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Wiesbadener Tagblatt

Samstag 'Sonntag, 28.727. 3uni

Der General

am

ent-.

noch

wc-

kam ihm nicht Stets, der ffii

In Sie waagerechten Reihen trage man Wörter ein, die lii

bahre. Rechts: 1. Handwerkzeug. 2. Kinderfrau, 3. Münze, *4. Stt in der Schweiz, 5. Haustier, 6. Schiffstau, 7. Halmpflanze.

Weif ist der Weg zum Glück

Bomu aus den Bergen von Hans Ernst

Nachdruck verboten

ein Baum im Tür-

Beilage des Wiesbadener Tagblat t s

späten Eindringling So steht sie, stumm in dessen Atmen sie

^>ol6atenaßro

Bon Heinrich Leis

Eine nette Manier haben Sie, junger Mann. Einfach hier rein- »nrennen, ohne anzuklovfen. Haben Sie denn das beim Militär nicht gelernt? Ra ja, wahrscheinlich schlechte Kinderstube. Was? Junger Mann?"

Dasjunger Mann" wurmt den Soldaten und er macht ein paar drohende Schritte vor.

Für dich bin ich alt genug, merk dir dös, du Aff, du blasierter. Dich heb ich allweil noch raus aus deiner Ecken, wenn es sein muh."

' Der andere zieht die Augenbrauen hach.

Ra. erlauben Sie mol, wie kommen Sie dazu, mich zu duzen? Hab ich schon San gehütet mit Ihnen?"

Inzwischen hat Veronika sich gefaßt.

Geh' Franzl", sogt sie.Sei doch net kindisch." See will ihm die

Dieser Entschluh ist so stark und so plötzlich, dah es in der nächsten Sekunde schon zu spät war, um noch umzukehren, denn et hat die Türe schon aufgerissen, steht nun statt und steif wie rahmen, ohne ein Wort zu sprechen.

Dann erscheint der unbändige lange Herr in der kleinen Ofsiziers- mesie.Errege offenbar überall Anstotz meine Herren hem schuldigen Sie bitte, das ist bei mir ein Geburtsfehler hem Wollte meinen offiziellen Besuch machen hem

Cocktail wird gereicht, so einer für Seemannsgurgeln . einer.Ah!" Das Gespräch wird lebhafter.

Kurz vor seiner Berabschiedung nimmt mich der Konsul ein___

nig bei Seite und sagt etwas schüchtern: Bitte. Herr Oberleutnant 6cm habe noch niemals einen Salut bekommen 6em Wollen Sie mir nicht mal sagen, wie ich mich dabei zu verhalten habe?" . .

Sehr gern, Herr Konsul. Also vasien Sie mal auf: Sie bekommen als Konsul sieben Schutz Salut. Sobald Sie mit Ihrem Dampfer etwa zweihundert Meter vom Schiff ab sind, fällt der erste Schutz . . . Sie lassen stoppen, stellen sich an eine möglichst sichtbare Stelle und neh- 1

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20. Fortsetzung

®enfen kann er kaum mehr. Sein Leben ist plötzlich ganz flach, «nz leer. Er siebt nur den Mann da drinnen und das Mädchen, das «rnmal sein gewesen in vielen, unvergeblichen Stunden.

Und da springt es ihn von neuem wieder an. Ganz jäh packt es tnt, und er weih eigentlich gar nicht, ist es Hatz, Scham oder Wut oder beides zugleich? Rur eines weih er: es ist aus und zu Ende Mischen ihm und dem Mädchen da drinnen. Seine grobe herrliche Stehe wurde von ihr besudelt und in den Schmutz gezogen. Und es ist wohl sein gutes Recht, vor sie hinzutreten, um ihr zu sagen, welch erbärmliches Spiel sie mit ihm getrieben hat.

