Dienstag, 29. Juni 1943
Wiesbadener Tagblatt
schon eine ameri-
Ribbentrop beglückwünscht Laval
Auswärtigen
von
USA.-Fliegergeneral beim Angriff auf Kiel adgeschossen
Madrid, 28. Juni. Das Kriegsministerium der USA. gab amtlich bekannt, daß General Nathan Bedford Forrest, der Führer der Bomberftaffei, die am 13. Juni einen- Angriff auf Kiel unternahm, von diesem Fluge nicht surückgekehrt ist.
. Rr. 149 Seite S
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Musik und Dichtung im Kurhaus
tfin bedächtig aus. Breite und Eetragenheit der Tempi waren auch weiterhin maßgebend. Wo diese Musik sich in dem Schwanengesang Mozarts zu unirdischen Sphären erhebt, wurde ihre Tiefe restlos offenbar, wo sie aber lacht und plaudert, hätte sie an einzelnen Stellen beschwingter, sptitziger, flüchtiger sein können. Glanzpunkte waren der Briesterchor und der iugierte Satz mit dem eantus firmus der beiden Wächter, Siemnund Roth von der Staatsover Wien fang den «arastro mit cine’r erstaunlichen Gewalt seines abgründigen Baffes und einer vorzüglichen Aussprache. Statuarisch in Haltung und Gebärde, ragte seine Riesengestalt um Haupteslänge über die Schaar der Priester.hervor. Torkild Nooal (Staatsoper Wien), war ein vornehmer Prinz Tamino und erfreute durch die leicht heroisch ge- färbte Kraft seines Tenors. Toni Weiler als Sprecher entwickelte eine Rundung und die Fülle der Stimme, die der des Serastro kaum nachstand. Nlly Trautmann von der Städtischen Opel Leipzig war die Königin der Nacht. Sie bewältigte ihre zwei Berühmten Bravour-Arien mit perlender Geläufigkeit. Etta Meklenborg gab der Pamina zarte, innige Züge und befriedigte auch gesanglich vollauf. • Heinz Lübbert verfügte über kräftige Stimm-Mittel, hätte aber mehr naiven Humor entwickeln, können. In diesem Punkte war auch die Regie zu seriös, zu klastisch, besonders, was die Szenen um den Mohren Monostatos (Eugen Walther) betraf. Es fehlte das beglückend Kindliche bei diesen „Wilden", die mit Händen und Füßen strampeln muffen. Die Arie mit dem Mond müßte das Parlando bis zum atemlosen Prestissimo steigern. Tilla Hoffmann Else L i n k und IIlona T u t s e k traten wie drei Hofdamen vom Dienst auf, Margot Sticher, Hanni Meynadier und Lilo A s m us bildeten als die drei Knaben ein Terzett von süßem Wohlklang. Sehr niedlich und silbern zwitschernd, reinstes Rokoko war Helmy Rubsam eine gute Pavagena Alles in allem eine wohl überlegte, und ausgewogene Aufführung.
Dr. Wolfram Waldschmidt.
„Dom Wsssn und Dsrösn üsutsctzsr dorrn"
So lautet der Titel des grundlegenden Werkes, das Wilhelm Pinder einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der deut- fchen Kunst in tiefschürfender Weise und unter ganz neuen Gesichtspunkten geichtleben hat. Der Verlag von E. A. Seemann, Leipzig fugte seinen gedankenvollen Ausführungen mehrere lediglich aus Abbildungen mit Anmerkungen bestehende Bände an, von denen der Äke, der sich mlt der Kunst der Kaiserzeit bis zur hohenstaufischen Klassik beschäftigt, in neuer Auflage erfchien. Es ist ein Gang durch die ganze deutsche Kunstgeschichte, den wir hier unternehmen und der uns mit Stolz erfüllt bei dem Gedanken, daß der Deutsche schon einmal der erste war in der Welt. Dabei find es nur die ausgewählten Werke, die aus dem unerschöpflichen Reichtum als Vertreter ganzer Gattungen berücksichtigt wurden. Baukunst. Malerei und Plastik treten gleickmicriig nebeneinander aus. Der. erste Abschnitt macht uns mit »er Karolingiichen Kunst bekannt, in der mancher Nachklang der Ayttke zu verspüren ist. Neben den Bauten des Aachener Münsters
Erneutes USA.-Bekenntnis zu Mord und Brandstiftung »Laßt uns einen schrecklichen Krieg führen!"
