Zur Unterhaltung.
Die kleine Königin.
Eine Geschichte aus den Antillen. *
(Fortsetzung aus No. 204.)
.Nicht weit vom Hause, in der Nähe des Ufers, befanden sich die Hutten der Neger, dre Zuckermühle und die einem großen Etablissement nothwendlgen Gebäude. Prachtvolle Anpflanzungen dehnten sich in der Umgegend aus und warfen ihr Farbenspiel auf die Landschaft. Kakaobäume wuchsen in den Niederungen, vor dem Winde geschützt, der ihre zarten 9e“ret^ ^ben würde; der trockene Boden war mit Mais bebaut, dessen Aehren goldfarbig strahlten, und die Zuckerrohrfelder bildeten lange stressen eines schonen und lebhaften Grüns, in welchem sich Kokosblüthen wiegten. Weiter entfernt von diesen reichen Anpflanzungen trug die Erde noch ganz die wilde Pracht der ursprünglichen Vegetation; nirgends eine ^pur menschlichen Fleißes in den tiefen Thälern, welche die Gebirge durch» schneiden; allenthalben dichtverwachsene Gehölze, unterbrochen von wuchernden Savannen und überragt von kahlen Bergen, überall die kräftige, tiefsinnige Natur, auf welcher der heiße Himmel der Antillen liegt. Zuweilen erhob sich ern weißer Rauch in langen Säulen aus der Mitte der dichten Walder, oder ein feuriger Widerschein verkündigte einen Grasbrand in den Ebenen. Man gewahrte an diesen Zeichen die Anwesenheit der Wilden, welche rm Innern der Insel lebten. Dieser Volksstamm hatte sich zwar tief hinein zuruckgezogen, sowie die Europäer die Küsten besetzten, jedoch nicht ohne zuerst versucht zu haben, sein Land zu vertheidigen. Die ersten Ansiedler hatten blutige Kämpfe mit ihnen bestanden, die entlegenen Wohnungen wurden oft von diesen Horden, welche ein wilder Trieb der Rache be-
Zerstört und verbrannt; aber jetzt waren sie geschwächt und wenig ge« furchtet, und zwischen den wilden Karaiben und den Einwohnern von St. Pierre hatten sich sogar schon Handelsverbindungen angeknüpft. Mehr als einmal waren leichte Piroguen auf der Rhede erschienen, und die Wilden, die sie führten, hatten mit Geschrei der Bewunderung und des Erstaunens bfe großen Schiffe begrüßt, welche da vor Anker lagen, sowie die an der Küste aufgeführten Gebäude und besonders die schöne Behausung des Generals mit Ueberraschung angestarrt. Mit einer Art von Betäubung betrachteten sie das Haus von drei Stockwerken, den breiten Perron mit doppelten Treppen, und das, Schieferdach, welches wie der schuppige Rücken eines gigantischen Fisches in der Sonne glänzte; aber sie bestaunten diese Wunder nur aus der Ferne und wagten nickt die Höhe zu besuchen, auf welcher vor Zeiten ein Verband mehrerer Familien ihres Stammes ein Dorf gebildet hatte. Sie landeten wegen Tauschhandels und verließen das Ufer nicht. Gegen Abend bestiegen sie ihre Piroguen wieder, um hatten? >lnsel zurück zu kehren, wo sie noch einige Plätze inne
Am Himmelfahrtstage des Jahres 1657 saß ein Mann, dem Aussehen nach in den Jahren vorgeschritten, und eine junge Dame vor der Thüre lener schonen Behausung unter einem leichten Zelte von indischem Muslin: es war der General von Enambuc und seine Gemahlin. Ein schöner Knabe
