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Wiesbadener Tagblatt

Montag, 28. Stint 1943

Seite 4 Ät. 148

Wiesbadener Nachrichten

Die Welt der Frau

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Montag: Berdunkeluna von 22,55 bis 4,3? Uhr

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Sroße Deutsche Kunst- Ausstellung 1943 igi £)ati6 der Deutschen Kunst zu München

Schau hütet, stecht in einem Helleren Licht von 'Berufung und Derartig Wartung und ist mit seinem Werk eine Stufe zwischen Himmel und! (Erbe.

Was auher uns und um uns ist, sollte auf jeder Stufe und in jeder Form mit derselben Liebe und Sorgfalt 'ausgelebt werden, mit

_ Tann öffnete sich der Vorhang. Almaoioas Schlost, der ®raf, Susanne. Eine Stimme im Raum, spielerisch über dem Orchester schwebend, dann im Zwiegesang mit dem Partner verflochten. Überall Harmonie und Schönheit. Nur der Thealerkundige spürte den ver­änderten Mozart, dem man aber mitnichten Gewalt angetan. Die für diesen Hörertreis ermüdenden Rezitative waren fast ganz gestrichen und durch kurze, vom Klavier begleitete Überleitungen ersetzt. So wurden die drei Akte ein einziges singendes lind klingendes Lied, ein Lest der schonen Stimmen mit einem jubelnden Aufschwung im Zu­sammenklang der beiden groben Finale.

Bild auf Bild zog vorüber, und ein unverbildetes, aber nicht ur­teilsloses Auditorium gab stch dem groben Zauberer Mozart willenlos gefangen. Die Begeisterung stand in ihren Mienen, die Freude hatte ihre Gesichter gelöst. Es gab Beifall auf offener Szene. Uralte, gute Theatersitte die dem Premierenpublikum zukommt und das drei­tausend Kilometer fern der Heimat, imKlondyke" des hohen Nor­dens! Ist das nun Wunders genug?

So haben uns Mozart und derFigaro" beschenkt. O holde Kun Fünfunddreibig Abende lang öffnete sich der Vorhang, und mit jedem Abend wurden vierhundert Menschen um ein Erleben reicher. So folgt manch froher Dank dem Spielleiter Walter Hochtritt, der mit Erich Wittmann auch am Pult stand, und seinem stimmbegabten Künstlervölkchen, bas seinen Thespiskarren inzwischen nach Paris- ge­schoben hat.

Paris, sagen bie Lanbser in Lappland, derFigaro" in Paris? Kunststück! Das mutz man in Lappland gespielt unb gesehen haben. Zu uns sollen sie wiebertommen! Wie ein schöner Traum erfreute und beglückte uns des großen Meisters Genius. Ein freudvolles Wiedersehen mit einer Welt, die wir hinter uns lieben, ebne Schmerz und Wehmut aber auch ein gutes Versprechen für die Zukunft, ein Handschlag für eine schönere Zeit, für die wir hier drauben stehen.

Der Rundfunk am Dienstag bringt an bemerkenswerten Sen­dungen im Reichsprogramm: 14.15: Unterhaltung mit Max Schönherr: 15.00: »Erich Barschel spielt auf; 15 30: Trenker, Driesch, Morgenroth (neuzeitliche Solistenmusik); 16.00: Kleines Konzert; 17.15: Musikalische Kurzweil; 18.00Der Fröhlichkeit die Türen auf" (HJ-Mustk); 20.15: Schubert, Haydn (Kammermusik und Orchester); 21.00: Wiener Unterhaltungsweisen. Im Deutschlandsender: 17.15: Schubert, Mozart, Straust; 20.15: Musik fürs Herz; 21.00:Eine Stunde für Dich", mit dem Deutschen Tanz- und Unterhaltungs­orchester u. a.

