teliatow iagblatt
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Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf. Güntzelstr. 66. Fernspr.: Amt Uhland 46Ü u. 451. Z?genÄ"W»w."?Nn-s-wth?UKm^
28. Nugust 1914.
Morgen »Ausgabe.
Nr. 399. ♦ 62. Jahrgang.
Dauernde Erfolge auf der ganzen Westfront!
Berlin. 27. Aug. (Eig. Drahtbericht) Der '-Ksberichterstatter des „Berl. Tagcbl." meldet aus ^großen Hauptquartier: Auf der ganzen Westfront ,' |Cn dauernde Erfolge zu verzeichnen sein, denn viele ^Ugcnentränsporte kommen zurück. Ich habe einen " 11 5 ü i f dj c it Transport gesehen. Die Leute einen jämmerlichen Eindruck. Es sind c Verwundete dabei. Die Gefangenen liegen ; ör aifrf) am Boden der Eisenbahnzügc auf Stroh. Die "»genen werden gut behandelt und geben ^ Auskunft über ihr Regiment und die Gefechte. t Organisation des Roten Kreuzes leistet "!i c s, ebenso die private Pflege. Die Verwunde- ^ttid des Lobes voll über die Verpflegung im Felde. ! ist erstaunt, auf den langen Chausseen große ! ,Elt von Kraftwagenkolonnen schwersten Kalibers ^ijen. Aber auch Kolonnen und Regimenter sind t° vorzüglicher Marschordnung auf den Chausseen, nirgends eine Stockung eintritt. ü. Berlin, 27. Aug. Von den deutschen Kriegslasten liegen einstweilen keine neuen Nachrichten J Cs kann aber versichert werden, daß die allge- L E militärische Lage uns weiter zur Zuversicht bc- . Kt und nach wie vor günstig ist. — Großes ^tquartier.
!^«gwy im heldenmütigen Bajonettangriff genommen!
^ ^- Luxemburg, 27. Aug, Aus den Nachrichten hier einge- ; ,iJ ftcr deutscher Verwundeter geht hervor, daß die deutschen in siegreichem Kampf um Longwy, ungeachtet des ^ Zischen Artilleriefcucrs der Franzosen, heldenmütig ^'jonettangriff Vorsingen, und daß die Franzosen, sich außer Fassung gebracht, schleunigst zur Flucht
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ta f Zeppelin über die Tätigkeit der Zeppclinkrcuzer.
<0 Stuttgart, 27. Aug. (Eig. Drahtbericht) Wie der x i!ok.-Anz." berichtet, hat Graf Zeppelin geäußert, über Mjrten seiner Schiffe werde aus guten Gründen ~ gemeldc t. Die Luftschiffe aber seien alle Tage ^rlwcgs und schon tief nach Frankreich vorgedrungen, j c * Lüttich beteiligte Luftschiff sei stark beschossen worden „ Uzwischei, heil zurückgekchrt. Auf die Frage, ob auch nach ^ gefahren werde, meinte der Graf lächelnd: Nur Ge- Vur abwartcn!"
^ wird es nach dem Kriege fein?
O Berlin, 25. August.
| braucht nicht erst zu betonen, daß jeder Ver- t bch über bte Endergebnisse des großen Krieges ^werden, nur mit Andeutungen und Umrissen ar- < kann; es ist viel zu früh, die wahrschein- H Folgen unserer Siege schon heute näher bestim- i 3u wollen. Solchen Versuch unternimmt auch ij, oer Verantwortung vor sich selbst bewußten Be- : und was man bisher von phantastischen
^^Verteilungen vernommen hat, das tzM sich mehr wie eine Spielerei aus. Dahin es z. B., wenn sogar ein Universitätsprofessor sollen nicht auch Professoren dem Reize nach- »' öie europäische Karte ganz gehörig unrzustalten?)
