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widerlichste Bild von Schmutz und Trägheit, da« er irgend in Europa oder Amerika antreffen kann. Die Tfchinganahs oder Kaffeehäuser in Cam- peche sind namentlich während der heißen Tageszeit der Aufenthalt dieser Vagabunden, obwohl sie nur selten sich bloß mit Kaffee laben, sondern lieber starke gegohrne Getränke vorziehen. Sie finden sich an solchen Or­ten so zahlreich ein, daß man den Rauch chrer Cigarren in einem fortwäh­renden Strom durch die Jalousieen und andere Oeffnungen des Hauses dringen steht, als ob es drinnen brennte, während daS laute Geschrei, daS Klirren der Flaschen und der wüste Gesang dieser Tagediebe einen wahren Höllenlärm verursachen. Die Tschinganahs bilden nämlich die einzigen Vergnügungsorte der untern Volksklaffen: hier finden sich alle Arten von wandernden Musikanten, Gaukler und Taschenspieler ein, ferner Tänzer oder Leute mit dresfirten Affen, die nach der Guitarre tanzen, manchmal auch Karaibenknaben, die ihre Fertigkeit im Buschmesserspiel bewundern taffen, eine Art Gladiatorenspiel, darin bestehend, daß sie ihre Messer nach einander werfen, dieselben aber in der Lust auffangen, bevor sie noch Schaden anrichten können. Ich habe selber derartigen Spielen oft zugese- hen, aber niemals bemerkt, daß sie schlimme Folgen hatten. Kein Wunder daher, daß die Tschinganahs der Lieblingsauscnthalt deS Gesindels sind, von dem ich erzählte, daß sie so mancherlei Mittel bieten, um dem müßigen Volke die Zeit zu tödten, die ihm so lange werden muß.

Eines Abends fand sich eine Gruppe solcher Tagdiebe unter einem Bangalo (Schuppen zum Ausbewahren von Gütern) aus einem Kaie zu­sammen. Die Sonne war hinter einer dunklen, sturmdrohenden Wolken- schjcht untergegangen, und ihr letztes Verglühen in ihrem Widerschein lä­chelte der Erde noch einen freundliche» Scheidegruß zu. Bald war di« kurze Dämmerung der Nacht gewichen, welche nur ferne Blitze in kurzen Zwischenräumen erleuchteten. Andersen und seine Gefährten hatten auf das Einlaufen eines Schiffs gewartet, dessen Annäherung der Telegraph auf der Haseninsel schon vor zwei Tagen gemeldet hatte, welches aber an-. aesichts des Hafens von conträren Winden seither am Einlaufen verhin­dert worden war. Der vergangene Tag war übrigens ausnehmend wind­still und schwül gewesen, und die verschiedenen Müßiggänger, welche alle von dem Einlaufen des Schiffs sich einigen Verdienst versprochen hatten, waren einer um den andern verschwunden, nachdem sie so lange vergebens geharrt, so daß die vorerwähnte Gruppe allein noch auf dem Platze und entschlossen schien, dem vom Lande her aufziehenden Unwetter zu trotzen. Allein noch vor Ausbruch desselben wurden sie vom Wasser aus angerufen dutch einen schwarzen Lootstn Namens Mingo, welcher soeben, ermüdet und voll Angst, mit seinem kleinen Boote einlief. Andersen erwiederte den Anruf des Negers und fragte:Holla, Mingo, waö bringst Du Neues"?

Nichts Gutes: ein Pestschiff"! versetzte der Neger und brachte mit etlichen wuchtigen Ruderschlägen sein Fahrzeug vollends an die Anlande. Dann kam er zu den Andern herauf an'ö Land und erzählte ihnen, was er draußen in See gesehen.

Seine Erzählung ward theils mit Neugierde, thcils mit Gleichmuth und Kälte ausgenommen. Andersen schlug den Gedanken an die Gefahr einer Ansteckung in den Wind, und die meisten seiner Gefährten stellten sich unter der Pest ober Cholera nichts Anderes vor als eine Art gelben Fiebers, mit welchem sie alle schon vertraut waren. Es war daher die Nachricht des Lootsen: sie eher ein Gegenstand der Spekulation als deS Schrecks. (Forts, folgt.)