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2 tt>aİtü^dü^Mm','-n-«äg.^s^--»mittag? Berliner Redaktion des WiesbadenerTagblattS: Berlin-Wilmersdorf. Güntzelstr. 66, Fernspr.: Amt Uhland 4S0 u. 451. Tagcn°ünd Mtzen wird lnneGewLhrÄmömmen.
Mittwoch 2. September 1924.
Morgen» klusgabe.
Nr« 407. » 62. Jahrgang.
Mit allen Nrästen voran!
Das deutsche Vordringen im englischen Urteil.
§ Kopenhagen, 1. Sept. (Eig. Drahtber.) _ Die : Londoner „Times" veröffentlicht einen Bericht ihres Korrespondenten über die letzten Kämpfe in Frankreich; ex gibt zu, das; die britischen Truppen große Verluste erlitten haben, ihr Mut sei aber unge- b r o ch e n. Der französische General st ab habe die Kraft des deutschen Vorstoßes in Belgien unterschätzt. Die deutschen Truppen seien in Ungeahnter Schnelligkeit vorgedrungen, ohne den Eroberungen von Festungen besonderen Wert beiznleacn. Die englische Artillerie habe die deutschen Reihen niedergcmäht, aber neue Reihen seien wie »ns der Erde gewachsen und vorwärts ge- st ü r m t. Die deutschen Luftschiffe, Flugzeuge und Automobile hätten beständig den deutschen Generalstab über die Bewegungen der Verbündeten unterrichtet gehalten. Der „Times"-Korre- ivondent in Ostende berichtet: Die großen Erfolge ans dem französischen Kriegsschauplatz hätten die deutschen Soldaten zu Heldentaten angescnert. Kaiser Biilhelm habe an die Truppen eine Proklamation er- wssen, worin es heißt, die deutschen Soldaten müßten Baris ei «nehmen oder lieber st erben.
Die Überraschung über unsere 42-cm-Geschütze.
London, 1. Sept. Hierher geflüchtete Belgier l »rrichtcn, dv,h die größte Überraschung des jetzigen I Krieges die Verwendung des neuen deutschen Belagerungsgeschützes gewesen sei. Niemand außerhalb des General st abs habe eine Ahnung bvi, der Existenz des 42-em-Geschntzes gehabt. Alle klaubten, daß der 21-cm-Morser das schwerste Belagerungsgeschütz sei. Deutschland besitze zirka 5ö dieser Kanonen, jeder Schuß koste 38 lM M. Die Wirkung sei furchtbar, was durch die schnelle Zer- Üvrüng der Forts von Namur erwiesen wurde. Die llenen Geschütze seien nämlich bei Namur erprobt worden. Selbst die Artillerieoffiziere hätten keine Kenntnis von ihnen gehabt. Bei Lüttich und Mrnut sei das Geschütz ausschließlich von Krupp- ' ch e n Ingenieuren bedient worden. Der Name Krupp würde durch dieses neue große Werk in alle «clt getragen werden.
Die deutsche Verwaltung in Vrüffel.
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Die deutsche Zeit in Belgien!
+ Kopenhagen, 1. Sept. (Eig. Drahtber.) Wie Kis Antwerpen gemeldet wird, berichten dort eingc- kkoffenc Flüchtlinge, daß in Brüssel ein deutsch- belgisches F i n a n z m i n i st e r i u m eingeführt ch, das die K r i e g s st e n c r einzieht. Alle Uhren in Belgien wurden eine Stunde z u r ü ck g e st e l l t, daß Belgien jetzt deutsche Zeit hat. Als die Würger protestierten, erwiderte Generalgouverneur greihxrr von der Goltz, daß Deutschland ein- ^e i t l i ch e Zeit haben müsse. Die Bürger "rüssels geben zu, daß im deutschen Heere g l ä n - ^ende Manneszucht herrscht. Alle Zahlungen chwlgen mit Gold oder mit Anweisung ans die deutsche "cichsbank. Wie ferner aus Brüssel gemeldet wird, lohnen dort Prinz Joachim von P r e n ß e n chid Herzog E r n st G ü n t h e r von S ch l e s w i g- - ölst ein in den Hotels Astoria bezw. Cecilie.
Ein russisches Eingeständnis, bä. Mailand, 1. Sept. Nach offiziellen Mitteilun- chn ans Petersburg gibt die russische Regierung zu, ^>ß in Südpolen außer Pctrikow, Tomsk, Radom und ( i^batow auch die wichtigsten F a b r i k st a t i o - l e n von den d c u t s ch - ö st e r r e r ch i s ch e n Trup- 0 c n besetzt sind.
Die Rieseuschlacht in Galizien.
Das Fortschreitcn der österreichisch-ungarischen Offensive. — Die todcsverachtendc Tapferkeit.
