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Inr Unterhaltung.

Eine Freundin Napoleons.

Roman von Wilhelmine Lorenz.

(Fortsetzung.)

„Urtheilen sie nicht zu hart, süße Freundin. Freuen kann und soll sich der Sieger seines Sieges; aber spotten des Ueberwundenen? ... das darf Keiner"!

„Möglich, daß ich irre; aber meine Brust athmet doch schwer und traurig unter dem demüthigenden Gedanken: der siegende Feind ist eingezo- gen da, wo unser guter König, wo unsere angebetetc Königin so schöne Jahre friedlich gewohnt".

„Das ist Kriegsschicksal, gutes Fräulein; wäre es möglich, daß je ein fremder Feind als Sieger in die Tuilerien einziehen könnte, müßten wir es ja auch ertragen . .. Aber das kann Keinem gelingen! Kein ftemder Sieger kann je in unsere Hauptstadt einziel-en, so lange noch ein Tropfen Blutes in der Brust eines Tapfern Napoleon's glüht" !

„Capitain", näherte sich Vival mit seiner Dame, die pomphafte Rede des Kriegers unterbrechend: „wir haben des Zuhörens genug, Madame und ich, und wollen beim Restauranten dort in der Ecke ein Glas Punsch trinken. Wenn auch Ihre schöne Begleiterin genug gehört und gesehen hat, so suchen Sie uns dort auf«.

„Ordre parirt"! sagte Theobald, zwei Finger grüßend an den Tschako legend, und sah zufriedenen Blicks die ältere Hälfte der Gesellschaft dem Kaffeehausc zugehen.

„Ich muß wohl auch" ? ... frug Bertha, unschlüssig, ob auch sie folgen solle oder nicht.

„Bleibe nur, Kindchen, Du bist ja unter gutem Schuhe"; und mit so leichtem und jugendlichen. Schritte, als es ihr nur immer möglich war, tänzelte sie am Arme ihres Führers davon.

„Sie bleiben doch gern mit mir, theures Fräulein"? frug Theobald niit zärtlichem Händedrucke.

„Warum sollte ich nicht" ? frug Bertha unbefangen.

„Dieses himmlische Zutrauen lohne Ihnen der Gott der Lieb« mit feinen höchsten Wonnen! Nicht getäuscht wird solches Vertrauen von einem Krieger Napoleons!... Sie kennen ja unser» großen Kaiser, Sie haben ihn gesehen — gesprochen"?

„O ja"! stieß Bertha schnell hervor.