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Nrstage 22. Rugiift 1914.

Abend »Ausgabe.

Ur. 390, 62. Jahrgang.

der deutsche Sieg in Lothringen.

Hekr |0,000 Gefangene!

Heber 50 Geschütze erbeutet!

,, T.-B. Berlin, 22 . Slug. Die von

**«»« Truppen zwischen Metz und den ,^sen geschlagenen französischen Kräfte sind

. - veriolgt worden. Der ^ivse« artete in Flucht aus

Rückzug der Bisher sind

. als lOOOO Gefangene gewacht und Teste,es 50 Geschütze erobert worden. Die ^ke der geschlagenen feindlichen Kräfte ist '"'ehr alS acht Armeekorps sepgestellt.

°^SeisLerte Ausnahme der Siegesnachricht ^ in Berlin.

^dijubeltc Kaiserin. Eine Rede des Fcldmarschalls ^ v. d. Goltz.

> Berlin, 22. Aug. (Eig. Drahtbericht) Während die in ^cht zum Freitag spät nach Mitternacht eingetrofsene C b Pn der Besetzung Brüssels nicht hatte gefeiert Zs können, löste die Nachricht von Metz, obne das; man ^ilen Einzelheiten über den Umfang des errungenen M wußte, gestern abend in Berlin einen Jubel aus,

wohl hauptsächlich aus der fieberhaften Spannung mit der man tagelang Nachrichten vom west-

> Kriegsschauplatz erwartet hatte. Schon von 5 Uhr nach- J* ab zogen Hunderttausende nach der Stadt, ? .ich nach den Linden. Die Kaiserin, die den Nach-

°."n Kronprinzen-Palais verbracht hatte, mußte wieder- ,pt der Kronprinzessin und den Enkelsöhnen auf f. alkon erscheinen und für die stürmischen Huldigungen L7 Am Abend hatten die öffentlichen und viele Privat- i?, e geflagot. Um 8 Uhr fanden in verschiedenen Kirchen 8,!« o t t e s d i e n st e statt. Den Höhepunkt erreichte die

> ?rung der Menge, als die Kronprinzessin und lw^auf die K a i serin vom Gottesdienst in der Kcnser- ^^-Gedächtniskirche zum Schlosse zurückkehrte. Die o.EAe, namentlich das der Kaiserin, mußten sich Unter Men. wo keinerlei Absperrungen vorgenommen waren, ä * für Schritt ihren Weg bahnen, und zwei Schutzleute h?°. die vor deni Wagen der Kaiserin hergingen, ver-

aicht zu verhindern, daß sich die Menge an den Wagen L- festklammerte. Man jubelte der Kaiserin immer

!fs, öu, die mit Tränen in den Augen unaufhörlich

Gegen 11 Uhr abends fand sich vor demHotm it eine viclhundertköpfige Menschenmenge ein, die sich Drusen auf das deutsche Heer vor dem Hause auf- und !.^e. Dem aus der Menge heraus geäußerten Wunsche. Ir* Aschen Namen des Hotels zu verhängen, wurde ^chen. Großer Jubel erhob sich, als im Hotel General- stchall v. d. Goltz erschien und zu verstehen gab, daß % ed] e n wünsche. Oft von Beifall unterbrochen, Feldmarschall den Sieci von Metz als eine Waffen- 8olssen sich noch nicht übersehen lassen, die sich aber % '^rischen großen Taten des deutschen Heeren V anreiht. Die Rede des volkstümlichen Heerführers fy* dreifachen Hurrarufen ausgenommen, worauf die st, w freudig erregter Stimmung auseinanderging, ewigen Samstag fälltauf höhere Anordnung" in allen n ^roß-Berlins der Unterricht aus,

rNc Sicgesbcvcsche des Kaisers an seine Tochter. .

T-B. Braunschwcig, 22. Aug. DieBraunschwcig. ,K." meldet: Der Kaiser hat an die Herzogin von |c wetg folgendes Telegramm gerichtet:Gott der

hat

und

^ unsere braven Truppen gesegnet

Sieg verliehen. Mögen alle daheim auf den Knien st bb kgebete darbringen. Möge er auch ferner mit >, in und unserem ganzen deutschen Volke. ^°Uer Vater Wilhelm."

^Kündigung der Siegesnachricht durch die Herzogin von Vraunfchweig.

i ^aunschweig, 22. Aug. (Eig. Drahtbericht) Die erste d?°n dem großen Siege bei Metz wurde hier durch die sjM^egentin Viktoria Luise versönlich übermittelt, itz bu Fuß vom Schlosse tu das Polizeipräsidium begab L? Schutzleute mit dem Text zur Weiterverbreitung i(S tc - Im Automobil fuhr die Herzogin zum Schloß w^uterwegs in den von Menschen überfüllten Straßen anhaltend, um dem Publikum, im Automobil stehend, e sch x v o r z u l e s c n. Brausende Hoch- und Hurra- tu 91e n der Herzogin auf dem ganzen Wege. Die Her- j>)8ab sich dünn in die beiden Kasernen, wo sie den Landwehrkompagnien die Siegesnachricht vorlas !k*.Hoch auf die tapfere siegreiche Armee Auf dem Rückweg gestaltete sich die Fahrt zu ^ewlichen Triumphzuge. Tausende hatten sich vor

dem Schlöffe versammelt, welche die Herzogin mit brausenden Hochrufen empfing. Strahlend vor Freude begab sich die Herzogin nochmals auf den Balkon des Schlosses, von wo sie eine Ansprache an das Publikum über die tapfere und siegreiche Armee hielt, die mit einem Hoch auf das Heer schloß.

berliner pressesLimmen.

