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Fnr Unterhaltung.

Eine Freundin Napoleons.

Roman von Wilhelmine Lorenz.

(Fortseyung.)

„So empörend mir der Gedanke war", fuhr Karl fort, das Leben, „daS ich dem Vaterlande geweiht, jetzt schmählich unter Henkershand zu verbluten, so schlug er doch noch nicht meinen Muth oder meine Hoffnung nieder. Das Hoffen wuchs, da der Marsch des Regiments, das zum Hauptheere stoßend mich in seinem Gefolge mit sich schleppte, die Weichsel überschritten, denn nun kam ich in bekannte Gegend. Ost hatte ich sie in mannichfacher Rich­tung durchwandert bei den Geniercisen, die ich mit meinen Kameraden unter­nommen , wenn die Ferien die dumpfen Hörsäle der Akademie für einige Wochen geschloffen. Die Ketten, mit denen ich bei meiner Gefangennehmung beladen worden, hatten sie mir auf dem Marsche abgenommen, weil sie sahen, daß ich unter ihrer Last erlag — denn Menschengefühl kann man den Fran­zosen doch nicht ganz absprechen — aber dafür wurde ich eben so fest mit derben Hanfstricken gebunden. Doch ich habe gute Zähne, und wußte mit ihnen meine Bande so geschickt und so unmerklich z» zernagen, daß ich sie leicht abstreifen konnte bei vorkommcndem Falle. Dieser Fall zeigte sich als wir bei schon dämmerndem Abend durch den Wald bei Voigtsdorf zogen: unbemerkt blieb ich etwas hinter dem Marsche zurück, entledigte mich meiner Banden und: Heilige Borussia schütze mich! sprang ich in das Dickicht. Noch nicht lange war ich durch die kahlen Büsche geschlüpft, als ich Rufen und Flintenschüffe hinter mir hörte: aber hier kannte ich die Pfade und Schluch­ten zu gut, als daß ich fürchten durfte, eingeholt zu werden. Halb tobt wohl vor Ermüdung, aber längst außer dem Bereiche meiner Verfolger, kam ich gegen Morgen bei dem Hüttchen des alten Waldhüters an, der mich oft bei meinen botanischen Streifereien unter seinem niefcern Dache be­herbergt. Er nahm mich auch diesmal bei sich auf, der ehrliche Clas, und nachdem ich mich durch Ruhe und Nahrung wieder ein wenig bei ihm erholt, vertauschte ich meine Kleider gegen eine alte Frieskutte aus seiner Garderobe, und gelangte so glücklich hierher, zu meinen guten Pflegeltern. — Jetzt, mein Fräulein, wissen Sie meine Geschichte, und nun handeln Sie nizch Ihrem Gutdünken".

„O, haben Sie Erbarmen"! flehte Amalie in Bangigkeit, und wäre vor Bertha niedergefallen, wenn sie nicht von ihr liebevoll in die Anne geschlos­sen worden.