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Verlag Langgasse 21

Tagblatt-HauS".

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wS Fernruf r .'4-4.

Tagbl-tt-HaiiS" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bi» s Uhr abends, außer Sonntag».

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für die Aufnahme von Anzeigen an vorßeschriebenen iagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Sonntag, 39. KugusL 1914 .

Morgen»Ausgabe. «* «3. . sr.

Oer Rrieg öer Treue.

Bon Pfarrer Heinz Beckmann (Wiesbaden).

Wir sichren Liesen Krieg in Wahrung unserer <reue. Nicht nur in der Bündnistreue gegen Öster­lich,^ sondern diese Treue gegen Österreich ist zugleich M Treue gegen den Bestand unseres eigenen Staatswesens. Mit diesem unter so viel Blut, Not Md. Tränen gewordenen Staatswesen sind wir aufs stufigste verwachsen. All unser Leben ist darin verankert. Darum verteidigen wir es bis zum setzten Mann. Mehr als das: Wir glauben, daß tn . diesen beiden Staatswesen Deutschland und Öster­lich sine eigenartige Kultur eingebettet ist, "le wir um der Menschheit willen schützen wollen und müssen. Gewiß, es hat deutsches -Geistesleben, deutsche Art gelebt auch zu Zeiten, wo wir ein Deut­sches Reich noch nicht hatten. Aber so breit über das l^md hin und weit aus dem Lande heraus zu ver- Mndten Völkern ist der Strom deutschen Geisteslebens Und deutscher Art doch erst geflossen seit der Gründung "es Deutschen Reiches. Wir wollen uns und müssen Uns dagegen wehren, daß uns das Slawentum Überflutet. Gewiß, auch slawische Nationen Haben ihr i-ebensrecht, aber doch nur dann, wenn sie ihre Art ge- Miichen im Interesse der ewigen M e n s ch h e i t s- M t e r, und erst dann, wenn sie ihre Art haben ver­lesen und veredeln lassen durch die bisher Errungene Menschheitskultur. Darum Dauben wir mit gutem Gewissen sagen zu müssen: in Wahrung der Treue gegen die Mensch- le i t führen wir diesen Krieg. Und es ist für uns das Furchtbarste an diesem Kampf, daß Mächte, mit danen wir in G e i st e s g e m c i n s ch a f t zusammen- ^stehen glaubten und auch weithin standen, auf der ^site unserer Feinde sind. Wir bitten Gott um den unserer Sache, nein mehr, wir glauben an den Mgisitigen Sieg unserer Sache, weil sic die Sache der 'teile ist.

Und wie wir in Wahrung der Treue diesen Kampf M uns genommen haben, so müssen und wollen wir

auch in Treue führen. _ Besonders und zuerst die, Mche im Felde stehen. Ein eisernes Kreuz ist ihnen Merlegt. Stur ganz wenige von ihnen haben des Sieges Schrecken schon erlebt. Für Leiber, Nerven Urd Seelen wird es Furchtbares zu tragen geben. Sie Werden es in Treue auf. sich nehmen. In dem Geist

lichter Erfüllung ihrer Pflicht. Und n Treue zu dem Geist, in dem wir das Beste un- err - - -

Wesens haben. Sie haben mit hinausgenommen Ls Feld die besten Besitztümer unserer deutschen Seele: ,. a h r h a f t i g Feit und Ehrlichkeit, Freund- :! ch k e i t und Güte, Reinheit und Mensch­ach k e i t, Bruderliebe und Gerechtigkeit. fit ihnen sind gewandert und sollen wandern unsere 'teber 'und Gebete, die Worte unserer Großen und die

Wenn die Landwehr kommt!

Wenn die Landwehr kommt,

Wenn die Landwehr kommt,

Dann wird die Werkstatt leer.

Wir legen die Arbeit nieder.

Und Mann fiir Mann, ihr Brüder,

Faßt Säbel und Gewehr.

Wenn die Landwehr kommt.

Wenn die Landwehr kommt,

.Dann rückt sie morgens aus.

Lebt wohl, ihr Mütter und Frauen,

Ob wir uns. wiedcrschauen?.

Habt acht auf Kinder und Haus!

