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Ich mußte mitten in meinem Satze einhalten.

Sie bedeckte laut weinend ihr Gesicht mit ihren Händen. „O tKf sie- „Stände ich doch wieder allein mit meinem Schmerzt, Meinem Unglücke, meinen, Geheimnisse. Nur Spott, nur Hohn soll mein Bertrauen mir etnbringen." Sie war jedenfalls eine Unglückliche, unglücklich entweder in einer großen, starken Leidenschaft, oder in einer überschwenglichen Eint bildung. Mein leerer Spott konnte nur verletzen und reizen.

„Verkennen Sie mich nicht", erwiederte ich ihr beruhigend. „Ach meinte es gut. Sie tragen eine Wunde in Ihrer Brust; ich wollte durch lauten Spott ihre Tiefe, ihre Beschaffenheit sondiren. ES bedarf dessen nicht mehr. Ihre Wunde ist wirklich tief und schmerzhaft."

„Das ist sie."

Sie warf sich an meine Brust, anfangs noch laut, dann stiller weinend. Ich hatte keinen Spott mehr für sie. Ich hatte aber auch keine Trostgründe. Jeder wäre trivial gewesen. Ich hatte sie aber auch aus einem andern Grunde nicht.

Habe Einer, achtzehn Jahre alt, noch so wenig Lust zur Liebe, und fahre er, an einem schönen, warmen Sommerabend, im klaren Mondenschcin, durch duftenden Wald und duftige Wiesen, im leise schaukelnden Wagen, an »einer Seite ein weibliches Wesen, ein Bild der Jugend und der Schönheit, ihre Hände in den seinigen, ihren Kopf an seinen Busen gelehnt, das Wogen ihres Busens, das Klopfen ihres Herzens fühlend, ei zum Teufel- er wird in feinem Herzen ganz andere Dinge fühlen als Spott und Hohn.

Wir erreichten die Stadt.

„Kommen Sie morgen Abend zu mir", sagte sie beim Abschiede.

War sie eine Unglückliche, oder eine Thörin? War er der sorglose Serfujrer ihrer Liebe oder ihrer Phantasie? War er wirklich Nicht ver- herrathet? Und wie sollte dies anzunehmen sein?

Am andern Tage lief ein sonderbares Gerücht mit der rasenden Eile eines Lauffeuers durch die kleine Stadt. Dem sonderbaren Gerüchte folgten sonderbare Ereignisse. ES war ein sonderbarer Zufall, daß das AlleS am nächsten Tage nach jener Waldscene sich zutragen mußte.

Des Morgens um neun Uhr war die Fahrpost - ich weiß nicht ob damals schon Schncllposten eingerichtet waren — von B. in der kleinen Stadt eingetroffen. Sie mußte sich eine Stunde aufhalten, um präciS zehn Uhr weiter zu fahren. Aus dem Postwagen war ein junger Offizier gestiegen Er kam aus der Residenz und wollte weiter fahren. Er fragte nach einem Gasthofe, in welchem er bis zur Abfahrt des Postwagens frühstücken könne. Nicht weit von dem Posthofe lag der erste, oder eiinr der ersten Gasthöfe des Städtchens. Er wu de dorthin gewiesen. Während er sein Frühstück verzehrte, schien er sich auf einmal auf etwas zu besinnen.

„H. heißt das Städtchen?" fragte er den Gaftwirth.

„Aufzuwarten."

„Und ein Oberlandesgericht ist hier?"

„Aufzuwarten."

"P°^ausend, ist dabei nicht ein Assessor von Giauburg aiigestcllt?"

„Was macht er denn?"

,,®ö geht ihm gut. Es scheint ihm und seiner jungen Frau hier sehr zu gefallen." (Fons, f.)