Verlag Langgasse 21
„Tagtlatt-Haus".
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Montag. 31 . Slugust 1914 . HbCltdsHliSQClbe. Nr. 404 . ♦ 62 . Jahrgang.
Der deutsche Sieg im Osten.
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brigadc geleistet. Den Weg, den wir betraten, hat auch unsere Landwehr genommen, unterstützt von einer rechteik Ncbcndivision und nördlich von einem von Allenstein kommenden Armeekorps. Nach heftigen Kämpfen wurden die Russen geworfen und mehrere Tausende Gefangene gemacht. Auch Geschütze und Maschinengewehre wurden erbeutet. Die Russen wurden östlich gegen die Seen zurückgcdrängt. Zugleich griff das südlich von unserer Landwehr stehende Armeekorps über Neidcnburg mit stark vor- genommenem rechten Flügel an. Die Russen wnr- den von 3, ja fast 4 Seiten gefaßt und in die Sumpfe und Seen geworfen. Gekämpft wurde überall gegen eine große Übermacht. Die
Erfolge lassen sich noch noch gar nicht übersehen. Man zahlt vorläufig 30 000 Gefangene mit vielen hohen Offlzreren. H e u t e d a u e r t e n die Kämpfe mit einem entwischten russischen Arm e c- kvrps noch an. Bei Neidcnburg werden meist erbitterte siegreiche Wald g esc chtc geführt. Was unsere Truppen aushalten können, zeigten die mittags nach Hohenstein ziehenden einzelnen Teile von Kavallerie, Infanterie und Artillerie, fast ausschließlich Reserven. Wie flott und frisch saßen die Leute zu Pferde, wie stramm wurde marschiert, wie gut war die Stimmung!, Die Schlacht bei Tann enb erg, wie man vielleicht drese viertägigen Kämpfe nennen wird, wird immer zu den höchsten Ruhmestaten des deutschen Heeres zählen.
Die SicgeSfreudc in Königsberg.
W. T.-B. Königsberg i. Pr.. 29. Äug. (Nicht amtlich,) Die Nachricht von dem Siege 'der deutschen Truppen im Süden unserer Provinz wurde in der Provinzialhauptstadt mit großer Freude ausgenommen. Bald nach dem Bekanntwerden der frohen Kunde erschienen überall auf öffentlichen
Ueber 30000 russische Gefangene!
W.T.-B. Berlin, 31.Ang. (Amtlich.) Bei den großen Kämpfen, bei denen die russische ^lfmee in Ostpreußen bei Tannenberg, Höhender,,, Ortelsbnrg geworfen wurde, sind nach vorläufiger Schähnng über 3©,0©0 Russen ***** vielen hohen Offizieren in Gefangenschaft gerate«.
Einzelheiten über die Schlacht bei Dannenberg.
_ # Berlin, 31. Ang. (Eig. Trahtbcr.) Bon dem Kriegsschauplätze und den jüngsten Kämpfen im Osten Mbt der Berichterstatter des „B. T." nachstehende anschauliche Schilderung:
»Morgen vormittag Besuch des Schlachtfeldes "er Hohenstein. Abfahrt 6 Uhr. Die Ordonanzen bewaffnet, die Herren vielleicht auch.
Es sind noch Tan-, sende Russen in den Wäldern und viele versprengte, auch -verwundete, die noch nicht aufgefunden." —
>^o lautete gestern >ubend die Verkündigung unseres Generalstäbs- Mnptmannes. Unter serncr Führung wurde ^ute morgen die Fahrt ?"ch Hohenstein ange- .tten, wo es sich um Me wichtige Entschei- rH tt ß handelte, durch zunächst Osterode ?. lt seinem reichen Hinterland e vor grau- ! wem Geschick -bewahrt ncb Mit uns surrten w/^rere Flieger Längs der Chaussee sich erschütternde ^ "ucr dar. Hunderte k, ^Familien aus dem .Mch die Russen zer- Neidcnburg undi ü Dr,e ”f tci « führten ans u Feldern ihr Norden leben. Zum »'tl hatten sie sich in „.^?oh matten ein- hüllt, teils schliefen g. ,.?uf und unter ihren »Mhrten, zertrüinmerte ?ur Verteidigung Ugerichtcte Häuser und Moste längs des rv.sllcs, in den unteren 5°umen blutiges Stroh,
Verwundete ßMssct gewesen waren.
