Allgemein war das Entsetzen, welches diese That der Wilden in der Colonie hervorbrachte, allgemein der Durst nach Rache ob dieser That. Smith, der den Verlust des Mannes betrauerte, fand noch außerdem Ursache genug zur Betrübniß. Gerade diese That zeigte aufs deutlichste, von welcher Gesinnung die Stämme beseelt seien, zeigte aufs klarste, wie wankelmüthig dies Volk der Wälder — aber auch wie groß der Einfluß des wilden Jukka sei auf Powhattan, daß selbst Poccahontas Bemühen fruchtlos blieb, die gewiß zum Frieden gerathen hatte. Und so war es wirklich.
Seit dem Heimzuge der Ansiedler stritten Gutes und Böses um die Herrschaft in Powhattan's Gemüthe. Jukka besaß von Kindheit auf Pow- hattan's Liebe, denn er war in seiner Hütte ausgewachsen, hatte von ihm die Künste des Krieges gelernt, hatte an seiner Seite tapfer gestritten gegen die feindlichen Stänune am Miffouri, und da Gelegenheit gehabt, dem alten Häuptling das Leben durch einen kühnen und sichern Pfeilschuß zu retten; Jukka war aus keiner Schlacht heimgekehrt, ohne daß die Skalps mehrerer Feinde seinen Gürtel zierten. Durch seine Tapferkeit ehrten ihn die Greise wie die Jünglinge, und selbst am Berathungsfeuer, wo nur das Alter eine Stimme zu haben pflegt, durfte Jukka reden, und es ereignete sich nicht selten, daß die Weisheit seiner Rathschläge einstimmigen Beifall fand. Da- duech war er Powhattan's Liebling geworden, der nicht das bei den Wilden bcneidenswerthe Glück hatte, seine barbarischen Tugenden, seine reiche Erfahrungen und sein weitumfassendes Ansehen auf einen Sohn vererben zu können. Mit dieser Liebe besaß zugleich und durch sie Jukka das Anrecht auf die Häuptlingschaft nach Powhattan's Tode. Es war des Alten wie Jukka's heißester Wunsch, daß Poccahontas seine Gattin werde. Hatte aber das Mädchen früher schon, verachtend Jukka's Leidenschaftlichkeit, Falschheit und Hinterlist, seine Liebe mit Unwillen abgewiesen, so war er jetzt, seit ein so reines, heiliges Gefühl für den schönen weißen Häuptling, wie die Wilden Smith nannten, ihr Herz einnahm, seit er so meineidig an Smith gehandelt, vollends Abscheu und Haß an die Stelle eines verwandtschaftlichen Wohlwollens getreten. Jukka war klug genug, bald die Quelle dieser für ihn hoffnungslosen Stimnmug zu errathen. Schon am ersten Abend, da Smith im Lager der Wilden war, ahnete Jukka, was wirklich erfolgte, und glühend war darum sein Haß, unersättlich seine Rache gegen Smith und die Weißen überhaupt. So günstig auch Poccahontas ihren Vater für Smith gestimmt hatte, Jukka's glühender Haß theilte sich dennoch wieder unvermerkt Powhattan's Herzen mit, und flößte Mordlust in das Herz des Häuptlings, der von eigenem Hasse nicht ledig, nur zu leicht sich aus Jukka's Seite neigte. Wie bei Powhattan, so unterließ es Jukka auch nicht, bei den Aeltesten des Stammes feindselige Gesinnungen gegen die Weißen zu erregen. Zwar ge-