Wenn diese unvergleichliche Komödie auch zu politischen Weite- «Ngen nicht geführt hat, ist sie doch, sagen wir im weiteren Sinne, ein offenbarer diplomatischer Zwischenfall gewesen. Der Fall ereignete sich lange vor dem Weltkriege, in einem japanischen Hasen bei herrlichstem «ommerwetter. und zwar zwischen unserem dort vor Anker liegenden kleinen Kreuzer und dem Festlande, sozusagen aus neutralem Gebiet. 'Erzählen, Remo, erzählen", drang die - um eine kräftige Mai­bowle beschäftigte kleine Runde von Seeoffizieren in mich. Wir satzen wieder einmal in einer der gemütlichen Ecken im Wilhelmshavener Mannekasino.

So hört denn: . . . Wir waren ganz früh morgens im Hafen zu nnfer gegangen. Alles blitzte und blinkte an Bord unseres «eiben Kreuzers. Wir erwarteten den Besuch des neuen Konsuls.

Remo, sagte der Artillerieoffizier beim Frühstück in der Messe zu

.--bu weiht doch, dab ich seit unserem letzten Aufenthalt hier in dte suhe Mimosasan dort oben int Teehaus verknallt bin. ich mub daher notwendig gleich en Land. Willst du bitte für mich heute mal den voraussichtlichen Salutdienst übernehmen?" . .Machen mit" . . .

So gegen 11 Uhr setzt ein kleiner flacher Schleppdampfer von der langen Landungsbrücke bet Stadt ab und hält auf uns zu. Oben im Tovp flatteri.bic beutsche Flagge. (Sana"hinten auf bet etwas erhöhten gclanbctfreicn Rundung"bes Damvferhccks steht ein langaufgeschossener err tm festlichen, schwarzen Bratenrock unb Zylinber . . der Kon-

Gtwas ungelenk tritt bald darauf bet Diplomat aus das schwanken­de Fallreep, trapp, trapp, die Trcvve heraus. Es wird Seite gepfiffen der wachhabende Offizier empfängt ihn. Er verschwindet beim Kom­mandanten in der Kajüte.

vorwärts und rechts rückwärts als Spiegelbild gelesen nachfolget Bedeutung haben. Die beiden gleichlautenden Jnnensenkrechten geben bann eine mittelalterliche Stadt in Bayern mit berühmt Dorn. Links: 1. Zärtlich, nett, 2. Mädchenname, 3. wertloses Z« 4. Körperteil. 5. Fruchtstock, 6. nordischer Männername, 7. Tot

Als Frau Sander heimging, stand ihr Entschluh fest. Sic wollte in töten Briefen Robert von diesen Dingen nichts erwähnen. Vielleicht kam einmal, wenn er im Urlaub war. die Stunde, in der sie ihm alles erzählen konnte. Aber cs war schwer, ihrem Mannn etwas ,u vetheim- tichen. Das emvtand sie bei jedem Brief, den sie an ihn schrieb. Und doch war es wohl besser so für ihn und für sie.

Der Winter verging und Robert kam nicht. Der Name Stalingrad kugelte alle Herzen wach unb Frau Sander wartete lange Wochen ver-

'Si Endlich, als es schon Frühling werden sollte im Lande, traf er e,n. Übermüdet. unangemeldet, mit ernstem, gebräunten Gesicht, aber seine blauen Augen strahlten, als et heimkam. Zu seiner Frau und zu seinem Jungen. .

~ zweite Dag seine? Urlaubs war ein Sonntag, ein rechter Fruhlingsionntag nut erstem Grün und blauen Weiten. Ein Sonntag bv°zietengehen Und daher war es Frau Sänket zuerst gar nicht recht, als Robert erklärte, er habe jetzt eine Besorgung ju machen.

J°jne er fic nicht dazu. Er habe Grütze von einem ? JL bcft<£e2 dessen Baier in der Tannenbergsttabe wohne. h!r6 eLr0<A n-mtt blitzenden ZahnenEin famoser, prächtiger Kerl, der Karl Helling, und mein bester Freund. Beinahe hätten ihn vor i*nI8en®^4ett?«e Bussen geschnappt. Glücklicherweise wat ich zufällig tn der Nahe und kam im letzten Augenblick hinzu. ."

