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Nr. 39L.
Montag, L4. August 1914.
bresvckoener Lngviarr.
Mbend-AusgaLe, 1. Blatt.
Seite 5»
Ku§ Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
vorwärts auf allen Linien!
, Man möchte beinahe sagen: es folgt ein Schlag dem an- ^en. Den Siegesnachrichten von gestern folgten heute vor- ^>ttag weitere Nachrichten vom westlichen Kriegsschauplatz, E den ausgezeichneten Eindruck der gestrigen wesentlich verdien und nicht nur die Bürgerschaft, sondern auch die cken unserer Kirchen in Hellen Jubel versetzten. Kein 'irisch bezweifelt mehr, daß es nun vorwärts und nur "rchärts geht. Die Fahnen, die einzelne Bürger heute . ^ eingezogen hatten, wurden sofort wieder ausgesteckt, und ^Und so viel neue kamen hinzu. Nur die Stadt scheint immer eine Ausnahme zu machen. Die Beschwerden des "iblikumZ, daß die meisten städtischen Gebäude Wiesbadens H'cht beflaggt seien, dauern an.
Eine wunderbare Stimmung hat uns alle er- ^'ffen. Das ist kein Hurrapatriotismus und kein u v i n Ismus, der unsere Herzen höher schlagen und ^itte Augen aufleuchten läßt und auch dem Stillsten die der Rede verleiht, sondern die große, be- ^chtjgte Freude, die jeder Deutsche in diesen
empfindet, und der Stolz auf die auf den ^>lachtfeldern nun erwiesene unbesiegbare Stärke der ätschen Nation. Das Recht ist unser Schild und ,' e Gerechtigkeit unser Bannerträger. Das wird unser h ö ch- , Er Triumph sein, wenn das blutige Völkerringen entschie- ) tn >st: daß wir einer guten Sache zum Sieg verholfen haben.
, weil, wir für eine gute Sache kämpfen, darf jetzt schon gottgeweihter Glockenmund in unseren Jubel einstim- ' wenn Sieg auf Sieg verkündet wird. Wir werden selbst- schändlich bestrebt sein müssen, uns ebenso dem Übermut > ^Zuhalten, wie wir uns bisher die Mutlosigkeit vom Halse selten haben.
! Es gehl auf allen Linien vorwärts! Das war der Inhalt H ersten Extrablatts des heutigen Tages, das mit Freude P Hurra und Hoch ausgenommen wurde. Daß unsere stdpen ins Land des Feindes gedrungen sind, hörte man / besonderer Genugtuung. Nun darf man zuversichtlich l'fai, daß deutscher Boden von der Kriegsfurie verschont iW. Der Schlußsatz in der Mitteilung des Generalquartier- n'siers v. Stein: „Eine vor ihrer Front auftretende eng»
''$-e Kavalleriebrigade ist geschlagen", befriedigte nicht nur,
1 Zweckte hier und da sogar so etwas wie ein Auslachen un- )- Et feindlichen Brüder jenseits des Kanals, deren zur Un- ^ttitznng der französischen Kriegsmacht auf den Kontinent : orfene Soldateska überhaupt niemand ernst genommen "" „Denen besorgen wir's so nebenbei", meinte ein Mann ^ ben> Volke,, als er heute morgen den Anschlag auf unse- Depeschentasel las. Er dürfte recht haben! -n-
— Patriotisches Volkskonzert im Kurhaus. Es war ein
sicher Gedanke, der im „-Tagblatt" angeregt wurde, das ^baus in gegenwärtiger Zeit durch Veranstaltung von '^konzerten bei freiem Eintritt für jedermann zu beleben, ^ern ist damit der Anfang gemacht worden, und zwar mit J'H solchen Erfolg, daß der Kurgarten am Nachmittag von senden aus allen Schichten der Gesellschaft gefüllt war.