: Eliik - n3ttt . folgen immer .dringlicher die grau-
s Spuren des Kampfes. Erst einige Tote, dann do« -r n ** c ' ^ann der linke Graben völlig ausgcfüllt Z - tonen, russische Infanteristen, tote Pferde, Kühe,
, 'wnne und Geflügel, zusammcngeschossene Wagen g Zuhllosc Waffen. Das Jnfanteriefeucr der Unsc- - hat verheerend gewirkt. Wir kommen nach H°hcn,tein. Alles
gewirkt. Wir kommen liegt in T r ü m mein. Durch die •. >cho,srnc Häuserfront blickt man ins Innere. Nichts geblieben, tote Russen liegen auf den k *i>tes Vieh. Der Geruch ist kaum ^°8en. Die Russen hatten hier drei Tage ge
Straßen zu er-
in-rl ^.""i> wurden sic vertrieben, und unsere schwere ^tlllcric, die Hervorragendes leistete, heizte ihnen geizig den Abschied ein. Eine Scheune, in der sich ,ff *’ Kosaken v e r st eckt batten, wurde in Brand ffichossen. Gestern und auch heute noch fand man in j- tt Kellern vcrstcckte und vcrbarrika- ÄMtc Russen. Einige von ihnen erschossen Zlmtückisch heute, zwei Landwehrmänner. Die .euchlcr schießen nicht mehr! Großartiges hat Hohenstein eine ge »lischte Landwehr-
urvd privaten Gebäuden Flaggen. Die Glocken aller Kirchen läuteten zur Feier des glücklichen Ausganges des dreitägigen Ringens, .als dessen Rückwirkung nunmehr die baldige Befreiung der ganzen Provinz von dem eingedrungenen Feinde erhofft wird. Auch in den Provinzstädten fand die Sieges-. Botschaft frohesten Widerhall.
pressestimmen zu dem Siege im Osten.
W- T.-B. Berlin, 31. Aug. Trotz der Gluthitze des gestrigen letzten Augustsonntages zogen immer neue Scharen nach den L-rniden, in der Erwartung, dort am ehesten neue Nachrichten zu erfahren. Man war nicht enttäuscht, als bis zu den Abendstunden ' nichts Wesentliches gemeldet wurde. Das Eintreffen der Nachricht von der Umfassung des russischen Heeres wurde mit Jubel begrüßt. Mit seinen 5 Armeekorps und 3 Kavalleriedivisionen hat der Feind den deutschen Truppen in gewaltiger Übe r-m acht gegen- übergeftcmden.
Über die russische Niederlage schreilbt der „Lokal- Anzeiger" u. a.: über die russischenEindringlinge ist also ein furchtbares Strafgericht h-eretngsbrochen. das vorauszufchen war. Die Seen und Sümpfe im masurischen Distrikt lassen nur schmale Wege offen, auf denen das Militär sich durch dichten Wald oft nur reihenweise fortbewegen kann. Der Feldherr, der in dieses Gelände einzubrechen wagt, muß mit Weg und. Steg vertraut sein oder gute .Führer besitzen. Als die. Schlacht ausbrach, haben die Russen sicherlich mit dem Mute der Verzweiflung sich geschlagen. Man kann es wohl begveifen, daß ein verzweifeltes .Heer den Tod der Kamradcn in Sümpfen und Seen vor sich und die Lanzen der Verfolger hinter sich sehenid, zu Tausenden die Waffen streckt, so-daß die Zahl der Gefangenen 30 000 übepstieg.