- bloß Russisch-Polen selbständig werden und I s^bien an Rumänien fallen läßt, sondern Rtimä- t '°C!at auch mit Odessa beschenkt, ferner aber die ik > n e und S ü d r u ß l a n d selbständige Staaten läßt. Kurland, Livland und Estland werden H v in der einen oder der anderen Form vom russi- »swicho getrennt; Finnland fällt an Schweden, die lchiebt ihre Herrschaft bis zum Kaukasus vor, aus I n g e r m a n I a n d mit Petersburg 8." Man einen Freistaat bilden. So ergeht sich die ,,Mungskraft eines Jenaer Professors, und wenn seine Darstellung auch als kühne Phantasie so will er keineswegs zugeben, daß sie eine i.msterei sei. Auf eine Nachprüfung dieser Vor- ■ wie wir den doch sicheren Sieg über Rußland
lu Unsere Berliner Post kommt auch jetzt noch immer um !Ostens einen vollen Tag zu spät: und ge- itz ^ bier in Wiesbaden sind in der Beziehung ungünstiger a. B, die Städte am Niederrhein. Der Bericht ^Berliner O-Mitarbeiters ist jedoch noch nicht über- «Äriftl.
ausnutzen sollen, leisten wir Verzicht, und zwar in der Gewißheit, daß sich unsere leitenden Männer zweifellos ein klares Bild davon gemacht haben werden, wie das Zarenreich nach seiner Niederwerfung, die gelingen wird, weil sie gelingen m u ß, fortan unschädlich gemocht werden muß. Es ist nicht zu verlangen, daß uns auch nur leichthin a n g e - deutet wird, welches dieses Bild ist. Die Probleme, die sich zunächst mit dem Akutwerden der polnischen Frage einstellen, sind auch für uns und gerade für itns so schwer und wichtig, daß es geraten erscheint, diese Dinge für jetzt ruhen zu lassen. Zur rechten Zeit wird von ihnen zu sprechen sein, namentlich nachdem gehandelt worden sein wird. Alles übrige, was Professor Reinste mit Lust und Behagen und mit einem gewiß rühmlichen Idealismus der Gesinnung als Zu- klinftsmöglichkeit hinstellt, wollen wir uns natürlich auch merken, aber man muß sich stets klar, darüber sein, daß die gestellte Ausgabe riesengroß ist. Keinesfalls kann es schaden, sondern nur nützen, wenn bei uns diese Fragen mit einer entsprechenden Zutat von Nüchternheit betrachtet werden. Wir wissen z. B. doch nur wenig von der ukrainischen Bewegung. Wir glauben gern, daß dort Losreißungs- bestrebungen bestehen, aber cs ist uns unbekannt (uns allen in Europa), wie tief und wie weit diese Bewegung reicht und ob sie bisher nicht bloß eine der höheren Kulturschicht in diesen Gebieten ist, also die Massen leider nicht in dem Umfange hinter sich hat, von dem man wünschen müßte, daß es der Fall sei. Um von Finnland und von den baltischen Provinzen für jetzt nicht zu sprechen, sei sodann nur noch gefragt, ob man der P f o r t e zutrauen kann, die kaukasischen Provinzen zurückzugewinnen und sestzu- halten, Provinzen, in denen das armenische Element einen so großen Raum einnimmt. Aber, wie gesagt, es ist begreiflich, daß sich die Betrachtungen schon heute auf die Ausnutzung der Ergebnisse des Krieges lenken, nur daß man sich immer klar darüber sein muß, daß nicht jede Möglichkeit auch Wirklichkeit werden kann. Qr§ steht im Westen nicht anders. Nur das eine wissen wir, daß die Abrechnung mit Frankreich ilnd Belgien g r ü n d-
