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Wiesbadener Tagblatt

Montag, 28. Sunt 194$

Seite 2 Nr. 148

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vorwerfen, daß er mit dieser Maßnahme nur Wähler fangen wvllte. Die Abstimmung des Kongresses wird von der United Pretz als Musterbeispiel einer gesetzgeberischen Rebellion an der Heimatfront" bezeichnet. Der Leiter des Kriegsinformationsamtes Ginter Davis kündigte an, daß das Gesetz möglicherweise in die Geschichte als das Lewis-Antistreikgesetz" eingehen würde. Durch Zurückweisung des Vetos des Präsidenten hätte der Kongreß ein Mißtrauensvotum da­rüber ausgesprochen, daß Lewis nichtin der paffenden Form an­gefaßt" worden sei. Der Kongreß habe sich nun selbst dazu berufen, Lewis anzufaffen.

müsse, ob der Kongreß sich über die Auswirkungen dieser auf die Kriegsproduktion restlos klar geworden sei.

Das Veto Roosevelts gegen das Antistreikgesetz wird vielen Mitgliedern seiner.eigenen Partei stark kritisiert.

Der Ministerpräsident erklärte zur Frage des füdischen Grundbe­sitzes, es feien bereits in den ersten lagen seiner Amtszeit mehr als eine Million Kataftraljoch enteignet worden, wo­von vom Staate bereits 680 000 K.-2och an kinderreiche Landwirte - und Mitglieder der verschiedenen Frontkämvfervereinigungen verteilt wurden. Der restliche Grundbesitz werde noch bis Ende dieses Jahres in arische Hände Übergehen, in erster Linie natürlich an solche Ungarn, " die sich in diesem Kriege ausgezeichnet haben, ferner an Kriegsinva­liden und kinderreiche Familien. Die Regierung, fo* schloß der Mi­nisterpräsident, beabsichtige eine Bodenpolitik zu. betreiben, die dem Lande die Ernährung und den Landwirten das tägliche Brot sichere.

Die Rede des Ministerpräsidenten wurde von der Zuhörerschaft mit grobem Beifall ausgenommen.

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346 Todesopfer bei dem Erdbeben in der Türkei

Jnstanbul, 28. Juni, Am Sonntag berichtete der türkische Innen­minister der großen Nationalversammlung über das Erdbeben von Adapazar. Er erklärt, daß dort, in Bendel und in der Umgebung im ganzen 346 Todesovser zu beklagen seien.

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Uchen Betäubung die Allgemeinnarkose, um dem Patienten das Zu­sehen bei den Handgriffen des Arztes und damit Angst und Schrecken, kurz seelische Schmerzen zu ersparen.

3jL Lehre vom Wesen des Schmerzes begegnet Sauerbruch bem Philowohen. Er nennt seine Schrift über den Schmerz auch be­wußt etn Zusammenwirken der Fakultäten, wie es im Sinne der Ein­heit der Wiffenschast anzustreben ist. Sauerbtuchs Leistung ist wie die vieler deutscher Wiffcnschaftler ein wahres Geschenk für das "Volk. Die Zeiten, in denen sich die Wissenschaft in volksfremden Ideologien und Forschungen verlor, ist bei uns für immer vorbei.

