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„Der Himmel sei mit Ihnen und erfülle Ihre Bitte"! sprach Lessieux nach dem Ausgange sich wendend.

„Sie wollen uns verlassen, mein großmüthiger Beschützer"? rief Bertha betroffen.

„Schon zu lange war ich von meinem Posten abwesend, liebes Mäd­chen", antwortete er, drückte einen Kuß auf die lilienweiße Stirn, machte der sich in Dankesreden erschöpfenden Mutter eine kurze Verbeugung und entfernte sich.

3.

Constant wußte seinen kaiserlichen Herrn in einem jener wenigen Augen­blicke, wo er allein und unbedrängt von Geschäften war. An seinem Schreibtische saß der mächtige Herrscher, und vor Ucbermaß der Gedanken gar nichts denkend, bearbeitete er mit den, Federmesser, das er in der Hand hielt, die kunstvoll geschnitzten Armlehnen des kostbaren Fauteuils der Königin Louise, das er zu dem seinen gemacht. Zornig wendete er das Auge nach dem Kühnen, der einzutreten wagte, wenn er allein se n wollte... Es war Constant, der freilich zu jeder Minute freien Zutritt hatte, aber dennoch ragte er ihn ungeduldig: „Was willst Du? ... Was ist das"? fuhr er noch unwilliger fort, auf das Papier zeigend, das der Eingetretene auf goldenem Teller ihm präsentirte.

„Eine Bittschrift, Sire".

„Wirf sie zu dem übrigen Wust"! befahl Napoleon, die Darbietung zurückstoßend.

„Die Ucberbringerin harrt im Vorzimmer".

„Schick sie fort"!

„Sire, sic ist eines der schönsten Mädchen, die ich jemals gesehen".

„So"? lächelte der selten Lächelnde. „Eine Berlinerin wahrscheinlich"? Der Kammerdiener bejahte mit einer Verbeugung.

Man hatte dem Kaiser die Anmuth der Damen Berlins gerühmt; er wollte wissen, ob sie der Anmuth der Damen seiner Kaiscrstadt glcichkämcn. „Laß sie eintreten"! befahl er, und Constant ging, den Befehl zu vollziehen.

„Belieben Sie mit mir zu kommen", trat Rapoleon's vertrauter Kam­merdiener zu der äHstlich harrenden Bertba: „Se. Majestät gewähren Ihnen die Gnade einer Audienz".

Purpurgluth und Eiseskälte wechselten bei diesen Worten auf Bertha's zarter Wange, und ihr Herz klopfte hörbar, als sie nach der Thüre schritt.

„Entschuldigen Sie, Madame", sagte Constant mit leichtem Winke die Mutter zurückhaltend, welche Bertha folgen wollte: „mein Befehl geht blos auf das Fräulein".

„Sie werden doch einer Mutter nicht versagen, ihrer Tochter beizu-