No. L Freitag den 2. Januar 1857*
Einladung zum Abonnement.
Mit dem 1. Januar 1857 beginnt für das Wiesbadener Tagblati ein neues Quartal, worauf mit 30 fr. oder nach Belieben auch für mehrere Quartale abonnirt werden kann; für auswärts mit Zuschlag der Postgebühr. DaS Wiesbadener Tagblatt erscheint mit Ausnahme deS Sonntags täglich in der bisherigen Weise und wird nach Wunsch den verehelichen Abonnenten für 9 fr pro Quartal ins Haus gebracht. Durch seine große Verbreitung sowohl in hiesiger Stadt als allen Theilen des HerzogthumS versprechen Bekanntmachungen aller Art den besten Erfolg, die mit 2 fr. die Zeile in gewöhnlicher Schrift berechnet werden. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der unterzeichneten Verlagshandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern zu machen.
_________________L. Schellenberg'sche Hof-Buchhandlung.
Zum nmen Jahre 1857.
Rasch flieht die Zeit, — Sekunde um Sekunde Eilt in das Lager der Vergangenheit.
Don allem Flücht'gen aus dem Erdenrunde
Ist doch das Flüchtigste die edle Zeit;
Nie rasten ihre pfeilgeschwinden Flügel, Gar schnell vorüber zieht des Lebens Tramit Und von der Wiege bis zmw Grabeshügel, Wie karggcmeffen ist der kurze Raum!
Auch jetzt ist wieder eines von den Zähren Zu seinen altern Brüdern hingeeilt, Und während seiner kurzen Herrschaft waren Uns Freud und Leid abwechselnd zugetheilt; Es brachten uns die Tage manche Rosen, Doch auch an Dornen mangelte es nicht; Bald schreckte uns der Stürme wildes Tosen, Bald sah'n wir wieder gold'nes Sonnenlicht.
Sein Amt hat auch in dem entschwund'nen Jahre Der düstre Todesengel ausgeübt.
Und manches Haupt gebettet auf die Bahre, Von dem der Abschied innig uns betrübt. Wir rufen heute den geliebten Todtcn Ein: „Schlummert sanft!" aus vollem Herzen zu; Ein Segenswunsch sei ihnen dargeboten, Nichts störe ihre stille Grabesruh'!
