überwallendes Gefühl warf sie an des geliebten Mannes schlagende Brust. „Ich bin dein", sagte sie, „gebiete über mein Leben! Poccahontas will in deiner Hütte bleiben und dir dienen"!
Powhattan's Stirne runzelte sich bei diesen Worten.
„Nein", sagte Smith sanft, „du mußt den alten Vater pflegen, • dcr deiner bedarf".
Nur mit widerstrebendem Gefühle folgte das liebende Mädchen dem Vater ins Lager jenseit des Flusses. Ihr Herz blieb ja in Jamestown, das mit all der Stärke jugendlicher Gluth, mit all der Kraft unverdorbener, kindlicher Natur an dem Mann ihrer Wahl hing.
Allgemeiner Jubel erfüllte das Lager der Wilden, wie tiefes Staunen.
Unbegreiflich blieb ihnen die Handlungsweise des weißen Häuptlings, der den Feind, an dem er Rache üben konnte, freiwillig los ließ; aber das Edle dieser Handlung faßten sie dennoch, und das Freundschaftsband mit den Ansiedlern wurde bei dem Feuer der Oneida-Stämme bekräftigt.
Jukka's Grimm war verzehrend. Alle seine Pläne sah er scheitern, und so groß auch die Achtung gewesen war, die er sich erworben hatte — er sah sie vernichtet, das Brandmal der Lüge konnte er nicht von sich entfernen. Rachebrütend verließ er das Lager des Stammes und zog hinauf zu den Quellen der Flüsse — in die dunkeln Wälder der Gebirge.
Poccahontas Herz schlug leichter, als sie es erfuhr, denn sie zagte für Smith's Leben, wenn der wilde Jukka blieb.
Der Oelbaum des Friedens aber grünte frisch und fröhlich. Der Wohlstand der Colonie wuchs. Die Biberjagd mehrte ihre Reichthümer. Ihre Magazine waren voll herrlicher Erzeugnisse Amerikas. Der Tauschhandel mit den Oneida-Jndianern führte sie bis zu den Fällen der Niagara. Und reich an Gewinn kehrten sie jedesmal heim. Smith fühlte sich glücklich. Eines seiner Schiffe kehrte nach England zurück, ihre Handelsartikel umzusetzen, und die frohe Hoffnung, durch Jack, der die Reise mitmachte, Nachrichten von Gattin und Kind zu erhalten, hob fröhlicher und freier seine Brust. Seit der Friede zwischen dem Jndianerstamm und den Cvlonisten herrschte, wohnte dieser in der Nähe der Colonie, friedlichen Verkehr unterhaltend. Selten verging ein Tag, daß nicht Poccahontas in Jamestown bei Sir Edward war. Das liebende Mädchen folgte so ganz dem süßen Trieb ihres Herzens, daß sie durch nichts sich halten ließ, um ihn zu sehn. Im glänzendsten Lichte zeigte sich ihre reine Neigung, als Smith von einer gefährlichen Krankheit aufs Siechbett gefesselt wurde. Da saß das Mädchen Tag und Nacht an seinem Lager und pflegte ihn mit sorglicher Treue; da lauschte sie liebevoll jedem Athemznge; da kam kein Schlummer in ihr Auge.