/ berühmte Apfel konnte tatsächlich nicht zur Erde. Dicht -'^ngt in fürchterlicher Enge umstanden die Massen das fester in dem Kapellmeister Jrmer mit der städtischen 5'nvclle ein gut gewähltes patriotisches Programm zum gab. Jeder Nummer folgte allgemeiner, lautester Bei- chber be- manchen Nummern in begeisterten Jubel aus- so namentlich bei der Nationalhymne und der „Wacht Latein".- Das Programm vcrzeichnete den Choral „Nun Kt alle Gott". „Das deutsche Lied", die Jubelouvcrtüre von den Kaisermarsch von Wagner, ein Potpourri über gotische/ Lieder von Conradi, die Ouvertüre zu „Rienzi l,? ^wei historische Märsche, alles lebendige Vorträge, geeig- iu öerz und Gemüt.der Hörer zu erheben und zu begeistern.
^urhausrestauration hatte durch Verabreichung eines Cr- en erfrischenden Trunks buch für das leibliche Wohl des Kkums gesorgt, und so konnte es nicht fehlen, daß das erste ; ?°sische Polkskonzert-im Kurhaus, zumal auch das Wetter Krchaus begünstigte, seinen Zweck voll und ganz erfüllte, die Nachfolge! .
. "-Ein ganz bösartiger Unfug. Mit allgemeinem berech- ^ ll n w i l l e n wurde am Samstagabend dos Treiben . Verkäufern einer hiesigen Zeitung in den Lokalen wahr- , Östren, Das Blatt wurde mit den Worten: „Auch
( ^inen. Das Blatt wurde mit den Worten Kien g e g e n u n s !" und ähnlichen auSgeboten und die allgemeine'durch die Erfolge von Metz und die >, Zeitig gemeldeten österreichischen Erfolge gehobene Stim- einen Ton des Mißvergnügens und M i ß - ^ens. Dabei handelte es sich auch noch um eine ganz Kr a » t w o r t l i ch e I r r e f ü h r u n g der Öffentlich- s, 'bsofern, äls das Blatt gar keine positive Nachricht des -Kenden Inhalts brachte. Es hatte auf der zweiten Seite 7 die drohende Stimme eines Berliner Kies Italien veröffentlicht. Die Käufer waren
füllig betrogen, denn die Einsichtigen sahen so- ^ °2ß die durchaus unkluge Äußerung der Berliner „Deut- Tageszeitung", die man hier so verbreitete, politisch be- ...01 o § ist. Wir teilen an anderer Stelle mit, daß die be- ■ 1( N>e Nummer der „Deutschen Tageszeitung" in Berlin 'beilich beschlagnahmt worden ist.
^upt in unserem Vaterland kaum ein Haus geben, das Kllrch den Krieg oder die Fürsorge für die Krieger in An- $ genommen würde. Wie fast jede Familie waffenfähige 5. er zur Verteidigung des Landes ins Feld geschickt hat, j^e nach Kräften beitragen zur Erhaltung und Hebung "grken und stegesfrohen Stimmung ihrer kämpfenden
Was noch fehlt! Es dürfte zurzeit in Wiesbaden, wie
Vater und Söhne, oder zur Linderung der. Not der Zurückgebliebenen und der Schmerzen der Verwundeten. So geben auch in der Liebesgabenabteilung des Wjesbädener Roten Kreuzes von manchen Gegenständen außerordentliche Mengen Kunde von der allgemeinen Teilnahme unserer Bevölkerung. Wieder andere sind jedoch nur in so bescheidenem Maße gespendet worden, daß das Kreiskomitee des Roten Kreuzes dringend um Zuwendung von folgenden Liebesgaben an die Abteilung 4 im Königl. Schloß bittet: Zigarren, Kaffee, Tee, Schokolade, Zucker, Konserven aller Art und Keks. Bezüglich der Schokoladen und Keks möge die Jugend ihren Verbrauch in diesen Artikeln einschränken, um die ersparten Mengen, die für sie oft nur Leckereien bedeuten, unseren Soldaten zu spenden. Bezüglich der Zigarren wird angeregt, daß unsere Zigarrengeschäfte große verschlossene Kisten oder sonstige Behälter mit einem Hinweis und einer entsprechenden Öffnung zur Aufnahme der Zigarren in ihren Läden aufstellen. Mancher Käufer wird die sichtbare Gelegenheit benutzen, um für seine kämpfenden Brüder einige der im Feld so begehrten Und notwendigen Zigarren in den Sammelkasten zu werfen, dessen Inhalt von Beauftragten des Kreiskomitees jederzeit abgeholt werden kann. (Fernsprecher 6111.) Das Komitee glaubt, nur diesen Hinweis bringen zu müssen, um mit diesen Liebesgaben feine Magazine füllen zu können. Sie bedeuten an und für sich nur Kleinigkeiten, stellen im ganzen aber so wichtige Dinge dar, daß auch für sie die dringende und herzliche Bitte an alle geht: Gebt für die, die für euch alles dahingeben!