1 i ch und dauernd sein wird, wodurch sich unsere Rechnung mit England, gleichviel wie der Seekrieg ausgehen sollte, ganz von selbst in gleichwertige und endgültige Ordnung bringen lassen wird. Was mit Belaicn jit geschehen haben wird, das bleibe hier unberührt, aber die Sicherheit besteht, daß namentlich in dieser Frage die Reichsleitung bereits ein klares Ziel vor Augen hat, von dem es das Schönste und E r f r e u l i ch st e ist, daß cs schon heute als g e- sichert gelten kann. Denn wie der Krieg im Westen begonnen hat, so wird er auch bestimmt weiter verlaufen. Die Kraft unserer Feinde ist schon heute gebrochen. (Nach den inzwischen eingetroffenen neuen Berichten über die weiteren Erfolgs im Westen, die der Verfasser noch nicht kannte, trifft das e r st recht zu. Die Franzosen sind in der Tat in ihrer H a u p t k r a f t, wenn wir uns auch beileibe die weiteren bevorstehenden Ausgaben nicht leicht vorstellen wollen, schon gebrochen. Im Westen ist bereits der Anfang vom Ende da. Schriftl.) Die Unschädlichmachung Frankreichs für unabsehbare Zeit muß und wird erreicht werden. Um nur eines herauszuheben, so wird es Frankreich nicht erspart bleiben, daß es allein schon durch den unaufhaltsamen wirtschaftlichen und finanziellen Z u - sam menbruch Rußlands in eine Finanzkatastrophe ohnegleichen in der Weltgeschichte wird hineingerissen werden müssen. Die
2 0 Milliarden, die Frankreich an Rußland geliehen hat, sind schon jetzt verloren. Was noch Nachkommen wird, wollen wir nicht weiter ausmalen, und nicht einmal von der K r i e g s e n t s ch ä d i g u n g sprechen, die uns die geschlagene Republik zu zahlen haben wird. Wichtiger als dies alles wird es sein, daß ein besiegtes Frankreich England seiner „Soldaten auf dem Festlande" beraubt und ffir Ruß- land den Wert des Zweibundes bis zur Unkenntlichkeit Herabetzen wird. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Vorschlägen eines Jenaer Professors zu einer Veränderung der "Landkarte sind das keine s p re l e r i s ch e n A u sd eu tu ng e n, sondern es sind T a ff a ch e it, die sich mit zwingender Kraft als ore Ergebnisse unserer S i e g e werben ein- stellen müssen. An diese Tatsachen können wir uns
schon h e u t e halten. Sie geben uns die Gewißheit, daß der Krieg uns mit einem ungeheuren Ruck für lange Zeit Luft in Europa und in der Welt verschaffen wird, und daraus kommt es zuerst und zuletzt an. __
Oie Hüffen als Gegner.
Von George Clcinow.")
I.
5000 Russen gefaiigen! Kosaken verkaufen ihre Pferde! 8000 Russen gefangen! 600 Russen gefangen! Ein merkwürdiger Gegner. Wer die savmatische Verschlagenheit der Russen kennt, wird angesichts dieser Nachuichten leicht auf den Gedanken kommen, die Russen wollten uns eine Falle stellen, indem sie ihre Truppen veranlassen, zu uns überzugehen, bis es schließlich mühr Russen in Deutschland gibt als deutsche Soldaten. Andererseits befremdet es, daß gerade die Kosaken ihre Pserde verkaufen. Vom Kosaken weiß man, daß er sein Gut, sein Land, sein letztes Hemd um ein paar Sillbertinge verkauft, daß er seine Frau und die kaum herangetoachfene Tochter für einige Rubel — ach, für Kopeken! — dem Mäd- chenhändler verschachert, aber daß er sein Pferd verkauft, davon ist bisher in der Geschichte der Kosakenheere noch nichts erzählt worden. Es sind mir bei diesen Nachrichten Zweifel aufgetaucht, ob nicht Verlivechselungen vorliegen, ob es sich nicht um berittene Truppen des Grsnzkordons handelt, die, bekanntlich eine Schaffung des Grafen Witte, als Zolltruppen dem Finanzminister und nicht dem Kriegsrninister unterstehen. Weiter möchte ich^ glauben, daß es sich nur um solche Regimenter handelt, die zwar dem Namen nach Kosaken» Regimenter sind, die sich aber längst nicht mehr aus dem Don-, Kuban- oder