Veränderte Selbstversorgerrationen

Der Reichsernährungsminister hat neue Bestimmungen über bie Selbstversorgung mit Fleisch unb Fett berausgegeben, die a m 2 8. Juni in Krgft treten. Sie bringen die Angleichung der Seibitöeriorgerration an die für alle Nichtselbstversorger bereits ein- lpingvg qiim euntpiaisuß aixx uonoitpiaig iaq Bunfiny auaianae bewirkt, dab bei jeder, nach dem 28. Juni uorgenommenen Haus- schlachtung nicht mehr wie bisher ein sogenannter Verarbeitungs­verlust von 15 Prozent des Schlachtgewichts berücksichtigt wird, sondern das Sch lach, gewicht ist künftig zugleich das An- re ch n u n g s g ew i ch t. Praktisch bedeutet dies für jeden Selbst­versorger eine-Rationskiirzunq von etwa 10 0 Gramm je Woche. Dem Selbstversorger wird der Überblick über bie ihm zustehende Fleischmenge baburch erleichtert, dah neben ber festgesetzten Anrech­nungszeit von 52 Wochen eine einheitliche Einschlachtungsmenge fest­gelegt worben ist. Die Anrechnungszeit erstreckt sich bei landwirt­schaftlichen Selbstversorgern (Gruppe B) auf die Zeit vom 15. No­vember 1943 bis 12. November 1944.

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Oie Llmwelt und wir

Beachte sorgsam alles, bie Welt wie das Gedicht, den Weisen, wenn er-schweiget, den Toren, wenn er spricht. , o. Feuchtersleben.

Jedes Menschenleben steht unter seinem eigenen rätselvollen Ge­setz. unb mit biesem Gesetz hängt cs in ber Welt, bie es umgibt, ist ihr versichert,verwoben; aber bie Wurzel stocke reichen weiter, tiefer tiefer unb weiter nach oben und unten. Man ist sich dessen seltener bewubt als es sein sollte, man spart sich bas Denken und Empfinden für die besonderen, sonntäglichen Dinge auf und geht durch die all­tägliche Umwelt des Innen und Auben mit zuviel Langeweile unb Selbstverstänblichkeit. Dabei spricht bie Umwelt, im groben Bogen gefeben, ein gewichtiges Wort im Werbe- unb Reifeorozeb von Menschen. Generationen, Volkern; in einem gewissen Sinne ist ber Mensch Probukk seiner Umwelt getabeäu, wenn er sein Herz

Links: .Kameraden", Ölgemälde »en Richard Rudolph, Machern. Rechts: .Ikarus", Ölgemälde von Herbert Kampf, Berlin Weltbild.

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Schweres Baotsunglück in der Schweiz. Am Sonntag vormittag I ereignete sich auf ber Raub bei Ottenbach im Kanton Zürich eine Bootsunglück, bas sechs Opfer forderte. 25 Mitglieder eines Züricher 4 Ruderklubs unternahmen von Luzern aus eine Fahrt. Das Fahrzeug I wurde durch die Strömung gegen bie Fabrikkanäle getrieben unb | stietz bort auf eine eingerämmte Eifenichwelle, bie wegen des Hoch-V waffers nicht zu sehen war. Das Boot brach entzwei, und einige der 3 Insassen wurden durch das Umkippen des Vorderteils unter Wassert gedrückt. Dabei fanden sechs Personen den Tod.

elektrischen Mebavvaraten eine Reparaturwerkstätte, Wohn- und | Kochgelegenheit für die Besatzung. Diese Kontrollstation aus Rädern 1 fährt nun ständig die einzelnen Strecken der Reichsbahn ab. Mit ! Hilfe einer sog.Freiachse" und eines Bügels, der die Gleise abtastet, I sowie anderer sinnvoll konstruierter Einrichtungen wird jede Berände- 1 rung der Spurweite, der Achsenlagc oder Gleisrichtung sestgestellt J und von den Apparaten im Mebraum aufgezeichnet. Kommt ber | Mebwagen zur Prüfung in einen Direktionsbezirk, so nehmen die I für die Unterhaltung ber Strecken verantwortlichen Männer - vom - zuständigen Dezernenten ber betreffenben Reichsbahndirektion bis | sum Rottenführer an der Fahrt teil und verfolgen mit kritischen I Augen die während der Kontrollfahrt von den Apparaten registrier- j tert Aufzeichnungen. Auf diese Weise wird jede Ungenauigteit dcrM Strecke vermerkt, denn die gesamte Apparatur des Mehwagens isiM so vollendet ausgebildet, dah sie jederzeit den- tatsächlichen Zustands der Gleise wiedergibt. H. 3k