W. T-B. Berlin, 22. Aug. Unter der ÜberschriftAll­deutsche Waffentaten" schreibt dieBossische Zeitung": Die Spannung, die über dem deutschen Volke lag, hat sich gelöst; der erste große Sieg gegen die Franzosen ist verkündet worden unter Jubel und Begeisterung. Man hatte ihn erwartet, man zweifelte nicht, daß die Heeresverwaltung mit jener Ruhe, die man in den ersten Tagen der Mobilmachung allenthalben be­wunderte, eine Entscheidung vorbereitet hatte und daß der unübertreffliche Geist unserer Truppen die erfolg­reiche Ausführung jenes Planes ihrer Führer verbürge. Wenn man in die Vergangenheit zurückblickt, muß man staunen, wie schnell sich die folgenschweren Ereignisse vollziehen. Viel Blut ist auch auf deutscher Seite geflossen. Ohne große Opfer kein großer Sieg.

DieMorgcnpost" sagt: Es handelt sich um die erste große F e l d s ch l a ch t, die Schlacht von entscheidendem Einfluß auf die Fortführung des Krieges.

In derTäglichen Rundschau heißt es: Mit Genugtuung wird Alldeutschland vernehmen, daß es Truppen aller deutschen Stämme waren, die dieses neue Siegesband blutig um die schwarz-weitz-rote Fahne wanden, mit Stolz und Freude, daß Bayerns Thronfolger alle diese Stämme unter seiner Führung vereinigte.

In demBerliner Tageblatt" liest man: Man freut sich ganz besonders, daß Regimenter aller deutschen Stämme unter dem bayerischen Königssohn vereinigt waren. Das schweißt die Kameradschaft noch enger zusammen. Das Band gemeinsamen Erlebens auf dem Schlachtfeld ist nicht mehr zu zerreißen.

In demBerliner Lokal-Anzeiger" wird von einem grellen Blitz gesprochen, der vernichtend einschlng in die Massen der französischen Eindringlinge, die schon die Hoff­nung hegten, in den ungeschützten Süden Deutschlands ein- dringen zu können. Und wie 1870 war es wieder ein Krön? Prinz, den Gott begnadet zur Führung der siegreichen Truppen, der Söhne unserer Allmutter Germania. Es war der Kronprinz unseres lieben B r u d r r st a m in e s der Bayern, der zukünftige Herrscher eines Landes, dessen Vun- destreue anzuzweifeln Franzosen und Engländer sich ver­messen hatten.

In derPost" liest man: Der Kronprinz des zweitgrößten Bundesstaates, der die Truppen aller deutschen Stämme zum Siege geführt hat, ist ein Sproß aus dem ruhmreichen Hause der Wittclsbacher, dem es im Kriege 1870 nicht vergönnt war, dem deutschen Volke einen Heerführer zu stellen. Mit Be­geisterung wird man diesen Sieg in Preußen und in ganz Norddeutschland aufnehmen.

Ein Glückwunsch des österreichischen Kricgsprcffcquarticrs.

W. T.-B. Wien, 22.Aug. Aus dem Kriegspreffequartier wird gemeldet: Der Kommandant des Kriegspressequartiers richtete an den deutschen Botschafter in Wien folgendes Tele­gramm:Die unter meinem Kommando im Kriegspreffe- quartier vereinigten österreichisch-ungarischen, reichsdeutschen und ausländischen Berichterstatter nahmen die Nachricht von dem herrlichen Siege der deutschen Armee mit Hellem Jubel auf und bitten Cure Exzellenz, den Ausdruck ihrer freu­digsten Begeisterung sowie der innigsten Wünsche für den weiteren Erfolg der deutschen Waffen zur Allerhöchsten Kenntnis des deutschen Kaisers bringen zu wollen, v. H o e n, Oberst."

Der Eindruck in Wien.

IV- T--B- Wien, 21. Aug. Die Nachricht von dem deut­schen Siege bei Metz wurde um 6 Uhr nachmittags durch Extrablätter in der Stadt verbreitet und rief überall lebhafte Begeisterung hervor.

Reine falschen Hoffnungen.

O Berlin, 20. August.