Uralgebiet rekrutieren, sondern aus ganz Rußland, vielfach auch aus Litauen, und keine eigenen Pferde «Wringen. Doch sei dem wie es sei, die russische Armee gibt uns Rätsel auf: sie hat allem Anschüin Nach die Offensive ergriffen und die Heerführer denken anscheinend daran, zum mindesten Ostpreußen und Wesipreußen bis an die Weichsel mit ungezählten Scharen zu überschwemmen. In Wien machte mich aus die beätzsichüigte Offensive noch am zweiten Tage der ösierreichifchen Mobilmachung ein russischer Journalist aufmerksam mit dem Hinzufügen, es sei dies besonders die Idee Rennenkamps gewesen, des bekannten Reiterführers aus dam Mandschurischen Krieg; Gutes aber könne die Offensive für Rußland nicht bringen, denn wo der Russe offensiv gowesen sei, habe er Schläge bekommen. Wir wollen darüber heute nicht streiten, oib der Pessimismus des russischen Zeitungsmannes gerechtfertigt ist, obwohl er sich mit den Auffassungen so hervorragender Beurteiler der russischen Sol- datenpshche deckt, wie es unser Generalleutnant Freiherr Freykag-Lorringlhoven ist, dessen bei Mittler u. Sohn, Berlin, kürzlich erschienenes Werk „Die Grundbedingungen deS kriegerischen Erfolges" ich jedem Leser dieser Zeilen gern empfehlen nrächte. Wir wollen auch nicht damit rechten, ob sich in den letzten dreißig bis vierzig Jahren nicht doch manches in der russischen Armee zum -Vorteil geändert hat. Genug, wir wollen den Gegner nicht unterschätzen, und so sei daran erinnert, worauf ich hier ini Mai nach meihrwöchigem Aufenthalt in Petersburg aufmerksam gemacht habe, daß die russischen Truppen, die ich gesehen hatte, gegenüber 1908 einen ganz ausgezeichneten Eindruck auf mich machten. Mchtig ist, daß der Krieg trotz Ssuchomlinows, des Kriegsministers, breitspurigem „Die Armee ist bereit" für die Armee zu früh gekommen ist, denn die Kriegstreiber in Frankreich und an der Newa hatten sich erst für 1916 eingerichtet, wobei sie auf die Frisdenspolitik Kaiser Wilhelms II. spekulierten. Einer unfertigen Armee g>egenü!ber fallen aber die theoretischen Beurteilungen gewöhnlich ins Wasser, weil eine solche Fülle unvorhergesehener Momente auftaucht, die die Schkagfertigkeit dieser unfertigen Armee nach allen Richtungen hin beeinflußt, daß man überhaupt ein sicheres Exempel nicht aufstellen und durchführen kann. Man muß stets auf das Schwerste gefaßt sein, ohne deshalb den Kopf hängen zu lassen. Um so interessanter ist es, sich zu vergegenwärtigen, wie es im Innern des Landes aussieht, welche politische Wühlereien und Gegenfätz« auftauchen, die dann von hinten her einen Einfluß auf die Armee und die Kriegsleitung gewinnen.
Der.ausgebrochene Krieg ist für die Russen kein Volkskrieg. Es ist nicht einmal ein Kabinettskrieg. Tenn die politisch verantwortlichen Teile des russischen Kabinetts, der greise Goremhkin, der Agrarveformer Kriwofchein waren entschiedene Gegner der Kriegstreiberei-en, und wenn mir Goremhkin persönlich sagte: „Wir gebrauchen 25 Jahre Frieden, um die inaugurierten Reformen durchzuführen", so war das nicht allein Wahrheit, sondern feine innere feste Überzeugung. Den
*) Die nachstehenden Ausführungen verdienen das Aufsehen, das sie zweifellos erregen werden. Hier spricht einer unserer besten Kenner des russischen Volkes und der russischen Politik, der noch vor wenigen Monaten mit den Lenkeni dieser Politik in versönlichor Fühlung stand. Wir empfehlen die beiden Artikel brr vslovdKLN Beachtung unserer Leser. D. Sfy j
