nach der Friedrichsstraße gezogen, die jetzt still und menschenleer, da Alles nach dem Gendarmerieplatz sich drängte, ihm erlaubt, ungestört zu sprechen. Von da führte er sie nach den Linden, und unter den jetzt blätterlosen Bäumen herumwandelnd erzählte er auf Bertha's Bitte: „Ich sage Ihnen, Schönste der Schönen, nichts von der bezaubernden Griechin, die der Kaiser in Venedig kennen gelernt; nichts von der schönen Französin, die ihm einen Sohn geschenkt; nichts von den anderen Schönen, die sich schmeicheln durften, vielleicht das Auge des Mächtigen für Momente auf sich gelenkt zu haben. Es waren Lichtblitze, die aufstiegen — und verschwanden. Ich erlaube mir nur, Ihnen von Madame G azani zu erzählen, der reizenden Genueserin, ein Ideal der Schönheit für Die, welche Bertha Werner nicht sahen..."
„Schmeichler" I
„Ich sage, was mein Herz mich lehrt, süßes Mädchen. Madame Gazani verließ einen braven Gatten, der sie anbetcte, um Dem zu folgen, dem nichts zu widerstehen vermag".
„Und der Kaiser" ?
„War dankbar dafür; er machte sie zur Vorleserin seiner Gemahlin, der guten, liebevollen Josephine".
„Und die Kaiserin nahm sie dazu an"?
„Was konnte sie thun? der Kaiser wollte es so. Madame Gazani besaß neben ihrer Schönheit eine der sanftesten, harmonischesten Stimmen, die man nur je in süßer Rede gehört, und diese eben war es, die den Kaiser so unwiderstehlich anzog, ihn, auf den der Zauber der Stimme so tiefen Eindruck zu machen pflegt. Die Glorie kaiserlicher Gunst glänzte frei und unverhüllt über dem schönen Haupte der reizenden Genueserin, und Niemand mühte sich cs zu verkennen, so wenig, wie sie selbst sich mühte es zu verbergen. Sie achtete dieses so wenig der Mühe wcrth, daß sie selbst in des Kaisers Gegenwart wagte, damit zu glänzen; daß sie trotzig darauf bauend sich nicht scheute, Wünsche, Forderungen auszusprechcn; daß sie auf deren Erfüllung drang — endlich sich sogar erkühnte, üble Saune zu haben.
(Fortsetzung folgt).
Tägliche Fremdenlifte.
(Angekommen am 11. Januar.)
Äblet. Hr. Hecker, Kfm. a. Crefeld. Hr. Gerstle, Hr. Lechenich u. Hr. Hartmann, Kfiie a. Frankfurt.
Grüner Wald. Hr. Schwarz, Kfm. a. Selters. Hr. Gratz, Dr. a. Oestrich.
Ta«NUS-Hotel. Hr. Weckbecker m. Farn., GutSbefitzer a. Münstermayfeld.
