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Teile 2, : - , Abend-AusgaSe, 1. Blatt,

Die Verlegung des deutschen Lsauptquartiers.

Der Dank des Kaisers an die Stadt Koblenz.

Koblenz, 30. Aug. Der Kaiser und das gesamte übrige Hauptquartier haben Koblenz verlassen. Eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich an den Straßen nach dem Bahnhos aufgestellt und begrüßte den Kaiser zum Abschied mit Hurra- und Hochrufen. Dieser dankte durch fortwähren­des Winken mit der Hand. Am Bahnhof hatten sich die Ver­treter der Behörden zur Verabschiedung eingefunden.

W. T.-B. Koblenz, 30. Aug. Hier ist überall folgende Bekanntmachung angeschlagen: „S. M. unser allergnädigster Kaiser und König haben mich zu beauftragen geruht, der Bürgerschaft der Residenzstadt Koblenz für die während des hiesigen Aufenthalts Seiner Majestät zum Ausdruck gebrachte patriotische Gesinnung allerhöchst seinen Dank auszusprechen. Seine Majestät hat dabei der Freude darüber Ausdruck ge­geben, daß er die ernsten bedeutsamen Tage der letzten Zeit in einer Stadt habe verbringen können, mit der er schon seit früher durch enge Beziehungen verbunden sei. Indem ich Liesen Erlaß voll Huld und Gnade zur Kenntnis der Mit­bürger bringe, weiß ich mich mit ihnen allen eins in dem Gefühl des Dankes und aufrichtiger Wünsche für Sr. Majestät Wohlergehen. Koblenz, 30. Aug. O r t m a n n, Oberbürger­meister." — Der Chef des General st abes des Feld­heeres hat folgendes Schreiben an den Oberbürgermeister ge­richtet: „Großes Hauptquartier, 29. Aug. Es ist mir ein Be­dürfnis, dem Magistrat der Stadt Koblenz besten Dank für bas hilfsbereite und freundliche Entgegenkommen gelegentlich der Einquartierung des Stabes auszusprechen. Die städtischen Behörden haben gewetteifert, allen an sie gestellten, oft recht weitgehenden Wünschen zu entsprechen und hierbei ihre patriotische Gesinnung aufs glänzendste be­tätigt. Ich bitte Sie, auch allen beteiligten Persönlichkeiten besten Dank aussprechen zu wollen, v. Woltke."

Der Kaiser hat auf feine englischen würden verzichtet!

In dem Bericht des ehemaligen Berliner Botschafters Sir Edward Goschen kommt folgende Stelle vor, die im deutschen Volk freudigen Widerhall erregen wird: An dem Morgen nach der Kriegserklärung sandte Kaiser Wilhelm zu dem Botschafter, um ihm zu erklären: er lasse dem Botschafter sein Bedauern über die Vorgänge vom vorigen Abend aus- drücken (es handelte sich um die Auftritte vor dem Botschafts­gebäude in Berlin), lasse ihn aber auch wissen, daß diese Vor­gänge dem Botschafter ein Bild geben könnten von den Emp­findungen des deutschen Volkes gegenüber dem Vorgehen Großbritanniens, das sich mit den anderen Nationen gegen seinen früheren Verbündeten von Waterloo vereinigt habe. Der Kaiser bat den Botschafter, dem König Georg mitzuteilen, daß der Kaiser stolz auf den Titel eines britischen Feldmarschalls und eines britischen Groß­admirals gewesen sei, aber nach dem, was vorgekommen, wolle er jetzt diese Titel ablegen.

Oer sechste Tag der Riesenschlacht in Galizien.

W. T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich) Der Kriegsberichterstatter des „Fremdenblattes" meldet unter dem 31. August: Heute ist der sechste Tag der großen Schlacht. Unsere Truppen kämpfen mit be­wundernswerter Ausdauer. Die Nachrichten aus der Gesechtslinie lauten hier für uns durchweg gün­stiger. Rückkehrende Verwundete erzählen von dem Heldenmute unserer Soldaten. Die Stimmung im Hauptquartier ist gut. Der Kriegsberichterstatter der „Neuen Freien Presse" meldet von heute früh: Während der Nacht sind günstige Nachrichten über die gesamte Lage eingelaufen, und die Schlacht dauert fort. Man sieht dem weiteren Verlaufe zuversichtlich entgegen. In der Besprechung der Siege bei Krasnik stellen die Kriegskorrespondenten fest: Die Bedeutung des Erfolges der österreichisch-ungarischen Armee liege darin, daß die den in den.R ä u m e n von Lublin gesammelten russischen Streitkräften zuge- fügte Niederlage dem rechten Flügel der russischen Hauptkraft kaum zu einem Eingreifen in den weite­ren Verlauf der Ereignisse befähigt. Die nach dem Siege von Krasnik errungenen Erfolge der öster­reichisch-ungarischen E Truppen vervollständigten diese Vorteile. Die Kriegsberichte stellen überein­stimmend die außerordentliche Hartnäckig­keit und Angriffslust der österreichisch-ungari­schen Offiziere fest, die nach bemerkenswerten Marschleistungen die russischen Streitkräfte zu f l u ch t a r t i g e m R ü ck z u g e zwangen.