— Pfarrer Veescnmeycr, über dessen-Befinden kürzlich berichtet wurde, ist nach langer Leidenszeit wieder heimgekehrt. Seit Mai d. I. mußte sein linkes Auge infolge von Komplikationen fünfmal operiert werden. Er ist noch immer ans Haus gefesselt und konnte seinen Dienst noch nicht wieder ausnehmen. '
— Für wohltätige Kriegszwecke hat die Firma August Engel, hier, eine ganz besondere Einrichtung getroffen. Sie hat ein größeres Quantum wichtiger Lebensmittel, wie z. B. Mehl, Reis, Linsen, Erbsen, Bohnen, Hafergrütze, Salz, Zucker usw. in ZH-Pfund-Packungen bereitgestellt, für. welche Gutscheine im Betrag von 5 bis 20 Pf. ausgegeben werden. ■ Der ganze Erlös aus dem Verkauf dieser Gutscheine, hat die Firma August Engel für wohltätige Kriegszwecke bestimmt. Es (ist also jeder bessergestellten Familie Gelegenheit gegeben, die ihr bekannten Bedürftigen auf unauffällige Weife zu unterstützen.
— Töchtern gefallener Offiziere gewährt die gemeinnützige Mathilde-Zimmer-Stistung (Kurator: Professor
D. Dr. Zimmer in Berlin-Zehlendorf) .F,r,ei st e l len in einem ihrer elf Töchterheime.
— Maschinen- und Hutten-Ingenieure zur Besetzung von Stellen in den Lütticher Fabriken werden dringend gebraucht. Meldungen richte man sofort an das hiesige Bezirkskommando.
— Weitere Erleichterungen im Güterverkehr. Vom 2p. d. M. ab ioivd auf allen rechtsrheinischen.,Stativ,nen des Direktionsbezirks Mainz sowie, in Mainz und Worms der gesamte öffentliche Güterverkehr nach und von dem Gebiet zwischen Rhein und Weichsel wieder zugelassen. Es bleiben nur noch nachfolgende Beschränkungen bestehen:. 4? Nach, und von linksrheinischen Stationen des Direklionsbezirks Mainz, sö- mie nach den Stationen der Direktionsbezirke Saarbrücken und Ludwigshafen muß der Güterverkehr, vorläufig noch aus die an dieser Stelle bereits mitgeteilten Artikel. (Lebensmittel, Vieh„ Futtermittel, landwirtschaftliche Maschinen usw.) beschränkt bleiben. 2. Nach den linksrheinischen Stationen. des Direktionsbezirks Köln sowie nach 'den Stationen der Reichs- eiscnbahnen in Elsaß, Lothringen dürfen vorerst nur Lebensmittel und Tiere zur Beförderung angenommen werden. Es wird jedoch noch darauf hingewiesen, daß eine allgemeine Transportpflicht der Eisenbahn nicht besteht, daß i die Liefer- sristen außer Kraft gesetzt sind und daß Gestellung bestimmter Wagen nicht gewährleistet wird, ferner daß bei'Benutzung von offenen Wagen an Stelle gedeckter Wagen für die aus div- ftr ^Verladeweise etwa entstehenden Schäden nicht gehaftet
— Die Obstpreisc. Von einer Wiesbadener Hausfrau wird uns geschrieben: „Der hiesige Magistrat droht neuerdings mit Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln und O b st. Für letzteres dürfte die. Festsetzung eines höchsten breites schwer fallen wegen der verschiedenen Sorten und Qualitäten. So viel steht aber fest, daß die Obstpreise hier in Wiesbaden weit höher sind als anderwärts: In dem benachbarten Mainz wurden auf dem letzten Wochen'märkt sehr schone Pfirsiche mit 10 Pf. verkauft, während man hier bedeu- tend höhere Preise bewilligen mutz, trotzdem unsere . Gegend
"bitreich ist. Ähnlich verhält es sich mit allen änderen Qdftjorten. Es wäre zu wünschen, wenn die Anregung,.die rung't im „Wiesbadener Tagblatt" gegeben wurde: man solle den ^.andleuten gestatten, kleinere Quantitäten direkt an die Konjumenten zu verkaufen, auf fruchtbaren Baden fallen wurde. . ..