Wenn die Landwehr kommt,

Wenn die Landwehr kommt,

Dann schlägt die Trommel an.

Jetzt wird die Schlacht geschlagen.

Den Krieg, den müssen beklagen,

Die ihn gezündet han.

Wenn die Landwehr kommt,

Wenn die Landwehr kommt,

Steckt sie an den Helm ein Reis'.

Dann ist in deutschen Landen Der Frieden auserstanden . . .,

Herr Gott sei Lob und Preis.

Fritz Philippi.

Im Tandwehrplg.

Skizze von Hans Winand.

Der für abends 9 Uhr und 10 Minuten ungesagte Lokal- j 8 nach dem (deutschen) Süden war in letzter Stunde qbgc- °8t worden. Da saßen wir nun, der Herr Offiziersaspirant bayerischen Jäger und ich, ia einem sächsischen Jndustrie- ^olchen, Las nur Eingeweihten der Kalikobranche bekannt ist, M schauten einander in die Fenster der Seele. Blank waren

Laken unserer Helden. Und die daheim ge­blieben sind: ein eisernes Kreuz ist auch uns zu tragen -auserlegt. Wir haben als Voll -und jeder fiir sich er­lebt jene große Samstagsstunde der Entscheidung, die Stunde der Entschlossenheit und der Tränen. Wir müssen unsere Lieben entbehren und werden durch Sorgen und Not hindnrchgehen. Aber wir wollen und müssen in Treue hindurchgchen. In Treue zu denen, die für uns diesen schweren Kampf kämpfen, -daß wir um sie sind mit unseren Gedanken und Gebeten. Und daß wir die Treue halten all dem, was sie uns nun überlassen mußten: ihre Frauen und Eltern, ihre

Kinder und Geschwister. Daß wir ihnen entgegen­führen können, wenn der goldene Friede kommt, ihre Heimat im alten Glanz. Dazu müssen wir die Treue einander halten. Unsere kämpfende Truppe darf nicht in Sorge sein um ihre Lieben i n d e r H e i m -a t. Es muß ein S t r o m d e r L i e b e breit und mächtig durchs Land fluten, neue Quellen der Liebe müssen aufbrechen h i n und her im deutschen Land. Daß wir uns in Treue stützen und tragen in dieser schweren Zeit.

Wenn wir so diesen Krieg, den wir in Wahrung unserer Treue auf uns nehmen mußten, in Treue führen, dann wird der Se g e n nicht aus- b leiben. Gott wird unser deutsches Volkstum und die Staaten, die dies Volkstum umschirmen, nicht ver­loren gehen lassen. Er wird es krönen. Es wird in solcher Bewährungszeit neue Schönheiten seines -Wesens herausbringen. Und wie so das Volkstum, -um des­willen wir kämpfen, mit einem tieferen neuen Leben gekrönt wird, so wird sich auch das Leben der einzelnen in dieser Zeit vollenden. Wir werden reicher und tiefer, reiner und besser, gütiger und froher leben als zuvor. Jetzt, wo wir alles daran geben und darin erst recht unsere Liebe zu dem allen entdecken. D e r K r i -e g der Treue wird.gekrönt mit Leben.

wie Amerika sich vor öer gelben Gefahr schützt!

Ein Weckruf an die Nordarnerikaner.

Von einem Deutsch-Amerikaner wird uns geschrieben:

Daß die Vereinigten Staaten schon seit Jahrzehn­ten der Gefahr, die ihnen von den hinterlistigen Ge­sellen des ostasiatischen Jnselreiches droht, fest ins Auge schauen, beweist vor allen Dingen die Erwerbung und der Ausbau des- P a n a m aka n a I s, ferner die Kolonisierung der S a ndwichinseln (Howai), der Ausbau der kleinen Insel Tutuila (Samoa-Gruppe) als Kriegshafen und der im spanisch-amerikanischen Kriege erworbenen hochwichtigen Philippinen, die gewissermaßen die Brücke bauen zwischen Nord­amerika und Ostasien. Auch der Beschluß des nord­amerikanischen Einzelstaat-es Kalifornien, der die

sie nicht. .Der nächste Lokalzug war für den Nachmittag des nächsten Tages angekündigt. Bestimmt? Der Mann mit der roten Meitze zuckte nur die Achseln.Gar nichts kann ich Ihnen sagen.Bestimmt" fahren nur die Militärzüge."

