«Sette S Nr. 150
Wiesbadener Tagblatt
Mittwoch. 30. Juni 1943
ioNSkeit gegen feindliche Luftangriffe, ist eine erfolgreiche Krieg- uyrung durch andere als gepanzerte und motorisierte Truvven und ine -inen vorzüglich funktionierenden motorisierten Nachschub un- oglich. Die Ausgabe Libyens und Tunesiens durch die Achsen« uoven nt deshalb auch nur auf die gewaltige Überlegenheit des indes an Panrertruppen und auf die ungeheuren Nachfchubfchwierlg- ltiten auf deutsch-italienischer Seite zurückzuführen
Auch der Nachschub, der bei allen grasten Angriffsoveralionen noii Millionenheeren von entscheidender Bedeutung ist. hat durch seine veltgehendc Motorisierung überhaupt erst die Beweglichkeit erhalten. ie es ihm ermöglicht, den blitzschnellen Truppenbewegungen bei den ,ronen Angriffsoperationen int heutigen Kriege zu folgen und die der>orgung der Truppen sicherzustellen. Freilich mllsien die unge- oeuren Nachscliubmengen an Verpflegung Waffen und Munition. Lreibstofsen, Bekleidung und Ausrüstung, technilchem Material aller .Irt. nfw^ durch die Eisenbahn von de: Heimat bis möglichst nahe an die -xront befördert werden, Bon ven Ausladebahnhösen aber ''™ von den durch die Armeen oder Armeekorps eingerichteten Bet« oflcgungslagern. Munitionsdeoots, Vionierparks usw. erfolgt der 3u» bringcrd.cnst bis zu den unterstellten Divisionen im allgemeinen durch Kraftwagenkolonnen der Armeen oder Divisionen, die — allerdings "."e aus guten Straßen — etwa »ünsmal io leistungsfähig sind als t'icrdebesvannte Kolonnen.
Der Motor gibt der Führung auch die Möglichkeit, Truppen
. hinter der Front mit gröstter Schnelligkeit zu verschieben und sie an besonders wichtige Stellen der Kampffront zu werfen, wo sie selbst die Entscheidung sucht oder der Feind einen besonders starken Druck ausübt. Auf dem sowjetischen Kriegsschauplatz mit seinem auberordentlich dünnmaschigen Eisenbahnnetz tonnen solche LKW - Transvorte auch als Ersatz für die mangelnde Besördcrungsmöglich- keit mit der Eisenbahn dienen. Unsere OKW Berichte. die immer von neuem die Zerstörung gewaltiger Mengen feindlicher LKW. durch unsere Kamoiflieger und. Erdwaffen melden, lasten jedenio.lls erkennen, daß sich die sowjetische Knegsührung dieser motorisierten Beförderungsart Tür Truvven und Nach'chnb in grvsttem Maste bedient.
Es bleibt das historische Berdie'st des Führers, dast er bei seinem Neuaufbau der deutschen Wehrmacht den motorisierten Truppen einen besonders breiten Raum einseräumt hat. Die entscheidende Überlegenheit in der Organisaiion und Kampfausbildung groner geichlosscner Panze^- und motorisierter Trnvpen war die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen der weitgeivannten deutschen Durchbruchs- und llmfasiüngsoverationen Freilich hat heute auch die fowietijchc Banzerwaffe, das deutsche Borbild in der Verwendung von Panzerlruvven nachahmend, viel hinzugelernt, so dast auch ihr gewisse taktische Erfolge geglückt find, niemals aber der graste oveiative Durchbruch. Die bloste Nachahmung der erfolgreichen deutschen Banget« angrifssmrthoden wird auch in Zukunft niemals die strategisch- geistige Überlegenheit der deutschen Führung wettmachen können.
„Emigeln" erhält Widerstandskraft und Kampfhärte
Die Fragen der körperlichen nutz seelischen Belastung bei'Luftangrisfen — Alarmemvsindlichkeit und Gegenmittel — Vorschlaf und Frühschlaf ist wichtig — Nicht überraschen lasten
Von Professor Dr. E. E. Schenck, Hauptamt für Volksgesundheit der NSDAP.
