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Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.
Wiesbadener TagdLaT
Mittwoch, 2. September 1914.
Nr. 4M.
j tninister b. Baffewitz folgendes Telegramm gerichtet: „Ich er-
- mächtige Sie, bekanntzugeben, daß ich die Stelle als Chef des Regiments Seasorth Highlanders aufgebe, da ich es als deutscher Truppenchef nicht in Einklang bringen kann, Chef eines l Regiments zu sein, dessen Land uns in schändlicher S Weise überfallen hat. Karl Eduard." i Ein Kraftwagen-Schnellverkehr vom westlichen Kriegsfchau- ■ Platz nach Österreich-Ungarn.
f\ it Hd. Stuttgart, 1. Sept. Nach einer Mitteilung des ‘ König!, stellvertretenden Generalkommandos ist ein durch Württemberg führender Kraftwagen-Schnellverkehr vom westlichen Kriegsschauplatz nach Österreich-Ungarn eingerichtet worden.
Die KArsorgetKtigksit,
Wl T.-B. Leipzig, 1. Sept. Der Verbaud reisender Kaufleute Deutschlands, der nach Beginn der Mobilmachung zur Unterstützung seiner Mitglieder und deren Angehörigen 80 000 M. bereitstellte, hat beschlossen, weitere 200 000 M. für Unlerstützungszwecke zur Verfügung zu stellen.
Opferwilligkeit einer kleinen Ortschaft, f Braunschwcig, 31. Aug. Ein Landwirt aus dem Amt Vorsfelde, einem Flecken von noch nicht 2000 Einwohnern, wollte auch fein Teil beitragen zur Linderung der Not. Der brave Mann ging in feinem Wohnort herum und sammelte, und es kamen zusammen 1800 Eier, 178 Pfund Speck und Wurst und 100 Pfund Butter. Das alles lud der Mann auf einen Wagen und brachte es dem Nationalen Frauendank dar, der sich m Braunschweig in der Gewerbeschule eingerichtet hat.
Eine Hilfsmarke des jüdischen Nationalfonds.
?. „ W. T.-B. Köln, 81. Aug. Mit Genehmigung des Ober- präsidenten der Rheinprovinz gelangte heute hier die vom Jüdischen Nationalfonds herausgegebene Hilfsmarke, deren Ertrag für Verwundete und Notleidende ohne Unterschied des Bekenntnisses, bestimmt ist, zum öffentlichen Verkauf. Die Hilfsmarke findet große Verbreitung.
: Eiserne Trauringe,
j Eine deutsche Frau in der Schweiz fordert im ^Rorschacher Boten" ihre Kolleginnen auf, ihre Trauringe zum deutschen Konsulat nach Zürich, Bern, Basel zu senden und sich Eisenringe zu kaufen. „Aus dem Erlös der goldenen kann manche Träne getrocknet, manche Wunde geheilt werden."
i Die deutschen „Varbaren" in Belgien. *
In der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" vom 25. Aug. finden wir folgenden Bericht vom Tage vorher aus Maastricht: „In diesen Tagen ist so viel geschrieben worden von Verwüstungen belgischer Dörfer durch die Deutschen und von deutschen Gewalttätigkeiten — die, wie wir schon gesagt haben, mehrfach auf die Tatsache zurückzuführen waren, daß die Menschen einander nicht verstanden —, daß nun auch wohl gegenteilige Beobachtungen mitgeteilt zu werden verdienen. In Wandre, einem Ort am rechten Maasufer, waren die angesehenen Leute bei der Ankunft der Deutschen geflüchtet. Nur der Bürgermeister war auf seinem Posten geblieben; aber er verstand und sprach kein Wort Deutsch. Ein holländischer Lehrer indes, der mit einer belgischen Frau verheiratet ist und in Wandre wohnt, sprach gut Deutsch und diente als die Deutschen in den Ort kamen, als Dolmetscher. 'Die Bürger mußten die Waffen abgeben, und so wurden die Verhältnisse gar nicht so gespannt. Die -Leute im Dorf erhielten Einquartierung (an einem Tage sogar 1600 Pferde und Geschütze), empfingen Bezahlung dafiir, und jetzt, wo nichts mehr vorrätig ist, sorgen die deutschen Truppen, die noch da stnd, dafür, daß die notwendigen Lebensmittel für die Bewohner geliefert werden; ja, sie verteilen Eßwaren unentgeltlich an die Armen. Sie haben die Versicherung gegeben, daß der Ort unbehelligt bleiben wird. Wohl ist schon zt -tmal ein kleiner Konflikt entstanden, weil man gemeint hat, daß Bürger geschossen hätten. Aber als der genannte Lehrer dann in die Bresche sprang, wurde eine Untersuchung angestellt, und alle beide Male wurde den Bürgern ihr Recht, und so ist nichts geschehen. Im Interesse der Gemeinde, wo er wohnt, und der Gemeindemitglieder hielt es der Lehrer für seine Pflicht, zu bleiben. Er brachte heute Frau und Kinder hierher, aber geht morgen wieder dahin zurück."
