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Mittwoch, 26 . Slugust 1914 .
! ^ur Einnahme von Namur.
p Der Bericht eines Kriegsberichterstatters.
S t • Berlin, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht) Über die von Namur berichtet der Kriegsbericht v Wv * r "Berliner Tageblattes" u. a. folgendes: i 1 gj komme soeben von einer Autofahrt zurück, die v ^ über 900 Kiloineter erstreckte. Wir sind gestern »' scheute über Jülich-Eschweiler und Stachen zunächst ,-N Lüttich gefahren mit allen der Westarmee zuge ^ chten Militärattaches. Montagmittag waren ^ in Lüttich. Die Stadt ist jetzt von ungefähr u deutschen Korps besetzt. Im Justizpalast befin- d L, "ch das deutsche Gouvernement. Die t c a ^rüdfe ist durch die Belgier gesprengt worden ,, Pioniere haben in zwei Tagen eine neue . J u ck e, 20 Meter weiter nördlich gebaut. Alle Brief . in der Stadt tragen setzt die Aufschrift „Deutsche \ ^dpost". An allen Ecken sind M a u e r a n s ch l ä g e "entscher, französischer und flämischer Sprache zu b- Auch die d c u t s ch e n Siegesdepeschen fn täglich dreisprachig angeklebt. Lüttich 'k keinerlei Verwüstung; nur was die Belgier an i Wecken selbst gesprengt haben. Die Eisenbahnzüge
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Munition und Proviantkolonnen fahren h e u t e
c M (der Bericht datiert vom 25. August) bis Namur. tallen Transportzügen tönen Gesang und §i'™, e ■ • Die Haltung der deutschen Mannschaften ist
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Hurra
„ -- - ... -,--- ist b e-
^ ü d e r u n g s w e r t. Nach der Fahrt durch die y Stadt haben wir das Fort Loucin besichtigt. Wir ^ durch das ganze zerstörte Fort gegangen. Die Wüstung ist furchtbar, in der Geschichte nie gesehen. A B e t o n g u a d e r b l o ck vom Rauminhalt eines Zimmers ist in bie Luft geflogen, dann wieder „^uter und hat die Besatzung begraben. Noch 150 r liegen unter, den Trümmern. Unter einem .Merblock fand man einen . Toten ohne Kopf, der ab- die Hand an den Block hält. Die Airf- iftl
an
Nungsarbsiten sind in -vollem Gange. Ich traf Muster Landwehrleiite, die zur Bewachung dienen i? guter Laune sind. Das Fort wurde aus zwölf .Meter beschossen. Die deutsche Artillerie hatte !!üen Versager. Man sicht keine toten deutschen steten mehr in den Forts und auf den Chausseen.
ist alles aufgeräumt und bereits neu- ? a u t. General Läman ist bewußtlos gefangen mchwen worden; er ließ sofort ein Protokoll unter- Aen, daß. er bewußtlos gewesen sei.
-.Mnn ging es nach Namur, wo wir gegen 1 Uhr .chlfon. Es war eine tollkühne Fahrt, da auf ; .Ports noch geschossen wurde, und wir nicht wußten, M schon genommen seien. Gerade vor unserer An- : 7 waren Belgier und Franzosen geflohen. Jeder -,^dat hat im Tornister Zivilzcüg. Wenn er '■?b zerbricht er das Gewehr, zieht Z r v r l- , 1 der an und hebt die Hände hoch. Wir sahen am Je Hunderte von W a s f e n und Uniformen, ?Uster und Patronentaschen mit 100 000 Patronen, r belgischen Soldaten, die jämmerlich aussehen,
. nur je 300 Patronen und den Zivilanzug rin Mster, keinen Proviant, kein Wasser. Das -erste Ijy von Namur war Montagmorgen ^ 7 Uhr ^!N. genommen worden. Um 7 Uhr 45 Min. streg
e u t s ch e Flagge dort hoch. Die Brücke über die
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u®- nach Namur ist gesprengt. Pioniere sind schon -/rt Arbeit, eine neue Brücke zu bauen. Während °en noch nicht genommenen Forts bte Geschütze J Uns donnerten, kam singeird ein stürmendes ^n- jLeregiment gezogen. Namur wurde mit schweren .Maubitzen und 3i-Zentimeter-Mörsern und einer entinreter-Hanbitze beschosicn. Wir konnten hören, .die Geschosse einschlugen. Alles ist verwundert das d e u t s ch e P r ä z i s i o n s s ch i e ß e n. , ^ch > Unterwegs' Militärärzte, die voll Abscheu über }. belgischen Greuel waren. Belgische Soldaten sich tot und spießen dann die Verwundeten auf. Wurden in Schützengräben von deutschen Truppen > m u l a n t c n gefunden. Die Bevölkerung von Denier hat den durchziehenden deutschen Soldaten st^ttenpäckchen gegeben. Alle Zigaretten aber hat- juwendig einen P n l v e r st r e i f e n, der beim Wtzden explodierte und den Soldaten die Augen Meißen sollte. Ich habe Hunderte solcher Zigaretten l^ßesehen.
