Verlag Langgaffe 21
„Tagblatt-Haus".
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Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts- Berlin-WilmerSborf. Güntzelstr. 66. Fernspr.: Amt Miland 450 u. 4SI.
trvoch, 26. Kugust 1914.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 395. ♦ 62. Jahrgang.
3'r er ften amtlichen Verlustlisten in diesem Kriege ^chnen die ersten Toten, die für das Vaterland ge-
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iy e ^ sind. Über den gerechten Schmerz, den der Hellst bei den Angehörigen auslöst, erhebt das tröstende
zm^tsein, daß den Gefallenen die höchste Ehre be ist. Denn süß und rühmlich ist es, fürs Vater
.fu sterben. So lautet ein Satz der alten Römer, bei allen Heldenvölkern. Heldenhaft kann nur sein, das als der Güter höchstes nicht das
>terst^^?Ertet. sondern dieses für das höhere Gut der
Indischen Ehre und Größe, für das Gesamtwohl Ä ri? opfert. Es gehört zum Heldentum, daß der
5 ^ür das Vaterland von denen, die ihn sterben, aber
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empfunden und nicht. in untröstlichen
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denen, die den Heldentod betrauern, als süß
bejammert wird. Wie vielfach bezeugen mberichte aus unserer deutschen Heldenzeit, letzte Gedanke der für das Vaterland Sterben- ^ ""^Bewußtsein gewesen ist, einen süßen und rühm-
? Tod zu erleiden!
^ds^dem Schlachtfelde von Königgrätz haben tzreu- s. Soldaten noch im Sterben freudig eingestimmt, Musik das Preußenlied spielte und an dessen
erinnerte: „Daß für die Freiheit meine Väter
im Kriege von 1870 nach blutigem Waffengange l ; 9 Wilhelm unter seinen siegreichen Truppen er- * n .’ haben sich auch die, die bereits der Tod gezeich- i «Ute, aufzurichten gesucht, um ihrem König den f 9 , Jubelgruß zu entbieten, und wenn die erbleichen- H'-vven das nicht mehr vermochten, so haben sie mit
e!t : das deuten, merkt es, meine Farben an!
Freude den Siegesinbel ringsum vernommen
>^oll ist. Wer den Heldentod für das Vaterland ti ■ hat gerechten Anspruch zwar, betrauert zu wer- s "ber dabei darf es nicht bewenden. Dem Helden-
, . n °cf) mit dem letzten Lebenshauch bekannt, daß für "b Sterben für König und Vaterland fitfr und
«| e ätemt es, daß Heldensinn ihn. als den schönsten
. ltn.S S&.rnn'HilirfyJmahrnüVlrtfir ®la$e. mit
und nach schmerzlich-wehmütiger "Ulfter Bewunderung ehrt.
Heldenväter sich beim Heldentode ihrer Söhne t^Uen, dafür haben wir herrliche Beispiele. So
A bei Sedan dem kommandierenden General von und deni preußischen Kriegsminister v. Roon «, e gefallen. Über die Beerdigung des Sohnes berichtet Bernhard Rogge, der .'damals Feldheer war, in seinen Kriegserlebnissen:■ „Wenn
^entod überhaupt ein schöner und lieblicher ist,
w ^ mit Recht in Lied und Spruch des Volkes ge- g. Wird, so traf das gewiß hier zu, wo die Palme wichen Sieges die Gräber überschattete. Gene-
>^wd seine tapfere und freudige Ergebung war für ^Anstehenden die erbaulichste Grabrede." k,No tapfer und freudig war die Ergebung Roons ! u, "vode seines Heldensohnes. Dieser, Artillerie-
3t
^«nn, war vor Sedean tödlich verwundet worden.
^ Kriegszeiten rheinabwärts.
^ÜmmungNüild vom Niederrhein und aus Holland. Von Artur Hoffmann (Düsseldoüf). i^stchland ist vom postalischen und telegraphischen Ver- I- f U_ fast der gesamten übrigen Welt abgeschlossen. Nur itz^nvlich und sehr verspätet .gelangen Nachrichten . aus stz?^nd zu uns. Namentlich weiß das deutsche Publikum tz Wer den Eindruck, den im Auslände die gewaltige, ern- C. ^Hebung Deutschlands gemacht hat. Um diese Stim- Auslände aus den belgischen, französischen und eng- ^ •ötottern kennen zu lernen, begab ich mich am Sonntag neutralen Holland, das ja in Post- und Telegraphen- nt 't unseren Gegnern steht.