Stau Sander nach einer Weile und svürte den hef- Latet^.'" 5re$ 9et,cns- »Dann mutzt bu ia wohl hingehen »u dem . .U»d ihr glücklicher Blick ruhte auf dem Blondkopf ihres Jungen der seinein Batet eifrig die Feldmütze holte. we

Dtplomafon-®oftfh?aft

Fauche der geriebene Polizeiminifter Napoleons, und bet grobe - plEnt Talleyrand gerieten eines Tages in Gegenwart Napoleons Meinungsverschiedenheit. Als schliesslich Talleyrand die Sach- kenntnis Fouches in Zweifel zog. äußerte dieser beleidigt:Ich bin so gut informiert, dass ich Ihnen jeden Mann und jede Frau nennen 7"l denen Ste gestern und heute gesprochen haben, wo Sie sie gesehen haben und rote lange." ' '

nicht nur, entgegnete darauf Talleyrand mit über- Lächeln,solche Dtnge, lonbern noch interessantere, ja, fogat ssslche. die sich erst tn der Zukunft abspielen werden. Z. B "nntc Ich Ihnen INI Vertrauen ins Ohr sagen, wer vorige Nacht bei Madame Fouchc zugebracht hat, unb wer für bie nächste bestellt

3br haltet am besten beide den Mund!" unterbrach da Napoleon in seiner zuivcilen etwas derben Art die in gefährliches Fahrwasser abgleitende Unterhaltung.Ihr seid beide große Gauner, und ich allein konnte entscheiden, west davon der größere ist."

Darauf machte Talleyrand, ohne ein Wort zu sagen, dem rot angelaufenen Fouche eine tiefe Verbeugung. Napoleon lächelte.

men den Hut ab. bis bet letzte Schutz heraus ist. . . Dann fahren Sic weiter. Furchtbar einfache Sache, nicht?"

Ja. furchtbar einfache Sache", wieberholt der etwas unsichere Konsul,furchtbar einfache Sache hem banke bestens. Herr Ober­leutnant.

t Aa bet Konsul bricht auf. steigt an Deck, wir grüßen, der Dampfer setzt ab. Unser Kommandant winkt noch vom Achterdeck freundlich mit ber Hand. Ich eile an die Geschütze.

Nun ist es so weit. Der lange Konsul steht auf dem hintersten ttnbe jeincs leiie dümpelnden Dampfers, die dahinter stehende Sonne lagt seine dürre Gestalt wie einen schwarze Silhouette erscheinen . "®t[tcs Geschütz fertig! .... Feuer!" rums! von allen bewal- deten Hügeln unb Inseln hallt es wider .. . . Der Dampfer stoppt . Der Konsul macht einen kleinen Höslichkeitsschritt nach hinten, nimmt in kühnem Schwung den Zylindpr ab und--setzt ihn wieder auf!

.... Ich grinse in mich hinein.

3»eites Geschütz fertig! .... Feuer!" rums der Konsul wacht dieselbe Reverenz unb micber einen Schritt zurück ....

Drittes Geschütz fertig! .... Feuer!" rums Ich blicke zwischendurch mal zum Dampfer hinüber. Himmelherrgott . . . der Konsiil steht ja auf dem äutzersten Ende des Dampfers!!

Viertes Geschütz fertig! .... Feuer!" ....

Der lange Mann da drüben ist weg! . . . Nur im Kielwasser des Dampfers spritzt es hoch auf ... . unb einsam auf den Wellen treibt ein schwarzer Zylinderhut . . .

Meine Augen weiten sich, mir stockt der Stern. Dann krümmt sich mein Leib nach vorne und ich loche, lache, lache . . .ich kann nicht mehr, kriege keinen Ton heraus. Der Kommandant brüllt von achtern grinsend: ..Weiterfeuern!" Aber ich kann nicht. Alle Funktionen sind bet mir ausgeschaltet, nur bas Krümmen und Lachen bleibt.... ... Kutter klar!" hallt die Stimme unseres ersten Offiziers

über Deck. *

Rennen an Bord, knarrendes Fieren der KutterlSufer . . .Ab- fetzen. Konsul retten!

Dem ersten Kutter gelingt es schnell, den Konsul zu bergen .

Sag mal Nemo", fragt einer der fröhlichen Runde tm Kasino, ift bas alles wirklich wahr?"......Natürlich", etmibere ich seelen-

ruh'S.bis auf ben Namen Müller. Der Konsul hiess nämlich Schultze. . . .

