herabfiel, und wusch ihn an, wusch die Wunde aus und legte ein Blatt einer heilenden Pflanze darauf, die sie einstweilen auf ihrem Wege gefunden. Ihren unermüdeten Bemühungen gelang es, spät erst das Leben des Verwundeten zurückzurufen. Sein Haupt ruhte in ihrem Schooß, und ihr liebender Blick forschte ängstlich nach den Spuren des wiedererwachenden Bewußtseins.
Er schlug endlich mott das Auge auf. Sie flößte einige Tropfen Wassers, das sie in seinem Hut aufbewahrte, zwischen die trockenen Lippen. Wirre sah er sie an. Er begriff seine Lage, den Zusammenhang der Begebenheiten nicht.
„Du bist gerettet", sagte sie liebevoll, „schone deiner"!
Aber umsonst war ihre Bitte. Zu nahe lagen ihm die Seinen zu Jamestown am Herzen. Er fragte in fieberischer Bewegung nach dem Ausgange der Schlacht.
Poccahontas erzählte es ihm, sie ergänzte zu seiner Beruhigung Manches, was sie nur muthmaßte. Er wurde ruhiger.
„Wo bin ich"? fragte er dann. „Ist es weit nach Jamestown"?
„Sehr weit", erwiederte sie, „aber du bist sicher, und Poccahontas wird dir die Wunde heilen, die dich schmerzt. Nur mußt du der Ruhe pflegen".
Das fühlte wohl Smith, denn die wenigen Worte, die er sprach, schmerzten ihn. Es währte auch nicht lange, so siel er wieder in einen tiefen Schlaf.
Mehrere Tage vergingen unter Poccahontas sorglicher Pflege. Sie suchte die heilendsten Kräuter und Wurzeln, die besten Früchte für Smith. Er wurde besser — 'auch seine Wunde nahm einen bessern Charakter an. Doch sie hatte den Muth nicht, Nachricht nach Jamestown zu bringen, da sie auf einer Wanderung nach Nahrungsmitteln in den Wäldern ganz nahe bei ihrem Zufluchtsorte Tritte fand, in denen das geübte Auge der Indianerin bald die unverkennbaren Merkinale ihres Stammes entdeckte, deren irres Durcheinanderschweifen ihr aber auch deutlich genug sagte, daß man ihre Spur verfolge, sie suche. Sie wandte nun alle jene Vorsichtsmaßregeln an, welche der natürliche Scharfsinn die Wilden in solchen Lagen lehrt. Sie ging meist rückwärts, suchte ihren ohnedem so leichten, fast schwebenden Tritt ganz auf dem Boden zu vertilgen, und bemühte sich, durch mancherlei Künste der Art ihre Verfolger irre zu leiten. Es gelang ihr. Die Spuren verloren sich und die augenscheinliche Gefahr war verschwunden. Freier athmete das treue Wesen, das sich in dieser Einsamkeit, in dieser treuen Sorsalt für den geliebten Mann so sehr glücklich fühlte, und gerne für das ganze Leben hier mit ihm gewohnt hätte, glücklich in ihrer Liebe — überglücklich, aber ihr Wunsch sollte nicht erfilllt werden.