(Nachdruck erlaubt!)

Zwischen Metz und den Vogesen.

20. August 1914.

Wo ist es gewesen? Wer hat es geseh'n:

Zwischen Himmel und Erde die Fahne weh'n?

Ein Fahnenreiter riesenhaft,

Im Bügel steil den Fahnsnschaft,

Um den Leib die Schärpe schwarzweißrot.

In der Faust das Schwert, und das Schwert heißt Tod! Und der Reiter? Gott rief in der Cherubim Chor: Der deutsche Erzengel trete vor!

Sankt Michel, heut sollst du im Glorienschein Des Herrgotts Fahnenjunker sein!

Der sprach kein Wort. Er sprang in den Sitz.

Vom Rosseshuf schnob durch die Wolken ein Blitz — Wer hat es geseh'n? Wo ist es gewesen . . .? Zwischen Metz und den Vogesen.

Da lachte der Bayern Kronprinz hell:

Gott's Gruß, mein deutscher Michael!

Gott's Gruß! — das soll unser Feldschrei sein.

Gott's Gruß! Und mitten in Feind hinein!

Da stürmten sie vor, zu Pferd und zu Fuß,

Kanonen brüllten: Gott's Gruß! Gott's Gruß!

Aus Schwertern sang es und Büchsenlauf,

Aus Lanzen klang es und Rohgeschnauf,

Aus Wut und Wut und Rauch und Ruß:

Siegreich, siegreich der deutsche Gruß!

Die Fahne flattert, dtp Sonne scheint —

Kronprinz von Bayern, wo ist der Feind?

Der Feind? Gott's Gruß, der ist gewesen Zwischen Metz und den Vogesen.

Rudolf Herzog.

Wresimverrer TagM-rtt.

Wien, 1. Sept. Der Kriegsberichterstatter der „Sonn- und Montagszeitung" meldet: Günstig läßt sich der Fortgang der Riesenschlacht in Polen an. Der österreichisch-ungarische linke Flügel ist gegen Cholm vorgedrungen.

österreich-ungarische Verstärkung,

_ Österreichisches Kriegsprcssequarticr, 31. Aug. Die Schlachten bei. Lemberg dauern noch weiter an. Das Eingreifen einer neuen österreichisch-ungarischen Gruppe gegen T o m a s z o w schließt die u n g e- h eu re _ - Schlachtenfront. Alle verfügbaren Kräfte sind auf beiden Seiten konzentriert. Die österreichische Situation ist weiter günstig. (Frkf. Ztg.)

Bedeutende Verschiebung der österreichischen Angriffs­bewegung nach vorwärts!

Berlin, 1. Sept. (Eig. Drahtber.) Der Kriegs­berichterstatter der „B. Z. am Mittag" im öster­reichischen Hauptquartier berichtet aus dem Kriegs- pressequartier unter dem 31. August: Die österreichische Offensive gegen Norden hat sich unter sechstägigen harten Kämpfen bedeutend nach vorwärts verschoben, wie die von unseren Truppen einge­nommene Stellung südlich Lnblin-Krastnostaw- Grubvcszow beweist. Hier dürfte auch in kurzem eine w i ch t i ge Entscheidung fallen.

Sicgesbeute aus der Schlacht bei Krasnik.

Das Frankfurter österreichisch-ungarische General- konsulat veröffentlicht folgende Zirkulardepesche des Grafen Berchtold: „Laut Armeebefehl; General Dankl, 26. Aug. In der ersten Schlacht bei Krasnik am 23. und 24. August wurden 6000 Gefangene ge­macht, 3 Fahnen, 28 Geschütze und viele Maschinen­gewehre erbeutet."