Und wegen her fehlenden drei Schuss?" . . .Ra, die hätte der Konsul tn diesem Falle ia doch nicht mehr gehört."

Und es war gut so. Jetzt weiß ich wenigstens Bescheid. Jetzt ti " ich dich wenigstens."

Das Mädchen fühlt plötzlich, dass er mehr weiss als sic im erj f Augenblick dachte. Und da ist cs nun sehr zwecklos^ zu lügen oder 1 leugnen. Sie begreift auch plötzlich, dass sie gemein gehandelt hak: I bem jungen Solbatcn. Ihre Schaube fällt, so scheint es ihr wenigst« - von ber Decke unb von allen Wänben auf sic herab, will sie schier I brücken mit ihrer Wucht unb Gröhe. Langsam wendet sie sich um, I I sich auf die Truhe sollen und senkt den Kopf. Ein paar Tränen ja i auf den zuckenden Mund.

Lass das Weinen, Veronika" sagt Franz hart.Das hättest : dir alles früher überlegen sollen. Er macht ein paar Schritte auf ! hin, steht vor ihr und schaut auf ihren gesenkten Scheitel.Ich 1 dämm dich net, du wirst ja wissen, was du gewollt hast. Aber er ? möcht ich bir noch sag'n. Ich hab dich gern gehabt, Veronika, wie T | nur einen Menschen gern haben kann. Und ich bin dir treu gerne t hab gelacht, wenn meine Kameraden manchmal hinter ben Stäbi i iftr gewesen sind, weil ich ja dich gehabt hab. Ich hab bir grenze« ' getraut, hob mich deinetwegen oft mit meinem Vater überwor Trotzdem hält ich es burchgesetzt, ollem zum Trotz, daß wir zwei F

sammengekommen wären, weil ich mir mein Leben ohne bich nint !

hätte verstellen können. Wie ich freilich jetzt bamit fertig werb, f weiß ich noch net. Es is ja schliesslich auch meine Sache ganz all s

unb geht ntcmanb etwas an. Für bich ist es leichter, beim bu hast

schon Ersatz. Ich. hoff, bah wir uns ja nimmer oft begegnen werd Unb wenn ich wieder daheim bin, deine Hütte betritt ich nim'! So und jetzt haben wir zwei ausgerebet für alle Zeiten." *

.Das Mädchen hebt ben Kopf nicht als ste ihn zur Türe gei hört. Sie hört die Türe ins Schloß fallen unb rühtt sich nicht.

Franz stürzt den Almhang hinunter, ohne stch noch einmal unU sehen. Ihm ist, als sei eine Türe hinter ihm zugeschlagen. Dahim: liegt bie ganze Erinnerung und die Vergangenheit. Alles ist a«l schüttet' eine Welt von Gedanken und 'Wünschen, die schönen Trä» seiner Jugend. Das eigentümlichste ist. dah er gar nicht einmal I sonders grosse Schmerzen dabei emofindet. Es ist alles wie abgefto« in ihm, und das, was stch sonst Ser, nennt, scheint in diesem Autck blick nur mehr ein Steinklumven zu fein.

Es ist nun" nicht wahr, datz Veronika ganz unberührt geh lief wäre von dieser plötzlichen Überraschung. Sie weih gar wohl, baß * Glück zerbrochen ist durch ihren Leichtsinn unb ihre Treulosigkeit. 1- als der Maler Erwin Leiser jetzt wieder hereinkommt und zu ihr K geht, sicht sic mit verschwommenen Augen an ihm vorbei. r

(Fortsetzung

Auflösung zuFür den Bücherschrank" in Nr. 141: Lcnsdsc, KleMe, (Fiselber, Sch(wsimmer. Mar(i)ne, Hor(s)t, Bas Ksojloh, Possjten, Me(t)er, (E)ger, K(n)avve, Tu(s)ch.' 1 Wisko11ens. z

goldbetreßte Uniform des französischen Marschalls.

