No. L Montag den 3. Januar 1S59.
Januar 1859 beginnt ein neues Quartal auf das
Wiesbadener Tagblatt, worauf mit 30 fr. oder nach Belieben auch für mehrere Quartale abonnirt wer- ^s" Eann; für auswärts mit Zuschlag der Postgebühr. Das Wiesbadener Tag. blatt erscheint mit Ausnahme des Sonntags täglich in der bisherigen Weise und wird nach Wunsch den verehrt, hiesigen Abonnenten für 9 fr. pro Quartal ins Haus gebracht. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der unterzeichneten Verlagshandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern zu machen L. Schellenberg'sche Hof-Buch Handlung.
Zum neuen
Verkündigt hat mit ehr'nem Munde Uns abermals der Glocke Ton Des alten Jahres Todesstunde: Em neues Jahr besteigt den Thron: @6, wird nach dem Gesetz der Zeiten Wie seine Brüder es gethan, Im raschen Lauf vorüberaleite»: Es trat bereits die Erbschaft an.
Wenn rückwärts schweifen uns're Blicke Auf das entschwund'ne Sonnenjahr, Dann müssen Dank wir dem Geschicke Für seine Gaben bringen dar. Ist auch erfüllt nicht jede Bitte, Blieb unerhört auch manches Fleh'« So herrschet doch in uns'rer Mitte ' Noch ungestörtes Wohlergeh'n.
Im deutschen Vaterlande weilet Noch stets des Friedens Genius: Deö Krieges Wunden sind geheftet, Nach Mangel wird uns Ueberfluß; Es reifte Wein und Korn in Fülle And jene edle Knollenfrucht, Die unter unscheinbarer Hülle Vergeblich ihres Gleichen sucht.
Auch für Raffovia's schöne Gauen, Wo wir ein edles Fürstenpaar, Mild und mit Weisheit waltend schauen, War segensreich das alte Jahr. Es machten sich bei jedem Stande Bemerkbar Wohlfahrt und Gedeih'«. Mög' künftig uns'rem Vaterlande Das Schicksal Gleiches auch verleih'».
Jahre 1859.
Gedenkt Ihr noch an's Fest der Tone, Gefeiert in der Herzogsstadt, Das Jedem, den erfreut das Schöne So Herrliches geboten hat?
Von weit und breit kam fie gezogen Die munt're deutsche Sängerschaar: Der Himmel selbst war uns gewogen Er zeigte uns sein Antlitz klar.
Schön war es auch in jenen Tagen, Wo, zur Betvund'rung ausgestellt, Vor uns des Herbstes Früchte lagen Aus allen Gegenden der Welt Pomonens anmuthsreiche Gaben, Sie lagen ausgebreitet da;
Es konnte sich das Auge laben An allem Schönen, was es sah.
Ja Vieles hat uns in dem alten Entschwund'nen Jabre hocherfreut Wohl uns, wenn des Geschickes Walten Im neuen Jahr ein Gleiches beut. Mog' es dereinst in den Annalen Als glückliches verzeichnet steh'n Und wir des UeberffuffeZ Schaaken Gefüllt mit edlen Früchten fth'n!
Verkündigt hat mit ehr'nem Munde Uns abermals der Glocke Ton Des alten Jahres Todesstunde;
In,neues Jahr besteigt den Thron: Willkommen! rufen wir entgegen Dem jünastgebör'nen Kind der Zeit Und wünschen , daß es Glück und Segen Den Volkern ubergll verleiht!
Ludwig Hub.