Der e-oldat an der Front macht von seinen Taten wenig Stuf« hebens; genau so wenig wollen auch die Bewohner der bombengefähr- deten Gebiete ihre Leistungen ausgemalt wissen. Es ist jedoch notwendig, eiskalt, nüchtern und aus der Erfahrung an vielen Menschen heraus die Lage zu betrachten, um die Mittel zur Selbstbehauptung richtig zu finden und sie zur Stärkung der allgemeinen Widerstandsfähigkeit weiter zu verbreiten.
Deswegen wollen wir hier von der Seite der Eeiundheitsführung aus zu de" Frage bat körperlichen und seelischen Folgen der Luflbedrohung Stellung nehmen um zu zeigen, woher Gefahren eines Einbruchs in die bisher so un^rschütterte Kraft und Widerstandsfähigkeit drohen könnten und welche Möglichkeiten'eines Ausweichens. es gibt.
Unter den vier menschlichen Hauvtbelastungen der Heimat in diesem Kriege; Sorge und Trauer um Angehörige im Felde oder in gefährdeten Gebieten, eigene Bedrohung durch Bomben und Brand, äußerste Beanspruchung durch geistige und körperliche Arbeit, Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit durch veränderte Er- nährung-ierhältniste steht jetzt für einen Teil des Reiches die Beta i-ung ) Luftbedrohung im Vordergrund. Sic bringt sicherlich vielen u r Volksgenosten in den Stunden eines feindlichen Angriffs und an Tagen sich häufig wiederholender Alarme^ ein Höchst-, ja ein Übermaß an Beanspruchung, das Nichtbetroffene überhaupt nicht richtig würdigen können. Es ist deshalb besonders wichtig, dast alle Gefährdeten möglichst schnell wieder in die Grenzen des Ertragbaren zurückfinden oder durch verständige Helfer dorthin zurückgesührt werden. Viele haben sich aus eigener Erfahrung ein ganz bestimmtes Verhalten angewöhnt, das ihnen das Ertragen der Angriffe erleichtert. Es wäre eine dankenswerte Aufgabe, diese persönlichen Erfahrungen zu sammeln und die allgemein gültigen bekanntzugeben. Soweit ich sie überfehe, laufen sie alle auf den folgenden Grundsatz hinaus: Man kann sich auch in der Heimat körperlich und seelisch so „e i n i fl e 1 n“ dast die Angriffsflächen für Terror und Bomben stark vermindert werden.
Hierzu tziust man diese Angriffsflächen aber kennen und vor allem die Frage beantwortet bekommen, die immer wieder gestellt wird, ob nämlich die dauernden Aufregungen zu körperlichen Krankheiten führen könnten.
Wie vielen schlägt, wenn die Sirene sie iäh aus dem Schlafe reiht, das Herz schmerzhaft langsam mit zersprengender Gewalt gegen die Brust oder im Trommelwirbel den Hals hinauf. Sind das Vorboten einer Herztrankheit? — Wie viele scheinen, wenn sie jäh erwachen, zunächst ganz verwirrt oder fühlen das scheußliche Gefühl der Flauheit und der Bleischwere im ganzen Körper. Neigen sie zu einer Nerven- ober etwa zu einer Magenkrankheit? Droht ihnen ein Nervenzusammenbruch? Man kann sagen, bem Gesunden nicht; auf die Krankest werden wir noch zu sprechen' kommen.
Der Gesunde weih ja aus früheren Erfahrungen, etwa bei Prüfungen wie er auf Aufregungen ansvrach, und auch, wie schnell sich seine Organe wieder beruhigen, wenn die Sache vorbei war, vorausgesetzt, daß er imstande war, mit den Zügeln seines Willens die scheuenden Organe wieder zur Ruhe zu bringen. Und daraus kommt es in den Stunden der Gefahr zunächst an: der Wille m-u ft d i ö Oberhand behalten, dann findet man immer schnell zur Ordnung und Gesundheit zurück. Wohl ist es im Augenblick einer Gefahr häufig einfacher, ja auch angenehmer die Nervemügel zu verlieren und sich gehen zu lasten. Aber ein Mensch, besten Selbstbehauvtungs- wille unterliegt, hat bamit bann gewöhnlich unendlich viel länger unb schwerer zu tun als einer, ber sich in bet Gefahr aufrecht halt. Wer knieweich wirb, bem rebellieren leicht die Organe, ja, er kann Lungenentzündung unb Gelbsucht bekommen, auch ohne, daß et sich etwa bei Lösch- unb Ausräumungsarbeiten erkältet.