m ®' e Kartoffelpreise stud derart gefallen, daß die.ärmere Bevölkerung keine besondere'Klage mehr, zu führen hat. Der Ljentner: kostet nicht mehr 8 und 10 M., sondern, nur noch-4 M. immerhin noch Geld genug. .
. „7~ Postamt 2 in der Schühenhofstratze -ist seit kurzem m r .-t en offenbar infolge des Beänitenmangels aus
Kriegs. Die Geschäftswelt wird von dieser behörd- lichen Maßnahme sehr empfindlich berührt und man hört darüber viele Klagen. Daß diese nicht unberechtigi sind, erhellt E-f ^m Umstand, daß das Postamt -2 - bas ' frequentier- tc|te >jiiiciäpo(bnit hiesiger Stadt ist und -häuptsächlich von den Handel- und ^Gewerbetreibenden der Altstadt, in Anspruch genommen wird. Die Postbehörde sollte daher-wöhlw.ollenb er-
Aufhebung des Postamts 2 sich nicht alsbald wieder aufl,eben läßt.
~ «TT Kr»egSspendr«i Der Männergesantz-Verein „Union, E «amstag beschlossen, den -Antzehörigen der im ? Cl r [ t ^ f c " ben Mitglieder monatlich 5 M.' Kriegsunterstützung 5 u bewjll>gen. Weiter wurde noch ein Betrag 'der „Wiesbade- m V ^ s^brvereinigung" überwiesen, welche, gewillt ist, - dem Roten Kreuz einige hundert .Mark zu stiften. — Die „WieS- badener Transportgesellschaft Friedrich Z'am d e r. jun.' u. Co)" gewahrt iyren zur Fahne einberufenen .Packern und Fuhrleuten eine Kriegsunterstützung, und zwar erhalten -die grauen je 3 M. und pur jedes Kind je 1- M. ßür die Woche.
„ “7 ® tc Kricgsvcrsichcrung kann apch bei der
„Bereinsbaiik Wie.-baoen, E. G. m. b.' H.") MauritiusstratzeH,
werden^ erfahrenden Bedingüngen abgeschlossen
— Vorschlag zur Güte. Ein alter Soldat schreibt: „1866 ^ew^e'löl mit- ^wandten- ein kleines Fläschchen « ^ gegeben mit dem Bedeuten, meiner
Lelbwajche vor jedesmaligem Gebrauch einige Tropfen einzu
verleiben gegen Ungeziefer. Diesen Rat habe ich befolgt mtb ich bin tatsächlich 1866, 1870/71 von Ungeziefer verschont geblieben, während meine Kameraden zu leiden hatten."
— Kriegshumor. Aus dem „Cafe Maldaner" wurde gestern folgende Drahtung abgeschickt: „An den König von England. Pie erste, Sendung Tommys nicht zur Zufriedenheit ausgefallen. Bitte das doppelte Quantum zu bemustern. P o i n c a r e."