__ _ ____________________ Dr. K

arvellssuyrer 4)r. rvaloeinar yenrtet, Friedrich Schmnerer; zu Generalarbeitsführern die Oberstarbeitsführer Hans August Matz mit gleichzeitiger Ernennung ?um Führer des Arbeilsgaues V Pommern- West, Hermann Rocholl mit gleichzeitiger Ernennung zum Führer des Arbeitsgaues IV Pommern-West, Werner Brack mit gleichzeitiger Er- Nennung zum Führer des Arbeitsgaues XXXII Saar-Pfalz, Walter Eonstlius mit gleichzeitiger Ernennung zum Führer des Arbeits- gaues XI Wartheland-Ost, Sans Wesemann mit gleichzeitiger Er­nennung »um Führer des Arbeitsgaues XXXIX Süd-Ostvreußen, Sands Brendel; zuOberstarbeitsführern: die Oberarbeits- sichrer Max Heynig, Gurt von Karstedt, Karl Sieger, Friedrich Scherer Fran» Retz, Ludwig von Hesse, Walter v. Vcrgin, Paul Hör- nung, Adolf Depvc, Karl Sauger, Gustav Störfeite. Georg Liebig Rudolf Wutschet, Bernhard Freiherr von Schnurbein, Dr. Paul Stein« metz, Albert Drexler, Oskar Bertelmann, Dr. Paul Seipp Karl Lasch; zu Oberstarbeitsärzten: die Oberarbeitsärzte Dr. Ludwig Böhm. Dr. Reiikhold Böttcher, Dr. Sans Barca. Dr. Rudolf Bartels, Dr. Georg Lose, Dr. Robert Gammeratt; zu OberstarSeits- führern (VW): die Oberarbeitsführer (VW) Kurt Müller, Karl Gabriel, Ernst Häubler.

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Oie fjungersnot in Indien

Bangkok. 27. Juni, In Indien ist eine weitere Verschärfung der tiebensmittetlage eingetreten. Die Reisrationen, die bisher mit

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Das Anti-Streikgesetz gegen Roosevelt angenommen

Roch 50 Prozent bet Grubenarbeiter im Ausstand

So verdienen die Plutokraten in demreizenden" Krieg

Phantastische Gewinne* britischer unb amerikanischer Reeder

Senf, 27. Juni.Phantastische Profite" bis zu 80 Pro z. hätte eine ganze Reihe britischer Werften gemacht, schreibt die englische WochenzeitschriftTribüne. Diese Werften bauten im Auf­trag bet Slbmiralitär Kriegsschiffe für bie britische Kriegs­marine.

Aber bas. was man zur Zeit aus den USA. höre, stelle biefe- kriegsgewinnlerischen Geschäfte noch in den Schatten. Der Unter­suchungsausschuß für die Fragen der Handelsmarine im Washingtoner Oberhaus habe nämlich jetzt einen Bericht veröffentlicht, in dem bas Ergebnis einer genauen Untersuchung der Geschäfte enthalten sei, die amerikanische Reedereien machten, deren Schiffe vond en Engländern für die Transporte zum mittleren Osten seinerzeit beschlagnahmt wurden.

Während der kritischsten Monate im Frühjahr und Herbst 1941

Enteignung des jüdischen Grundbesitzes in Ungarn

Erklärungen des Ministerpräsidenten Kallay -

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Ein Chirurg behandelt die Seele

Wem früher nach einer Verwundung.im Krieg ober nach einem Unfall ein Bein abgenommen werden mußte dem gab man noch vor gar nicht langer Zeit ein ziemlich plumpes Holzbein, das in seiner Steifheit kaum dem oberflächlichen Blick verbergen konnte, daß der Verletzte zum Krüppel geworden war. Cs gelang aber dem jetzigen Leiter der Berliner Ehirurgischen Universitätsklinik, Ferdinand Sauerbruch, schon früh, bie an dem Amputationsstumpf noch haftenden Muskeln jo mit dem Ersatzglied zu verbinden, daß dieses willkürlich bewegt werden kann und damit zu einem wirklichen Ersatz wird. Bedeutende Verbesserungen der chirurgischen Methoden durch Sauer­bruch kamen vor allem auch den Lungenkranken zugute. Doch solche