^ W.- T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich) Die Meldungen der Kriegsberichterstatter aus dem Kriegs- x.Eseguartier stimmen darin überein, daß die östcr- /'chisch-ungarische Offensive im Norden unter haltenden harten Kämpfene stetig fort- ^ritrt. Sie ist nach v o r w ä r t s und nach der k n? r t c bedeutend gewachsen. Die H a u P t- ^k s ch x; d u n g an der N o r d f r o n t steht bevor. " der Ostfront ist die Lage stationär, jedoch grin
st i g. Durch die Meldungen über die Gesamtlage der Millivnenschlacht erscheint die Annahme begründet, daß eine ähnliche Taktik von den Führern der österreichisch- ungarischen Truppen befolgt wird, wie sie von dem deutschen Gcneralstaüe gegenüber Frankreich so erfolgreich angewcndct wird. Die österreichische Armeegruppe behauptet sich infolge ihrer vorzüglichen Stellung fortgesetzt gegenüber der großen feindlichen Übermacht. Hinsichtlich der bevorstehenden großen Entscheidung werden allgemein günstige Erwartungen gehegt. Die bisherigen Erfolge wurden außer durch die geniale Führung, durch die unbeschreibliche todcsverachtendc Haltung der österreichisch-ungarischen Offiziere und Mannschaften errungen.
Verwendung des österreichischen Landsturms auch außerhalb Österreichs.
W- T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Kaiser Franz Joseph hat unter Anerkennung des rühmlichen Verhaltens des österreichischen Landsturms die Ermächtigung erteilt, daß der Landsturm auch außerhalb Österreichs ver- wcndct werden dütfe.
Serben uni» Montenegriner zurückgeschlagen.
O Rom, 1. Sept. (Eig. Drahtbericht) Nach einer Meldung des „Corricre d'Jtalia" ist cs den Österreichern gelungen, die Serben und Montenegriner zu fassen und in ihre ursprünglichen Grenzen zurückzuschlagen. Den zwei Verbündeten wären hiermit, da Montenegro der Seeweg gesperrt ist, alle Verproviantierungslinicn abgeschnitten.
§sdan l
„Welch eine Wendung durch Gottes Führung!" So schloß im Jahre 1870 König Wilhelm seine Depesche über den Sedansieg. Mit diesem Königsworte kann Alldeutschland auch heute den Sedantag begrüßen. Durch Gottes Führung ist uns nach 44 Jahren wieder ein Sedan beschieden. Der Sedangeist feiert an diesem Sedanfeste in unserm Volk in Waffen sein Auferstehen. Er lebt so überwältigend stark, er wirkt so sieghaft, er dringt so unaufhaltsam vorwärts, er erweist sich so herrlich und fast über Erwarten wunderbar, daß wir abermals in Bescheidenheit und Demut wie König Wilhelm bekennen: „Welch eine Wendung durch Gottes Führung!"
Die Waffentaten, die unsre Heere in diesem beispiellosen Völkerkriege seither vollbracht haben, stellen zusammen, militärisch wie moralisch, einen Gesamterfolg dar, der dem von Sedan im Kriege 1870 nicht nachsteht.
Es war 1870 die letzte der acht großen Schlachten, die in den ersten Teil des deutsch-französischen Krieges fielen und den Erfolg der deutschen Waffen entschieden. Mit dein Siege voir Sedan war fast die g e - iamte, im Felde stehende Armee geschlagen, und wenn die Franzosen auch noch neue Heeresmassen sammelten, mit deren Niederwerfung der Krieg erst im Februar 1871 völlig beendet wurde, so war mit der am 2. September erfolgten Kapitulation von Sedan doch das Schicksal des Krieges entschieden und — und damit auch das zukünftige Schicksal der deutschen Staaten des deutschen Volkes.
Und eben deshalb hat der Tag von Sedan für uns von jeher weit mehr als die stolze Erinnerung an eine gewonnene Entscheidungsschlacht, als die Gefangennahme einer mehr als 100 000 Mann starken Armee und eines mächtigen Monarchen, denn weit gewaltiger als die kriegerische ist sür uns die politische, die nationale Bedeutung dieses Tages geworden. Aus den blutigen Kämpfen um Sedan war die deutsche Einheit emporgewachsen, und im Feuer der Feldschlacht, wo Preußen und Bayern, Sachsen und Schwaben, Badenser und Hessen und alle die anderen deutschen Stämme vereint welscher Anmaßung und Tücke entgegentraten, war die Kaiserkrone geschmiedet, war der G r u n d - steirt gelegt worden zu dem Bau des^neiten deutschen Reiches.