Die Behandlung der Kriegsgefangenen in Deutschland.
Wie die fremden Kriegsgefangenen in Deutschland behandelt werde:., bezeugt der Feldpostbrief eines Chasseur d'Afriqne, der, in den Kämpfen bei Werenzhausen verwundet, in einem badischen Lazarett Aufnahme fand. Sein Brief, der von einem neutralen Blatte, den „Baseler Nachrichten", wiedergegeben wird, lautet in deutscher Übersetzung: „Liebe Eltern! Seit gestern früh 11 Uhr bin ich Gefangener. Ich liege in einem Spital. Eine Kugel hat mir den Unterarm durchbohrt. Ich werde gut verpflegt. Es ist nicht so, wie manche in Frankreich behaupten. Die Deutschen sind sehr freundlich. Gestern waren wir aus einem kleinen
Elsässer Dorf ausgerückt, um vorwärts zu reiten, wie in den drei letzten Tagen. Um 7% Uhr kamen Meldungen, und um 8 Uhr erhielten wir Befehl, deutsche Schützen anzugreifen. Aber auf einer Anhöhe wurden wir von den Kugeln hingemäht wie das Korn. Sofort bliesen die anderen Teile des Regiments zum Rückzug. Wir sind 28 Gefangene und etwa 30 Verwundete, alle anderen sind gefallen. Mein Pferd wurde genau im nämlichen Augenblick getötet, wo ich meine Wunde erhielt. Als wir aus den Bügeln waren, sammelten lvir uns unserer 14 um einen Baum und verfeuerten unsere Patronen. Dann bargen wir uns in einem Gehölz, wurden aber nach 2%istündiger Flucht von Krankenwärtern ausgenommen. Die Gefangenen werden gut gehalten, so gut wie in Frank-
lich einen schwarzen Dampfer mit vier Schornsteinen unterscheiden, der die deutsche Flagge führte und dem „Galican" Vesahl, er dürfe von seinem drahtlosen Apparat keinen Gebrauch machen.' Trotzdem gab der Telegraphist des „Galican" das Zeichen 8- 0- 8. „Rettet uns" in die Weite und wollte! daraus den Namen seines Schiffes folgen lassen. Bei dem ' dritten Buchstaben aber wurde das Telegramm von dem! deutschen Schiffe her unterbrochen mit der folgenden Mitteilung: „Stellt das Telegraphieren ein. Wenn ihr noch einen!
Buchstaben telegraphiert, schießen wir euren Aufbau zusammen." Darauf befahl das deutsche Schiff, ihm zu folgen, Inzwischen erschien ein drittes kleines Schiff auf dem Schauplatze. Es entpuppte sich als ein deutsches Schiff und könnt«
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reich. Vermutlich werde ich in zwei oder drei Tagen in eine Festung abgeschoben werden. Küßt alle von mir. Ich hoffe, es geht Jules und Marius nicht schlimmer als mir. Ich schoß meine Patronen bloß mit einer Hand ab, aber wir haben nicht viel ausrichten können, weil die Feinde im Walde gut gedeckt waren. Hauptmann und Leutnant sind gefallen. Also, liebe Eltern, sorgt Euch nicht um mich. Ich habe auch keine Furcht.
Euer Sohn, der Euch küßt. Ich wiederhole Euch, wir werden sehr gut verpflegt."