Wirb man mit einet Nadel täglich an bet gleichen Stelle gestochen, so nimmt der Schmerz im Laufe der Zeit bis ium Unerträglichen zu. Genau so ist es mit bet Älarmemvfind l i ch k e 11. Das Gegenmittel liegt im Wissen um bieses gesetzmähigc Verhalten unseres Körpers, besten Nerven zu Übersteigerungen neigen. 3m Gegensatz zu biesen Schwächungen entwickeln wir stets in der Gefahr
auch positive Krastauellen: das Bewußtsein, eine Lebensbedrohung tapfer und aufrecht durchgestanden zu haben, d. h. bis in ben ffitunb der Seele geprüft und echt befunden zu sein, entwickelt die unbeugsame Härte, den Fanatismus und den glühenden Haß, den wir jetzt brauchen stnd ber auch im Soldaten nut auf dieser Basis wächst.
Diese engen Beziehungen zwischen Körper und Seele, diese ewige Neigung des Menschen, einmal auf die passive, dann wieder auf die negative Seite zu fallen, müssen wir genau so kennen, wie die Tatsache daß wir es selbst bestimmen können, wohin wir fallen wollen.
Neben diesem Misten gibt es nun noch eine Reihe rein taktischer Maßnahmen, bie uns das „Einigeln" erleichtern, von benen hier nut einige aufgezählt werben tonnen.
Notwendig ist es, sich bei einem Alarm möglichst schnell körver- lichundgeistigaufdieHöheundvolleÜberlegungs- s ä h i g k e i t zu bringen. Das verhmbert Kopflosigkeit und die daraus entstehende Panikbereitschaft. Es ift ». B. zweckmäßig,' in der Wohnung oder im Luftfchutzraum in iinem wSrmchaltenden Gefäß oder einer Kochkiste tin heißes Getränk bereitzuhalten, das am schnellsten Flauheit und bleischwere Müdigkeit vertreibt. —.Nicht nut aus technischen, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen soll man stets auf einen Alarm vorbereitet sein trotz häufiger unnötiger Mehrarbeit. Liegen Kleider und Luftfchutzkellergut „feuer- wehrmäßig" bereit, daß man sie „auch im Schlaf' findet, dann gibt es keine schädliche Nervosität und Unruhe beim Alarm. Ebenso schafft nur bas Gefühl alle Schutzmaßnahmen sorgfältig getroffen zu haben, bie Ruhe im Luftschutzraum, aber auch — auf bem Wege über ein beruhigtes Gewissen — einen besseren unb tieferen Schlaf. — In bc= fonberem Maße wichtig für bie seelische Gleichgewichtslage ist es, baß man im Luftfchutzraum Beschäftigung sucht ober eine Schlafgelegenheit ausnutzt. Das Beobachten bcs Angriffs, soweit cs nicht Auftrag ift, ist falsche Tapferkeit, bas Hinhorchen aufFlak und Bomben führt zu Herzklo -fen unb Zittern. Eine Betätigung irgenbwelcher Art aber läßt bas Außere vergessen. Erwartung unb Vorstellung der Gefahr sind zermürbender als das Ereignis' selbst. Wie oft haben sich Menschen, bie in Erwartung eines Unheils zitterten, einen Augenblick später bei Bränbcn und Bombenschäden heldenhaft bewährt.
Schwächungsmittel, die bet Feind' in uns erzeugen will, find Übermüdung und Sorge, die unfett Stiftungen verringern, die Gefahren aber gewaltig vergrößern. Gewöhne man sich datum möglichst den F r ü h s ch l a f an. so daß ein Alarm, gerade im Sommer, schon in die Schlaf ebbe fällt und dadurch körperlich leichter überwunden' wird. Laßt uns möglichst auch alle Arbeitsva ulen. Feiertage und Ferien zunächst zum A u Ss ch l a f e n benutzen. S«bst wiederholt abgebrochener Kurzschlaf erfrischt, wenn man sich an ihn gewöhnt hat, was, wie bie ärztliche Eigenerfahrung lehrt sehr wohl möglich ist. — Biel weniger besorgt ist, wer seine Angehörigen nicht im 'Gefahrengebiet weiß. Datum sperre man sich nicht, wenn ihnen andere Unterkünfte angewiesen werden. — An die veränderte Tageseinteilung paffe man sich, so gut das durchführbar ift, auch mit ber Ernährung an: Kürzen bes Mittagessens zugunsten einet warmen Morgen- suppe. Heiße Getränke löschen den Durst leichter als kalte.