H2iesba&cn-Rambat6

Da» ,$ß. T." gratuliert. Seinen 8 5. Geburtstag tonnt« bester ©eiunbheit und Rüstigkeit der Landwirt Philipp Schwein.! Eckgasie 1, feiern. Ihre goldene Hochzeit feiern am 1. Juli 1 bie Ehepaare Philipp Kratz unb Frau Karolinc geb. Schiink. Kch'r- H stiabe 23, sowie Karl Eisen und Frau Karolinc geb. Schlink, Kehr-W strahe 25. ,

Wissbadan-öiorstaöt

Das$E. T." gratuliert. Das Fest ber golbcnen Hochzeit be-W gehen am 29. Juni bie Eheleute Konrektor P. Kunz unb Frau Elisa- 1 beth, geb. Bermbach, Honiggasse 16.

nicht zu lockern weih von bem, was von auhen allzu grobe» Einsluh-i ausüben möchte. Das Schicksal greift ein unb versucht zu korrigieren;) wir leisten Widerstand, unb im Spiel ber Kräfte wird sich doch durch-j setzen, was uns frommt, was ba's Gesetz unseres Leberts zur Erfüllung bringt.

so ungeheuer grob, bah wir jeher nur nach ber persönlichen Anlage! B-rv ein. Stück bavon begreifen, fassen können. All bie Schlagworte, bic ^rtch bie sunehmenbe Zivilisation freunblich bereit hält, um manches leich-' ter zu gestalten, sinb gern genommene Münze, mit der matt sich in bie ;

Versicherungskasse Bet Beouemlichkcit eintauft. Es kann natürlich :Be.n nicht jeder seine eigene Philosophie leben, aber jeher kann anhand» M tn der ungeschriebenen Gesetze seines Lebens versuchen, das rechte Verhält-1 Mr nis zu finden. Der Künstler, der als Priester das Heiligtum innerer#

der wir unsere eigenen Wünsche und Hoffnungen pflegen und aus- 1 .Sai tragen. Die Vielfalt der Erscheinungen, darin Leben zu uns spricht, ist3,ctf tn ungeheuer arnü hnit mir jeher nur nnrh her ni-rinnfirhen Anloac Metcgen

Nicht vom Gefühl allein ujib nicht vom Verstand allein könne» Musina, wir an die Schätze herankommen, bie unser Herz gesund und reich i machen, sondern aus her Natürlichkeit unserer Naturhastigkeii w sollten wir uns ben Dingen nähern unb sie aufnehmen in den Besitz bes Geistes Unb ber Seele. Die geringen Dinge tragen in sich bie

Spurweite und Gleisrichtung

Wie prüft die Reichsbahn ben Schienenweg? Der Oberbaumeh» j wagen.

.Jeher Autofahrer hat schon am eigenen Leibe gespürt, was es 1 heiht, eine mit Schlaglöchern burchjetzte, holprige Strohe benutzen zu i müssen. Der Reisenbe im Eisenbahnzug bagegen, braucht »ch keine 1 Gedanken barüber zu machen, wie ber Weg beschasfe» ist, auf dem er ' dahinrollt. In den hundert Jahren deutscher Eisenbahngeschichle - wurde auch der Schienenweg unserer Bahnen immer weiter entwickelt 1 unb so ausgebildet, dab er dem Reisenden nicht zu schaffen viacht. Der i Erhaltung des Schienenweges widmbt die Reichsbahn größte Sorg- | falt. Die Gleise werden untere ständiger Kontrolle gehalten, da ja i von ihrer einwandfreien Beschaffenheit in hohem Mähe die Sicherheit V des ganzen Verkehrs abhängt. Zeigt sich irgendwo eine Schadens- | stelle dann werden die Gleise ausgewechsclt, denn auch die heute bei I ber Deutschen Reichsbahn durchweg zur Anwendung fomincnben gc- I walzten stählernen Schienen haben ja keine unbegrenzte Lebensdauer. 4 Jtnmer wieder kann der Reisende, wenn er während der Fahrt einen | Blick aus dem Abteilfenster wirft, bas Streckenpersonal unter Lei- | tung fachkundiger Rottenführer unb Bahnmeister bei ber Arbeit sehen. 1 _ Waperwaage unb Spurmah sinb bie Hilfsmittel, mit denen der i Schienenweg auf kurzen Strecken überprüft wird. Aber diese einfachen 1 Geräte genügen nicht, um das gesamte Streckennetz der Reichsbahn zu 1 überwachen. Man benutzte deshalb eine zeitlang den sog.Dorv-W müllerschen Eieismesser" (nach bem Vater bes heutige!» Reichsverkchrs- 1 minister benannt), mit bem bie Strecken abgefahren unb kontrolliert 1 würben.