- crol d'Albignac, der Anführer ber nerhünbeten M truppen, hesah seine Gefangenen mit fast mitleidig lächelndem Er war überzeugt von ber Unbesiegbarkeit der kaiserlichen Heere, | btfdjc Torheit schien es ihm, den Herrn Europas mit solchen schsM gerüsteten, aller Kriegsetfahrung mangelnden jungen Burschen U drohen zu wollen. Hier war keine Gefahr, trotzdem mußte BeiM und Strafe verhängt werden, andere Tollköpfe von ähnlichen, sW losen Unternehmen abzuschrecken. Es wäre töricht, dachte ber Gen» bei sich, bie Gewehre sprechen zu lassen, burch übertriebene SltX. Helden zu schassen, besser ber alle Ansprüche lächerlicher Selbfae schätzung niebetschlagenbe Hohn. Und so sagte er leichthin, gegen M ber führe fein Kaiser keinen Krieg, man solle diesen Gefc ' fünfzig Rutenstreiche aufzählen und sie alsdann zu den Eltern schicken, denen sie entlaufen seien.

Da stand breites Grinsen in ben Gesichtern der französischen

Dis Rottung

Von Sein, Klockenbusch

Das Leben ist dunkel, unergründlich und rätselvoll. Keine Ver­nunft scheint die verschlungenen Fäden menschlicher Geschicke entwirren zu können. Plötzlich aber ist da bisweilen ein kleines Ereignis am Konbe bet Zeit, in bem alle Klarheit. Antwort auf ungelöste Fragen und die Erkenntnis vorn tiefen Sinn alles Geschehens aufblitzen, wie kn einem geschliffenen Kristall.

Solch eine kleine Begebenheit,, von ber mir ein Zufall Kenntnis »erschaffte, trug sich in meinet Heimatstadt zu, als der Krieg in sein etettes Jahr hineinwuchs.

Es begann mit einem heftigen Schrecken, der Frau Sander jmrch- Mt, als ihr einziger Junge, der fünfjährige Werner, an einem Dnobernadjmittag weinend und aus einer Stirnwunbe blutcnb, nach Hause kam. Die Wunde erwies sich als ungefährlich, so dass sich Frau Sander bald von ihrem Schrecken erholte. Mein (Sott, Kinder fallen unnter noch einmal. . Unb Werner hatte so seht um bie Erlaubnis ge= Bettelt, ihre Mutter an die Strassenbahnhaltestelle bringen »u dürfen, 6 sie es ihm nicht hatte abschlagen können. .

Tags darauf aber erfuhr sic aus ber Zeitung, was sich zugetragen hatte, und bas Her» wollte ihr ftillestchen. In hastigem Lauf hatte Werner bie Schienen bet Strassenbahn überauert vor einem heran» Kotzenden Wagen, war gestolvett und zu Fall gekommen. Wie leblos »ar et auf ben Schienen Hegengeblieben, inbes sich aus ber entgegen» «setzten Richtung ein Strassenbahnwagen in voller Fahrt näherte. Nur »er Geistesgegenwart eines beherzten Mannes, der unter eigener Lebensgefahr tm letzten Augenblick bas Kind von den Schienen riss, »ar die Rettung zu verdanken gewesen.

Das Entsetzen lähmte Frau Sander, als sie die Schilderung des Vorfalls las unb sich vergegenwärtigte, was geschehen wäre, wenn sie ben zerstückelten Körper ihres Jungen-erblickt hätte. Unb wie hätte sie Stöbert unter die Augen treten sollen, wenn er von der Front auf Urlaub kam? Hätte sie nicht schulbbewusst die Stirn senken müssen vor bem vorwurfsvollen Blick ihres Mannes, der mit zärtlicher Liebe- an fernem Einzigen hing?

Den Namen jenes Mannes hatte sie halb in Erfahrung gebracht. Luch die Strasse, in b^r er wohnte. Nur die Hausnummer hatte man ihr nicht sagen können. So ging sic an einem Sonntagmorgen in der Tannenbergrasse von Haus zu Haus, bis ihr endlich von blankem Vlessingschild bet Name Helling entgegenleuchtete.