Dir zähe Ausdauer der russischen .Infanterie.

Wien, 30. Aug. Wie der Kriegsberichterstatter der „N. Fr. Pr." ausführt, hat der russische Infanterist von heute nichts von seiner berühmten Zähigkeit ver­loren; unsere Kämpfer treffen den mit harter Mühe zurück­gedrängten Feind nach kurzem Vormarsch in neu ausge­hobenen Schützengräben wieder an, und das Spiel von gestern und von. vorgestern kann abermals beginnen. Der Franzose zieht, glühend vor Kampfeseifer, zu Feld und greift wütend an; geschlagen, läuft er trostlos und kopflos davon und stellt sich sobald nicht wieder. Der russische Soldat geht ohne Er­regung dem Feind entgegen und nimmt alles als Gottes­fügung. Sieg wie Niederlage macht ihn nicht übermütig, ein Schlag aufs Haupt bringt ihn nicht aus der Fassung; er ist im Frieden gewohnt, zu dulden, er duldet auch im Kriege. Lethargisch langsam, unverdrossen baut er seine Schanzen, verteidigt sie, läßt sich daraus vertreiben und baut am nächsten Abschnitt neue; jeden Schritt Bodens müssen wir ihm mit Blut abkausen. In der Schlacht von Lemberg, die eben tobt, stehen einander Millionenheere gegenüber, von der Weichsel bis zum Dnjestr, und beide werden bis zum letzten Atemzuge streiten. Wenn wir siegen — und das ist zu erwarten — s» haben habsburgische Soldaten die glor­reichste und mühevollste Waffentat vollbracht, die je geschah.

Die vornehmen russischen Garde-Regimenter in der Krönt.

// Stockholm, 1. Se.pt. (Eig. Drahtbevicht) Schon zu Anfang des russisch-deutschen Krieges tauchte ein Gerücht auf, daß die Hälfte des vornehmen Pavlo-Garde-Husaren- Rvgiments nieder ge mäht sein sollte, aber russische Zei­tungen dementierten diese Nachricht. Ans sicherer Quelle verlautet nun, daß nicht nur dieses Regiment, sondern mehrere der vornehmsten Garde-Regi­menter, z. B. die Konnogarde, die Chevaulegr-Garde, die roten Husaren, die Peterhofer Ulanen und die Garde- Kürassiere sehr schwere Verluste erlitten und jedes Regiment ungefähr 18 bis .20 Offiziere verloren hat. Die Offiziere gehören den allervornehmst-en Familien Rußlands an. Diese Regimenter wurden während des russisch-japanischen Krieges beschuldigt, sich dem Kriege ent­ziehen zu wollen. Jetzt haben -sie ersucht, sofort nach der Front geschickt zu werden. Sämtliche Großfürsten führen ihre eigenen Regimenter an.

Die Kieberstimmung in Parks.

Kopenhagen, 1. Sept. (Eig. Drahtbericht) Während offizielle Pariser Meldungen die Ruhe und Besonnen­heit der Pariser Bevölkerung hervvrheben, bezeichnet der Pariser Korrespondent der „Politiken" die Stimmung in Paris als einen chronischen Fieberzustanb. Von

Sieg!

Ein Wiener Bild von Dr. Hans Wantoch.

Wien, 26. August.

Wie haben wir darauf gewartet! Tagelang, wochenlang, lag dieses Wort einem ganzen Volk aus der Zunge, dieses helle, jubelnde und schmetternde Wort: Sieg! Und dann stürmten Schlag aus Schlag die ungeheuren Trimnphbot- schaften vom belgisch-deutschen Kampsschauplatz über uns herein: Lüttich, Brüssel, Ramur und die Leute falteten das Zeitungslblatt zusammen. Sie berauschten sich an den Er­folgen unseres großen Bundesgenossen: „Ja, Deutschland",

sagten sie. Aber es klang auch eine leise Resignation in ihren Worten mit. Denn wir hörten von unseren eignen Truppen immer nur kleine, erfolgreiche Scharmützel, wir wußten, daß diese Truppen ausgezeichnet waren, wir hatten es selber an hundert Stellen des Reiches erlebt, wie sie jubelnd und mit lachenden Gesichtern mit den alten Fahnen, mit den alten Liedern in den Kampf gezogen waren, und wir spürten es in unserem Tiefsten, wer mit solch eiiner Gesinnung auszieht, der zieht nicht in den Krieg, der zieht zum Sieg. Wir wußten es, wir' waren uns im Innersten ganz gewiß, aber noch stand die Erfüllung aus.

