich, von unseren braven Landwehrlentcn eskortiert, stumpfsinnig in ihren grancn Hemdblusen vorbeiziehen. Kurz hinter Hohenheim traf ich ans Lnndwchrkavallerie aus Ludwigslust, meist Hamburger Kinder. Sie waren fünfzig Stunden auf der Bahn gewesen und kamen dann sofort ins Gefecht: D a h a b e n wir uns ein bi sch nt Bewegung gemacht! Grüßen Sic Ha m bürg, die Land­wehr täte ihre Schuldigkeit." In straßengranen Ge­sichtern, die Wasser nicht mehr zu kennen schienen, blickten die frischen blauen Augen. Ostpreußen weiß cs, die L a n dw c h r, unsere herrliche Land­wehr, tat ihre Schuldigkeit.

Rolf Brand, Kriegsberichterstatter.

Bericht des Oberkomnianbos.

Das Gouvernement von Thorn teilt zu den bisherigen Berichten noch folgendes Nähere mit: Die russische zweite

Armee (Nnrew-Armee) hat aufgehört zu bestehen. Es sind mehr als 60 000 Gefangene (inzwischen bekanntlich mehr als 70 000. -Schristl.) gemacht. Vernichtet sind das 8., 15., 23. und die Hälfte des 6, russischen Armeekorps. Von diesen Korps sind sämtliche Geschütze und Fahrzeuge in unsere Hände gefallen. Durch die Flucht konnten sich unter schweren Verlusten das 1. und die Hälfte des- 6. russischen Armeekorps über die Grenze retten. Unterzeichnet: Armee-Oberkom­

mando.

Und mit solchem Gesindel müssen wir uns herumschlagen."

W- T.-B. Berlin, 2. Sept. über russische Scheußlichkeiten gegenüber deutschen Landsleuten wird demL.-A." von einem der Betroffene» berichtet: Ich führ e in Dombrowa seit 1911 eine Wirtschaft. Am 11. Juli begannen große Truppenzu- sammenzichungen. Als ich darauhin zur Bank ging und mein Guthaben von 14 000 M. abhebcn wollte, wurde ich mit den Worten abgcwiesen, daß an deutsche Schweinehunde nichts mehr ausgczahlt werde. Am 18. Juli kam der Aus­weisungsbefehl. Noch während meines Aufenthaltes in Dom­browa wurden meine Schwägerin und die beiden Brüder meiner Frau von Kosaken erschlagen, meine Frau von Kosaken mißbraucht. Zwei Kosaken zwangen mich, dem z n z u - sehen, indem sie mir einen Säbel auf die Brust und einen

auf den Rücken setzten. DerL.-A." meint, wem fällt da nicht das Wort Friedrichs des Großen ein:Und mit solchem Gesindel müssen wir uns herumschlagcn!"

Oer Sedanstag in Berlin.

Feierliche Einbringung der erbeuteten Geschütze.