Unb wieher erschütterte sie bie Vorstellung dessen, was hätte ge­schehen können, mit unwiderstehlicher Gewalt, sodaß sie zu schluchzen be­gann. Herr Helling, ein Mann in den Fünfzigern mit ergrauendem Saar unb gütigem Gesicht, sprach beruhigend auf sie ein.Es ist ja noch alles gut geworden!", sagte er immer wieder.Und für mich war wirklich nichts Großes dabei. Es bat wohl so sein müssen, daß ich an diesem Abend einen anderen Weg nach Hause ging als gewöhnlich, weil tdi ein Felbvostväckchen zur Post besorgt hatte. Für meinen Jungen im-

Sanb reichen, aber er zieht beide Arme zurück, als ekle ihn not ihrer Berührung. Unb bann bricht es in beitzenber Ironie über seine Liv- pen: ,,3d) btn dir wohl recht ungelegen kommen, was?"

Aber nein, Franzi ich weiß gar net, was b haft Sie ist 'fmer noch ber Meinung, er konnte nichts gesehen Haben denn als sie hte Türklinke horte, war sic sofort aufgrumnelt.

Was ich hab? Ein kurzes, hartes Lachen.Biel hab ich gefebn Dos langt mir." '

5«1he frfineat bie Asche von seiner Zigarette unb steht auf Erlauben Sie mal, Herr"

Mit Ihnen hab ich nix zu reden!" fährt ihn Fran, für» an.

Ich verbitte mir aber, daß Sie in einem solchen Ton »u bet Dame svrechen."

x- ?ös ????" ß'° mir verbieten? Sauber!" Fran, nimmt die Mutze ob und fahrt sich übers Haar.Bon Ihnen lass ich mir gar nix verbieten, dah Sie es wissen!"

Angesichts bet brbhenben Augen zieht es ber Fremde nun doch Dor, zu verschwinden. Et gehr vor die Hütte hinaus und zieht die Tute hinter sich zu Aber Franz weiß bestimmt, daß et nun draußen oor dem ixenftct horchen will. Er vricht aber deswegen keinen Ton lener, denn was et noch »u sagen hat, das. kann bet anbete ruhig Horen.

Du bist dir hoch klar darüber, Veronika, dass es »wischen uns zwei Schluß ist?" fragt er schonungslos, während er sich gegen bie Herbmauet lehnt.

Veronika gibt keine Antwort, sondern starrt oor sich hin Jetzt erst hebt sie den Kopf und sucht seine Augen, doch er blickt über sie hin­weg, als wäre sie gar nicht vorhanden.

Ich weiss net, wer der andere ist. Aber mit genügt es. dass nur irgendeiner kommen braucht und bu vergisst, was bu mit versprochen haft, vergisst überhaupt alles ..."

Das ist net wahr", fährt das Mäbchcn auf.Ich kann doch keinem bie Hütte verwehren, wenn er kommt, um »u rasten."

Nein, bas kannst du net. Man muss bie Leut' rasten lassen, für bas ist eine Sennhütte ba, net wahr. Man muss stch auch auf ben «choß ietzen. muß bie Arme um ihn legen, weil et doch müh ist, net wahr, bet Herr. Veronika bas kannst einem anberen weissmachen, ober net mir. So faubumm bin ich bann grab hoch net. Und es ist ja auch heute net bas erstemal, bas geht schon seit Wochen so fort. Ich hab es gewußt, hab es aber net glauben können, bass ein Mensch so schlecht [ein könnt. Unb drum habe ich mich selber überzeugen wollen.

Als Schill mit feinen Husaren ben verwegenen Matsch französische Übermacht begann, um ben zaudernden Preußenkönig^ Befreiungstat mitzuteißen da stießen zu seiner Schar mancherlei 's willig« mehr von Begeisterung als für kriegerischen Einsatz gef und erfahren. Sie verfügten teilweise gar nur über wenig zweckd liche Waffen, unb jugendliche Brauseköpfe waren darunter, bie h bem ÄinbisaÜer entwuchsen. Das Schicksal des Feldzugs oeinio« sie nicht zu wenden, aber sie bestanden in heldischer Bewährung wurden mit ihrem unbedenklichen Einsatz gewissermaßen Beispiel, Vorbild, als vier Jahre später der Volksausstand gegen den U« drücket wie ein Ftiihlingssturm übers Land fegte.