Krankenkassenleistungen auch während der Schonungszeit

WPD. Wenn ein Krankertkasiettmitglieb glaubt, batz ihm nach seiner Ansicht berechtigte Kaffcnleistungen nicht bewilligt werben, bann hat cs bie Möglichkeit, zur Klärung ber Leistungspslicht der Kasse bie Versicherurtgs-Spruchbehorden anzurufen. In solchen Fällen kann bas bic Leistungen beantragenbe Kasscnmitglicd sich bes Rechts­schutzes ber Deutschen Arbeitsfront bebicnen. Sofern nach Prüfung bes Sachverhaltes bet vom Versicherte» gestellte Anspruch begrünbet, bie Rcchtsverfvlgung also von vornherein nicht aussichtslos erscheint, über­nimmt die DAF. für den Antragsteller vor den Spruchbehörden der der Sozialversicherung auch die kostenlose Rechtsvertretung.

Einen solchen Versicherungsstreikfall, der unter Zuhilfenahme bet DAF. durch das Versicherungsamt WolfhagenId VA 206 entschieden wurde, hatte ein Arbeitskametad zu führen. Wegen Gtippeetkrankung muhte ;r sich auherhalb [eines Wohnorts in Krankenhausbehandlung begeben, aus bet er mit achttägiger Scho­nung entlaßen würbe. Et begab sich batauf sofort in feine Heimat. Roch innerhalb ber Schonungsfrist muhte et erneut ärztliche Behanb- lung in Anspruch nehmen, in beten Verfolg er tniebetum in ein Krankenhaus eingewiesen werden muhte. Die neue Erkrankung war der Kasie auch sofort angejjeigt worben. Für biesen letzteren Krank­heitsfall verweigerte die benagte Krankenkasse bie Übernahme der Arzt-, Transport- unb Krankenhauskosten mit bet Begründung, dah cs sich bei bem Kläger um zwei verschicbene Krankheitsfälle hanbelc und der erste Versicherungsfall bereits abgeschlossen gewesen fei. Nach Abschluh bes ersten Krankheitsfalles aber habe kein Versicherungs- Verhältnis zu ihr mehr beftanben. Mit ber Entlassung aus bem wegen her ersten Krankheit aufgesuchten Krankenhaus sei ber Antragsteller, wenn auch schonungsbedürftig, so hoch arbeitsfähig gewesen. Auch sei der Kläger an einer völlig anderen Krankheit erkrankt. Das zur Entscheidung dieser Streitfrage angerufene Versicherungsamt hat die beklagte Kiankenkasic zur Übernahme ber Dcrsicherungsleisturtgcn auch für bie zweite Erkrankung verpflichtet mit ber Begründung, dah nach den angestellten Ermittlungen bei Kläger noch innerhalb her Schonungsfrist einen Arzt zur Weiterbehanblung aufgesucht habe. Nach § 182 RVO ist einem Schonungsbedürftigen keine Arbeit zu- zumulen, bie er nur unter Gefahr bet Verschlimmerung bet Krank­heit zu leisten vermag. Arbeitsunfähigkeit in biesem Sinne kann daher auch vorliegen, wenn ber Kranke aus ber Heilanstalt entlassen, ihm aber Schonung ärztlich empfohlen worben ist, weil ein Rückfall zu befürchten war. Für bie Tauer solcher Schonungsbebürstigkcit sinb daher die üblichen Kassenleistungen zu gewähren. Vor Ablauf der verordneten achttägigen Schonung hat sich der Antragsteller wieder in Behandlung begeben. Es handelte sich bei biefet erneuten Erkrankung um eine fortlaufende Grippe- unb Nicrcncrktankung. Deshalb konn­ten auch bic neuerlichen Ktankcnkostcn usw. nicht abgelchnt werben. Das hatte zur Folge, dah bie verklagte Krankenkasse bem Antrag­steller 252,08 RM. ttachzuzahlen hatte. Bl.

