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Weihnachts-Heiligerabend.

(Fortsetzung aus No. 257.)

Die Frau des Assessors erbleichte plötzlich. Der Assessor blieb völlig unbefangen.

Mein Fräulein, wer in dieser ganzen respektablen Gesellschaft wäre nicht Schauspieler?"

Ei, mein Herr, die geistreiche Bemerkung, die ich noch bei Ihnen zu Gute habe, muß eine ganz besonders geistreiche sein, da Sie allen Geist für etwas Anderes bei Ihnen absorbirt zu haben scheint. Darf ich endlich darum bitten?" .

Sie haben zu befehlen, meine Gnädige Es handelte sich nur um eine Uebersetzung. Sie kennen doch das politische Schrichwort der Franzosen; Le roi est wort, vlve le roi!

Ich kenne es."

Sehen Sie dort am Horizont noch gerade den letzten Strahl der scheidenden Sonne?"

Nun?"

Mit ihrem Scheiden kamen Sie. Die Königin stirbt, lebe die Königen.

Sie erwarten Dank für die geistreiche Galanterie, mein Herr? Ich danke Ihnen."

Das Fräulein sprach die Worte mit einem schneidend kalten Hohn. Unmittelbar darauf ging sie voran, der Gesellschaft nach, ohne dem Assessor Zeit zu einer Erwiederung zu lassen.

Die Gesellschaftsspiele wurden fortgesetzt. Dir schöne Therese hielt mich fast mit Aengstlichkeit in ihrer Nähe fest. Ich wich mit einer Art von Mitgefühl nicht von ihr. Sie gab sich Mühe munter zu erscheinen. Der Assessor kümmerte sich nicht weiter um sie. Er war ausgelassen lustig den ganzen Abend.

Die Gesellschaft brach aus und nahm den Rückweg nach der Stadt, wie sie gekommen war, die jungen Leute zu Fuße, die altern in ihren Wagen.

Die schöne Therese hatte Kopfschmerzen bekommen; sie erklärte es wenigstens beim Ausbruche, und sie verband damit die Erklärung, daß sie nicht zu Fuße zurückkehren könne.

Du würdest aber allein fahren müssen", sagte ihr der Vater, ber an dem schönen Abend eine Fußpromenade vorzog.

Ich stand neben ihr. *

Würden Sie Hhre Dame verlassen?" fragte sie mich mit einem freuch» lichen Lächeln und einem heimlichen Winke.

Nur, wenn meine Dame es mir bestehlt!"

So geben Sie mir Ihren Arm."

Der Assessor hatte sie beobachtet. Er lächelte höhnisch.

Ihr Arm zitterte wieder in den»-meinigen. Ich führte sie zu ihrem Wagen; wir fuhren in diesem allein »ach Hause. Anfangs saß sie still neben mir. Sie starrte in den aufgehenden Mond. Ihr schönes Profil war doppelt schön und reizend in dem feinen, blaffen Mondlichte. Sie blickte fortwährend unbeweglich. Auf einmal wurden ihre Augen slänzender in dem blassen Schein. Als ich genauer hinsah, gewahrte ich, daß der Glanz von großen Thränen herrühre, die in den Augen standen.(Forts, f.)

(Hierbei eine Beilage.)