Und da kam sie, ganz plötzlich, ganz unvorbereitet und überraschend, wie das Wunder kommt, und das große Glück. Ein Telegramm flog uns zu, ganz knapp, ganz kurz, mit ehernen Worten, die sich in die Weltgeschichte graben: Die

dreitägige Schlacht bei Krasnik endete mit einem völligen Sieg unserer Truppen. Die 70 Kilometer breite Front der Russen geworfen, 200 000 Russen in die Flucht geschlagen'. Und da geschah das Wunderbare, das Unvergeßliche! Als die Extraausgaben in den Kaffeehäusern die Nachricht verbrei-

Dienstag, 1. September 1914t. Nr. 406.

diesem Zustand könne sich niemand einen Begriff Wachen», der ihn nicht miterlebte. Der „Temps" .sucht diese Stimmung damit zu beruhigen, daß er schreibt: Gewiß haben die Deut­schen große Fortschritte gemacht, aber sie haben sie teuer erkauft und ihre Reihen sind ermattet. Es mutz bald der Tag kommen, wo ihre Offensive zu Ende ist.

C l o in e n c c a n schreibt gestern in einem Leitartikel: In aller Herzen herrscht furchtbare Ungewißheit und Spannung. Wir empfangen lange Berichte» die aller Realitäten bar sind. Eine ganz neue Literatur taucht auf, ohne ein anderes Ziel, als uns mit einem Rausch von Worten zu erfüllen in einem Augenblick» wo ganz Frank­reich Taten erwartet. Wie ist es möglich, fragt Clsmenceau weiter» Millerands sicheren Optimismus mit den vorgestrige» Meldungen des General st abs in Einklang zu bringen?

Paris in Erwartung der Belagerung.

X Kopenhagen» 1. Sept. (Eig. Drahtbericht) „Ber- lingske Tidende" erhält folgende private Meldung aus Parts: Die Stadt erwartet die Belagerung. Die Territo­

rialarmee setzte das verschanzte Lager in Verteidigungszu­stand. Die Verproviantierung der Stadt ist ge. sichert. Das ganze Boulogner Wäldchen ist in einen unge­heuren Schafsstall umgewondclt. Auf der Rennbahn von Longchamps sind 2000 Siück Rindvieh und 10 000 Hammel, bei Suesne Hunderte von Kälbern untergckhvacht.

Die deutsche Vorhut nur noch 80 Kilometer von Paris.

Aus Paris wird gemeldet: Deutsche Truppen

sind am Sonntag in Compitzgne (80 Kilometer von Pavis) angekommen. Die französische Militärbehörde kün­digte an, daß, da die Militärtransporte nunmehr beendet ssicn, . die Zivilbevölkerung genügende Gelegenheit habe, in Zügen, die mit doppelter und dreifacher Wagenzahl .ausgestattet werden sollen, Paris zu verlassen. Die erste Kunde von den nahenden Deutschen brachte, wie er­wähnt, ein deutsches Flugzeug, das in einer Höhe von 2000 Meter um Mittag eine ganze Stunde über Paris schwebte und drei Bomben herabwarf. Die „Frank­furter Ztg." teilt dazu des näheren mit: Die erste Bombe

fick aus eine Druckerei. Die zweite explodierte vor einem Bäckereibesitzer, der an der Kasse saß; -der Mann wurde durch Splitter leicht verwundet. Die dritte fiel in die R-u c Reco kette; zwei Frauen wurden hier schwer ver­wundet. Die Bevölkerung glaubte zuerst, daß eine Gas­explosion vorliege, und lief an den Stellen zusammen, wo di« Detonationen gehört wurden. Bald erschienen Feuerwehr, Polizei und Bürgermeister und sperrten ab. An drei Stellen ließ der Acroplan mit Sand beschwerte Säcke fallen; diese 'enthielten 21/2 Meter lange Banner in den deutschen Farben sowie Schreiben des Wortlauts: „Das deut­

sche Heer steht vor den Toren von Paris; es bleibt Euch nichts übrig, als Euch zu ergeben!"

Enttäuschung und Selbstbetrug der englischen Strategen.

