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Ihrem Ofen haben muffen, und dann sind Ihre Beziehungen mit Ihren Hausgenossinnen abgebrochen".

„Das könnte wohl sein. Wissen Sie was, kommen Sie morgen Vor­mittag nach der Parade zu mir, da will ich Sie vorstellen. Das Uebrige ist Ihre Sorge, und wenn Sie der Nebenbuhler Sr. Majestät werden wollen, so wasche ich meine Hände in Unschuld wegen der Folgen".

„Eben diese Folgen sollen mir fruchten", sagte Theobald, der schon einen schnellen Plan entworfen hatte.

„Gut, gut, lieber Capitain, Sie sind noch in den Jahren, wo man sich in solche Wagstücke stürzt. Ich kümmere mich nicht mehr darum. Weniger geseufzt und mehr getrunken, das ist beim Soldaten Vergütung für das Alter".

5.

Theobald ward Madame Werner durch ihren neuerworbenen Hausfreund vorgestellt. Des Capitains schönes, militärisches Gesicht; seine elegante Figur, die geschmackvolle Uniform, seine liebenswürdige Etourderie; die leichte Sicherheit seines Benehmens... Bertha hätte nicht die Tochter ihrer Mutter sein muffen, wenn solche Vorzüge ohne Eindruck an ihr vorüber gegangen wären. Theobald theilte seine Aufmerksamkeiten zwischen Mutter und Tochter, um Beider Gunst gewiß zu sein. Sein Bemühen war nicht vergebens: Madame Werner war so liebenswürdig, wie sie es gewesen in den herrlichsten Tagen ihrer Blüthenzeit, und Bertha plauderte und lachte mit dem schönen Militär, in der reizenden Unbefangenheit ihrer frohen Laune.

„Sie schenken uns die Ehre Ihres Besuchs bald wieder, Herr Capitain, nicht wahr"? frug Madume Werner, da Theobald sich empfahl.

„Ich bin zu glücklich bei Ihnen gewesen", antwortete er mit einem leisen Blick auf Bertha, „als daß ich Ihrem Befehle nicht mit hoher Wonne gehorchen sollte. O, wir Militairs sind eigennützig"! rief er noch, da er sich mit der zierlichen Pirouette zur Thüre hinausdrehte, die einst die gra- civsesten der Rous's Ludwigs des fünfzehnten erfunden, und die nicht mit dem Königthume untergegangen war.

Beim nächsten Besuche traf Theobald Bertha's Bruder im Zimmer der Mutter. Herr Libers war zurückgekehrt, da die Ordnung in Berlin wieder hergestellt worden, hatte sein Comptoir wieder eröffnet, und wenn auch die Geschäfte flau gingen, so saß doch Herr Ferdinand Werner wieder an seinem alten Platze. Obgleich Ferdinand die Tage, da er in Feindesgewalt zwischen Tod und Leben schwebend gefangen war, nicht zu den glücklichen seines Lebens zählte, und sich nicht mühte, die Erinnerung daran festzuhalten, so machte sie doch Madame Werner gar zu gern zum Thema ihrer Rede. Sie hatte dem Steifer eine Bittschrift überreicht; sie war vor das Angesicht des Mächtigen gelaffeu; sie war erhört worden... wie konnte sie über so Wich­tiges schweigen! Daß sie im Vorzimmer verweilen müssen, während ihre Tochter zu dem Kaiser geführt wurde; daß sie nicht sie begleitet bei den fol­genden Audienzen — das verschwieg sie wohl.

„Sie haben unfern großen Kaiser gesprochen" ? rief Theobald den Ueber- raschten spielend: „Sie Glückliche!... Und Fräulein Bertha's Himmelsauge hat ibn mit einem ihrer Wonnenblicke beglückt? ... Der Glückliche"!

Bertha senkte erröthend den Blick und schwieg.

(Fortsetzung folgt).

Druck und Verlag unter Verantwortlichkeit von A. Schellenberg.