Wr Dunkelbeit fuhren wir dann nach Lüttich zuruck, ;j M durch die F r a n k t i r e u r g e g e n d kommend, (dein Auto, sahen wir eine Wache mit Gewehren. Kleiber hielten die Revolver nach rechts und links. HRMen glücklich nach Lüttich. Nach 4 Uhr ging es >5 zum Hauptquartier. Unterwegs besichtigte ich Irrte Battice und Herde. Sie sind dem Er d- M gleich ge macht. Von vielleicht 500 Häusern i,,Herde stehen noch 19. Überall liegen Leichen, ist Brandgeruch. Die Kirche ist ein wüster Merhaufen. Es gibt aber auch Häuser, dre vor-
Kbenö-Kusgabe. Nr. «SS.. «2. Jahrgang.
schont wurden, soeil nicht aus ihnen geschossen worden war. Sie trugen ein Schild: „Nicht schießen, gute Gesinnung." Oder. „Personen da unschuldig". Das gleiche Bild zeigt sich auf dem ganzen Wege, bis Lüttich. Die belgische C h a..u s s e e ist in 39 Meter Abstand überall a u f g e r i s s e n und es sind Barikaden gebaut. Aus den zerschossenen Häusern tritt aus den Kellern st a r k e r Verwesungsgeruch. Wir konnten oft nicht stehen bleiben. In allen Dörfern hält die Bevölkerung instinktiv die Hände hoch oder grüßt, wenn wir vorbeikommen. Aus allen Häusern wehen weiße Fahnen und Handtücher. Das Land ist wie a u s g e st o r b e n. Das belgische Vieh ist nicht abgetrieben, sondern weidet friedlich. In einigen Höfen sind noch die Hühner zu sehen. Die Häuser wohlhabender Leute sind alle leer und verschlossen. Jetzt sind überall a u f g e r i s s e n und es sind Barrikaden und deutsche Wegemarkierungen. Die Organisation ist e r st a u n l i ch, so daß die fremden Militärattaches stets in V e r w u n d e r u n g waren.
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Die „Franks. Ztg." schreibt aus Berlin, 85. Aug.: Die Freude. und Genugtuung über die Einnahme von Namur kommt in allen Blättern zum lebhaften Ausdruck und daneben wird auch von militärisch kundigen Federn die strategische Bedeutung des Besitzes dieser Festung erörtert, die die Übergänge über die Maas und Sambre sperrt und alle von dort nach Frankreich, Belgien und Luxemburg leitenden Wege beherrscht. Konnte man den Fall von Lüttich als das Resultat eines in der Kriegsgeschichte unerhört dastehenden kühnen Hand st reich cs ausfassen, so handelt es sich bei Namur um die regelrechte Belagerung einer genügend vorbereiteten und armierten Festung. Dah diese in w e n i g e n- Tagen durch unsere 42-Zentimeter-Geschütze zur Übergabe gezwungen worden ist, bestätigt, datz dieses Kruppsche Geschütz, das unseren Gegnern bisher ein Geheimnis war, tatsächlich ganz Unerwartetes leistete und eine umstürzende Änderung im Festungskrieg herbeisührt,. so das; auch die Eroberung der weiteren Festungen, die unseren Heeren auf ihrem Wege noch entgegenstehen, sich, anders gestalten .wird, als unsere Gegner angenommen haben. Das ist eine der großen Überraschungen des Krieges und, nebenbei bemerkt, nicht die letzte. Mehr laßt sich darüber zurzeit nicht sagen.
Das erste Gefecht der „81«".