Wir bringen nur {inen Ausschnitt aus bem weiten Gebiete kricgs- bebingter Lebensregeln; es wäre, wie bereits gesagt, notwendig, sie allenthalben zu sammeln.
Nun noch ein Wart zum Bethalten betet, bie als positiv Schaffende in ben bebrohten Gebiete nicht in Betracht kommen können. Die Gefahr bei bet Betvflanzung von älteren Personen in völlig anbere Lebensverhältniffe ist gewöhnlich nicht geringer als bie bcs Verbleibs; deshalb lasse man sie in ihrer alten Heimat, wenn sie nicht bei nächsten Familienangehörigen ein Unterkommen finden können. Kinder .behalten anscheinend keinen die spätere Entwicklung störenden Eindruck vom Erlebnis der Alarme, jedoch ist es aus vielen Gründen wünschenswert, sie »u verschicken oder, wie bas in manchen Stabten üblich ist, sic abenbs zu sammeln unb* in besonders geschützte Bunker
Weltbild.
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Japans entschlossener Wille zum Endsieg
wird durch dieses anläßlich des javanischen Armeetages herausgegebene Plakat versinnbildlicht. Es zeigt einen japanischen Soldaten, der über die amerikanische und britische Flagge hinwegschreitet und im Bajonettangriff vorwärtsstürmt.
zum Schlafen zu bringen. Mit allen Mitteln muß man ben jungen Mütter n helfen, welche allein mehrere Kleinkinber zu versorgen haben. Die Mitoetreuung burch nachbarliche Hilfe ober NSV. ist immer zu erstreben, wenn eine Verschickung nicht möglich sein sollte; benn hier bestehen Gefahren für Mütter unb Äinbcr. Für bie Sicherung der roerbenen Mütter soll man vor allem kurz vor bet Niebetkunft sorgen. Zwar kommt ein „Versehen" mit einet Schädigung bes Äinbes infolge von Aufregungen nicht vor, aber die plötzlichen Belastungen können doch bei den in dieser Zeit so empfindsamen Frauen zu einer verhängnisvollen Früh- oder Fehlgeburt führen.
Den Kranken kann man richtig nur im einzelnen raten. Grundsätzlich kann aber solchen, die im Gleichgewichtszustand sind und Arbeit leisten, das gleiche zugemutet werden wie Gesunden; denn cs hängt bei ihnen, wie man immer wieder sieht, außer von der Art ihrer Erkrankung gerade von der Stärke ihres Willens ab, ob sie in einen schlechteren Zustand geraten, sich halten oder sogar Ktankheitszeichen vertieren, weil das eigene Ergehen hinter dem größeren Schicksal zurücktritt. Es gibt dafür an Front und Heimat Beweise menschlicher Größe, die erschüttern und mitreißen. Hier kann nur der Arzt entscheiden; er wird „falsche Tapferkeit", wenn das Verbleiben eines Menschen nicht positive Mitarbeit bcbeuict. ebenso ab« lehnen müssen, wie er bei anderen Forderungen nach Dableiben und Arbeiten stellt. Aus besonders gefährdeten Gebieten wird man immer Menschen mit überetregter Schilddrüse und schwereren Herzfehlern wegbringen, weil für deren Besserung und Heilung gleichbleibende Ruhe eine wichtige Voraussetzung ist.
Ausräumungsarbeiten nach Angriffen bringen manche Verletzungen, oft auch infolge des Staubs und Rauchs langwierigen Reizhusten mit sich. Blutvergiftungen bei solchen Verletzungen kommen selten vor; man muß aber Wunden durch einen Verband schützen. Den Reizhusten, der häufig auälend die notwendigen Ruhezeiten flott, kann man durch Dampfinhalieren aus einer Schüssel mit heißem Waffer einfach bekämpfen.
