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Samstag, 29. auguft 1914.
MEud-Kusgabe
Hr. 402. ♦ 62. Jahrgang.
A> Mn Mm siti md u W!
Die Buffen über die Grenze geworfen!
i, ^T.-3. B erl in, 2«. Ang. Unsere Truppe» " Preuße« unter Führung dcS General- Bersten v. Hindenburg haben die vom Flusse larerv vorgegaugeuc ru-fische Armee in starke von 5 Armeekorps und 3 Kavallerie- äl'visionen in dreitägiger Schlacht in der thK ,CMi> ^vuGilgenbnrg-Ortelsbnrg geschlagen «o verfolgen sie jetzt über die Grenze.
^ Der Generalqnartiermcister v. Stein.
^ heldenhafte Vorgehen unserer Truppen gegen die vielfache Übermacht der Russen, dv«f!; 29. Aug. (Eig. Drahtbericht) Der
Lj® Generalgnarticrmcistcr in seiner Veröffentlichung fein/ 1 ®* dlugllst als bevorstehend angekündigte neue - - chcidungskampf hat begonnen. 2lls Einleitung er- z «tr .die Besetzung der Grenzstadt Neide nonrg , 'ch starke russische Kräfte. Die russischen Truppen ^.Undcrtcn die Stadt gründlich und b o ,n b a r- y. e kteu sie dann von den nahen Höhen. Den meisten Ärgern NcidcnburgS, das etwas 6000 Einwohner hat, cs gelungen, nach All enstein zu fliehen. Das Armeekorps griff energisch in die Kämpfe gegen ü". russischen Gegner ein. Die „A l l e n st e i n c r ü.,'tung" kann mit amtlicher Genehmigung 5>lber berichten: Unser 20. Armeekorps steht seit dem ^..dieses Monats morgens im Feuer mit einem an Itii u . ^eit überlegenen Gegner. Dank der Tapser- I. unserer Truppen und Führer ist es den Russen lH ihrer gewaltigen Übermacht nicht gc- unsere Stellungen zu nehmen. Der Kampf st^.stch dann zu einer riesigen Schlacht ans der iBc . Gilgenbnrg-Neidcnbnrg-Ortclsbnrg entwickelt 1.7. zirka 5 0 Kilometer Front. Hierüber teilt ^drat H a g c m a n n der „Marienburger Zeitung" ub das; 2 russische A r m cekorps anfgc- J “ c n worden seien. — Der Kriegsberichterstatter s. »Berliner Tageblattes", der sich in die Nähe des Ü'bfplahes nach D e u t s ch - E y l a n begeben hatte, i^blt, daß er unterwegs ganze Züge mit Flücht- getroffen habe. Die grundlose Furcht in ,Menburg vor deni russischen Vordringen bat sich all- ^^uch gelegt. Viele Familien sind geflüchtet, auch T. oen kleinereil Städten: die meisten jedoch aus den ^^'chen'Bezirken. Der Widerruf der amtlichen Be- , uhnachung, bis jenseits der Weichsel zurückzugehen, !?, bicl zu spät. Es ist sehr viel Schaden ent- ^"^n, ganz abgesehen von der unnötig ■ gewesenen Muhe und der Flucht vieler Tausenden. Über die " su p f e erzählt derselbe Berichterstatter unter dein M- M.: Um 10 Uhr anaelangt, hörten wir Näheres ' ? die seit gestern nachmittag stattfindenden Kämpfe Mer Nähe. Auf der sehr langen Kampf! i n i e f n Rcn unter schweren Verlusten unsere herrlichen Aden gegen die vielfache Über m a ch t, die gut .Merüstet ist, erfolgreich vor. Unsere Truppen wissen,
bis ans den letzten Mann anrommt. Sie leisten Md e n h a f t e n'Widerstand, was später erst richtig urdigt werden wird. Neben den aktiven Regimen- mmpsten auch die der Reserve und der L a n d- zdr mit bewundernswertem Mute. Sie gehen so , rm i sch vor, daß es ihren Führern oft schwer ist, s?on ihrem allzu tollkühnen Vorgehen z u r ü ck- galten.
^ .iMtMIWEe' skMMe M«M.
Das stärkste Vperrfort Lev Franzosen bereits in Lent^'em Vesttz»
Berlin. 2N. Aua. Manonviller,
^ stärkste Sperrfori der Franzose» östlich u Lttneville, ist in dentschem Besitz.
große Sperrfort Marwnviller liegt etwa zehn Kilo- M östlich von Luneville, auf einer Anhöhe nördlich von "einen Flecken Manonviller. Das Fort sperrt die Bahn- ? Straßburg-Avricourt-PariS und den Zuggng nach dem ^ borher in unsere Hand gefallenen Lunüville von Osten.
D.-B. Berlin, LS. Aug. Über das Vorgehen der Mchcn Truppen, die das stärkste Sperrfort Manonviller Mhmen, weiß die „Voss. Ztg." zu sagen: Die Großartig- . "er deutschen schweren Artillerie und der deutschen Bei ^ *Ungsgeschütze hat sich von neuem bewährt.
