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Adieu"! rief er, druckte Bertha mit wehmüthigem Blicke die Hand, verab­schiedete sich mit kaltem Kopfnicken bei Theobald — und der Wagen rollte fort.

„Der arme alte Major" I sagte Bertha ihm mit trüben Augen nach- schauend. „Wie gern hätte ich ihm unter meiner Pflege einige Ruhetage gegönnt! Er hätte es gewiß angenommen, wenn Du Deine Bitte zu der meinigen gefügt", wandte sie sich mit leisem Vorwurf zu Theobald.

„Es lag mir eben nicht zu nahe, mich von dem alten Murrkopf belä­stigen zu lasten"! antwortete der Capitain verdrießlich.

Bertha wagte nicht, dieser unfreundlichen Rede die Zurechtweisung zu geben, die sie verdient; aber bei all ihrer Liebe zu Theobald konnte sie doch nicht ohne bange Unruhe an die Worte des Majors denken.

9.

Blutig war das Jahr 1806 in sein gähnendes Grab gesunken, und blutig stieg das neue herauf in eine trübe, wilddurchstürmte Zeit. Fort und fort wüthete der Krieg mit einer Kette von Siegen auf der einen Seite; mit Niederlagen und immer wachsendem Elend auf der andern. Aus Polens Wäldern ging sein grauscr Marsch, mit furchtbaren Verheerungen seinen schrecklichen Weg bezeichnend, nach den Niederungen Ostpreußens, den Heeren entgegen, die Rußlands Kaiser von dort gegen den siegenden Feind an» rücken ließ.

Muthig und ergeben in das Unvermeidliche, war Bertha dem Geliebten auf diesen Zügen gefolgt — jetzt aber schwanden ihr Muth und Kraft. Er­schöpft von den Beschwerden der Märsche, preisgegeben jedem Sturme der Elemente, jeder Bequemlichkeit ermangelnd, unterlag ihr Körper. Aber mehr noch litt ihr moralisches Gefühl durch den Anblick der Mord-, Raub- und Blutscenen, durch die empörenden Auftritte des Uebermuthes, der Zügel­losigkeit der Truppen, durch ihre Verläugnung aller Sittlichkeit, ihre Ver­höhnung aller Zucht und Ordnung, wovon sie fast täglich Zeuge sein mußte. Da das kleine Fuhrwerk, welches sie trug, in Willenberg angelangt, dem ersten Ruhepunkte wieder auf deutschem Boden, und Theobald sie in das ihr bestimmte Quartier bringen wollte, lag sie bleich und leblos auf dem Stroh­sitze des offenen Karrens. Einen Schrei wilder Verzweiflung stieß Theobald aus . . . Sie, die Stütze seines rastlos verfolgten Planes, tobt! ... Wozu hatte ihm alles Mühen genützt, das er angewandt, das Ziel seiner Ent­würfe zu erstreben!.. .

Die vorbeiziehenden Krieger hörten den Schrei: sie hielten an, schaute» nach der Ursache, die jenem Offizier so heftige Aufregung gegeben: Em todtes Weib! Was galt solches ihuen, die mit dem Tode so vertraut ge­worden, daß Todtes und Lebendes ihnen gleich war! gleichgültig zogen sie