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Altgummi-Sonbersammelaktion. In ber Zeit bis zum 15. Juli wirb bekanntlich ' auf Anorbnung ber Reichsstelle Kautschuk eine Sammlung von Eummiabfall unb Altgummi durchgesührt. Während die in den privaten Haushalten vorhandenen Mengen durch die Schulen gesammelt werde», sind die hiesigen Betriebe unb Kraft- ' fahrzeughalter gesetzlich verpflichtet, ihre Bestände an Eummiabfall unb Altgummi bei bet im jtäbt. Setriebsgebäube, Wiesbaden, Rheinstrahe 51, eingerichteten Sainmelftellc abzuliefern. Wir ver­weisen aus die Bekanntmachung des Stähl. Wirtschaftsamts in - unserer heutigen Ausgabe.

Eröffnung einer Lehrküche. Die Abteilung Volkswirtschafi- Hauswirtschajt des Deutschen Ftauenwerks eröffnete jetzt am Michcls- berg eine Lehtküche, die den Hausfrauen auf dem Gebiet ber Küchen­wirtschaftsführung beratenb zur Seite stehen soll. Die Eröffnung der Lchrküche, die von geschulten Fachkräften geleitet wird, erfolgte durch bie Kreisabteilungsleiterm Sema, bie einen Vortrag übet ben ge­samten Fragenkomplex hielt. Es waren bie Eaufraucnschaftslcitcrin Westernacher unb bie Kreisfraucnschaftsleiterin Rcichmann, sowie ein Vertreter bet Kreisleitung erschienen, bie ber trefflichen Einrichtung ihr Lob [penbeten.

DasW. T." gratuliert. Die Eheleute Heinrich F ü l b e r und Frau Henny geb. Schmibt, Wiesbaben, ©öbenftr. 24, feiern am 29. Juni bas Fest ber Silbernen Hochzeit. Herr Peter Rauch, Wiesbaben, Dotzhcimer Str. 124, feiert am 29. Juni seinen 84. Ge- ©eburttstag. Die Ehefrau bes Maurermeisters W. Kilb, Frau Antonie Kilb geb. Traube begeht am 28. Juni ihren 80. Geburtstag. Sie ist Trägerin bes Ehrenkreuzes ber beukschen Mutter in Silber.

Quittung im Testament für Bosheit und Undank. Das Reichs­gericht hat in seiner Entscheidung die Möglichkeit bejaht, Schenkungen auch in einem Testament wirksam zu widerrufen. Der verstorbene Fabrikbesitzer D. hatte zunächst seine zweite Frau testamentarisch zur alleinigen Erbin eingesetzt. Er hatte sich jedoch veranlabt gesehen, diese Bestimmungen und auch Schenkungen, bie er ber Frau zu Leb- äci.ten gemacht hat, in einem späteren notarischen Testament aufzu- heben bzw. zu roiberrufen. Zur Begrünbung gab er an, hast bie zu­nächst so reichlich bedachte Frau sich allerlei hatte zuschulden kommen lassen; sie hatte seine Behältnisse und Briefe geöffn.et, ihm Urkunden unb Selb entwenbet, ihn beschimpft, oerleumbet unb ihm fast täglich skandalöse Auftritte bereitet, ja sogar ihn burch eine von ihr per-. anloBte Anzeige ber ftrasrechtlichen Verfolgung ausgeliefert. Diese Vorfälle benutzte um alle bet Flau gemachten Schenkckrtgen in seinem letzten Testamentwegen groben Undanks" zu widerrufen. Es kam deshalb nach bem lobe bes D. zu einem Rechtsstreit, bei bem bas Reichsgericht als letzte Instanz grunbsätzlich die Möglichkeit eines wirksame» Widerrufs von Schenkungen durch Testament bejahte, zu­mal er int vorliegenden Falle notariell festgelegt war.

Sigato am Polarkreis

Kleine Dankadresse an eine Frontbühne, im Namen von 12 90(1

, Landsern ausgeschrieben

Von Kriegsberichter Ernst Erich Strahl. PK.

