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Zur Unterhaltung.

Eine Freundin Napoleons.

Roman von Wilhelmine Lorenz.

(Fortsetzung.)

Nun war Kaiser Napoleon zu dem Punkte gebracht, den noch Keines ge­wagt, ungestraft zu überschreiten. Er ging zu Josephinen und befahl ihr kurz und rauh: Du mußt sogleich Madame Gazani aus Deinem Dienste jagen. — Aus meinem Dienste jagen? frug die Kaiserin erstaunt: welches harte Wort! und weßhalb? — Ich will, daß diese Frau nach Italien zurückkehre. Nein, Sire, antwortete Josephine mit einer Würde, die ihn das Auge Niederschlagen ließ, denn er fühlte, daß sie aus edler Quelle kam. — Ich werde die Gazani in meinem Dienste behalten. Ich will nicht, daß man in Ihrem Königreiche Italien sage, daß Sie ein junges, unbescholtenes Weib ihrem Baterlande, ihrem Gatten, ihreir Pflichten entriflen, um es — der Verzweiflung zu überliefern. Indem ich mich dem ungerechten Zorn Ew. Majestät widersetze, schütze ich den Ruhm Ew. Majestät. Ich wiederhole es, Madame Gazani bleibt bei mir. — Wie Du willst, Josephine, entgeg­nete der Kaiser mit niedergekämpftem Zorne; aber daß ich sie nicht mehr sehe".

„Und die Italienerin"? frug Bertha hastig.

„Ist Vorleserin der Kaiser, wie zuvor".

„Und der Kaiserin"?

„Denkt ihrer nicht mehr".

„Er ist unbeständig".

„Nur consequent, schöne Bertha. Er trennt sich von der Schönen, deren Herrschaft er fürchtet. Aber ebenso consequent würde er Derjenigen treu bleiben, die ihn nicht beherrschen will. Verstehen Sie nun des Räthsels Lösung, süßes Mädchen"? frug er, Bertha's kleine Hand an seine Lippe» drückend. — „Aber", fuhr er nach einer Pause fort: „bin ich nicht der Thoren größter, Ihnen das zu verrathen, was ich Ihnen ewig ver­schweigen sollte"?

„Warum, Herr Capitain"?

„Ich verrathe Ihnen ja das Mittel, sich geliebt, mich ewig unglücklich zu machen I .. ." Er drückte seine Hand verzweiflend an die Stirn und versank in düsteres Schweigen. Bertha störte ihn nicht. Theobald hatte einen Gedanken in iht erweckt,» der nochMcht in ihren leichten Sinn ge­kommen, und jetzt mit einer Macht darauf stürmte, die sie todt für jeden Andern machte. — „Lassen Sie uns meine Mutter aufsuchen", Hub sie end-