Berlin, 28. Juni, Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop hat dem Präsidenten Laval zu seinem 60 Geburtstag seine Glückwünsche übermitteln lasten.
fEIamzar (Bufcnborgfofltaga
Mozarts „Zapberslöte“
311s bie etfte deutsche Over kann man die'„Zauberflöte" bezeichnen, und so Surfte sie auch in einem Feste nicht fehlen, das eine große deutsche Kulturtat verherrlicht. Man mag den Text Schikaneders hundertmal töricht schelten, gerade in seiner kindlichen Naivität liegt ein grober Reiz. Es ist eine Märchendichtung, die irgendwo in einem fer- nen Lande spielt, mit Palmen und bunten Blumengärten, mit Sonnentempeln und weißgekleideten Priestern, mit Negern und bunten Dogeimenschen. Und Mozarts Musik hat diese phantastische Welt zu tonendem Leben erweckt. Volkstümlich, bald lachend, bald klagend ist die schlichte Melodik und doch von einem unsagbaren Adel der Linie. So volkstümlich, daß man meinen möchte, Mozart habe Melodien des Volkes benutzt, währed das Umgekehrte der Fall ist Was die Inszenierung betrifft, so ist gerade die „Zauberflöte" von jeher ein beliebtes Feld für Experimente des Spielleiters gewesen, Earl H a g e- mann sah mit Rücksicht auf die beschränkten Raumverhältnisse der Buhne ton einer hier meist beliebten Prachtentfaltung ab und bewegte sich im Rahmen des Intimen, was manchen Teilen des Werkes sogar zum Vorteil geriet. Das gleiche gilt von der Ausstattung. Seit K. F. Schinkels Entwürfen für die Berliner Aufführung ist die ägyptische Stilisierung richtungweisend geblieben, obwohl die Anrufung von Iris und Osiris hierfür die einzige Rechtfertigung bietet. Man hat die Zauberflote, spater in ein erotisches Nirgendwo verlegt dann wieder in abstrakter Stilisierung geboten. Ernst P r e u b e r als Bühnengestalter hielt sich ebenfalls nicht an ein bestimmtes Lokalkolorit, menn man von ein paar Sphinxen und einigen abgeschrägten Fassaden adsieht. Die Gärten Sarastros glichen einer llrwaldwildnis auf Java bie Wächter der Schreckensvforten hatten sich in zwei athleienhafte Sarpatiben der Barockzeit verwandelt, und bie btei Samen erschienen tn Reifröcken. Hie unb ba erklang eine reizvolle Rokokonote besonders bei bem Eartenvavillon, wo bas erste Auftreten des Monostatos statt- rinbet. Unb boch blieb bei ben in Licht getauchten Priesterszenen die Tempelweihe gewahrt.
Die musikalische Leitung hatte Karl Mario Z w i ß l e r. Er betonte das Klassifche der Komposition. Die drei feierlichen Akkorde der ^-^^kvosaunen am Anfang gaben den Erundton, die Hammer- schlass tg du Fuge des Lsxjpixls fielen gpj Marmor uyd meißelten
Sowjetische Strafgefangene greifen an
Berlin, 28. Juni. »In den Kämpfen an der Ostfront zeigt es sich immer wieder, daß die Sowjets alle nur greifbaren Reserven zum Frontdienst heranziehen müssen. Den deutschen Truppen stehen nicht nur Bolschewisten jeden Lebensalters von 16 bis 55 Jahren gegen, über, sondern auch ganze Kompanien sowjetischer Strafgefangener.