Dw „Franks. Ztg." schreibt: Wenn dereinst die Geschichte oes Krieges von 1614 geschrieben wird, dann wird darin einen hervorragenden Platz einnehmen das Gefecht bei Libra- mont in Belgien. wo ein deutsches Armeekorvs gegen drei französische. Armeekorps den Sieg, behauptete. Rach den Schilderungen verwundeter Krieger vom Infanterie-Regiment Nr. 81 soll hier ein kurzes Bild von dem Gefecht gegeben werden, in das die „81er" erfolgreich eingriffin. Wir hätten bisher, so erzählten dem genannten Blatte zwei verwundete Soldaten, noch keine Schlacht mitgemacht. Wohl waren wir unterwegs beim Passieren von belgischen Dörfern von Zivilisten mehrfach aus dem Hinterhalt beschossen worden, worauf wir kurzen Prozeß machten und die Franktireurs aufhängten, da die Kugel für solches Gelickter zu schade ist. Auch die S a n i t ä t s kolo.n n e n wurden öfters von Zivilisten beschossen. Samstag, den 22. August, hatten wir nun unser erstes Gefecht. Gegen 4 Uhr nachmittags bekamen wir den Befehl, zur Unterstützung anderer Truppen den von französischen Soldaten besetzten Ort Mer- saille, 10 Kilometer südwestlich von Libramont, anzugrerken. Mit anfgepflanztem Seitengewehr - ging es durch den Wald. Da begegneten uns schon Verwundete von; zwei anderen Infanterie-Regimentern. Bald waren wir vorn und wurden vom Feind mit Granaten und Schrapnells beschossen. Rechts und links lichteten sich unsere Reihen, aber es ging rastlos vorwärts. Als wir den Wald verlaßen hatten, sahen wir rn einer Entfernung von etwa 150 Meter eine Anhöhe, die von feindlicher Infanterie und Artillerie besetzt war. An Deckung war nicht viel vorhanden. Wir standen mitten im Hafer und schossen auf den Feind, dann ging es im Lauf- s ch r i t t z u m Sturm auf die Anhöhe. Daß nun nicht alle niedergemetzelt wurden, liegt an dem schlechten Schießen der Franzosen, die wohl heftig drauf los schießen, aber nicht dabei zielen. Bald war die Anhöhe in unserem Besitz und der Feind in voller Flucht. Wir verfolgten ihn 10 Kilometer weit. Zn einem Schützengraben fanden wir etwa ein Dutzend Franzosen, die keinen Laut von sich gaben und „Tote" markierten. Wir merkten aber bald die List und machten sie zu Gefangenen. Der Feind erlitt starke Verluste, aber auch wir hatten viele Leichtverwundete. Bei dem Sturnr auf Mer- saille ergriff unser Oberst, Prinz Friedrich Karl von Hessen, die rinhne und trug sie seinen Soldaten voran. Das Gefecht und die Verfolgung der Feinde hat bis in die Nacht gedauert.
Vas französische Eingeständnis der Niederlagen.
Die Dcutschcir schon bei Lille!
W. f.-B. Berlin, 26. Aug. Nach einem italienischen Blättern zngcgangenen und aus Rom übermittelten offiziellen Bericht ist in P a r i s am 24. August um 11 Uhr abends s o l - ge »des Communique ausgegcbcn worden: Westlich der Maas wurde unsere Armee von de» Deutschen angegriffen und hielt bewunderungswert stand. Zwei französische
Armeekorps rückten vor und wurden von einem mörderischen Feuer empfangen. Sie wichen jedoch nicht. Als aber die preußische Garde einen Gegenangriff ausführte, inusitc sie sich z u r ü ck z i e h c ». Der Feind hatte enorme Verluste. Ö st l i ch der Maas hatten die Franzosen in schwierigem Gelände eine Vorwärtsbewegung gemacht und wurden dann heftig angegriffen. Nach sehr lebhaftem Fcncr mußten sic zurückgchcn. Südlich der Semois nahmen englische und französische Trupvcn eine gedeckte Stellung; sic blieben intakt. Unsere Kavallerie hat nicht gelitten. Der pshchischc und moralische Zustand der Truppen ist ausgezeichnet. Die französische Armee wird jetzt defensiv bleiben, um die Offensive im geeigneten Monient wieder anfzunehmen. Unsere Verluste sind bedeutend, aber nicht genau anzugeben. Die Mitteilung erklärt schließlich, es sei zu bedauern, daß der Angriffsplan seinen Zweck nicht erreicht häbe, und fügt dann hinzu; die defensive Stellung der Franzosenj bleibe gegenüber dem Feind, der schon geschwächt sei, (?) vollkommen fest. Teile einer selbständigen deutschen Kabullcricdivision auf dem äußersten Flügel seien in das Gebiet von Roubaix-Tourcoing (bei Lille) c i n g e d r u n g c n, das nur von Territorraltriippeu verteidigt würde.