8 . Berlin, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die feierliche Einbringung der gestern erbeuteten Geschütze gestaltete für Berlin den heutigen Tag zu einer -Sedanfeier, wie ihn die Hauptstadt feit 44 Jahren nicht mehr erlebt hatte. Von den frühen Morgenstunden an war weder in der Straßenbahn, noch in .der Untergrundbahn, noch in den Stadtbahnzügen, die nach der Stadt führten, ein Platz zu be­kommen und schon von 10 Uhr -ab umstanden Hunderttau­sende die lange Einzugssttaße am GeneralstabAgebäude der Siegessäule -vorbeD durch das Brandenburger Tor bis zum Schloß. NamentlichUnter -den Linden" war der Andrang fürchterlich, lebensgefährlich. Der Zug selbst, der sich lbald nach 11 Uhr in Bewegung setzte und um 12.30 Uhr -vor dem Oberbefehlshaber in den Marken vor das Schloß führte, wurde überall mit stürmischer Begeisterung be- grüßt. Die Menge sang die vaterländischen Weisen der Militärkapelle mit. Die Offiziere und die Beglertmiann- schaften (auch die vom Ersatzbataillon der Alexander-Garde- Grenadiere und vom ersten Garde-Feldartillerie-Rsgiment) wurden mit begeisterten Zurufen begrüßt und mit Blumen förmlich überschüttet. Den größten Jubel aber heimsten die 8 Mann vom o st p r e u ß i s ch e n Landsturm ein, die die erste eroberte russische Fahne geleiteten. Von der Fahne war nichts mehr übrig geblieben; nur ein rot-be­schlagener Fahnenstock war noch zu sehen, vom Fahnentuch auch nicht der kleinste Fetzen, ein Beweis für den wütenden Widerstand, den der Feind geleistet haben muß. Der übrige Zug bestand aus 18 Kanonen, 11 russischen, 2 französischen und 5 belgischen Geschützen; außerdem wurden 3 russische Maschinengewehre mitgesahren. Die russischen Geschütze waven mit erbeuteten russischen Pferden bespannt. Sowohl sie, wie die belgischen und französischen sind Kanonen neuesten Mo.del-ls -mit Rohrrücklauf, Schutzschildcr usw. In den Protzt asten hat man- n. a. eine Feld­apotheke, aber auch Damenwäsche vorgefunden. Die bel­gischen Geschütze, die man bei Tirlemont versteckt ansgefnn- den hatte, waren vollständig neu'. Es war auch nicht ein einziger Schuß aus ihnen abgefeuert. Als der Zug die Schloßürücke -erreichte, begann eine Batterie des 1. Garde- Feldavtillerie-Regiments vom Lustgarten herViktoria" zu schießen und die begeisterten -patriotischen Kundgebungen setzten mit erneuter hinreißender Gewalt ein.

Allgemeine Mobilisierung in der Türkei.

M. Konstantinopel, 2. Sept. Auf Befehl des Sul­tans ist allgemeine Mobilisierung von Heer und Flotte in der Türkei befohlen worden. Alle militär­pflichtigen ottomanischcn Untertanen werden anfgcfor- dert, sich unverzüglich in die Heimat zu be­geben, um sich bei den Militärbehörden zu stellen.

Grötzere englische Schiffe durch deutsche Unter­seeboote vernichtet?

DieDeutsche Tageszeitung" schreibt: Gleich nach der Kriegserklärung zwischen England und Deutsch­land brachten amerikanische Blätter eine an­scheinend amtliche, sehr vielsagende Meldung aus England, in der gesagt wurde, daß man sich durch a n - längliche unglückliche Ereignisse zur See nicht in der festen Zuversicht wankend machen lassen dürfte, daß England schließlich doch den Sieg da­vontragen müsse. Der Ausdruckunglückliche Ereig­nisse" war so gebraucht, daß man daraus entnehmen konnte, es seien bereits tatsächliche Ereignisse eingetreten, die für die Engländer peinlich waren. In England wurde denn auch von der Presse gemeldet, daß in Hu mb er, an der Ostküste Englands, in der Nähe des berühmten Kohlenverschiffungshafens Hüll, in den ersten Tagen nach der Kriegserklärung zwei bis drei größere englische Kriegsschiffe, vermut­lich Linienschiffe, durch unsere au der englischen Küste vorgedrungcnen lcichtcu Streitkräftc vernichtet worden seien. y .

Wir erfahren jetzt durch Persönlichkeiten, die in den letzten Tagen noch über England nach Deutschland zurückgekehrt sind, daß tatsächlich in Humber Wracks mehrerer Schiffe liegen sollen. Eine Nach­prüfung dieser Nachricht ist aus erklärlichen Gründen natürlich unmöglich. Immerhin besteht die Möglich­keit, daß diese Meldung einen tatsächlichen Kern ent­hält und daß das vor einiger Zeit berichtete schneidige Vordringen unserer Unterseeboote bis an die Küste Schottlands damit im Zusammenhang steht.

Vier Dreadnoughts vernichtet?

In dem Briefe eines Deutschen aus New Aork an seine Leipziger Verwandten finden dieLeipz. Neuest. Nachr." nach der Klage über die durch die amerikanischen Zeitungen eifrig wiedergegebenen Lügenmeldungen aus London und Paris folgende wertere Ausführungen:

Immerhin können wir mit dem ^schon z u - frieden sein, was auch die amerikanischen Blatter