Das find einzelne Grundrichtlinicn. übet allem aber steht die Sorge um die Erhaltung ber Willenskraft und der K a m v f h ä 11 e. Der ungebrochene Mut,, der sich überall zeigt, ist aller Bewunderung wert. Wie entscheidend diese Eigenschaften für den endgültigen Sieg find, möge ein Beispiel lehren: Wenn ein im Schneesturm Verirrter sich völlig erschöpft zum Schlafe legen will, dann mag ihm wohl im Augenblick der als bester Freund erscheinen, der ihm rät, der Müdigkeit nachzugeben. Den aber, bet ihn anscheinend grausam und gefühllos weiter unb weiter treibt, ben wirb er noch in späteren Tagen als den Retter seines Lebens feiern.
Freue sich also jeder, her einen harten und feurigen Menschen tn seiner Nähe weiß, und suche ein jeder ebenfalls fte/s aufrecht und unbeugsam su [ein. Menschen dieser Art sind bie besten Diener ber Gemeinschaft, unserer deutschen Kriegsgemeinschaft zumal, in der es
Einzelwege einfach nicht gibt Sorge ein jeder dafür, daß er das
Seinige zur Standfestigkeit des Ganzen beitrage.
DruUdVrrlog: L. Sch-llevderglch« Buchdrucker-!, Wiesbadener Sagblatt, Wiesbaden. Gelamtleitung: Dr. phil. habil. Gustav Schelienberg und Otto Kaiser. Haupt« ichriMeiter: Fritz Günther, iämtL in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 11 gültig
Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten
Dar ßczunngor üss Rinöbottfiobors
Zum 125- Geburtstag ben Ignaz Philipp Scmmelweiß
Bor hundertfiinfuiid,zwanzig Jahren, am 1 Juli ISIS, wurde _ zu Ofen der große Arzt Ignaz Philipp Semmelweiß geboren. Ignaz Philipp Semmelweiß ist wohl die tragischste Gestalt in bet Geschichte ber Mcditzin. Ein Arzt, ber zugleich Dichter ist. hat sie neuerdings sogar als Hauptfigur eines erschütternden Dramas auf die Bühne gebracht. Der junge Deutsch-Ungat studierte Medizin und wirkte zunächst als Assistent des Professors Klein am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Es fiel ihm auf, daß in der bärtigen Ecbar- llinik von den werbenden Mütjern jede Fünfte ihr Leben Janen mußte. Die älteren Mediziner erklärten dies mit einem geheimnisvollen „Miasma" das die Frauen tötete, ober „atmosvhärisch- kosmifch-tellurischen" Eknftüffen.
Semmelweiß gab szch jedoch mit dieser gelehrten Definition, hinter der fidj lediglich Unwissenheit verbarg, nicht zufrieden und forschte unermüdlich nach den wahren Ursachen des Kindbcttfiebers. Er beobachtete, daß bie Arzte und Studenten oft direkt von der Leichensektion weg die Untersuchung der werdenden Mütter Vornahmen. ohne sich vorher die Hände zu reinigen. Obwohl bas Milliardenhecr bet Mikroben damals noch nicht bekannt mar. zog Scmmelweiß hieraus durchaus richtige Schlußfolgerungen. Gr erfante, daß bas Kindbettfieber auf infektiöse Verunreinigungen zurückzuführen ist die sich durch Infektion der Hände unb Instrumente vet- meiben läßt. Diese. Vermutung würbe ihm zur Gewißheit, als ein befreundeter« Arzt, der bei einer Sektion von einem Studenten aus Versehen mit hem Messer verletzt worden war, wenige Tage darauf an Blutvergiftung sterbeir mubse.
Semmelweiß kam m diesem Zusammenhang auf die Idee, Hände und Instrumente vor jeder medizinischen Untersuchung durch sorgfältiges Bürsten und Eintauchen in Thlotwaffct zu desinfizicten. Et luchte auch seine Kollegen dazu anzuhalten und bezeichnete alle Atzte, die sich nicht zu diesen regelmäßigen Waschungen herbciließcn, als Ignoranten und Mörder. Obwohl in ber Eebärklinik, in bet Semmel- weiß tätig war. bie Sterblichkeit bet roerbenben Mütter seit bet Einführung bet Desinfektion gewaltig zurückging. wurde bie neue Lehre von den Kaoazftäten bet Mebizin durchweg abgelehnt und verworfen Man scheute sogar nicht vor ben heftigsten persönlichen Angriffen gegen ben Bezwinger bes Äinbbettfiebers zurück, bet mit seiner Methobe zugleich zum ^gegründet ber modernen Antisepsis wurde.
