Nicht lange wahrte es, so brachten die Jäger den Wilden. Es war Jukka, dem eine Kugel das schwarze Herz durchbohrt hatte.
„Hängt ihn am nächsten Baum auf"! rief ihneu Thornton zu, „auf daß die Geier sein Aas verzehren"!
Es geschah also, und als die gräßliche Exemtion vollbracht war, brachte man Smith nach Hause, wo er schnell wieder von der Wunde genas, für welche Poccahontas den erquickendsten und heilendsten Balsam bereitete.
Sv froh sie auch war, daß der Geliebte genas, so schien doch ein bitteres Weh an ihrem Herzen zu nagen, denn sie war still und oft rieselte eine Thräne über ihre Wange. Smith sah es. Er lockte ihr das quälende Geheimniß heraus. Unter rinnenden Thränen erzählte sie ihm, wie der an Jukka verübte Mord die Stämme empört, wie offener Krieg gegen die Colon ie dem heimlich längst genährten Hasse nun den Ausbruch gestatte. „L>ie habe", sagte sie, „lange in ihres Vaters Brust die Flamme gedämpft, aber es sei, fürchte sie, länger nicht möglich; darum möge er sich schützen, so gut er könne. Genauere Kunde werde sie gewiß noch ihm bringen.
Darauf verließ sie Smith — aber er ließ dennoch Alles in Vertheidi- gungsstand setzen.
Wohl hatte Powhattan. den Empfang bei dem ersten Ueberfalle der Weißen und ihre Aufmerksamkeit einer heimlichen Mittheilung seiner Tochter zugeschrieben, obwohl er keine sichere Gründe für seine Vermuthung hatte. Darum verfuhr er jetzt klüger, heimlicher, und Poccahontas ahnete nicht, wie nahe der Sturm sei, der über den Geliebten hereinbrechen sollte.
Alles war in der Stille vorbereitet, und erst kurze Zeit vor deni Ausrücken der Wilden wurde ihr ihre Absicht kund. Jetzt hielt sie keine Macht, keine Gewalt der Erde. Wie der Vogel in den Lüften, eilte sie mit fliegender Hast durch die Wälder, zertheilte kräftigen Armes die Wellen, und brachte Smith die Schreckenskimde, daß mehrere Oneida-Stämme im feindlichen Bund anrückten, ihn zu verderben. Der Capitän fand noch Zeit genug, die nothwendigsten Maßregeln zu ergreifen. Wieder brachte man Weiber und Kinder in Eile auf die Schiffe. Smith beschwor Poccahontas, auch dort ihre Zuflucht zu suchen; allein umsonst waren seine Bitten; sie verließ ihn nicht. Sie wollte fein Loos theilen. Der Speer, den sie ans des Vaters Hütte nutgebracht, war ihre Waffe. Alle Ueberrednngskunst des Capitäns, alle liebevollen Schmeicheleien, die er anwendete, vermochten nicht, den Entschluß des Mädchens wankend zu machen. Smith's Kundschafter berichteten bald den Anmarsch der Wilden. Smith ließ hinlängliche Vertheidignng in dem befestigten Jamestown und rückte den Wilden entgegen. An seiner Seite die edle Poccahontas.
(Fortsetzung folgt.)
