dem er einmal Geleit versprochen hatte, zu bewachen. So schlief Bengt AlgotSson an der Seite des Mönches, ohne zu ahnen, welcher neuen Gefahr er entgangen war.
Am Morgen gingen Beide weiter und wanderten den ganzen Tag aus Wildpfaden, welche nur Einem, der in diesen Gegenden ausgewachsen war, bekannt sein konnten. Bengt hatte die beiden verdächtigen Gesellen wohl bemerkt, wie sie ihm folgten, 'da ihm aber sein Begleiter daö Abkommen erzählte, das er in seinem Namen mit ihnen getroffen hatte, war eS ihm ganz recht, und er bekümmerte sich nicht weiter um sie, eben so wenig um den Menschen, der ihn führte. Er wußte, daß er für den Augenblick ein Unterkommen finden würde, mehr brauchte er nicht, er fragte nicht einmal nach dem Namen des Odalbauern, in dessen Diensten der Knecht stand, in dessen Hof er selbst sein Asyl erwartete. Wenn das Letztere nur der Fall war, so galt es ihm sehr gleich, wer ihn ausnahm. Er hatte mehr zu denken; sein Geist überflog die Gegenwart und sonnte sich, wie ein leichtsinniger Schmetterling, in dem Glanze, den ihm die Zukunft zu verheißen schien, wenn seine Wagschale wieder sinken würde, die seiner Feinde hoch in die Lust schnellend.
Der Abend brach ein, als sie des WaldeS Grenze erreichten. Sie hatten ihn nicht in seiner ganzen Ausdehnung, sondern nur einen Abschnitt desselben durchwandert. Vor ihnen lag in der Beleuchtung der niedergehenden Sonne eine weite Flur mit grünen wogenden Halmen und die Luft war mit dem feinen Arom durchduftet, welches zur Zeit der Kornblüthe dem Landmanne so erfreulich ist. Aber noch zeigte sich kein Dorf, kein Haus. Der junge Bauer streckte nun den Arm nach der Richtung aus, in welcher seines Brodherrn Odalhof liegen sollte, und wunderte sich, daß die beschwerliche Wanderung sic-so lange im Walde aufgehalteu; er habe geglaubt, noch vor Sonnenuntergang das Haus zu erreichen, jetzt könnten leicht noch zwei Stunden bis dahin vergehen. Während sie darüber sprachen, traten die beiden Buschklepper hervor und forderten ihren Lohn für daö sichere Geleit, das sic ihnen gegeben. Bengt lachte und warf ihnen ungezählt einiges Geld zu, das sie auflasen und gewissenhaft theilten. — „Ihr kennt unS wohl gar nicht mehr wieder, Herr Herzog"? fragte der Eine dann.
„Hab ich Dir vielleicht einmal den Galgen erlassen" ? entgegnete Bengt. „Ich Pflege eS sonst nicht mit solchem Gelichter zu thun.
„O nein, gnädiger Herr" ? versetzte der Kerl pfiffig. „ES war bei einer andern Gelegenheit, nicht gar zu weit von hier, unter einer hübschen Buche, wo zwei Quellen springen. Wir sahen zu, Ihr hattet einen kleinen Spaß vor".
„Hund"! fuhr der Herzog auf. „WaS erfrechst Du Dich zu sagen" ?
„Nun, nun"! sprach der Buschklepper. „Ich sage ja nichts weiter, wollte nur wissen, ob Ihr Euch auf uns besinne» könnt". Er rückte seine Kappe ein wenig und verschwand mit seinem Genossen im Dickicht.
Bengt AlgotSson herrschte unmuthig dem Knechte zu, ihn weiter zu führen. Sie folgten den Rainen, welche zwischen den Kornfeldern dahin liefen; die Dämmerung wurde immer tiefer, dasAbendroth erlosch bis auf den letzten Streifen, der schrille Ruf der Brachvögel klang fern und nah wie Räubersignal, und machte den geächteten Herzog, dessen Ungeduld durch daS Phlegma seines Führers noch erhöht wurde, mehr als einmal stutzen.
Endlich standen sie unvermuthet, denn die Dunkelheit erlaubte kaum,