Die Kämpfe an der Maas.
A Haag, 26. Aug: (Eig. Drahtbericht) Das „Echo de Paris" meldet über die Kämpfe an der Maas: Am Sonntag standen 400 000 Franzosen und 40 000 Engländer gegen die Deutschen. Zuerst waren die afrikanischen Truppen westlich der Maas Herren des Terrains. Da ließen die Deutschen die Garde Sturm laufen, worauf die Truppen der Verbündeten, namentlich die Afrikaner, wichen. Die Deutschen hatten allerdings 700 000 bis 800 000 Mann (?) und die besten Stellungen.
Preffcstimmen zu dem französischen Eingeständnis.
W. T.-B.Scrliit, 26. Aug. Zu dem französischen Eingeständnis der Niederlage sagt die „Vo.ss. Ztg.": Die Franzosen haben die Niederlage, bte sie in den letzten Tagen erlitten haben, auf die Dauer nicht verheimlichen können; sie versuchen, sie aber minder schwer hinzustellen. Die in der Mitteilung vom 24. August erwähnten Ereignisse westlich der Mäas sind bisher bei uns noch nicht bekannt gewesen. Darnach sind die Franzosen westlich der Maas vorgegangen, aber z u r ü ck g c schlage n worden. Auf dem äußersten nördlichen Flügel soll die deutsche Kavallerie bereits die Gegend nördlich LiIlet-erreicht haben.
Oie deutsche Verwaltung in Velgien.
Fcldmarschall v. d. Goltz Gcncralgonvcrneur.
IV. T .jß. Berlin, 25. Aug. Mit der Vcrivaltung der okkupierten Teile des Königreichs Belgien ist vom Kaiser unter Ernennung zum Gcneralgouver- n e u r Gencralfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz beauftragt worden. Die Z i v i l v e r w a l t u n g ist, wie gemeldet, dem zum Verwaltnnstschcf ernannten Regic- rungspräsidentrn v. S a n d t (Aachen) übertragen worden, dem für die Dauer seiner Tätigkeit das Prädikat „Exzellenz" bcigclcgt ist. Dem Vcrwaltungschef sind beigegcben Oberrcgicrungsrat v. Wussosv (Kassel), Landrat Dr. K a u f m a n n (Euskirchen), Justizrat T r i m b o r n, Mitglied des Reichstags (Köln), der bisherige Konsul in Brüssel Legationsrat K c m p f s sowie der Bürgermeister v. Loebell (Oranienburg). Die Berufung weiterer Beamten, insbesondere von Technikern der Berg- und B a u v e r w a l t u n g, ist in Aussicht genommen. Gcneralgouverneur General- srldmarschall Freiherr v. d. Goltz hat sich zur Übernahme seiner neuen Tätigkeit bereits nach Belgien begeben.
Kricgsschabungen in Stadt und Provinz Lüttich.
= Lüttich, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht) Die ,Deutschen haben der Stadt Lüttich eine Kriegsschatzung von 10 Millionen und -der Provinz eine solche von 50 Millionen auserlegt. Um ein F a u st p f a n d in Händen zu haben, haben sie das Eigentum der Banken und der Finanz,gesellschaften in Lüttich mit Beschlag belegt.
Prinz Friedrich von Sachsen-Meiningen gefallen.
W- T--B. Berlin, 26. Aug. Das Hofmarschallamt teilt mit: Prinz Friedrich, der Bruder des Herzogs von Sachsen-Meiningen und der Vater der Grotzherzogin von Sachsen, ist am 23. August vor Namur durch einen Granat- schuß getötet worden. (Der gefallene Prinz ist am 12. Oktober 1861 zu Meiningen geboren und seit April 1889 mit Prinzessin Adelheid von Lippe vermählt. Dieser Ehe sind 3 Söhne .und 2 Töchter entsprossen. Prinz Friedrich von Sachsen-Meiningen war zuletzt Generalmajor und Kommandeur -einer Feldartilleriebrigadc.)
Die Fahne des 1. Bataillons der Mer vermißt und wrcdcrerlangt.
Bekanntlich hatte das mecklenburgische Füsilier-Regiment Nr. 90 in Rostock, wie aus der Verlustliste hervorging, bei dem Sturm auf Lüttich schwere Verluste erlitten, und es siel besonders die große Zahl der Vermißten auf. Jetzt wird bekannt,