.Vergeblich'suchte Semmelweiß. bet 1854 zum Professor der Geburtshilfe in Pest berufen wurde, sich Anerkennung unbjbehör in der Fachwelt zu verschaffen Von den langjährigen Kämpfen, bie er mit seinen Standesgenesscn zu führen hatte, an Geist unb Körver völlig zermürbt- starb der -große Mediziner am 13 August 1865 im Alter von erst 47 Jahren zu Döbling bei Wien im Irrenhaus Die eigentliche Todesursache war Blutvergiftung durch eine kleine Fingerwunde die ct fich Zwei Wochen vorher bei feinci letzten Operation ti Budapest äuge« zogen hatte
Dia Grohs öautschar Wissanschast
„Alle Sorgen um Rohstoffe für Motortreibmittel sind völlig un- begünbet. denn bie Lagerstätten her Erbe sinb unerschöpflich. Man barf nur nicht allzusehr am Gewohnten kleben. Kohlenstoff ist das vielseitigste aller Elemente. Er ist gleichzeitig bet häufigste Rohstoff der Erde. Wenn man bie Gesetze kennt und beherrscht, so hat man damit einen modernen Stein ber Weisen". — So hat bet weltbekannte Ehemiker Prof. Dt. Franz Fischer vor einiger Zeit einmal das Problem ber mobemen Motortreibftoffe erläutert. Franz Fischer ist ein Vorkämpfer ber Auffassung, baß man bie Kohle nur nach ihrem inneren Wert vctwenbcn dürfe und daß sie — erschlossen durch unsere hochentwickelte Chemie — als einer der wertvollsten Grundstoffe gelten muffe. Bei der Durchsetzung dieser Auffassung hat Franz Fifcher Erfolge erzielen können, die seinen Namen für immer mit dein Beginn einer neuen Epoche verknüpfen.
Als vor etwa dreißig Jahren die Chemie begann, sich mit dem Problem der Kohlenverflüssigung, also bet Gewinnung flüssiger treib« stosse, vor allem bes hochwertigen Benzins, aus Kohle zu beschäftigen, da wandte sich auch Franz Fischer diesen Problemen zu. Während die anderen Chemiker aber glaubten, nur mit seht hohem Druck und entsprechender Temperatur mm Ziel gelangen zu können, suchte er einen anderen, einfacheren Weg. Et wollte mit saft normalem, wenig erhöhten Druck und einet mittelhohen Temperatur aus beliebigen Kohle- unb Koksarten auf bem Umweg über eine Vergasung flüssige Erzeugnisse wie Benzin unb Schmieröl gewinnen. Nahezu alle Fachleute hielten bas damals für aussichtslos. Aber mit bet ihm eigenen unbeirrbaren Zähigkeit verfolgte er zwanzig Jahre lang fein Ziel. Er machte taufenbe von Verbuchen, erprobte bie verschiedensten Kombinationen von Druck unb Temperatur unb gelangte schließlich sogar zu einet neuen Theorie bet Kohlenentstehung, bet sogenannten Lignin- Theorie bei welcher bet harte Bestandteil des Holzes, das Lignin, als wichtiger Aufbaubestandteil erkannt würde. Schließlich glückte ihm, zusammen mit seinen Mitarbeitern Ttopsch und Pichler, die Entwicklung eines ersten brauchbaren Verfahrens zur Benzinsqnthese. Sehr halb konnte er auch ein zweites Verfahren ausarbeiten, bas geeignet war, bei mittelhohem Druck aus Kohle große Mengen von Fettsäuren zu gewinnen, die als Ausgangsstofs für viele technische Fette, für Seife und für andere Rohstoffe bienen.