Erst dieser Sage, in bjn Mittagsstunden des 25. Juni wurden wurttembergische Panzergrenadiere nördlich Drei von drei sowjeti. schen Kompanien Staatsgefangener und anderen Kampfgruppe^ des Feindes in drei Stoßgruppen von je etwa 180 Mann angegriffen ein minutenlanger sowjetischer Feuerüberfall aller schweren Waffen ging dem Vorstoß voraus und ermöglichte es den Bolschewisten sich im hohen Gras unbemerkt bis an die deutschen Drahthindernisse'heranzuarbeiten: Auf kürzeste Entfernung stellenweise keine zwanzig Meter vom vordersten deutschen Graben entfernt, wurden sie bann durch bas zusammengefaßte Feuer schwerer beutscher Infanteriewaffen aufgehalten. Als ber feinbliche Angriff ins Stocken geriet, traten bte Panzergrenadiers zum Gegenstoß an unb rieben bie Sowjets im blutigen Nahkampf auf. Nur wenigen gelang cs, zu entkommen 5 00 tote Bolschewisten bedeckten das Kamvffcld. Neben 20- Gefangenen wurde von den deutschen Soldaten reiche Beute an Waffen und Gerät cingebracht.
Sturm über Australien
Gewaltiger Parlamentskrach — Die Auflösung des Bundesparlaments — Außere Veranlassung und tiefere Gründe
Der australische Ministerpräsident John Eurtin teilte am Sonnerstaa dem Repräsentantenhaus zu Canberra mit, daß et die Auslosung des Parlaments beantragen werde, sobald das Ver- lorgungsgesetz. das dem hohen Hause gegenwärtig zur Verabschiedung vorliegt angenommen ist. Ferner verkündete er die Einsetzung einer Itntersuchungskommissivn, die darüber zu befinden habe, ob unb in- wseweit der Arbeitsminister Ebwarb Warb schuld daran sei, daß wichtige Dokumente betreffs der bekannten Brisbane-Verteibigungs- ltnre in Verlust geraten sind. Der Arbeitsminister werde seines Amt^. enthoben tperben, bis der Bericht dieser Kommission oorliege.
Diese Ankündigung der Parlamentsauflösung mitten im Kriege uno der äußersten Gefährdung des gesamten australischen Kontinents !chlug. tn London, Washington und Moskau wie eine Bombe ein- Be- fltetflid)ermeife werden von den Aiiglo-Amerikanern in letzter Stunde, alle Hebel tn Bewegung gesetzt, um den „Weltskandal" der australischen f^S’Ien mitten im Kriege zu verhindern, doch haben sich die inner- volitischcn Verhältnisse während der Parlamentsverhandlungen in ben letzten Tagen so zugesvitzt, daß kaum ein anderer Ausweg mehr übrig bleiben dürfte.
Der Oppositionsführer, Mr. Fadden, erklärte nämlich in den Parlamentsverhandlungen, das Land habe jetzt genügend Beweismaterial rn Händen, um davon überzeugt zu fein, daß das gegenwärtige Parlament außerstande ist, die Interessen ber Nation wirkungsvoll zu vertreten. zumal bie Tatsache feststehe, daß die an' ber Macht befindliche Regierung nicht mehr den Willen des Volkes verkörpere. Deshalb sei bte Zeit gekommen, das Volk zu befragen.