Nun vergib leises Fleh'», sübes Kosen . . eine entzückende, auecksilbtige Susanne, ein sinnenfroher Eherubin, eine würdevolle Gräfin, ein gewinnender Figaro, bas buftige Filigran her Geigen über einem farbenfrohen, bekorativen unb kostümliche» Rahmen ist bas am Polarkreis nicht Wunbers genug!

Ober haben wir allesamt schon bas Wunbern verlernt?

Nein! 12 000 erlebnisbegeisterte Solbatcnherzen sinb Zeugen, bab bie Illusion bes Rampenlichts, bie viele von uns nun schon fast vier Jahre entbehren müssen, in voller Stärke lebt, hab sie ben Solbaten mit magischer Gewalt aus seinem harten, von bes Dienstes ewig gleichgestellter Uhr bestimmten Alltag in ihr schönes Reich zu führen vermag.

Wir haben am Polarkreis benFigaro" gesehen. Mehr: wir haben ihn erlebt. Unb bet Zauberer Mozart hätte seine Freude ge­habt an dieser Verwandlung der Herzen, dieser jähen Aufgeschlossen­heit für fröhliches Spiel unb tänzerische Gelöstheit. DerFigaro" am Polarkreis, auf einer Solbatenbühne ber letzten lapplänbischen Stabt, ehe bie Allgewalt bes Walbes nach bem Menschen unb bem Lanbe greift, bas ist auch im vierten Kriegsjahre ein Geschehen bas sich Ge­hör verschafft.

Er hat es nicht leicht gehabt, berFigaro", zu uns zu finden. Der lappländische Frühling, ber gegen Ende Mai mit ben ersten grünen Birkenblättchen fiegenb übers winterstarre Land kommt, ist ben empfindlichen Kehlen Susannes, Marzellines unb Bärbchens beileibe nicht gewogen. Unb alle Freude, sich endlich gegen bie lappländische Wctterwendigkeit behauptet zu hohen, wirb schal, wenn bie Dekora­tionen unb Kostüme ausbleiben, bie bas ferne Lappland bie Sol­daten haben dafür einen so einfachen, iiherzeugenden Ausdruck, den nur die Höflichkeit verbietet, niederzuschteiben erst nach einer Odysiee von vier Wochen unter restloser Zerstörung von drei arg ge­plagten Telephonen und einem Bündel verbrauchter Nerven erreichen. Gleichvieleines Tages war er da! Wir horten es, aber wir glaub­ten es nicht. Wir gingen hin. skeptisch, zweifelnd, die Optimisten mit einer kleinen Hoffnung, die Pessimisten Verneinung im Herzen.

Dunkelheit um uns. Die Ouvertüre. Sprühwcrk des Rokokos. 3m Gesang der Geigen und 'dem pastosen Ton bes Holzes bie Auf­erstehung einer lebenserfüllten, freubebefonnten Welt. Das war Mozart, ja wirklich, echter Mozart. Die wenigen, bie um bie Vor­bereitungen unb bte Zusammenhänge muhten, hatten schon jetzt ein Lob für bie braven Kamerahen im Orchesterraum bereit, bie ja alle wie wir im Solbatenrod steckte» unb den Winker mit uns im kare­lischen Urroalb verbracht hatten.