.^ benutzte den holländischen Rheindampfer „Siegfried", | \\u dreistündiger Verspätung Düsseldorf gegen 10. .Uhr io n . ctct R§ verließ. Mit mir ging ein Teil der englischen “ijj Düsseldorfs an Bord. Der „Siegfried" beheübergte Une große internationale Gesellschaft, meistens Hol- sich infolge der Mobilmachung in ihrer Heimat
to 9,11 0 zwar langsam vor sich, aber imrnerhin bedeutend
tz,Mußten, und Kurgäste aus aller Herren Ländern, die tzmstrweg nach Rotterdam benutzten, um von dort aus
streife über See anzutreten. Die Beförderung zu
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,j,^ als auf dem Landwege, da durchgehende Züge be,
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in Deutschland nicht mehr existieren und die Be-
k 9 der Militär-Lokalzüge ein Vergnügen eigener Art -st,
Wuf der Heimreise am eigenen Leibe verspüren mußte. <8 ^ ^wzige Gesprächsthema an Bord war natürlich der ^ interessierte mich besonders, die Ansichten der eng- iW- iT’ttßiere über die Kriegserklärung Großbritanniens x?s!chtand kennen zu lernen, und bald war ich denn auch Söhnen und Töchtern Albions in Konversation, ’^n alle unsere ausziehenden Krieger, die Organisation
Den aus ber Schlacht herbeigeeilten älteren Bruder fragte der Verwundete, seine brennenden Schmerzen vergessend: „Haben wir gesiegt?" und vernahm leuchtenden Auges die Siegeskunde. Rogge, der Schwager Ztoons, hatte dem im Hauptguartier weilenden Vater die Todesbotschaft zu überbringen, ber von seinem sterbenden Sohne mit schwerem, aber tapferen: Herzen Abschied genommen hatte. Bei der Nachricht von dem zur Wirklichkeit geworbenen Verluste übermannte ihn doch einen Augenblick der Schmerz, und er fiel seinem Schwager, noch ehe dieser ein Wort gesagt hatte, mit lautem Schluchzen um den Hals. Dann aber faßte er sich auch gleich wieder. Wo so viele Väter, sagte er, ihre einzigen Söhne hätten hingeben müssen, wie dürfe er sich da beklagen, daß auch von ihm dies Opfer ge- foridert wäre. In einem Briefe an einen Freund schrieb Roon damals aus dem Hauptquartier: „Die
Arbeiten und ernsten Zerstreuungen des blutigen Handwerks verhindern glücklicherweise sentimentales Grämen: aber wund wird eine Stelle meines Herzens noch lange bleiben. Mag es sein! Wo so viel Großes und Überwältigendes vorgsht, da kann der Kummer des einzelnen nicht der Grundton des männlichen Daseins werden." Und in einem Briefe Roons an seine Frau heißt es: „Gott stärke und stille Dein Mutterherz, auf -aß Du den Schlag mit kindlich-ergebenem Sinne hinzunehmen vermagst. Im übrigen laß uns der heutigen Losung gedenken: „Ich danke dir, Herr mein Gott,^ von ganzen: Herzen .und ehre beinen Namen ewiglich." Ja zu danken, von Herzen--zu danken, statt zu klagen: dazu bin ich ganz besonders berufen. Unser Sohn ist uns vorausgegangen, was ist das weiter! Und sein Abgang aus dieser Zeitlichkeit war ohrenreich." Der Kronprinz fragte Roon, wie die Mutter des Sohnes Verlust ausgenommen habe. Als Roon antwortete, sie habe geschrieben: „nun brauche man sich
doch nicht mehr vor anderen zu schämen, die so viel schwerere Verluste erlitten" — hat der Kronprinz mit Tränen in ben Augen gesagt: „Danken Sie Gott, daß Sie eine heldenmütige Frau haben!"
Einem Freunde, dessen Sohn ebenfalls den Heldentod gefunden hatte, schrieb Roon aus Versailles im Januar 1871: „Ihr väterlicher Schmerz, Ihr anfge-
drungener Verzicht auf schöne Hoffnungen und Liob- lingspläne ist gewiß fern von aller Sentimentalität. Nichts wäre daher ungerechter, als anzunehmen, daß bei Ihnen das väterliche das vaterländische Interesse ganz verdrängt hätte. Man ist geneigt, andre nach sich selbst zu beurteilen. Wenn mir freilich in einer einsamen Dämmerungsstunde die Trauer um meinen braven Jungen in die Kohle steigt, so ist bloß mein dürres 8llter schuld, daß mir das Wasser nicht aus den Augen läuft — allein — das Leben hat sein Recht an uns und jeder Tag seine Forderungen."