Bei ber Abstimmung über ben Mißtrauensantrag der Opposition ffegtp zwar die Regierung mit einer Stimme Mehrheit (27 : 26), allein bicies Stimmenverhältnis zeigte Australien unb ber Welt boch nur, daß bte Regierung Eurtins über eine tragbare Parlamentsmehrheit verfügt. Deshalb ist es auch verständlich, daß unmittelbar nach »er Abstimmung sich Gurhn erhob unb erklärte, sich mit ber Absicht «utrasen, sofort einen Antrag auf Auflösung bes Parlaments zu Men Stejes Parlament", fuhr er fort, „hat seine Kraft für gesetzgeberische Maßnahmen konstruktiver Art erschöpft. Meiner Meinung nach muß es iebent begreiflich sein, baß bie Kapazität dieses Parla- ments die Geschäfte des Landes zu leiten, einem höheren Tribunal überlassen werden muß. Es ist nicht meine Aufgabe, bte Lebensbauer ju verlängern. Ich werbe böfter gewisse Ratfchläge erteilen müssen, sobald das Versorgungsgesetz angenommen ist, wodurch die LLeiter- fuftrung der öffentlichen Verwaltungsgeschäfte und die Führung des Krieges sichergestellt ist.".
Der Abstimmung ging eine heftige P a r l a m e n t s d e b a t t e •otaus, bte in bet Erklärung des Arbeitsministers Warb gipfelte, daß ein wichtiger Teil des Berichts übet die „Brisbane-Vetteibigungs- Itnte aus den Archiven des australischen Berteibigungsministeriums verschwunden sei. Der politische Streit um biefe Linie butchiobt seit Wochen bie ofrentlitfie Meinung Australiens. Die Opposition wirft der Regierung Güttins not, baß sie im Falle einet javanischen Offen«/ stve bereit wat, ben ganzen Korben bes Kontinents vreiszugeben und sich auf die Verteidigung der Brisbane-Linie zu beschränken. Der Versuch des Arbeitsministers, die Verantwortung für diesen Plan auf bte Regierungen abzuwälzen, bie vor Eurtin am Ruber waten ver- ftng nicht, sondern tief vielmehr den Widerspruch bei Opposition so
Stockholm, 28. Juni. Nachbem bte Feindagitation nun seit Wochen von bem Thema Invasion lebt, ist bem militärischen Mitarbeiter der „New York Herold Tribüne", Major E l I i o t, jetzt offenbar ber Ee- bulbsfoben gerissen, weil den großmäuligen Ankündigungen nicht bie Tat folgt. So forbert Elliot sofortiges Sanbcln der Achsengegner, um bald einen Steg herbeizuführen. „Jetzt ist keine Zeit, um auf den errungenen Lorbeeren aus,prüften. Laßt uns einen kurzen, wenn notig schrecklichen Krieg führen!" — Elliot scheint also doch ber Meinung zu fein, baß ber Motbiettor gegen Frauen unb Kinder nicht 3Um Stege fuhrt, unb daß er keinen Ersatz bietet für einen offenen Kampf, um ben bie Briten sich möglichst brücken wollen Man wirb drüben offenbar ungcditlbig. zuMai bie innenpolitische Lage nicht ben Rückhalt bietet, ben ber USA.-Jinperialisnms braucht *unb bie Bomber- und Mantiichaftsverlufte dem USA -Volk ernste Sorgen be- rerten. In diesem Dilemma haben die ÜSA.-Hetzer immer wieder den gleichen Rat: brutiljtcr Terror ohne Rücksicht auf Humanität und Ritterlichkeit! Solche Bekenntnisse ,u Mord und Banditentum muffen mir feftftalten. Wenn einmal bet Tag ber Abrechnung kommt werden wir sie vorweisen.
le> ern verdreifachter Flugzeugverlust. An einem einzigen Tage der letzten Woche seien 136 englische und nordamerikanische Flugzeuge nicht zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt.
Rumänen aus dem Kaukasus ausgefiedelt
Bukarest, 28. Juni. Die letzte Transnistrienfahrt des Marschalls Antonescu führte ben Staatsführer auch in zwei Landgemeinden, in denen er Rumänen begegnete, bie auf seinen Befehl aus bem West- kaukafus unb aus bem Kubangebiet umgesiedelt unb damit vor bet Ruche der Sowjets gerettet worden sind. Sie waren noch zur Zett des alten Zarenreiches aus Bessarabien in das Kubangebiet unb an den Kaukasus gekommen. Uber 3000 Familien wurden nun in kürzester Zeit in Transnistrien angesiedelt und mit dem zur Betreibung einer eigenen Wirtschaft notwendigen Inventar versehen.