3m Jahre 1925 ging die Reichsbahn daran, den Oberbau»! Me bwagen zu konstruieren, eine fahrbare Prüf- und Kontroll-W gelle, die eine Reihe komplizierter Feststellungen auf dem schnellsten W und einfachsten Wege macht. Es gilt ja nicht nur, sie Stretf-n darauf-1 hin zu überwachen, ob die Sleiie etwa Beschädigungen aujweiien, i) t 1 schon mit blobcm Auge' erkennbar mo. 'Rein, es gilt vielmehr, ve>> 1 schiedene Feinmessungen vorzunehmen. bei denen eine Abweichung H von welligen Millimeter oftmals schon ausschlaggebend in. Da it ,i:= I nächst einmal die Spurweite, gie bei unseren Vollbahn 'n J i: > | Meter beträgt und die genau cingehalten werden muh, ebenso' wieW die ® l e i s r i d) t u it g. _ ©in aufmerksamer Peobachier wird er-V kennen, dah bie beiben cdjienen bes Geleises etwas schräg zucin-W ander stehen und bie Schienenoberkanten in den Kurven verschieden'V hoch liegen; bics deshalb, um in ben Kurven c.-n mit einer tcgcl«.*J förmigen Lauffläche versehenen Räber» den notwendigen Ausgleich zu schaffen denn in der Kurve hat ja bas äuherc Rad einen gröberen I Weg zurückzulegen als bas innere. Im Gegensatz zu den in bic Erde j verlegten Schienen ber Strahenbahn könne» wegen der jahreszeit- W liehen Temperaturjchwankuiigen bie freiliegenden ©leise der Reichs. M bahn an ihren Verbindungsstellen nicht ausciiranbergeschweist werden. 1 Der zwischen den einzelnen Schicncnenden frei bleibende Raum, 1 Stohfuge" genannt, mub die durch die - Temoeraturichwankungen | oeruriarhten Längenvcränderungen aufnehmen. Fährt nun ein Wagen 1 über solch ein zusammengesetztes Schienenstück Bann entsteht der J jedem Reisenden bekannte Schiencnstoh. Die Belastung unb 1 bynamischo Wirkung, bic ber sahrenbe Zug auf bas Gleis ausübt, | wird besonbers an biesen Schienenstöhen genau gcmesicn.

All bieje Aufgaben erfüllt ber Oberbau-Mebwagen in präziser d Weise unb liefert Ergebnisse, bie mit anberen Hilfsmitteln, zumal "3 bei unbelasteten Gleisen, nicht zu erzielen wären. . In sekner Heuti- | gen Form ist bet» Ohcrbau-Mebwagen seit etwa 15 Jahre» in Be- | trieb. Er unterscheibet sich äuherlich nicht von beit üblichen Schnell- 1 zugwage». Im Innern enthält er neben bech Prüfraum mit ben |

setzen, bart es aus geweitetem B-'wuhtiein bie Ergänzung und Not- j Wendigkeit vom Innen zum Austen in Harmonie h;nhe! Die Umwelt i zur Jn-Wel't erheben, das EUebens im Spicgelbübc eines Derfön- | lichen seelischen Adels zu leben, das sollte erstrebenswert fein. Es be- j darf hierzu gewih vieler Eigenfchaften, bie nicht jeher besitzt, bie erst 1 erworben werben müffen; aber nur wenn wiracht-geben" offnen sich | uns bie Türen zu ben Erkenntnisie».

Das Glück liegt nicht in ben Dingen unb Geschehnisien, cs liegt l im Herzen bes Menichcn, unb io hat aurh bas was wir gemeinhin ..schön" nennen, immer e»nj«s von S<6n>ew'«Rgf«t. > '-.H von j

Durchsichtigkeit, bie erhebt. A ' f n - ch k c. J

gleiche ewige Gewalt wie bie groben, ihnen ist berselbe Atem von Seligkeit und Weite eigen. Das Symbol mag uns aus allem da- .

Wesenhafte sein, so werden wir die kleinen Freuden und Leiden bes , Alltags als Notwendigkeit hinnehmen und die groben eher begreifen.i

Aus ben Krisen ber verschiebenen menschlichen Lebensalter ent-; gen "eli wickeln sich bie Schritte, bie wir tun. Jbeale wechsel» unb Erkennt-- iddelboc niste bie Umwelt macht ihte Einflüste geltend, aber bie Kern-- z, Substanz ist ba, bleibt unb hat sich zu behaupten in ber Welt. Lastenddh wir einmal heimlich, einsam wie wir in falt allen Stunden sind, -4 « an uns vorüberziehen. was uns im schicksalhaften Sinne Gewalt au- , a15^ tat, uns erhob oder stürzte, uns kühlte ober erhitzte, uns leib ober lieb, |e{on £ war: es ist immer mit Erinnerung an das Austen verbunden, an Menschen, Zustände, Landshaft, Wetter, Räume oder was es auch sei. aus denen es feine Kräfte, bie guten ober schlechten, zog. Dem Druck ber Umwelt nichi unterstehen sondern bas eigene Innere dagegen