Noch zwanzig Stunden verlieren?Dös gibt's sei net", meinte der Herr bayerische Jägerosiizioras-pirant, dessen hei­matliche Sprechweise dem'fünfjährigen Aufenthalt in Belgien siegreich getrotzt hatte,kommens, Herr Kamerad, machen mer halt der Herrn B-ahnhofskcminandanien an AnstandLb'such."

Das kleine Wort Kamerad ist ringsum auferstanden, und sein Kl-ang, der so fröhlich ist und so ernst in einem, um­schlingt alle. Kamerad ist ein jeder, der jetzt dieZivilkluft" an den Nagel hängt, sei dies dercutaway" vomenglish tailor" oder der blaue Kittel des Tagelöhners. Am Bahn­steig grüßen dich weißhaarige alte Herren, da§ Eisenkreug von 70 im Knopfloch, und wenn du Springinsfeld vorbeistapst, nehmen sie die Hüte ab, -daß ihr Haar sichern strahlt.Viel Glück, Herr Kamerad!" sagen die Veteranen, und du fühlst, wie du errötest. Denn über N-acht ist unser aller Gefühl ein anderes geworden, und fast mit Schani liest man cs in den Augen dieser Weißhaarigen von dazumal:Ehre die

Jugend . . ."

8-

_ Der Herr Bahnho-fskommandant w-crr zwar so freundlich, unsere Papiere mit seinem Dienstsiegel zu schmücken und mit dem Vermerkdarf Militärzug benutzen".Aber ob Sie mit­genommen werden . . .?" Von der Hclmspitze bis zum dritten Wafsenrockknops war er mitfühlendes, aber zweifelndes Fragezeichen, Und ganz Unrecht hatte er nicht. Aus der Ferne, vom Güterbahnhof her, kam ein Signal: Einsteigen!

Wo's.Aasen,-. sind Soldaten" folgerte mein Fahrtgenosse und wir stellten _ fest, daß auch ein Dreihundertm-eter-Laufschritt mit Reisetasche und Z'.vilmantcl die Poren öffnen kann. Mehr freilich war nicht zu erreichen. Wenig nutzte cs uns. daß wir mit unseren Lackschuhen die Hacken so stramm zu- sammcnschlugen, daß die Politur absprang. Der Herr Major. der Transportführer-des so und - sovielten Feldartilleriezuges, blieb unerbittlich. »Niemand, "niemand kommt mit", erklärte

-Erwerbung von Grund und Boden seitens der Japaner untersagt, ist als -eine scharfe Schutz-Maßregel gegen die gelbe^ Gefahr mit Genu-gtuung zu begrüßen. Namentlich dieser letzte Hiob war es denn auch, der die durch ihre Siege über den tönernen russischen Koloß und durch das darauf folgende Bündnis mit dem eng­lischen Krämervolk von Größenwahn erfaßte mongoli­sche Jnselnation aufs tiefste verwundete und maßlos aufregte. Rachsbrütend hat sie sich seitdem um so enger an ihre englische G e f ü -h I s g e n o s s i n ange­schlossen, von ihr Unterstützung und Schutz gegen die ostasiatischen Nebenbuhlerin, die nordamerikanische Union, und das frischaufstrebende Deutschland er­wartend.