Vor der Übermacht bet Feinde sich zutückzichend, suchte Schill > Weg nach Mecklenburg, um die Ostsceküste zu erreichen Dort kam bei Dömitz zum Gefecht, die Freischar mußte das Feld räumen e ließ eine Anzahl Gefangener in den Händen des Gegners, ll« bieten wat auch eine Gruppe jener jungen, mit Spießen oder a[ Flinten ausgerüsteten Freiwilligen, die kaum eine ordentliche Unisi trugen, doch soldatische Kämpfer waren aus innerem Zwang des zens. Unscheinbar standen sie, bie Röcke beschmutzt unb halbzcrii mühe und mager von ber Mühsal langen Marsches, inmitten waftenblitzenden Rings ihrer Besieger. Und Heller noch glänzte zwischen bie golbbetreßtc Uniform des fränzösischen Marschalls.

Auch d'Albignac war Soldat genung. die Größe des Augendli zu begreifen. Vielleicht traf ihn ein dunkles Ahnen van Schicksal, i stärket werden mochte als der sich Herr der Welt fühlende KaW vielleicht trieb ihn ber Beweis von mutiger Entschlossenheit zu eil diesen Mut ehrenben, ritterlichen Antwort. Und während alle Bst ringsum auf ihn gerichtet waren, harivetbissen bie der Gefangen« neugierig forschenb bie seiner eigenen Truppen, hob er langsam e unter einem Zwang di« Hand grüßend an den Zweispitz. Et bezeug mit dieser Gebärde soldatische Anerkennung vor der kleinen Sch« bie ihm so unerschütterlich gegenüberftanb, indem er zugleich Weis« gab sic als ehrliche Kämpfet nach dem Recht ftiegsgefaiMww tapferer Feinde zu behandeln.

Drei öcguß zu urouig / Bon Hermann Lienan

Veronika springt erschrocken auf, als Re den erkennt. Eine Blutwelle jagt über ihr Gesicht, und in tödlicher Verlegenheit. Der Mann aber, soeben noch geruht, streicht geziert sein dunkles Bärtchen. zündet sich eine Zigarette an unb legt vornehm den sorgfältig gescheitelten Kovs mrück. Dabei knefft er bie Augen ein wenig zusammen, unb bas sieht nun gerade aus, als lächle er überlegen ober spöttisch über ben Schweigsamen dort an bet Türe. Dann Jagt er. wohl deshalb, weil das Schweigen [ehr drückend, sehr unheimlich zu werden beginnt:

den, dte kampfstark unb schlachterprobt sich derart einen neuen S, verhofften. Aber ehe noch bas Wort des Generals verhallte, ging tz Welle stürmischer Bewegung durch bie Reihe ber Gefangenen. ( sichtet wurden blaß ober flammten in feurigem Rot Und schon t r einer vor, Sprecher für alle:Das ist gegen Kriegsrecht unb Eh fiert General! Wir sind Soldaten und Kriegsgefangene. Und um Sie uns als Aufrührer anfehen, mögen Sie uns erschießen aber it I schlagen lassen!"

In Blicken und Bewegungen der anderen schwang ein 6 dieser Rede, harte, todbereite Entschlossenheit brandete gegen h überraschten Franzosen. General d'Albignac stutzte, Zorn wollte « flammen, allein die Antwort, die et scharf heroorzustoßen bereit m lam ihm nicht übet bie Lippen. Ein großes Schweigen wuchs i Kreis, bet General fühlte stolz unb trotzig eine fremde, unbetont Macht aufstehen, sein spöttisches Lächeln gefror. Unb auch die ® nabiere, bie ben Sinn ber Rede nur halb erfaßten, ober aus d funkelnden Augen der Gefangenen richtig deuteten schauten vetw« dert; selbst harte Kämpfer, spürten sie Achtung für solchen trotzig Mut. Die Unscheinbaren ba vor ihnen würben ihnen schicksal« bunben: Solbatcn, bie ohne Wimperzucken bas Leben hinzugeben I reit waten.

in Bayern