75 v. H. des Normalverbrauchs festgesetzt waren, werden ab 27. Juni auf 5 0 v. S. herabgesetzt. In einer Bekanntmachung der Regierung wird darauf hingewiefen, daß auf Grund der Sungersnot in ganz Indien zusätzliche Lieferungen von Nahrungsmitteln nicht gemacht werden konnten. Es fei außerdem von Bedeutung, daß der Burmareis für Indiens Belieferung ausfalle. Der Handelsminister der britisch- .indischen Regierung, Sir Azi H a g u, versuchte die Bevölkerung der von der Hungersnot besonders schwer betroffenen Provinz Bihar zu beruhigen, indem er versicherte, eine Besserung durch strikte Regie- rungsmaßnahmen herbeizuführen. Der ehemalige Handelsminister Sarkar forderte von der Regierung, zusätzliche Getreidelieferungey aus Australien und den südamerikanifchen Staaten anzuforder».

Finnische Auszeichnung für Mihai Antonescu

Bukarest, 27. Juni. Im Namen von Marschall Mannerheim über­reichte der Gesandte Finnlands in Bukarest, Eduard Palin, dem Vizepräsidenten, Prof. Mihai Antonescu, das finnische Einheitskreuz. 3n seinen Dankesworten gab der stellv. Ministerpräsident der herz­lichen Bewunderung des rumänischen Volkes für das soldatische Werk des finnischen Marschalls Ausdruck.

Stockholm, 26. Juni Trotz der Anweisungen der Bergarbeiter- gewerkschast sind über 50 Prozent der Grubenarbeiter nicht an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Trotzdem haben sich Roosevelts und die Mehrzahl der Regierungsmitglieder gegen das Antistreikgesetz ausgesprochen, das Roosevelt zur Unter­schrift vorgelegt wurde. Roosevelt hatte vielmehr sein Peto gegen das Gesetz eingelegt. Senat und Repräsentantenhaus haben jedoch das Veto des Präsidenten überstimmt, so daß die Antistreikvorlage nun­mehr Gesetz wird.

Roosevelt hatte, als er den Gesetzantrag ohne seine Zustimmung zurückgab, in einer Botschaft gn den Senat die Gründe für fein Veto dargelegt. Er sei zwar auch gegen jeden Streik in Krieaszeiten, und er werde auch nicht zögern, alle Machtmittel der Regierung anzu­wenden, um Streiks zu verhindern, aber einige Klauseln des An­trages veranlaßten ihn doch, Einspruch zu erheben, da er bezweifeln

Tfchungkings verzweifelte Lage

Schanghai, 27. Juni. Auf einen Hilferuf der Presse Tfchungkings um Verstärkung der USA.-Luftwasfe in China eingehend, schreibt Tairiku Shimvo", daß solche Hilferufe ihren Ursprung eher in der verzweifelten Lage Tschungkings, als in der Hoffnung auf Rettung aus dieser Lage durch USA.-Flugzeuge haben. Die Zeitung besaßt sich dann mit den Schwierigkeiten, die' für die Verstärkung der USA - Luftwaffe in China bestehen. Amerika habe ,. B; viele Fronten mit Flugzeugen zu versorgen, so daß für China nur ein kleiner Bruch­teil bereitgeftellt werden könne. In China selbst machten die Brenn- stoffverforgung und die Reparatur der USA.-Flugzeuge große Schwierigkeiten, und schließlich sei die japanische Luftwaffe in China auf der Hut und fügte der USA.-Lufwaffe lausend schwere Verluste zu. Das Ergebnis dieser Umstände sei, wie die Zeitung abschließend feststellt, daß dieUSA.-Luftwaffe nach dem lächerlichen Angriff auf Japan im April des letzten Jahres nicht imstande [ei, einen zweiten Angriff zu machen."

Die Schwierigkeiten des Abtransportes der in Nordwestchina neuerdings gewonnenen Petroleumprodukte enthüllt eine Meldung aus Tschungking. wonach diese Produkte den letzten Abschnitt des Transportweges in Jiegenfellen auf dem Chialing-Fluß nach Tschungking zurücklegen. Dieser Wasserweg wird von Kwangyicen, etwa 300 Kilometer nördlich Tschungking aus benutzt. Von dort läßt man die gefüllten Felle stromabwärts treiben und erreicht in etwa 16 Tagen Tschungking. Die erste Sendung von 31.5 metrischen Tonnen habe, wie Tschungking bekanntgibt, in 1000 Ziegenfellen kürzlich Tschungking erreicht.