— Kindermund. Ein Leser teilt uns mit: „Vielleicht haben Sie Verwendung für die Äußerungen meiner Sechsjährigen. Sie nimmt natürlich großen Anteil an den Well- ereignissen unserer Zeit, und als nieine Frau ihr auf eine kleine Wunde am Finger ein englisches Pflaster aufheften, wollte, rief sie: „Nein, kein englisches Pflaster, die Engländer sind unsere Feinde". Mein kleiner vierjähriger Neffe singt „Puppchen", da ruft meine Kleine: „Das singt man nicht, das ist. kein modernes Lied", und auf meine Frage, was denn ein „modernes Lied" fei, stimmt sie: „Deutschland, Deutschland über alles" an.
— Schlägerei. In der Kirchgasse fand gestern abend gegen %10 Uhr zwischen zwei jungen Leuten eine Schlägerei statt, bei der auch das weibliche Geschlecht nicht fehlte. Die Raufbolde stießen sich gegenseitig die Köpfe gegen einen Rolladen, der beschädigt wurde, und vermöbelten sich derart,' daß sie an einem benachbarten Brunnen „Abkühlung" suchen mußten. Dazwischentrctende Leute machten dem Streit ein Ende.
Bus dem Landkreis Wiesbaden.
ö Biebrich, 24. Aug. Bei dem Unwetter am Samstag schlug der Blitz ohne zu zünden in die dem Fabrikanten O t t m a n n, Rheingaustraße, gehörige Villa ein und richtete einigen Schaden an. — Die Brotpreise sind in Biebrich bereits auf 64 Pf. für den Laib gestiegen. — Die günstige Lage Biebrichs zu Mainz hat Biebrich außerordentlich viel Einquartierung verschafft. Uber 8000 Mannschaften -wurden seitens der städtischen Einquartierun-gskommission un» tergebracht, und weiter wurde noch über 3000 Mann Verpflegung zuteil.
5-s. Sonnenberg, 23. Aug. In der Sitzung des Genre i n-d e v o r st a n d s vom 21. d. M. wurde bekanntgegeben, daß die förmliche Feststellung des abgeänderien Fluchtlinien» und Bebauungsplans für das Hahnsche Gelände erfolgt ist. Aus. Anlaß der Kriegszeiten sind mehrere Ausgaben vorläufig zuxückgestellt worden, die notwendigsten Verbesserungen sollen aber, um- größeren Schaden zu verhüten, zur Ausführung kommen, ebenso einige Neuanlagen. Zunächst ist die Aus» besserung eines Teils von dem Hen-weg in der Nähe des Bier- stadter Stalls in Aussicht genommen. Die Bewachung der Quellen- und Wasserwerksanlagen soll zunächst noch fort- dauern. Von der Vereidigung des Hilfspolizeidicners Klotz wurde Kenntnis genommen; die Bedingungen über seine aushilfsweise Beschäftigung wurden genehmigt. Auf Grund einer An'ordnung-der Aufsichtsbehörde soll die Verordnung vom 26) Oktober 1884' über die Angelegenheit „Feldpost" in einzelnen Punkten abgeändert werden. Die Beratung hierüber wurde vertagt. — Bei der Pferdeaushebung für die Zwecke der Kriegsleistungen sind aus dem Gemeindebezirk Sonnenberg insgesamt 22 Pferde von der Militärverwaltung als tauglich befunden worden. Die Abschätzungssummen schwanken zwischen 967 und 1367 M.