Der Berichterstatter des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: „Der Fall von Namur wurde hier ganz und gar nicht erwartet. Die äußerst schnelle Be­setzung von drei Vierteln Belgiens durch die Deutschen hat hier großen Eindruck gemacht. Von den Schlachten in Belgien weiß man nun, daß sie günstig für die Deutschen verlaufen sind. Man hat eingesehen, daß die deutsche Armee eine schreckliche Angriffswache ist, und das Bor­rücken an der östlichen Front hat klar därgetan, daß Deutsch, land gegen Frankreich eine riesenhafte Armee ins Feld ge­bracht hat. Die Blätter versuchen nicht mehr, die Niederlage zu verheimlichen. Das war auch nicht mehr möglich. Man bleibt selbstverständlich der Meinung, daß Deutschland auf die Dauer verlieren müsse. Man brauche Zeit, und man warte auf die Russen, die Deutschland besetzen würden. Die Fran­zosen seien auch nicht zermalmt, nur zurückgeschlagen, aber die Verteidigungslinien seien intakt geblieben. Im Parla­ment hat Kitchener das Wohlwollen der Abgeordneten ange- , rufen, er sei kein Redner. Er setzte seine Brille aus und las seine Erklärung ab. Das alles machte keinen heroischen Ein­druck. Er schmeichelte dem nationalen Empfinden. Die Hauptsache war aber, was er über die zu bildende Armee sagte. Er wolle die Armee auf 30 Divisionen bringen. Er! rechne mit einer langen Dauer des Krieges, längerselbst als drei Jahre. Kein Land könne, außer England, den Krieg lange aushalten. Darum sei der Endsieg Eng­land sicher. — „Daily Chronicle" meint, die Verbündeten hätten sich über den Feldzugsplan der Deuffchen vollkommen geirrt! Der Angriff sei vom Osten erwartet worden. Darum habe der französische Generalstab den größten Teil der Armee nach Elsaß-Lothringen geschickt. Frankreich habe deshalb seine Nordgrenzen verhältnismäßig unbeschützt ge­lassen! Und auch als die Deutschen schon lange in Belgien ge- Ivesen seien, habe man weder in London noch in Paris de« jetzt zur Tatsache gewordenen Aufmarsch der Deutschen er­wartet.

teten, da sprang einer neben mir aus, sin Ruhiger, ein Skeptischer und Krittelnder. Er stand aus, er trat vor feinen Tisch und er schrie laut -aus die Straße: „Mir haben gesiegt! Die Russen haben wir besiegt. Wir, wir!" Sein ganzer! Leib zitterte, er krampfte die Hände ineinander und starrt melte ganz leise vor sich hin: „Gott, mein Gott." Aber sei« Ruf war in die anderen gefahren, wie hypnotisiert sprangen sie von ihren Sitzen empor, aus hundert Kehlen brach der eine Schrei: Sieg! Er sprang von den Hundert auf die Tausend, er sprang Mer die ganze Stadt und unabsehbar fluteten die Menschen hin. Sie schrien es jedem ins Gesicht, denen, die es nicht wußten, die mit dem Worte nichts anzu­fangen verlstanden: Krasnik, Lublin. Und dömroch war sin Begreifen in ihnen. Die Unkundigen schlossen sich an. Man umringte jeden Offizier, dem man begegnete, man schrie es sich zu mit lachenden Gesichtern. Und die alten Lieder, die jedem von der Schulbank wie ein teueres Vermächtnis in der Seele leben» klangen wiederum aus, unvermutet, phne daß einer sie angestimmt zu haben schien, sie waren eäusoch da» wie die Freude :nd das große Glück.

Denn wir hatten ja so lange daraus gÄvartet, 31 bange Tage, 81 bange Nächte. Aber die Zeit war nicht nutzlos ver­strichen. Jawohl» das goldene Wiener Herz» das man so oft bespöttelt und zum alten Eisen getan hatte wie die Wiener Gemütlichkeit» und viele andere Dinge, b.tc aus alten Tage« stammen und nicht mehr recht in diese Zeit zu paffen f#* nett: wunderbar und über alle Matzen hat sich dieses Wien«^ goldene Herz in diesen Tagen offenbart. Me ZurückgebL^ betten haben ihre Wohltätigkeit mobilisiert. Alte Schlösser verwandelten sich über Nacht in Hospitäler. Laxenburg, diese reizende Empireschöpfung Franz des Sparkaisers, Laxer^ bürg mit seinen altgewachsenen Bäumen,, seinen Sdo8w&