Es ist noch immer vollkommen ins Ungewisse gestellt, wie sich Italien entscheiden wird. Die Warnung vor Illusionen scheint uns geboten. Wir wollen zum mindesten die Fortdauer der italieni­schen Neutralität erwarten, aber wir werden gut daran tun, auch mit^ anderen Möglichkeiten zu rechnen. Dar­icher soll in diesem Augenblick nichts weiter gesagt wer­den, und dieser Hinweis soll auch nur dazu dienen, unsere Öffentlichkeit zu ermahnen, sie möge sich mit

cstvas mehr r ea lp o l i ti s ch em Sinn erfüllen. Nach dem u n b e s ch r e i b l i ch gemeinen Überfall, den Japan gegen uns unternommen hat, muß cs Hinterher geradezu beschämend wirken, daß ein großer Teil der Öffentlichkeit glauben konnte, Japan werde an unserer Seite gegen Rußland stehen. Die Toren, die sich das einbildeten, sagten sich nicht, daß Japan ein Bündnis mit England hat, und sie fragten sich nicht, welche Rechnung das Jnselreich des Ostens etwa noch mit Rußland zu begleichen habe, da es im Frieden von Shimonoseki alles erlangt hatte, was es vom Zaren fordern konnte, die Einverleibung Koreas, den Erwerb von Port Arth u r, die tat­sächliche Herrschaft über die Mandschurei. Denselben Fehler nun, den bei uns leider allzu viele mit der Hoffnung auf japanischen Beistand begangen haben, macht ein erheblicherTeil der öffentlichenMeinung, indem er sich mit der Erwartung trägt, daß die Ver­einigten Staaten nun ihrerseits mit Japan abrcchnen und uns in Ostasien Luft schaffen werden. So willkommen das uns sein müßte, so unwahrschein­lich ist es. Ein Krieg der Vereinigten Staaten gegen Japan bedeutet den Krieg der Union gegen England und Frankreich. Kann man es ernstlich für mög­lich halten, daß in Washington ein solcher Entschluß ge­faßt werden könnte? Wir dürfen doch nicht vor der Wahrheit der Verhältnisse und vor ihrem Schwer­gewicht die Angen schließen und uns bereden wollen, daß die erfreulich günstige Stimmung, di« in Ame­rika für uns herrscht, zum gegen England gerichteten Kriegs willen gesteigert werden könnte, bloß weil die Japaner ihre begehrlichen Blicke auf Kiautschau gerichtet haben. Was später kommen kann, das weiß man nicht, aber für jetzt erkennen wir für die Vereinig­ten Staaten keinen Anlaß, in den Weltkrieg einzu­greifen. England, dem doch alles daran gelegen sein muß, keine amerikanische Gefahr auflomnien zu lassen, wird seinen japanischen Vasallen hinreichend an der Kette halten und ihm nicht gestatten, etwa auch nach den h a w a i s ch e n Inseln und nach den Philippinen die Hand auszustrccken. H i n s ch i e l e n werden die schlitzäugigen Halunken allerdings, aber vor weiterem werden sie sich hüten. Eine Sicherheit dürfen wir haben: die Leiter unserer auswärtigen Politik und unsere Heeres- und Marineverwaltung werden in keinem Augenblick mit anderen als den Faktoren ii n- s e r e r eigenen Kräfteverhältnisse arbeiten und keine Hoffnungen, sür die eine sichtbare Unterlage fehlt, in ihre Rechnung einstellen. Wir müssen uns auf uns selbst verlassen, und das können wir auch. Der Tag der Abrechnung mit Ja pan wird ebenso kommen wie der einer gründlichen Beglei­chung unseres Verhältnisses zu den Friedensbrechern Europas.

Die Beurteilung des Ultimatums Japans an Deutschland.

Wien, 20. Aug. Das Ultimatum Japans wird in der hiesigen Presse, wie bereits bemerkt, nur als ein Ereignis un­tergeordneten Ranges beurteilt. An dem entscheidenden Kampf, der auf dem europäischen Festland geführt werde, .könne Japan nicht ieilnehmen und denke auch offenbar nicht daran. Japan erscheine lediglich als Werkzeug Eng­lands, das seinen Ruhm darin suche, eine Nadelstichpolitik gegen Deutschland zu führen an den entlegensten Stellen, wo ' dieses sich nicht verteidigen könne, sogar unter Hintansetzung der Gemeinsamkeit der weißen Raff«.

vom belgischen Kriegsschauplatz.

Die Deutschen in Nordbelgien.

Schon am Dienstagabend (18.August) teilte der belgi­sche Generalstab amtlich mit, es seien nördlichvonAni- w e r p e n deutsche Kavalleriepatrouillen gemeldet worden. Am Montagabend hatten die Deutschen bereits das Übungs­lager von Beverluo beseht, die schwache belgische Besatzung flüchtete. Die Deutschen erschienen mit M i trailleu sen auf Panzer automobilen. Die ganze ungeschützte Strecke in Nordbelgien ist auf vier Stunden Abstand von der holländischen Grenze mit deutscher Kavallerie beseht. . So melden holländische Blätter. Ferner wird das Erscheinen deutscher Patrouillen gemeldet aus Moll, Gheel und Turnhout.

Eine Proklamation der Deutschen an das Volk in Belgien.

In Visa ist am 14. auf französisch und vla misch fol­gende Proklamation angeheftet:An das Volk von Belgien! Wir sind zur Selbfwerteidigung gezwungen, das belgische