b>v. Schierstein, 23. Aug. In einer kürzlich hier stattge- funde.nen Sitzung der Gemeindevertretung wurde aus Mitgliedern des Gemeindevorstands ein Ausschuß gebildet, der sich mit der Kriegsfürsorge in hiesiger Gemeinde befassen soll. Zum Zweck einer gegenseitigen Aussprache hatte der Ausschuß die hiesige Einwohnerschaft für gestern abend nach der Turnhalle eingeladen. Ungefähr 200 Personen waren erschienen. Bürgermeister Schmidt begrüßte die Anwesenden und legte alsdann klar, wie der Ausschuß zu arbeiten bxzw. welche Mittel und wie man solche anfzutrciben gedenkt, um der zu erwartenden Not zu steuern. Er bemerkte, daß die hiesigen Vereine nicht selbst ihr abkömmliches Vereinsvermögen an die Hinterbliebenen ihrer ins Feld gezogenen Mitglieder auszahlen sollten, sondern das Geld allgemein verwerten und daher für den einzelnen viel Ersprießlicheres leisten. Redner teilte weiter mit, daß die Vorsitzenden der hiesigen Vereine für-die Folge ebenfalls dem Ortsausschuß angehören sollen; man'hofft, dadurch eine gerechtere Verteilung aller Mittel herbciführen zu können. Den beifällig aufgenommenen Worten des Bürgermeisters Schmidt schlossen sich Pfarrer Steubings treffliche Ausführungen an, der ebenfalls wie sein Vorredner für Zentralisation eintrat. Allivöchentli-ch soll eine Sitzung des' Ausschusses staltfinden. Bei der nun folgenden Aussprache waren Vertreter verschiedener Vereine in der Lage, dem Ausschuß durch ihre Vorsitzenden sogleich einen bestimmten Betrag zur Verfügung zu stellen, und zwar „Kriegerberein" 100 M., „Militärverein" 100 M., „Evangelischer Kirchengesangverein"' 100 M., „Verschönerungsverein" 200 M. (außerdem noch 50 M. fürs Rote Kreuz), „Gewerbe-Verein" 50 M., Gesangverein „Eintracht" 100 M., „Männergesang-Verein" 100 M„ „Freiwillige Feuerwehr" 100 M., Gesangverein „.Sängerlust" 100. M., „Katholischer Kirchengesangverein"'60 M., „Bürgerverein" 65 M„ „Arbeitergesang-Verein" 30 M., „Musikverein" 1-1 M. und der „Geflügelzuchtverein" (alter Verein) 20 M.' Der „Kaninchen- und Geflügelzuchtvercin" hat den Angehörigen seiner ins Feld, gezogenen Mitglieder bereits 100 M. aüsgezahlt. ebenso wie der „Werkmeister-Verein" seinem Verband bereits 100 M. für Zwecke der Kriegsfürsorge äberwiefen hat. Der „Evangelische Fra. ^nverein" überweist dem Ilusschuß 200 M. und unterstützt aujchrdem die Orts- arMen mit einem Betrag von 800 M. Die Ilnterstützungs- kasse. „Einigkeit" und der hiesige „Unterstützungsvund" können keine bindende Erklärung geben, da hier außerordentliche Ausgaben der Genehmigung der Vorgesetzten Versickjerungsbe- hörde bedürfen. Die „Turngemein.de Schicrstein" wird je nach der Genehmigung in der heutigen Generalversammlung einen Betrag von 300 bis 500 M. an den Ausschuß abführen. Bürgermeister Schmidt , schloß mit Worten des Dankes für die Opf.erwilligkeit der Vereine das Zusammensein, und unter den Klängen „Es braust ein Ruf wie Donnerhall" trennten ich die Anwesenden in der Hoffnung auf ein gutes Gelingen unserer großen Sache. — Aus unserem Ort sind ungefähr 7F0 wehrfähige Männer zu den Waffen berufen. — Die .M i l i t är s ch l ä ch t e r e i des -18. Armeekorps hat das in ihrem Besitz befindliche Rindvieh über eine Brücke von der linken Rheinseite her nach der Rettbexgsau treiben lassen, wo- 'ekbst' die zahlreichen Tiere des Nachts ruhen und bei Tag weiden. — Ein schweres Gewitter ging heute über unserem Ort nieder. Der Hagel ging in Strömen nieder, lag bis zu 15 Zentimeter Höhe in den Straßen und richtete in Feld und Gärten großen Schaden an.