Badapest, 27. Juni. Uber die Grundlagen der neuen Wirtschafts, ornung in Ungarn äußerten sich Ministerpräsident Kallay und Finanzminister Remenyi - Schneller tm Rahmen, einer hier veranstalteten wirtschaftlichen Großkundgebung, der sämtliche Mit­glieder der Regierung, viele Reichstagsabgeordnete und eine mehr- t ausendköpfige Menschenmenge beiwohnten.

Ministerpräsident Kallay kündigte eine Reihe von grundsätzlichen Maßnahmen an, durch die eine neue Wirtschaftsordnung geschaffen werden soll. Die größten Feinde der Ruhe und der Ord­nung im Lande feien jene, die sich der neuen Wirtschaftsordnung nicht unterwerfen. Gegen diese werde schonungslos vorgegangen werden, ebenso wie gegen den Schwarzhandel, gegen Beamte, die ihrer Pflicht nicht einwandfrei nachkommen, sowie gegen Protek­tionismus und Korruption.

beiten oder bei Geschwülsten oder bei Gehirnschäden eingehend zu be­fassen, sich also nicht innerhalb der Chirurgie wieder zu spezialisieren. Er behrelt stets den ganzen Menschen im Auge. Er beschäftigte sich auch mit der Chemie und Biologie, mit der Vitaminlehre den Hor- monwirkungen der Drüsen und anderen Problemen, die fönst denIn­ternisten" oder etwa den Homöopathen angeben. Neben seiner oder gerade durch seine ungeheure Arbeit als Chirurg wurde Sauerbruch zu demAllgemein-Arzt", wie er heute immer wieder gefordert wird, und immer wieder trifft man ihn auf den Tagungen der medizinischen Nachbargebiete. i

Der spöttische Satz, daß die Chirurgen bei allem Ausschneiden menschlicher Körper noch nie eine Seele gefunden hätten, gilt für Sauerbruch nicht! Der Operateur kann kaum einmal schneiden, ohne Schmerzen zu bereiten; Sauerbruch hat sich daher eingehend dem Studium des Schmerzes gewidmet. Der Schmerz kann ein wohltuender Reiz fein, der zur Heilung notwendig ist oder ein schädlicher, der z. B. durch Narkose dem Bewußtsein entzogen werden muß. Dor allem aber ist der Schmerz eine Reaktion der Seele auf Eingriffe in den Körper, und seelische Leiden können körperliche nach sich ziehen. So befür­wortet Sauerbruch j. 8. für die »eisten Operationen statt der iirt-

ÄompromiBloiungen und der englischen Anwendung des Grundsatzes vom Teilen und Herrschen vorüber, und an ihrer Stelle kündigen sich klare te n t fd) et b u n g e n im Wege der Gewalt an. Zu ihr hat sich England durch die Wahl Wavells noch einmal ausdrücklich be= 'm.1?*- Allerdings ist dabei fein Gegenspieler nicht nur der indische Nationalismus tn feiner neuen revolutionären Form, sondern auch Java ns militärische und wachsende wirtschaftliche Kraft. Dieser Um­stand ist nicht geeignet, dem plötzlich politisierten Feldmarfchall feine Zukunft zu vergolden.