Nun scheint diesem schleichenden, heimtückischen Ge­sindel neuerdings nach Entf-achung des Weltbrandes das Glück in Ostasien lächeln zu wollen. Die europäi­schen Kriegswirren sind den aus der Lauer liegenden Japs wie gerufen -gekommen, um ihre habgierigen Landerwerbungspläne schlau zu verwirklichen! Auch das perfide AI b i o n, das stets den Grundsatz in seiner Weltpolitik verfolgt, eine Nation auf die andere zu Hetzen, um sie für -sich die Kastanien aus dem ent­standenen Kriegsfeucr holen zu lassen, erinnert sich in diesen kritischen Tagen seines gelben Freundes und veranlaßt ihn sehr geschickt zum plötzlichen Erlaß eines unverschämten Ultimatums an Las ihm in Ostasien hinderliche Deutsche Reich, seinen größten Nebenbuhler auf dem Gebiete von Handel und Industrie! Daß Deutschland sein ostasiatisches Pachtland Kiautschau in dieser schweren Kriegszeit. wo es von siebenfacher Feindesmacht bedrängt wird, nicht würde halten können, das war dem mongolischen Expresservolk ja klar! Und wenn nun, so kalkulieren die ostasiatischen Aasgeier schlau weiter, erst die- wunderschön eingerich­tete, kleine dentsckie Kolonie in ihre raubgierigen Hände gefallen sein wird, dann ließe sich ja auch die große nachbarliche amerikanische Inselgruppe der Philippinen mit Leichtigkeit erobern auch die paradiesisch-schönen Sa n dw i ch i n se ln kämen dann an die Reihe und der Wasserwe g von Japan nach der nordamerikanischen Pacific k ü st e wäre dann von jedem Hindernis frei und in endlosen Scharen würden sich die Japaner in die westlichen Staaten der Union ergießen!

In diesen verbrecherisch-schlauen Gedanken des mongolischen Schnorrervolkes liegt eben die Riesen­ge fahr f ü r N o r d a m e r i k a, der es so bald als möglich mit allen Mitteln rücksichtsloser Tat­kraft begegnen muß! Die japanischen Dampfer legen die Strecke von den Philippinen nach den Sandwich- inseln in 12 bis 16 Tagen zurück und von den Sand- wichinseln nach San Francisco dauert die Überfahrt nur 5 bis 7 Tage. Auf beiden nordamerikanischen Inselgruppen über befindet sich leiderschon eine nach Tausenden zählende japanische Kuli-

cr; und wir härten noch, wi-e er zum Adjutanten sagte:Wer garantiert mir denn, daß . . .Gott sei Dank: mehr ver­

nahmen wir nicht: unser militärisches Selbstgefühl war ohne­hin schon tief verletzt. Ein Vi-zeseldwebel geleitete die zwei Zivilpersonen" wieder fort. Aus einem Güterwagen blickte uns freundlich ein prächtiger Brauner nach, hielt im Fressen inn-e, streckte den Kopf mit der schwarzen Mähne aus der Luke und folgte uns mit den Ohren. Viel Glück Brauner, Eilwagen nach Paris", hatte eine derbe Artilleniöfaust mit Kreide unter das Wagenzeichen gemalt.

Und dann standen wir wieder allein im Dunkel neben dem blitzenden Schienenstrang, schauten trübselig den bunten -Schlußlatcrlnen des entschwindendenZuges nach nn-d wunderten uns, -daß man die Räder kaum rollen hörte. Aber die preußischen Arnlleri-stenkehlen triumphierten über rollendes Stahl und liegendes Stahl und. noch lange lag uns der herz­hafte Rhythmus im Ohr:

Des Kanomeres Lebenszweck ist das Kanonenrohr."

*

Aber beim dritten Versuche lächelte uns das Glück in Gestalt eines Bat-aillonsadjutanten, -der meinen R-eiseg-cfähr- ten persönlich kannte. ^Meinetwegen", meinte der Herr Maj-or schließlich, nach einem kurzen Examen unserer mili­tärischen Vergangenheit,wenn Sie irgendwo Platz fin­den . . ." Platz finden? Schon wirbelt die Handtasche im Bogen -in den nächsten Güterwagen, der Mantel hinterdrein und zuletzt der Mensch. Der stolpert über einen keineswegs aüsgezogenen gelben Jnfanteriestiebel, -doch irgendwo im Dunkel fangen schwielige Hände ihn aus und stützen das ver­dutzte Gleichgewicht.Nur rein, nur rein!", sagte eine Stimme. Auf einer Patronenkiste sitzend, findet man sich wieder.

Dös wär g'schafft." Der- Herr bayerische Jägerossizirrs- «spirant lacht über das ganze Gesicht/ ^voher komm'st-dann?" Von Schlesien."Von Schlesien?" Freilich, von Schlesien, echteste schlesische Landwehr.Ja, do -sch-aut's her, was machts dann ihr hi-evheroben?" Was sie nrachen sie rollen, rollen Tag und Nacht, über Schwellen und Schienen, uüd niemand