Sehr früh erkannte Fischer die Notwendigkeit, die Methoden ber Kohlcnverwandlung so vielseitig zu gestalten, daß man nach Belieben bei ben Verfahren nicht nur Benzin, fonbern auch Dieselöl unb auf der Grundlage des Parasins die verschiedenartigen Schmieröle gewinnen kann. Gerade in dieser Richtung gelangen ihm bedeutende Fortschritte. Die Trcibstoffcheinie ist dank seiner Pionierarbeit heute so weit, daß sie jeden Treibstoff Herstellen kann, ben sie braucht. Die auf snnihetischcm Wege gewonnenen Leichtbenzine sind bester als die aus Erdöl destilicrtcn. Vom Flugbenzin bis zum Dieselöl läßt fich aus chemischem Wege jede gewünschte Qualität Herstellen.
Das Gebiet ber synthetischen Fette ist von Fischer unb feinen Mitarbeiters! ebenfalls gründlich durchgearbeitet worben. Das Verfahren bob Fischer unb Pichler, bei fiejn der Aufbau hochwertiger Srotottlt»
(Ein Mm non 6ar Grohsn Doutfdfan Kunftausflallung
Professor Hege, ber schon schon eine Reihe preisgekrönter Kulturfilme geschaffen hat, arbeitete jetzt an seinem ersten Farbfi I m. bet zugleich der erste Film von der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München ist: Er hat bereits mit seiner Kamera ben schaffenden Künstler in feinem Atelier belauscht unb erfaßte bann das Werden der Ausstellung, das Heranschaffcn unb Plazieren der Eemälbe, Plastiken und Reliefs, er gibt uns Einblick in die Arbeit der Jury unter Professor Hoffmann und Direktor Kalo, die beide den Kulturfilm in dankenswerter Weise fördern, in die Auswahl und Wertung der cingefanbten Kunstwerke. Bilder werden gehängt, große Modelle von Skulpturen werden zusammengesetzt. Auch der feierliche Festakt her Eröffnung wurde gefilmt, Der Strom der Besuchet unb ihre Einstellung zu ben ausgestellten Arbeiten, Der Film wird bartun, wie biese kunstsuchcnden Menschen sich aus allen deutschen (Sauen zufammensetzen, wie stark die bcutfdjcn Solbaten unb wie stark bie Jugenb unter ihnen vertreten find. Den' Film wird eine große Montage abschließen, bie in ihrer wahrheitsgetreuen Farben- Wirkung eine Anzahl bet besten Werke anerkannter bcutscher Künstlet umfaßt.
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Ernst Zoberbiers „Sommer" auf der Groben Deutschen Kunstaus- stellung München
Einst Zoberbicr ist in biesern Iahte auf bet Großen Deutschen Kunstausstellung in München mit einem Werk vertreten, bas ben Titel „Sommer“ trägt.
Im Gegensatz zu seiner letzten, an gleicher Stelle gezeigten, bewegten großen Figuren-Komvisition „Tunnelbau", die von der Münchener Staatsgalerie erworben würbe, umgibt das diesjährige Bild eine beglückende Ruhe, wie Re schon einmal in seiner „Träumenden" zum Ausdruck kam Über dem diesjährigen Bild liegt eine tief empfundene südliche Atmosphäre.
. Ein in starkem Rhytmus gestalteter weiblicher Akt ruht in Döl'igcr Entspannung in einem Boot und ist ganz der sommerlichen Stille hingegeben. Die leuchtenden Farben besonders das kühne Blav eines Mantels, auf bem ber Körper ruht, neben bem Bild einen cin- 'btucksvollen und persönlichen Charakter. Das Reproduktionstecht an dem Werk ist bereits von namhaften Kunstanstalten erworben.
tüle aus kleinen Molekülen bei mittelstarkem Druck unb verhältnismäßig nichtiger Temperatur vor fick geht, ermöglichte es schon vor einigen Jahren, 60 v. S. ber Kohle-Substanz in Paraffin umzuwan- beln. Dieses wieder konnte durch Oxydation in Fettsäure verwandeli werden, und damit war ber Ausgangsstosf für .Seife. Fett und Futtermittel gegeben Die Vielseitigkeit dieser Formell her Kohleve-edc- lung ist inzwischen nock größer geworben. Gin • lange Entw cklun.a chemischer Grundlagenforschung hat Früchte getragen. die erst nach diesem Krieg einmal in ihrem ganzen Wert bekannt werden wird.
Dr. Ludwig Kühle.