Viele Umsiedler vermissen Bruder vno Vater, die nach Sibirien verschleppt wurden. Andere mutzten mit eigenen Augen zusehen wie ihre Angehörigen ermordet wurden. Sie haben trotz Rot und Set= folgung ihre Mundart, ihren Glauben und ihr rumänisches Brauchtum erhalten. „Ich habe Euch hierher gebracht", so führte der Marschall aus,,, um Euch aus der Hölle zu retten unb vor bei Vernichtung ju bemafiten.“ Tatsächlich ist bas Heimatdotf bet Umsiedlet aus bem Kubangebiet Moldowanskaja, inzwischen von den Sowjets in blinder Wut zerstoit wotben.
Das einst unb gelassen in sich tufienbe Allegto moberato und Andante aus der Sonate op. 137, Nr. 2, von Franz Schubert, von unseren bewährten Künstlern Albert Nocke (Violine) und August König (Klavier)) gespielt, gab den Auftakt zu dem gestrigen Abend: „Melodien des Herzens in Wort und Ton", zu dem sich ein, überaus zahlreiches Publikum im kleinen Kurhaussaal eingefunden hatte. Mit Hölderlins jugendtrunkener „Hymne an die Siebe“ leitete Heinz . Laube vom Deutschen Theater seine Rezitationen ein, die sich durch Ä ausgeprägte Wortplast ick, durch eine ben Laut unter- enbe unb beutliche Wortformung und eine aufgeschlossene Hingabe an ben jeweils bet Dichtung inneroofinenben Rhythmus Ausgeftend^von Klopstocks beschwingtem und innigem „Das 9toienbanb" führte der Vortragende über das gedankenreiche nn«■ e*n i bes romantischen Malers Ph. E. Runge erinnernde „Ich und Du von Friedrich Hebbel, zu Defimsls „Aus banger Brust", in dem Heinz Laube einen mitreißenden Höhepunkt feiner eindrucksvollen Rizitation gab. Inbrunst und eine, noch von Leidenschaft vi- btierenbe verschwebende Zartheit schöpften Form unb Gehalt Dehmcl- ftficr Lyrik meisterlich aus. Wie einen volkstümlichen Reigen, ftupfenb unb tanzetiich, voll gelöster Anmut des Liebesspiels unb von einem klein wenig noch kaum bewußt roerbenber Schwermut beschattet, so ließ Heinz Laube Hoftlbaums, nach einer Weise Walter ®on Vogclweides gedichtetes „Unter den Linden" vorüberziehen. In Will Bcspers „Die Nachtigall im Argonnerwald" und „Aus Not, Tod und Beschwerde" gab der Rezitator dem Volksliedhast-Einfachen ans Heiz rührender Klang. Münchhausens „Ballade vom Brcnnessel- fiusch gestaltete er in ihrem ganzen reich getönten Empfindungs- geftalt von märchenhafter, erzählender Epik bis zur leisesten, liebe« und leidvollften Antwort zwischen Ich und Du. Das von Albert Nocke und August König lyrisch unb vethauchenb wiedergegebene „Abenblieb" von Robert Schumann beschwor als Ausklang noch einmal eine verwanbte Stimmungswelt heraus, bie in Felix Timiner- manns poetischer Schilbcrung „Das Geheimnis ber Weiden" eine in bas Erzählerische übertragene Gegenüberstellung fand. Heinz Laube zeichnete mit liebevoller Versenkung iti bie pflanzenhaft-einfache Art bes schmucklosen kleinen Werks bie angebcuteten Linien markant unb voll ruhiger Behutsamkeit nach, so baß ber Brief bes schwärmerischen Jünglings, ber sich um einer Banalisierung ber Liebe willen scheut, die nie zuvor erblickte Geliebte von Angesicht zu Angesicht zu sehen, glaubhaft würbe. Max Regers Largo aus bet Suite im alten Stil, jn ‘lie beiden Interpreten bte erhabene, zuweilen von leiben«
scharf heraus, wie et in ben 3lbftimmung*iffetn in Erscheinung ge« treten ist.