Im „Berliner Tageblatt" berichtet Paul Linden, ber g von einer Fahrt über das -Schlachtfeld: überall haben die Russen furchtbar gehaust. Alles liegt zevtrümk wert, aber unsere schwere Artillerie heizte ihnen beim Abzug gehörig ein.
, Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt u. Nun hat 'Unser Generaloberst v. Hindenburg seinen Namen für alle Zeiten in die Denktafeln der deutschen Geschichte und vor. allem unseres alten flron- und Königslandes Ostpreußen mit unvergänglichen Lettern eingeschrieben.
In der „Post" heißt es: Unserer Strategie stellt die Gefangennahme der Russen ein glänzeckdes Zeugnis aus. Man fragt sich, warum die Russen das masurische'Gebiet nicht gemieden haben, dessen Gefährlichkeit sie doch berechnen konnten.
©lege ist die ruffyche Offensive gebrochen und der russische Zupammenbruch ebenso besiegelt wie der französische ^uigen -vagen. Won diesem Schlage wird sich die rujstjche Heeresmacht nicht .mehr erholen.
GcncrawLerst v. Hindenburg.
.^"craloberst v. Beneckendorff und v. Hindenburg, der. JHT ruistsche Armeekorps und drei Divisionen in siegreicher Schlacht über die Grenze Ostpreußens trieb und die Fliehenden verfolgt, ist selbst ein Sohn des Ostens unserer Monarchie. Das Stammgut Neudeck seiner ursprünglich altmärkischen tfctirtme Itegt in Westpreußen und sein Großvater U>ar Land-- schaftsoirektor dieser Provinz. Er selbst, Paul v. Beneckendorff u. v. Hindenburg, wurde als der Sohn eines Offiziers der 1902 als Major a. D. in Posen starb, dort am 2. Okwber 1847 geboren, ist also 66 Jahre alt. Im Gegensatz zu den „Troupiers v. Emmich und v. Kluck, den Siegern von Lüttich und Saint-Quentin. die immer in der Front'dienten, hat er. lange dem Generalstab und Kriegsministerium angehört. Er ist aus dem 3. Garde-Regiment zu Fuß hervorgegangen, nahm als 19jähriger im Kadettenkorps erzogener Leutnant am Krieg von 1866 teil, holte sich 1870 in Frankreich das Eiserne Kreuz-und kam 1878 als Hauptmnnn in den Generalstab in dem er, beim 2. Armeekorps, der 1. Division und dem 3. Armeekorps blieb, bis er, inzwischen zum Major befördert, 1889 als Abteilungschef ins Kriegsministerium kam. Von 1891 brs 1896 befehligte er das 91. Infanterie-Regiment in Oldenburg, war bis 1900, als Oberst und Generalmajor, Chef des Stabs beim 8. Armeekorps, wurde 1900 Generalleutnant und Kommandeur der 28. Division in Karlsruhe und 1903 kommandierender General des 4.. Armeekorps in Magdeburg, 1905 General der Infanterie, 1911 zur Disposition und zugleich ä la suite des 3. Garde-Regiments zu Fuß gestellt. Vorher hatte er schon den Schwarzen Adlerorden erhalten. Seinen Wohnsitz nahm er nun in Hannover. Bei Ausbruch des Kriegs stellte er sich zur Verfügung und trat dann als Generaloberst an die Spitze der Armee/die er.zu Kampf und Sieg geführt hat. Generaloberst v. Hindenburg hat aus seiner Ehe mit einer Tochter des Generals v. Sperling, der 1870 General-- stabschef der 1. Armee war, e i n e n S o h n, der Oberleutnant im 8. Garde-Regiment zu Fuß ist, und zwei Töchter, deren Gatten, Landrat v. Brockhusen und Oberleutnant von Pentz, ebenfalls im Feld stehen.