Eine Begegnung auf See.
-Am 15. August wurde der Dampfer „Galican" von der Union Castle Linie, der von Kapstadt zurückkehrte, aus der Hühe^ der Kanarischen Inseln vom deutschen Hilfskreuzer ,/Kaiser -Wilhdlm der Große" angehalien. Kurz vorher hatte er die drahtlose Mahnung erhalten, er solle sich wöstlich wen- -den und Teneriffa nicht anlausen. -Da erschien bei Ferro, der westlichsten der Kanarischen Inseln, ein dunkles Schiff am Horizont. Nach einer halben Stunde konnte man deut-
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weiter fahren. Dann setzte der deutsche Hilfskreuzer ein Boot mit Offizieren und Matrosen aus, um die Passagier» liste und Landungsbriefe des ^Galican" zu prüfen. Den Deutschen wurde ein Vorrat von Chinin überlassen. Zigarren und Zigaretten wiesen sie zurück mst den Worten: „Wir wollen nicht -dafür angesehen werden, als ob wir euer Schiff geplündert hätten." Als man sie fiagde, ob die Passagiere an Land gebracht werden würden, antworteten sie: „Wir sind keine Barbaren." Darauf warfen die
Deutschen einen Teil des drahtlosen Apparats über Bord und verliehen das Schiff, nachdem sie wegen der verursachten Mühen sich entschuldigt hakten. Am folgenden Morgen 6 Uhr wurde solgeudem Bericht von den Deutschcn an Bord des englischen Schiffes zugejauchzt: „Mit Rücksicht
auf euere Frauen und Kinder werden wir euer Schiff nicht in den Grund lbohren." Darauf dampfte das deutsche Schiff mit voller Kraft südtväris. Zum Dank für diese Gutmütigkeit ist es bekanntlich inzwisch-en von den Engländern
Himmelsrrschrinungen
im Monat Suplember 1914.
Im ihrer elliptischen Bahn gelangt die Erde am 83. September, um Il^H Uhr nachmittags, an denjenigen Punkt, wo die Sonne genau über dem Äquator steht, den sie gleichzeitig von Norden nach Süden durchschneidet. Die kDeklination der Sonne verwandelt sich also aus der nöro- lichen in. die südliche; sie beträgt am 1. September -st 8" 30' 66"8, am 23. September 0 ° und am 30. September — 2 0 33' 32"S, nimmt mithin ü-m den sehr bedeutenden Betrag -von mehr als 11 ° ab. Am 23. September ist insolgedessen Ms der ganzen Erde Tag und Nacht gleich lang, Äquinoktium, uns der Herbst nimmt auf der nördlichen, der Frühling auf der südlichen Halbkugel seinen Anfang. Die Abnahme der Deklination ist auch zugleich die Abnahme der Mittagshöhe der Sonire, diese beträgt nämlich für den Parallel von 54« (Norddeutschland) 44."5 am 4. und 33.°5 am 30. September, für den Parallel von 51» (Mtteldeutsch- ckand) 47.°5 am 1. und 36.°5 am 30. September, endlich für den Parallel von 48" (Süddentschland und Österreich, etwa ,Wien) 50.°5 am 1. und 30.«5 am 30, September. Entsprechend verkürzen sich die Tage, und zwar von 13% bis auf 11% ^Stunden im nördlichen und mittleren und von 13% bis aus -11%. Stunden im südlichen Gebiet.
Unser Mond zeigt im September folgenden Phasen- wechsel: Vollmond am 4., um 3 Uhr 1 Min. nachm., letztes
Piertel am 12. um 6 Uhr 48 Mm. nachm., Neumond am 19., mm 10 Uhr 33 Min. nachm., und erstes Viertel am 36., um A Uhr 3 Min. nachm- Der Mand befindet M mt 8. Septem
ber, um 4 Uhr 7 Min. vorm., in Erdferne bei einem Abstande von 63,6 Erdhalbmeffern und am 21. September, um 7 Uhr 5 Min. vorm., in Erdnähe bei einem Llbstande von 66.4^Erdhalbmessern zu je 6378 Kilometern. — Am 11. «-eptember wird der Stern 19 i-m Bilde des „Stiers" (Größe 4.4) vom Monde bedeckt; sein Eintritt erfo-lgt für Berlin um 12 Uhr 27.5 Mn., sein Austritt um 1 Uhr 29.1 Min. vormittags.
