als Wasserträger, ehe ihm seines Bruders Tod das Odalgut verschaffte. So kannte er alle Winkel genau und fand sein Ziel im Finstern. — An der Thüre, da er sie endlich ertappt, horchte er lange. Dann griff er dreist au das Schloß, ob es offen sei, es wich seinem vorsichtigen Drucke. Der Odal« bauer trat in des Burgherrn Gemach.
Are! betete! Beim schwachen Schein der Kerze, welche auf dem Tische stand, erkannte Ambjörn den Knieenden vor dem Betaltare, der, in Andacht versunken, sein Kommen nicht bemerkt hatte. Die Lage, in welcher der grimme Mann feinen- Feind, denn dafür hielt er den Herrn von Ringsta- holm, erblickte, schien entnervend auf ihn zu wirken, er zauderte an der Schwelle und war unschlüssig, ob er nicht heimlich gehen sollte, wie er gekommen war. So hatte er ihn nicht zu finden vermeint.
Da erhob sich Arel, und wie er sich langsam wandte, sah er den fremden Gast, der jetzt mit auflebendem Trotze ohne ein Wort zu sagen aus ihn zuschritt.
„Wer seid Ihr? Was wollt Ihr zur Nacht in meinem Zimmer"? fragte Arel verwundert, aber ruhig.
„Kennt Ihr Thora Ambjörnstochtcr"? rief der Bauer mit drohender Stimme. „Kennt Ihr Sten Ambjörnssvn"?
„Thora? Was meint Ihr damit? fragte Arel betroffen. „Was soll das mir" ?
Des Greises Stirnadern waren mächtig geschwollen, — er zückte sein Messer und schwang es wild in die Luft. — „Gut, daß Du gebetet hast, Nieding"! schrie er. — „Bekenne Deine Schuld, denn Deine letzte Stunde ist gekommen"!
„Wahnsinniger"! rief Arel nach dem nächsten Sessel greifend als Wehr. „Ich habe mit Dir nichts zu schaffend.
„Nichts? Nichts? schrie der Bauer. „Ich bin Thora's Batcr, bin Sten's Vater! Du hast mir die Kinder gemordet"!
Arel stieß ihn zurück, da er auf ihn eindrang. — „Bei des Heilands Blut, ich habe keine Schuld"! rief er in gerechter Entrüstung. — „Laß ab, oder ich vergesse, daß Du ein alter Mann bist"!
„Nimm ein Messer zum ehrlichen Kamps"! schnaubte Ambjörn. „Gott mag zwischen uns entscheiden"!
„Ich schwöre Dir, Du hast Unrecht", rief Arel. — „Ich kenne Dein Kind, aber wenn sie mich verleumdet, so thut sie eine schwere Sünde. Willst Du einen stärkeren Schwur, als ich ihn schon gethan habe"?
Der Bauer athmete tief. „Hast Du die Sünde auf Deinem Gewissen", fchrie er, „fo wird Dir ein falscher Schwur Nichts sein — Nimm Dein Messer; Gott wird den Schuldigen schon finden"! —
Da faßte Arel, ehe sich Ambjörn dessen versah, den bewehrten Arm des Bauern, entrang ihm das Messer und warf es weit von sich. Wüthend umstrickte Ambjörn den Leib des Junkers mit seinen Arme», es gab ein kurzes heftiges Ringen, aber die Jugendkraft siegte, und der Odalbauer wurde zu Boden geworfen.
„Schäme Dich, alter Mann", sagte Arel, von ihm ablassend. „Mit Deinem weiße» Haar so schlechte Gedanke»! — Zur Nachtzeit auf Mord auszugehen! Sei zufrieden, daß Dein Vorhaben vereitelt ist, Du wärst ein Mörder von Unschuldigen. — Gott bat auch nach Deiner Meinung entschieden".
