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Zur Unterhaltung.

Eine Freundin Napoleons.

Roman von Wilhelmine Lorenz.

(Fortsetzung.)

Bertha erwachte gegen Mittag neugestärkt, und mit Kraft zu ruhigem Ueberlegen. Sie öffnete ihren Koffer — Theobald hatte jede ihrer Effecten einpacken lassen; auch die zwölf Napoleon, die er ihr gestern gegeben, lagen dabei. Ein Rest von Billigkeit hatte ihn den Vorwand erfinden lasten, unter dem er ihr diese kleine Summe zugestellt. Es war die Hälfte von dem, was er selbst noch besaß, so schnell hatte der Leichtsinnige die Schätze ver­schleudert, die er ini unglücklichen Preußen erbeutet. Mit bitterer Scham und widerstrebendem Gefühle nur konnte sich Bertha entschließen, das Ge­schenk des Mannes anzunehmen, den sie jetzt eben so tief verachtete, als sie innig ihn geliebt, und wäre Theobald noch in Paris gewesen, so hätte sie es ihm zurückgesandt, sollten auch Noth und Hunger sie den andern Tag tödten müssen. Da sie gezwungen war, das Gold z» behalten, so sollte es ihr dienen, das Land zu verkästen, wo so schreckliche Erfahrung ihr gewor­den. Die kleine Summe war nicht hinreichend, um sie nach der Vaterstadt zu bringen, denn weder Eilposten waren damals schon eingerichtet, noch gab es Eisenbahnen, welche in Stunden die Reisenden Wegstrecken durchfliegen lasten, zu denc» sonst Tage nöthig waren. — Um das noch Fehlende sich zu verschaffen, nahm sie den Halsschmuck, die Ohrgehänge, die Ringe, womit Theobald sich gefallen hatte, sie zu zieren. Der Juwelier, dem sie die Kleinode verkaufen wollte, sagte ihr mit verächtlichem Lächeln, daß er kein Messing und keine böhmischen Glassteine kaufe. Ein Jude, an den sie sich hernach wandte, bot ihr fünf Francs dafür, und schwur bei dem Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs, daß er sein eignes Geld dabei verliere, und daß er es nur gebe, um einem so schönen Mamselchen einen Gefallen zu thun. — „Eine Enttäuschung mehr"; sprach Bertha mit bitterem Lächeln, und senkte verächtlich den werthlosen Tand in die trüben Fluthen der Seine. — „Ich will durch Arbeit das verdienen", sagte sie sich, „was mir noch fehlt zur Rückreise in mein Vaterland. Welches Loos mich auch dort er­warte, wäre es Verläumdung, wäre es Schande und Verachtung selbst — ich will es ertragen! Ist es ja fern von dem Himmel, unter welchem ein Theobald atbmet".

21.

Bertha miethete sich ein kleines Zimmerchen in der Rue Chabanms, die eng und still, wohlfeile Wohnungen bot, und täglich fand sie der frühe

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