Am 4. September ereignet sich eine hier nicht sichtbare partielle M o n-d f inster nis. Sie beginnt um 1 Uhr 17 Mm. nachmittags und -endigt -um 4 Uhr 33 Min. n-qch°
- mittags. Die Sichtbarkeit erstreckt sich über das westliche Nordamerika, -den Stillen Ozean, Australien, fast ganz Asien, den Indischen Ötzean und die Ostküste Afrikas. Die Größe der Verfinsterung beträgt 0.86 des Monddurchmessers.
Bon den mit unbewaffnetem Auge sichtbaren Haupt- planeten beherrscht Jupiter mehr den ersten, Saturn mehr den zweiten Teil der Septembernächte, doch strahlen beide mehrere Stunden lang gleichzeitig am Firmament. — Merkur, der anv 30. August seine obere Sonnenkonjunk,
- tion durchläuft, bleibt im September unsichtbar; am 29., um 4 Uhr nachmittags, steht er in Sonnenferne. Sein "Erd- abstcmd vermindert sich von 1.88 bis auf 1.23 Erdbahnhalb- mess-er zu je 149.48 Millionen Kilometer und nimmt auch im Oktober noch weiter alb, um Anfang November wieder seinen kleimisten Wert, 0.67 Erdbahnhalbmesser, zu erreichen; bei seiner unteren Konjunktion am 7. November zieht der Planet bekanntlich vor der Sonne vorüber, und im Dezember d. I. wird er außerordentlich günstig zu beobachten sein. — Venus ist als Heller Wendstern noch kurze Zeit gut sichtbar. da Ifc M,,«ivsUAuydg,,W«h, tec ©amte UiLtepgcht. Am
17. September, um 1 Uhr vormittags, steht sie in ihret Sonnenferne, am 18. September kommt sie in ihre größt« östliche -Ausweichung von der Sonne, 46° 27'. Der Planet nähert sich der Erde von 0.81 bis -auf 0.58 ErdbahnhaDm-sse« oder Einheiten, sein scheinbarer Durchmesser wächst daher von 20."8 bis cn:f_29."l, seine Gestalt zeigt fortgesetzt eine Abnahme der Phase. Am 23. September, um 7 Uhr vormittags, hat -der Mond mit Venus Konjunktion, am vorangehenden Wend sieht man daher die zarte Sichel noch westlich (rechts unten), am -folgenden Abend aber schon östlich (links oben) von dem Planeten. — Mars hält sich als licht- schwaches Gestrrn weiter in der Abenddämmerung verborgen. Sein Erdabstand nimmt von 2.33 bis aus 2.41 Einheiten KU, sein Scheibendurchmesser von 4."0 bis auf 3."9 ab. — Jupiter bewegt sich rückläufig im Bilde des „Steinbocks^ Er glänzt als prächtiges Gestirn abends schon hoch «K Süden; anfangs kulminiert er um 10%, zuletzt schon kurz nach 8% Uhr, sein Untergang erfolgt erst bald nach 3 am Monatsschlusse bereits gegen 1 ^hr nachts. Der §rd- abstand des Jupiter wird größer, von'4.10 bis 4.39 Einheiten, sein Durchmesser vermindert sich daher von 48."7 bis ans 45."5; immerhin bildet der mächtige Planet vorläufig noch ein ausgezeichnetes Beobachtungsobjekt. Am 2. Septe-mber' um 12 Uhr mittags, und am 29. September, um 2 Uhr nach^ mittags, hat der Moud mit Jupiter Konjunktion. ' Saturn geht im Bilde der „Zwillinge" anfänglich Mitternacht, Ende September schon vor 10 Uhr abends iw Osten aus, um cUva bei Tagesanbruch zu kulminieren. Sein Erdabstand betragt am 1. September 9.35, -am 30. September 8.86 Einheiten; sein scheinbarer Durchmesser wä«W vcm 17."4 bis. Auf 18,% während Sie große Achse der WngeMi«
