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gewährt, seiner Schwester, wie er nicht vergaß sie hier zu nennen. Er bat sie, ihr ferner zu erlauben bei ihnen zu bleiben, bis der Friede ihm vergönne sie wieder in sein und ihr Vaterland zurück zu führen und legte dabei eine mit erbeutetem (Selbe reich gefüllte Börse in die Hand des Pastors.

„Erlauben Sie mir, mein Herr", sprach der Pfarrer, die Gabe zurück­gebend. In unserm Norden üben wir die Gastfreundschaft nicht für Bezah­lung. Wir sind belohnt durch die Freude, daß das Fräulein Schwester es sich bei uns will gefallen lasten".

Mit dankbarem Lächeln reichte ihm Bertha die Hand, vereinte aber nicht um desto weniger ihre Bitten mit denen Theobald'sl

Mit würdevoller Beharrlichkeit wies Pastor Meinau auch diese zurück.

Obgleich die Pfarrerin von der französischen Sprache nichts verstand, so errieth sie doch leicht an den Mienen und Bewegungen der Redenden den Inhalt des Gesprächs, und erkannte in ihrem praktischen Sinne, daß hier Nachzeben bester sei als Beharren. Die Lieferungen in die Magazine hatten die Getreidevorräthe verschlungen, aus deren Verkauf der Pastor den we­sentlichsten Theil seiner Einkünfte zog; ein Theil des Zugviehes, die besten Melkkühe, hatten gleichfalls für den Fleischbedarf der Feinde abgeliefert werden müsten. An Stolgebühren war bei der armendurch den unglück­lichen Krieg ruinirten Gemeinde, vor der Hand nicht zu denken .. . Daher war die in besteren Tagen ersparte kleine Summe zu Malchens dereinstiger Ausstattung bereits angegriffen zu Bestreitung der unentbehrlichsten Lebens­bedürfnisse, und war diese Quelle vollends erschöpft, was dann Anfängen ?

Alle diese Besorgnisse flüsterte Fran Henrike ihrem Manne zu.

„Der Herr, der bis jetzt geholfen, wird es auch ferner", antwortete der Pastor in frommer Ergebung. „Er wird es auch ohne dieses Geld, das mein Gefühl mir zu nehmen verbietet".

Da trat Bertha mit der sanften Freundlichkeit ihrer reizenden Züge zu dem Unbeweglichen, und ihren süßen Bitten gelang es endlich, ihn zur An­nahme der Börse zu bestimmen. Aber nur als geliehenes Gut, das er er­statten dürfe in besterer Zeit, nahm er es, „denn Gastfreundschaft darf nicht bezahlt werden", setzte^er mit Nachdruck hinzu.

„Welches Loos mag meinem hochverehrten Freunde, dem Major Lessieux, gefallen sein in der blutigen Schlacht"? frug Pastor Meinau mit banger Miene.

„Lessieux", erwiderte Theobald, „Major bei den sechsten Chevaulegers? Ich sah sein Regiment mit uns, da wir Althof erstürmten, ein Manövre, das ein nicht unwichtiger Punkt unsres Sieges ward".

„Und er"?

„Er wird mit unter den Vermißten genannt".

„Also gefallen der edle, brave Mann"! rief Bertha schmerzlich aus.

„Vielleicht auch nur gefangen", beruhigte Meinau sie und sich selbst.