Verfeinerungen der chirurgischen Technik, die Sauerbruch einen Welt­ruf eintrugen, füllten das Schaffen eines großen Arztes nicht aus. 3m Jahre 1875 war Sauerbruch in Barmen geboren, und mit bt, Jahren habilitierte er sich als Hochschullehrer zunächst in Breslau. . den Universitätskliniken von Breslau, Greifswald und Marburg, von Zürich, München und schließlich Berlin hat er eine zahlenmäßig kaum iaßbare Reihe von Krankheitsbildern gesehen. Das führte ihn dazu, sich nicht nur mit den komplizierten Operationen bei Lungenkrank-

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Von Hans Joachim Seeger Lustspieluraufführung in Elbing

Männer lieben die früheren Freunde der eigenen Frau nicht son­derlich, und Rolf Sievers, die Hauptperson in dem LustspielEifer- lüchteleien" von Hans Joachim Saager, liebt den Jugendfreund seiner Frau nun schon gar nicht. Er Ist bas rote Tuch für seine Eifersucht, die es bewerkstelligt, daß seine Fran am ersten Hochzeitstag mit kullernden Augen, den Kinderwagen ziehend, die Wohnung verläßt. Rolf wird aber von feiner Krankheit geheilt. Dabei hilft ihm unbe« abfidjtigt seine frühere Freundin, die ihn einst wegen [einer Eiser- 'U*^telei betrogen hat, damit er schließlich mal Recht und sie den rech­ten Mgnn bekam.

_ Der Verfasser, ein Mann vom Bau, hat mit bemerkenswertem Geschick eine trotz aller Verwicklungen und Situationskomiken über­sichtliche Handlung kombiniert, die den Darstellern gutsitzende Rollen luteilt und von einem munteren Dialog überspült ist Das Stück be­sitzt die besinnliche Heiterkeit und Spannkraft, um die Menschen und ihre Herzenstorheften in luftigen Wandlungen zu beleben. Die sichere Hand des Spielleiters Bruno llvach vertiefte die Aufführung. Edith vchonwald, Vein» Menzel, Helena Longoni und Heinz Peter Scholz verhalfen dem Spiel zu einem schonen Erfolg

Friedrich Albert Meyer.

Berlin, 27. Juni. Der Führer hat mit dem 26. Juni 1943 be. fördert: Zu Obergeneralarbeitsführern: die Gen; arbeitsführer Dr. Waldemar _ Henrici, Friedrich Schinnerer;

Tosca" neu infzenierf

Tosca, Musikdrama von Giacomo P u c c i n i, ging am Sonn­tag im Deutschen Theater nach längerer Pause in neuer Inszenierung wieder in Szene. Das Sujet, ein Schwelgen im krassesten Realismus,, streift namentlich im zweiten Akt hart die Grenzen des ästhetischen Erlaubten. Der dritte Akt ist allerdings ein dramatisches Meisterstück. Der Schwerpunkt der Musik liegt in der klangschönen, hier und da auch etwas aufdringlichen Instrumentation und in der dem Stoff wohl angepaßten, eigenartigen und blühenden Melodik und Harmonik. Allerlei Modernismen, namentlich die Mixturparallelen Debussys, ver­leihen dem Werk seinen Reiz und sichern ihm, wo es erklingt, auch feinen unmittelbaren Erfolg. Einzelne Stellen besonders haben das Gepräge von Poesie und Größe des Ausdrucks. Unter der anregenden, alles übersetzenden Leitung von Ernst Cramer wurde dem Werk unter der Regie von Hans Springer eine geschlossene, zugvolle Aufführung zuteil. Die neuen Bühnenbilder von Anton Dauer und die prächtigen Kostüme von Hub. Hannemann gaben den far­benprächtigen Rahmen des Bühnengeschehens. Die Titelrolle war Juliane Doederlein übertragen, die darin gesanglich und dar­stellerisch überragendes bot. Leidenschaftlich pulsierendes bis zu den schärfsten Gipfelpunkten geschürztes, packendes Erleben tag über der Darstellung und kam oft mit elementarer Wucht zum Ausdruck. Den Cavaradoffi" fang Waldemar B i e n e k. Allen Gefühlsspannungen von inniger Liebe bis zur triumphierenden Freude gab er mit feiner schonen Tenorstirnme scharf umrissenes Gepräge und verstand es, seine gesangliche Darbietung durch klug überdachte Gestaltung der Geste überall wirkungsvoll zu unterstreichen. DenScarvia" verkörperte Lothar Weber. Er gab einen' Polizeichef voller Lüsternheit und Schurkigkeit. wie man sich ihn in der künstlerischen Gestaltung nicht eindrucksvoller denken kann, von der ersten bis zur letzten Note eine Meisterleistung wie aus einem Guß. Wolf Hubmann bot als Angelofte" eine überzeugende Probe vornehmer Künftlerschaft. Auch die Vertreter der kleineren Rollen Viktor Hvspach alsMeßner", Werner Duvel alsSciaronne, Willi Hofmann alsSvoletta". Heinrich Müller als-Schließer" und Maria Barth (eine Stimme") gaben ihr Bestes zum Gelingen des Ganzen. Das O r - «bester entfaltete alle feine Klangmöglichkeiten in der vielfältigsten Weise. Das ausoerkaufte Saus zeichnete alle Mitwirkende durch reich