Schon dieser äußere Anlatz läßt auf d t*e tieferen Gründe bes Mißtrauensvotums ber Oppositionspartei schließest. Noch, aufschlußreicher ist bie Erklärung bes Versorgungs- mtmftets Beasley, der in der Debatte zu perfteften gab, daß eine gtofjangelegte Campagne in den australischen Zeitungen sich gegen das Ersuch der Regierung richtet, die USA erneut um Hilfe anzurufen. Die amerikanischen Truppen erfreuen sich bei der australischen Bevölkerung, je länget sie im Lande sind, steigender Unbeliebtheit Was die Briten in Norditland, Schottland und England erlebten, wiederholt sich jetzt in Australien auf breiterer Basis. Das Profilern wird auf australischem Boden aber dadurch verschärft,' daß im Hintergründe die -Frage steht, oft Australien' weiterhin britisches Dominion verbleiben ober in irgenbeiner Form ben Vereinigten Staaten Nordamerikas ungegliedert werden soll. Daß Australien heute schon eine amerikanische Interessensphäre ist, kann keinem klugen Politiker in Ean- betrg verborgen bleiben.
I schaftlichem Herzschlag durchbrochene Ruhe fieraufbeschworen, leitete öU ben Gerüchten Friebrich Nietzsches hin. Der ausgezeichnet durch- gefetlten, von bet Härte und Bitterkeit bis mm demütig-verhaltenen Schmerz über die Verlassenfieft reichenden Wiedergabe des „Verein- 1 sawk, folgte das vom Feuer des Geistes entzündete „Ecce homo“ 1 uud bas unbändig dahinbrausende „An den Mistral“, dessen Mal« f tuns Heinz Laube besonders spürbar am Herzen lag.
«Lntsehlich" hoher Preis
8f5n'«l8- ,?uni. Die „Gazette de Lausanne" schreibt, die englisch- amerikunlsche Luftoffenfive komme die Angreifer entsetzlich teuer Die täglichen Abschutzziffern und die Wochenstatistiken über die Verluste der anglo-umerikanischen Luftwaffe seien sehr aufschlußreich Seit jmet Monaten müsse bie britische Luftwaffe allnächtlich Vernichtungen von etwa 30 Flugzeugen mit einer Besatzung von fünf, acht ober neun Mann buchen. Auch bie Nordamerikaner hätten Angriffe auf feinbliche Gebiete unternommen unb das Ergebnis dieser Doppeloffensive
Getragen von perlender Heiterkeit strömte Mozarts Sonate fü7 Violine und Klavier G=but dahin, die nach der Paus bie letzten, auf das Volkstümlich-Leichte hinabgestimmten Rezitationen eröffnete. Zwei kurze Prosastücke von Uli .Klimsch, „Ein Quentchen (Uück“ und bet „Lachcnbe unb ber Grübler“, gaben in einer schalkhaften unb ansprecheaben Art Lebensweisheit zum Vesten. Die .zum Abschluß gewählten Verse von Gellert, „Euter Rat“ und „Glückliche Ehe“, wie Lessings „Eheliche Liebe" mit ihrer Ironie wollten allerbings in bie zuvor so einheitlich und eindrucksvoll angeschlagenen „Melodien des Herzens“ nicht so recht als Ausklang stimmen. — Es gab Blumen für den Rezitator, der eine Zugabe spendete. Reicher Beifall dankte allen Ausführenden. Eva Marianne S a e m a n n.