So haben wir Jahr um Jahr den Sedantag als den Geburtstag des Deutschen Reiches gefeiert, aber es war menschlich vielleicht begreiflich, daß im Laufe der . 44 Jahre, die seitdem verflossen finb, das Feuer nationaler Begeisterung nachließ, die Erinnerung an jene große Zeit allmählich, wenn auch nicht bei den Vätern, die Anno 1870 mitgestritten, mit- . gelitten und mitgejubelt hatten, so doch bei den Söhnen !
der Väter verblaßte. Die Errungens ch a f t e n jener großen Zeit begannen wenigstens den Jüngeren unter uns s e Ib stv e r st ä n d l i ch zu werden, sie vergaßen der Mahnung: was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen! Glaubte doch gar manch einer in dieser langen Zeit des Friedens sich mit dem Vorschlag hervorwagen zu dürfen, die eebanfeier fallen zu lassen, weil sie „nicht mehr zeitgemäß" sei.
Nun, jetzt r st sie mit einem Male wieder z e i t - g e m ä ß geworden in dieser Zeit der schweren Not, die immer mehr zu einer großen und herrlichen Zeit wird, wie sie uns vor 44 Jahren beschieden war. Nach 43 friedlichen Sedantagen ist uns jetzt -eine kriegerische Sedanfeier beschieden, sine Feier, die uns in blutigem Kriege findet gegen den revanchelüsternen Gegner von 1870, dem das verräterische Rußland, das PersiÄü Albion und noch einige Trabanten mehr zur Seite getreten sind. Wieder ist wie vor 44 Jahren an die Völker und Stämme des Deutschen Reiches der Ruf ergangen, wie es in dem Aufruf, unseres Kaisers an die deutsche Nation heißt, „mit gesamter Kraft, in brüderlichem Zusammenstehen mit unserem Bundesgenossen, zu verteidigen, was wir in friedlicher Arbeit geschaffen haben". Und wieder hat Alldeutschland sich wie ein Mann erhaben, um das zu schützen, was das deutsche Volk vor 44 Jahren errungen, um den Franzosen ein neues Sedan zu bereiten und unseren anderen Gegnern das gleiche Schicksal zuteil werden zu lassen. .
Nun, wir dürfen nach dem, was die deutsche Nation schon in den ersten Wochen dieses Krieges geleistet hat, sagen, daß d i e S ö h n e sich der Väter würdig erweisen. Und wenn diese blutige Abrechnung mit einer Welt von Feinden auch schwere Opfer von uns heischt, wenn zahllose Männer und Jünglinge in der männermordenden Feldschlacht fallen, manch _ eines unserer st olze n Schisse, den Feind mit sich reißend, in die Fluten sinkt, wir wissen, daß alle diese Opfer nicht u m s o n st gebracht werden. Hinter den Schlachtenreihen der Gefallenen erstehen uns neue Kämpfer ans Deutschlands unerschöpflicher Jugend kraft. Bei den Festen in Sparta sang zuerst ' der Chor der Veteranen: „Wir waren Helden einst in unserer Jugendzeit", darauf antwortete der Chor der herangewachsenen Männer: „Wir sind . es jetzt, und wenn du willst, erprob es gleich!" Der dritte Char aber, der der Knaben, sang: „Wir werden einst verdunkeln euch durch tapfre Tat."
Das deutsche Volk in Waffen besteht jetzt herrlich diese Probe, führt uns einem zweiten Sedan entgegen, und schon wächst ein neues Geschlecht heran, welches in großer Zeit lernen wird, sich der Väter wert zu erweisen, einst zu „verdunkeln euch durch tapfre Tat". Und deshalb, weil unsere Gegenwart sich würdig erweist der großen Vergangenheit, deshalb wissen wir, daß unser auch die Zukunft i stl
Die englisch-russische Großsprecherei.
Das „unwiderstehliche Vordringen auf Posen".
lick. Lo.ndvn, 1. Sept. Das Exchange-Telegraphen- bureau meldet aus Petersburg, baf? das Zentrum der russischen Armee, das aus der großen Masse des russischen Heeres besteht, geräuschlos, aber mit furchtbarer Gewalt unwiderstehlich auf Posen vor- dringe.
Nach den blutigen Schlägen, die sich der rechte Flügel der russischen Armee bei Tannenberg geholt hat, dürfte dieser geräuschlose, unwiderstehliche Marsch der Russen bald zu einem ziemlich geräuschvollen Ende gelangen, wenn die deutschen Batterien auch auf diesem Teile des Kriegsschauplatzes zu sprechen kommen.
, Eroberte Geschütze in Köln.
"W. T.-B. Köln, 1. Sept. Auf dem Neumarkt sind acht in den Kämpfen in Nordfrankreich erbeutete französische Feldgeschütze ausgestellt worden, die dem 30. französischen Feldartillerie-Negiment entstammen.
Der Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha hat die Stelle eines englischen Regimentschefs aufgcgcben. — Ein deutsches Wort des Herzogs.
j_\\ Go ha, 1. Sept. (Eig. Drahtbericht) Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha, der als Sohn des Herzogs Leopold von Albanh bis zu seiner Thronbesteigung den Titel eines Herzogs von Illbany führte, hat an den Gothaer Staats-