, bemessenen Beifall aus. Fritz Zech.

Sardinien

Wie eine Schutz- und Trutzfeste liegt bie Insel Sardinien vor dem Thyrrhemschen Meer, dieses und die offene Küste Italiens mit Rom und Neapel schützend.

Einst den Spaniern gehörend, oann im Utrechter Frieden von 1713 dem Hause Habsburg zugesprochen, wuroe es 1713 im Austausch gegen Sizilien an das Herzogtum Savoyen abgetreten, dadurch das Königreich Sardinien bildend. Es war keine der stolzesten Perlen

Japan baut Schiffe aus Gummi

Bandoeug, 27. Juni. Wie Domei meldet, hat sich ein neuer Plan zum Sau von Segelschiffen aus Gummi für den Transport von Frachten aus den Südgebieten nach Japan unter der Aufsicht der japanischen Verwaltungsstellen bewährt. Versuche zum Bau von Gummischiffen wurden seit Februar in "einem Hafen von Java durch die Handelsgesellschaft Süd durchgeführt, wobei durch eine besondere Behandlung des Rohgummis Kiele und Schiffsrümpfe von verschie­dener Stärke hergestellt wurden, die dem Druck Widerstand leisten können. Diese Schiffe sollen beladen von gewöhnlichen Motorschiffen nach" ihren Bestimmungshäfen gebracht, dort abgewrackt und dann zu verschiedenen Gummierzeugnissen verarbeitet werden.

seien von 81 privaten amerikanischen Handelsschiffen 90 Fahrten sum mittleren Osten gemacht worden. Die Schiffseigentümer habe die USA.-Regierung aus Leih- und Pachtmitteln bezahlt. Die reinen Unkosten hätten für die S&iffseigentümer in diesem Fall 1,1 Mill. Pfund betragen, während sie sich aber für die Dienstleistungen ins­gesamt 7.6 Millionen Pfund Sterling ausbezahlen ließen. Ihr Ge­winn habe sich daher aus 6,5 Millionen Pfund Sterling gestellt, d. h. sie hätten einen Reingewinn von 600 Prozent eingestrichen.

Man sehe also, bemerktTribüne", die Reeder könnten sowohl in Amerika als auch in England ohne Frage mit diesem Krieg nrärti- tig zufrieden sein. In England frage man sich nur, ob die britische Bevölkerung, wenn erst einmal über die Leih- und Pachtverpflichtun­gen abgerechnet werde auch für diese schieberhaften Gewinne auf» kommen müsse denn diese Art von Profitmacherei fei keineswegs besser als übelste Spekulation am "schwarzen Markt.

' (Karte: Dehnen-Dienst).