Das Heldentum eines Roon verbürgt den Sieg und unsere Zukunft. In unserem Volk in Waffen und unseren Führern lobt es nach wie vor in ungenrinderter Stärke und wird sich auch in diesem Kriege wieder bewähren.
(Kyffhäuser-Karrespondenz des Deutschen Kriegerbundes.)
ihver^Veupflogung und di« HilfAbereitschaft unserer Frauen und Tächter gesehen und sprachen mit aufrichtiger Bewunderung von dem wahrhaift vaterländischen Geist, der alle Schichten der deutschen Bevölkerung durchwoht.
„Wenn ich eine Deutsche wäre", sagte mir eine Engländerin, „würde ich stolz sein auf mein Vaterland!" Und einer ihrer männlichen Landsleute -bekannte offen: „Ich hätte es nicht für möglich gehakten, daß in irgend einem Lande der Welt ein solch opferfreudiges Zusammenstehen einer Nation in ihrer Gesamtheit anziitreffen goweien wäre. Wie grundfalsch beurteilt^ man doch bei uns das Deutsche Reich I"
Alle Engländer waren sich darin einig, daß das englische Volk den Krieg^ mit Deutschland nicht gewollt habe, und daß England von einer kleinen Kriegspartei in die kriegerischen Verwicklungen hineingehetzt worden sei. Sie erkannten an, daß in diesem Kriege alles Recht ans seiten Deutschlands und Österreichs sei, und daß England den Krieg vom Zaun gebrochen habe. „Es ist eirre Schande", rief einer von ihnen aus, „Englands begeht m diesen Tagen politischen Selbstmord!" Nur eine Stimme des Lobes wurde laut über die gute Behandlung der Ausländer in Deutschland, und man gab der Überzeugung Ausdruck, daß auch die Deutschen in England nichts zu leiden haiben würden. Leider wurde ich auf der Rückreise durch Österreicher, die von London kamen, eines Schlechteren belchrt.
Unterdessen zog der „Siegfried" seine Bahn zu Tal. Unweit^ der Du: sb urg-,H och fei de r Brücke fuhr ihm ein mit der deutschen Kriegsslagge geschmücktes Motorboot entgegen und begleitete ihn beim Passieren der Brücke. Landwehrleute in Zivil bildeten seine Besatzung. Um den Arm trugen sie weiße Binden mit der Chiffre des 7. Armeekorps und in der Hand den schußbereiten Karabiner. Sie nahmen ihre Bewachungs. auifgabe verflucht ernst und wandten kein Auge weg von unserem Bord. Der Kapitän des „Siegfried" erzählte, von diesen treuen Wächtern des Rheinstroms seien zwei Mann
Ueber die Kämpfe zwischen Diest u.Tirlemont
belichtet das Antwerpener „Handelsblad" folgendes:
Der Kampf begann Dienstagmorgen in der Umgebung von Diest und Tirlemont. Schon am Montag befanden sich die deutschen Truppen in der Front westlich von St. Trond. Da die Deutschen viel zahlreicher waren als unsere Vorposten, zogen sich diese zurück. Die eüste Kampflinie der Belgier über Sichem - Giiest-Hael'en-GeletHetz-Budingen-Neerlinter--Grinde- Tirtemont war allein von einer Abteilung Reiterei gedeckt. Eine Fahrrädkonipagnie der Carabiniere bewachte den am meisten bedrohten Punkt der cklten Befestigungen bei Diest.
Das Gefecht begann Dienstag bei Tagesanbruch nahe Geetbetz. Ein deutscher Flieger erschien über den belgischen Vorposten. lEr wurde beschossen und siel innorihalb der. deutschen Linie nieder. Um 6 Uhr begann der Angriff der Deutschen mit einer großen Menge Reiterei, Fußvolk, Artillerie und Maschinengewehren.
Ein heftiges Gefecht folgte über eine Front von zehn Kilometer, im Norden bei Haelen, Loxbergen und Corten- aeken, im Süden bei Büdingen. Sie suchten bei Geetbetz durchzubrechen. Die belgische Reiterei saß ab und feuerte Met Stunden lang aus den Laufgräben, wobei sie die vorderste Reihe der Feinde vernichtete. Deutsche Reiterei beschoß die belgische Stellung in der Flanke. Sie tötete zuerst die Pferde, um einen schnellen Rückzug zu verhindern.
Langsam zogen die. Belgier sich bei Büdingen unter anhaltendem Feuern zurück, wobei Graf Ursel fiel. Zwei Schwadronen in Stärke von 240 Mann hielten indessen lange Stand gegen 2000 Deutsche (!?), mußten aber der Übermacht weichen. Nun stürmten die Deutschen gegen Diest an, plün- derlen die Station und bombardierten die Stadt. Die Bewohner ergriffen in aller Eile die Flucht. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, ebenso wie in Tirlemont.
Schon am Montag ivar das belgische Hauptquartier durch Flieger über die Stärk: des Feindes unterrichtet worden. Fernerer Widerstand gegen die Übermacht schien gewissenlos und nutzlos. Dienstagmorgen entstand ein wütendes Gefecht auf der ganzen Linie. Ein paar deutsche Flugzeuge erkundeten zuerst kühn die belgischen Stellungen; dann begannen Sie Geschütze mitzufprechen, wobei die Belgier stundenlang ausyielten. Am heftigsten war der Kampf vor Acrschot. Es war eine mörderische Schlacht. Die Vorposten bestanden hier aus zwei Regimentern, die 'bereits am Kampfe um Lüttich teilgenommen hatten. Auch diesmal kämpften sie heldenmütig.
Gegen 7 Uhr begann der Abzug. Um 11 Uhr erschienen die Deutschen in schnellfahrenden Automobilen mit Maschinen^ gcwehren in Löwen. Die Bevölkerung flüchtete. Die Bürgerwehr war bereits vom Bürgermeister entwaffnet worden. Der Abzug der belgischen Truppen nach Mecheln geschah unter den besten Umständen und wurde nach Antwerpen fortgesetzt. Hier kämen auch fortdauernd Flülchtlinge an. Traurige Szenen spielten sich ab. Manche waren barfuß und mit armseligen Päckchen, beladen.
Heute (Freitag, 2L August) lautet die amtliche Mitteilung: Der Zustand van heute ist derselbe geblieben. In der Umgebung von Brüssel schwärmen Ulanen, die den Verkehr zwischen Antwerpen und dem Zentrum des Landes abfchnei- den. Ein deutsches Flugzeug erschien über den Antwerpener Befestigungen und wurde ohne Erfolg beschossen.
Der deutsche Statthalter für Belgien.
Aachen, 25. Aug. (Amtlich.) Zum Verwaltnngs- chef Belgiens, so weit es in deutschem Besitz ist, ist
der Besatzung eines deutschen Schleppers, der auf Anruf nicht stoppte, bereits erschossen worden. Kviegszeit! Da heißt's auf das Wort parieren!
Allmählich kam die Festung Wesel in Sicht. Oberhalb lagen viele Schiffe mit über Holland im Transitverkehr gekommenem Getreide, die anscheinend aus Schleppkraft warteten, auch belgische Kanalschiffe waren dabei, die wohl von Deutschland beschlagnahmt worden waren. In Wesel war langer Aufenthalt. Ein Offizier in Tropenuniform kan: an Bord, sah jeden Paß aufmerksam durch und durchsuchte, von vier Soldaten und einigen Zollbeamten unterstützt, >peinlichst genau das große und kleine Gepäck.
In der Zollstation Lobith gelangten wir auf holländisches Gebiet. Da sich Holland in der Mobilmachung befindet, -befürchtete ich Schwierigkeiten, weil ich einen eigentlichen Zweck meiner Reise nicht angeben konnte. Denn daß ich nur nach Holland fahren sollte, um Zeitungen zu lesen, hätte man mir kaum geglaubt. Aber meine Befürchtungen waren grundlos. In Holland scheint man die bekannte Gmnütlichkeit auch in Krisen,zeiten nicht beiseite zu stellen. Niemand fragte mich, was ich in Holland suche — Spionenfurcht scheint man dortzulande nicht zu kennen —, und auch das Gepäck wurde mit einer gewissen Lässigkeit nachgesehen.
Am Kai lag der holländische Dampfer „Emma", der u. a. 1000 Sack Kaffee für eine Emmericher Firma geladen hatte, gber nicht weiter fahren durfte, weil die holläidische Regierung den Kaffee nicht außer Landes gehen lassen wollte. Die „Emma" hatte auch eine Anzahl deutscher Flüchtlinge aus Belgien an Bord, bedauernswerte Leute, die die nach der Grenze abgehenden Züge nicht mehr erreicht hatten und nun zu Schiff befördert wurden. Sie hatten alles verloren und erzählten von schrecklichen Greueltaten der Belgier. „Ist im 8. Armeekorps der Landsturm einberufen?" fragte mich ein bärtiger Mann, als er mich als Deutscher erkannte, und als sch bejahte, rief er in ingrimmiger Wut: „Gott sei Kjank^