Die Vierte Rriegswoche.
Auch vom deutschen Osten kommt jetzt die erste Idach- richt von einem ganz großen deutschen Siege! Generaloberst v. Hindenburg hat eine mehr als 5 Armeekorps starke russische Armee in der Gegend von Hilgenberg-Orteisburg über die Grenze zuruckgeworfen lind verfolgt den Feind im nördlichen Rusirsch-Polen.
^ llroße, es ist eine schöne Zeit. Wenn
der Altreichskanzler Fürst Bismarck einst — es sind letzt fast auf den Tag zwanzig Jahre her — im Hinblick ■auf die furchtbaren Opfer, die ein ZweiEampf der Natio- nen mit sich bringt, . die Worte gesprochen hat, „jeder Krreg auch der siegreiche Krieg, ist immer ein großes Unglück für das Land, das ihn führt", so werden wir uns jetzt alle mehr oder weniger zu der entgegen- gesetzten Meinung^ bekehrt haben. Nicht leichtfertig sind wir in diesen Krieg gegangen, aber jetzt, nachdem er ausgebrochen, erkennen wir bereits seine wohltätige Wirkung, spüren wir sie an uns selbst. Haben wir nicht alle eine Umwandlung durchgemacht in unserem Empfinden und Denken? Haben wir nicht so viel Gleichgültigkeit und Selbstsucht aügeschüttclt, ist nicht das Gefühl für das große Ganze auch bei denen sieghaft durchgebrochen, denen früher ihr liebes Ich der Mittelpunkt ihres Gefühlslebens war? Ist nrcht, getreu der Mahnung des Kaisers, Parteienhaß und religiöse Unduldsamkeit verschwunden vor dein einen großen Gedanken, vor dem gemeinsamen Streben, das uns alle beseelt? Wer wurde heute noch das viel mitzbrauchte Wort won der R c i ch s v e d r o s s e n h e i t gebrauchen, und wenn es Lmst eine Mainlinie Mb, so gibt es heute nur noch erne Rivalität zwischen Nord- und Süddeutschland, nämlich die, es dem anderen vorzutun, ein lauterer Wettbewerb, der zunr schönsten Ausdruck gekornnren ist m den herrlichen Siegen, welche die Deutschen aller Stamme unter der Führung des bayerischen und des deutschen Kronprinzen icher die Franzosen davontrligen.
Es war eine Woche der S i e g e s n a ch r i ch t e n. Der Kern der französischen Armee ist auf der ganzen Linke geschlagen worden, von Cambrai und St. Quentin bis zur Vogeiengrenze, und Belgien, das übermütig das weitherzige Entgegenkomnien Deutschlands abgelehnt hat, ist bis aus Antwerpen, in das der Zeppelin bereits seine verderbenbringenden Bomben geschleudert hat, in unserem Besitz, steht unter deutfcher Verwaltiing, und die belgische Presse, die jetzt in deutfcher Sprache erscheint, muß ihre Hetzarbcit er- frenlicherweiw ernstellen. _ Die innigste Freude aber hat es erregt, batz ^ es unseren w-ackeren Truppen vergönnt war, sich mit einem Teil der englischen Landarmee M messen, die John Bull fernen fran- zosrschen und -belgischen Freunden zu Hilfe geschickt hat.
. ~ Gr _ 7 e * * e herrlichen Siegen gegenüber, die wrr auf dem westlichen Kriegsschauplatz z.u verzeichnen haben, wollte es wenig bedeuten, wenn die strategische Lage, die uns zwang, zunächst mit allen Kräften den Feind :m Wepen nledcrznringen, uns die Notwendig-
keit auserlegte vorübergchend einen Teil ost-
prcpßlfcher Erde vor dem Ansturm der Russen zu raumen, denen wir erst nach und nach Streitkräfte entgeaenstellen konnten^ welche die über den Narew
. nach einer dreitägigen Schlacht schneller über die Grenze zurückbefördert haben, als sie hrnnbergekommen sind. Schon beginnt auch der nut u n w c d e r st c h I i ch e m Ungestüm unternommene Vorstoß der L st e r r e i cb i s ch - u n q a r i- scheu Armeen, auf der etwa 400 Kilometer langen Lnne von Wenhsel bis zum Dnsestr, uns auf den: öst- lichen Kriegsschauplatz etwas, Luft zu schassen, und mit gemeinsamen Kräften wird das blutige Werk in Bälde vollendet werden. Es kanii gar nicht genug gerühmt werden, daß unser Bundesgenosse seinen Schlachtplan von Grund aus änderte, daß er die Os f e n s i v e in Serbien aüfgab, um erst dm H a u p t a c g n e r iin Osten zu treffen und dein bedrohten Ostpreußen Hilfe zu bringen. Wenn bei dem Ausbruch des Krieges die Österreicher das Lied sangen: „Ich hatt' einen
Kameraden, einen bessern fmdst du nit", so können wir das letzt Airruckgeben. Diese Bundesgenossenschaft, die
sich bis zum fernen Osten erstreckt, wo der Kreuzer .Ftaiserin Elisabeth" Seite an Seite mit den deutschen Schiffen todesmutig des Ansturms der japanischen Räuberbande harrt, muß und wind Z e i t und Rau m überdauern.
Zwei Völker, die von einer so opferfreudigen Ge- stnnung erfüllt sind und die so treu zusammenstehen, mu,sen pch auch gegen eine Welt von Feinden behaupten. Sieht man doch immer mehr, wie unseren Gegnern, die jetzt schon sieben an der Zahl sind, die Furcht ins schcotternde Gebein fährt. In Frankreich oeginnt das Lügengewebe, mit deni man die Bevölke- rung ^ bisher getäuscht -hat, zusammenzubrechen. Die Engländer bemühen sich, da ihnen sieben gegen zwei noch zuwenig erscheint, vergcklich Italien zu oe- wmnen, an dessen Neutralität jetzt nicht mehr zu zwei- sein ist. Und der Friedenszar versucht durch neuen starken Druck die neutralen Balkanstaaten auf seine Serte^ zu brmgen, ein vergebliches Bemühen, denn in Rumänien hat man russische Niedertracht genuasani kennen gelernt, in Bulgarien hat man keine Neigung, zur russischen Satrapie degradiert zu werden, und die Türken brennen darauf, den Russen ihre Tücke zu ver- gelten, die im letzten Balkankrieg verlorene Waffenehre wiederherzustellen. So erscheint denn der Ring uMorer Gegner endlich geschlossen zu sein. Aber wenn sich selbst n o ch m e h r dazu fänden, wenn wider Erwarten noch mehr Neutrale wankend werden sollten so wird uns das in ilnserem felsenfesten Vertrauen nicht erschüttern, das begründet ist auf die Gerechtigkeit unserer Sache, auf den Kulturkampf unserer Nation, an den wir glauben, und auf die u n e r- schutterte und unerschütterliche Kraft vor allem auch die sittliche Kraft unseres Volkes.
Nasser Wilhelm und Nasser Franz Joseph.
" Pour le merite" für den Kaiser Franz 3»fcWt D°2 "Eistrne Kreuz" für den Gencralstabschef v. Hötzcndorff
ü P ien ' 28 ‘ ^g. Vom Kaiser Wilhelm isi
ber Kaiser Franz Joseph folgendes Telegramm ein- gelaufen: „Gerührt und erfreut danke ich Dir für das herzliche Telegramm, das Deine und Deiner Wehrmacht Empfindungen für meine Armee verkündigt. Auch für die höchst-
^ ^£ “ S E 8 e 1 n 1111 9' mit der Du mich und meine!; Generalstabsches ausgezeichnet, meinen tiefgefühlten Dank Unsere begeisterte Waffenbrüderschaft, die sich auch im f e r n c n O st e n so fest bewährt hat, ist das Schönste in dieser ernsten Zeit. Inzwischen haben auch Deine Truppen in dem SiegevonKrasnik Proben ihrer altbewährten Tapferkeit abgelegt. Nimm als Zeichen meiner höchsten Achtung und Wertschätzung den Orden Pour 1 e ,m e r i t e für Dich freundlichst an. Dem Generalstabschef v. Hötzendorff habe ich das E i s e r n e K r e u z 2. und 1. Klasse verliehen. Gott hat bis hierher geholfen, er möge auch weiter mit unserer gerechten Sache sein. W i l h e l m."
Kaiser Franz Joseph hat darauf mit folgendem Telegramm geantwortet' „Erfüllt es mich mit freudigem Stolz, daß Du den militärischen Maria-Thercsia-Orden ganz in dem Sinne angenommen, in dem ich Dir dieses Zeichen höchsten militärischen Verdienstes gewidmet habe, so bewegt mich die Anerkennung, die Du den bisherigen Leistungen meiner Armee dadurch zollst, daß Du mich mit dem Orden Pour Je rnerite und meinen Generalstabschef, General Konrad von Hötzendorff, mit dem Eisernen Kreuz auszeichnest, aufs tiefste. Habe hierfür herzlichen Dank. Gott helfe weiter. Franz Joseph."
pressestimmen zu der Niederlage der Engländer.
Keine mildernden Umstände für England.
W. T.-B. Berlin, 29. Aug. Die Ilachricht von der Niederlage bei St. Quentin wird für England ein übles Erwachen sein. In der „Krcuzzcitung" heißt es: Der englische Kriegsminister Lord Kitchener hat sich mit großen Hoffnungen getragen. Ob Lord Kitchener an dem Plane festhalten wird, den er im Oberhause entwickelte und der auf dem furchiüar einfachen Gedanken beruhte, daß England in der Lage sei, immer neue Heere ins Feld zu stellen, während die Armeen der Staaten mit allgemeiner Wehrpflicht durch die Kriegsverluste immer mehr zu- sammenschrumpfcn würden, ist doch fraglich. Vielleicht werden die Engländer noch bereuen, den Boden des Fest-