»cs an Schönheiten und Gütern so reich gesegneten Italien, und auf den zahlreichen Mittelmeerfahrten, wenn diese Schönheiten ange« steuert wurden, mied man Sardinien geflissentlich. Schon das Klima der Insel ist wenig verlockend. Es ist sehr heiß, zuweilen regnet es in vier bis fünf Monaten nicht, von Juli bis Ende Oktober herrscht "Malaria. Schirokko und Mistral, Süd- und Nordwind, bringen stark wechselnde Temperaturen. Zu der Ungunst der Witterung kommt die wenig verlockende Natur, Zwar macht die grüne Ebene, wo Palmen und Agaven gedeihen, noch einen freundlichen Eindruck, doch wenige Stunden landeinwärts trifft man nur eine Steinwüste mit kahlen Felsen und nackten Bergen. Hier hat man, wie auch anderswo im Süden Europas, im Mittelalter Raubbau getrieben und die so wichtigen Wälder abgeholzt. Das rächt sich nun am Klima und an der Bodenproduktion. Dies ist um fo folgenschwerer für die Sarden, als sie weder Schiffahrt noch Fischfang betreiben, sondern emsache Bauern sind, die heute noch den jahrhundertealten Solzpflug durch die Furchen ihrer Felder ziehen. Und die Sardinen, die nach der Insel ihren Namen tragen, fängt man auch nicht mehr bei Sar-, dinien, weil sie seit mehr als dreißig Jahren das Mittelmeer meiden.

Die mangelnden Reize Sardiniens Hatzen auch dazu geführt, sie zur Strafkolonie zu machen, wodurch sie von den Fremden noch mehr gemieden wurde. Durch diese Isolierung ist die Bevölkerung, der Insel rassisch, rein geblieben. Die Serben, klein von Wuchs, aber widerstandsfähig gegen die Unbilden der Natur, . sind ein ernstes würdevolles, gewecktes Volk. Sie sind arbettsfam und gastfreundlich, aber haben auch noch wilde Eigenschaften, die das Räuberwesen auf dem Eiland begünstigten. In seiner dünnbevölkerten Heimat (49 Ein­wohner auf den Quadratkilometer) lebt der Sarde [ein Eigenleben als Bauer und ist durch die jahrhundertelangen Unterdrückungen herrsch­süchtiger Eroberer den Fremden gegenüber mißtrauisch. Da über­wiegend italienisches Blut in [einen Adern fließt, ist er ein guter Italiener, der treu zu seinem größeren Vaterlands hält.

Sardinien hat wenig gute Häfen, die Flußläufe sind kurz, oft wasserleer und nicht schiffbar. Der Hauvthafen ist Cagliari, van den Phöniziern gegründet, er liegt an dem großen Golf, dex in die Südseite der Insel flach einschneidet und ist stark befestigt. Neben einer modernen Stadt, der Villa Nuova, gibt cs eine Altstadt mit vielen interessanten alten Bauten, einer alten römischen Wasser­leitung, einem Amphitheater, dessen Sitzreihen größtenteils aus den Felsen gehauen sind. Die stattliche Bibliothek enthält u. a. die Perga­mente von Arborea, Geschichtsdokumente aus Sardiniens dunkelstem Mittealter. Auch die wertvollen Altertümer sind von dem anglo-amerikanischen Luftterror nicht verschont geliehen, denn Cagliari hat schon oft unter den feindlichen Bombenangriffen ge­litten. Aber auch diese dürften wenig Nutzen haben, denn die Insel Sardinien ist ein ebenso festes Bollwerk der europäischen Festung wie alle anderen vorgelagerten Bastionen.

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Druck unb Setlag: L.ScheNenderg'iche Buchdruck»«!, Wiesbadener Tagblatf, Wiesbaden. ®e|amtleihing: Dr. c6il. habil Gustav Schellenderg und Cito Sailer. Saust, fdlriftleiler: Sri* (Silnther fümtt. in Wiesbaden Zur Zeit iit Preisliste Nr. 11 gültig

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten