«»He 2 Nr. 142
Wiesbadener Tagblatt
Mont«. 21. S-ni 1M3
Ingenieuren immer mehr bemerkbar. Die. Eetreideversorgung der Sowjetunion sei im Gegensatz zu anderen Ländern für die allgemeine Ernährungslagc von geradezu ausschlaggebender Bedeutung. Normalerweise beziehe das sowjetisch« Volk 70 bis 75 v. H. seiner Ka- lorien aus dem Brot. Seit Kriegsausbruch habe durchschnittlich die Ernährung der Zivilbevölkerung säst nur aus Brot und Kartoffeln bestanden Die entscheidende Frage, vor der man jetzt in der Sowjet- untonJune, |ei die. ob die dritte Ernte im Kriege nicht derart klein ausfalle das man die Brot- und Kartoffclration unter den Mindest- bedarf lenicn muhe. Es scheint, so schließt der Bericht,. als werde der überwiegende Teil der auf dem Leih- und Pachtwege in die Sowjetunion gelangenden Lebensmittel nur den Truouen zugeführt.
Bomben über der Schweiz abgeworfen
Berlin, 21. Juni. (Funkmeldung.) 3n der Nacht rum Montag wurde in der Nordjchwei,'gegen ein Uhr Fliegeralarm gegeben, jo in Iura, Lern, Basel und Zürich. An verschiedenen Orten trat die Fliegerabwehr in Aktion. **
An verschiedenen Stellen des Kantons Thurgau wurden Bomben abgeworfen. In dem Dorf Kummer sh aasen wurden nach Blattermeldungen durch die anglo-amerikanijchen Bomben drei Personen getötet und eine verletzt. In FonIchwil und Haselsberg, in der Nähe der Kantonhauptstadt Frauenfeld wurden Brandbomben ab- geworsen, die einigen Schaden ausmachten.
Starke Banden in Montenegro vernichtet
Leist von deutschen Seestreitkrästen beschossen — Zwei groge Handelsschiffe im Kaspischen Meer in Brand geworfen — Ein Torpedoboot und acht Frachter vor der algerischen Küste.schwer beschädigt
Aus dem Führerhauvtauartier, 21. Juni (Funkmeldung). Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An der O ft j r o n t verlies der Tag ruhig. Leichte deutsche See- streitkräste beschossen in der Rächt zum 20. Juni Stadt und Hasen Jeisk im Asowschen Meer.
Die Luftwaffe griff erneut Rüstungswerke im feindlichen Hinterland an. Im Kaspischen Meer wurden zwei große Handels- schisfe in Brand geworfen.
Bor der algerischen Küste wurden in der Nacht zum 20. Juni aus einem seindlichen Eeleitzug ein Torpedoboot und acht «rohe Frachter durch Lustangriff so schwer beschädigt, daß mit der Vernichtung mehrere Schisse gerechnet wird. Sämtliche Fahrzeuge kehrten zurück. In der vergangenen Nacht wurde der Hasen von B i s e r t a mit Bomben schweren Kaliber« belegt.
Britische Bomber flogen über die besetzten Weftgebiete nach Südweltdeutschland ein und warfen Bomben aus Wohnvierteln einiger Orte. Die Bevölkerung hatte Verluste. Andere feind- liche Flugzeuge unternahmen Störslüge über Norddeutschland und warsen einige Bomben, die keinen nennenswerten Schaden verursachten. Über den besetzten Westgebieten und dem Reichsgebiet wurden vier feindliche Flugzeuge abgeschossen.
In den Bergen Montenegros haben deutsch-italienische, bulgarische und kroatische Truppen im Verlaus wochenlanger Rümpfe starke Banden eingeschlojsen und vernichtet.
Der Hochgebirgscharakier des Landes, ungünstige Wetterverhält- nifie und der verzweifelte Widerstand der Banden erforderten von den eingesetzten Verbänden grobe Kampsleistungen und harte Entbehrungen.
Die Lustwasse, die in unermüdlichem Einsatz in die Kämpfe eingrisf, hat erheblichen Anteil an der erfolgreichen Operation.
Die blutigen Verluste der Banditen sind sehr hoch. Große Mengen an Massen, Fahrzeugen und Versorgungsgütern wurden erbeutet.
Oer Sonntagsbericht des OKW.
Aus dem Führerhauptauartier. 20. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
örtliche Vorstötze der Sowjets am Kuban-Brückenkopf nordostwärts Slump und int Raum von Kirow wurden abgewiejen.
In den übrigen Abschnitten der Ostfront herrschte rege Stobtrupp- tätigkeit.
Schwere Artillerie des Heeres bekämpfte kriegswichtige Ziele in Leningrad mit guter Wirkung.
Bei einem erneuten Angriff der Luftwaffe auf Schiffsziele in der Wolga Mündung erhielten vier weitere Frachter (o schwere Bombentreffer, dah mit der Vernichtung eines Teiles dieser Schisse gerechnet werden kann. Andere deutsche Kamvsslugzcuge bekämpften Industrieanlagen lies im feindlichen Hinterland. Ein Flugzeug kehrte von diesen Einsätzen nicht zurück. ,
Deutsche und italienische Kampsslugzeuge belegten die Hasenon- lagen von Stierte und Vantelleria wirksam mit Bomben.
Wenige feindliche Flugzeuge führten in der vergangenen Nacht Störflüge über dem westlichen Reichsgebiet durch, ohne Bomben zu werfen. Über den besetzten Westgebieten wurden vier feindliche Flugzeuge abgelchossen.
Schnelle deutsche Kampfflugzeuge bombardierten in der Rächt zum 20. Juni Einzelziele im Raum von London und an der englischen Südostküfte.
Von schwimmenden Einheiten der Kriegsmarine, der Bordslak von Handelrschisfen und der Marineslak wurden in der Zeit vom 11. bis 20. Juni 48 feindliche Flugzeuge abgeschossen.
10 000 BRT.-Oampfer versenkt
Rom, 20. Juni. Der italienische Wehrmachtbericht vom Sonntag hat folgenden Wortlaut
Das Hauptauartier der Wehrmacht gibt bekannt:
Unsere Torpedoslugzeugoerbande bereiteten dem stärker gewordenen Verkehr längs der nordafrikanischen Küste Hindernisse. Sie versenkten vor Bone einen 10 0 0 0 BRT-Dampser und erzielten Treffer auf zwei weiteren Dampfern von zusammen 17000 BRT.
Italienische und deutsche Kampfflugzeuge griffen mit sichtlichem Erfolg die Häfen von B i I e r t a und Vantelleria an.
Der kalabrische Küstenstreifen zwischen Billa San Giovanni und Reggio sowie die Stadt Messina wurden gestern von starken Ber- bänden viermotorijcher Flugzeuge gngegrissen. Zwei Flugzeuge wurden von Flak bei Messina und eines von unseren Jägern bei Reggio abgeschossen, die ein weiteres feindliches Aufklärungsflugzeug über Sardinien vernichteten.
Die schicksalhafte Notwendigkeit des Ost-Krieges - Rede des rumänischen Kriegsministers General Banta,
Bukarest, 20. Juni.- In der rumänisch-deutschen Soldatenstunde des rumänischen Rundfunks sprach Kriegsminister Pantaz zum bevorstehenden Jahrestag des Kriegseintritt im Osten. Er gab in feiner Rede der Überzeugung von der schicksalhaften Notwendigkeit dieses Krieges Ausdruck und von der Entschlossenheit Rumäniens, diesen im Interesse seines völkischen Lebens bts zum siegreichen Ende zu führen.
Wörtlich, erklärte der General: „Dieser Krieg ist keine Erfindung der Politiker gewesen, und wir sind auch nicht dazu genötigt worden. Er ist ein A u f b ä u rn e n unseres Selbsterhaltungstriebes gegenüber dem Tode. Wir wissen alle dah die imperialistischen Pläne der Sowjets die Zerstörung des rumänischen Nationalismus voraussetzen. Als isolierte Insel am Rande des slawischen Meeres waren wir zur Vernichtung verurteilt, denn wir standen dem tyrannischen Expansionswillen der Bolschewisten im Wege."
Der Kriegsminister erinnerte dann an die Erfahrungen, die Finnland und die "baltischen Länder mit den Bolschewisten machten, und schliehlich an die sowietrusiischen Übergriffe auf das rumänische Gebiet im Juni 1A40. ..Die Wunden, die die Sowjetunion Rumänien damals schlug, waren eine bittere Warnung für die europäische Zivi- sation und Sicherheit. Wir waren in diesem Augenblick nur der exponierte Punkt, an dem sich die ganze bolschewistische Barbarei auslieh." '
General Pantaz erklärte dann, dah Marschall Antonescu angesichts dieser Gefahr bas- alte Bündnis Königs Karl I. mit Deutschland wieder erneuert habe, und gab dann einen überblick über die Kriegstaten der rumänischen Armee, die beseelt war von derllberzeugung, das rumänische Recht zu verteidigen. „Zu dem Kampf jenseits seiner Grenzen wurde Rumänien durch zwei Imperative gezwungen: jDutd) die Notwendigkeit, das Land vor einem Krieg auf seinem eigenen Boden zu schützen und durch die Notwendigkeit, an der größtmöglichen Schwächung dös Gegners, der sich so stark gerüstet zeigt, mitzuwirken. Wir sind desien gewib, dah es in diesem Lande niemanden gibt, der das nicht versteht.
Der Kriegsministcr würdigte dann die Leistungen und die Opfer des rumänischen Soldaten und gab seiner Bewunderung für die deutsche Wehrmacht Ausdruck. „Haute wie in der Vergangenheit", so schlon General Pantaz, . „ist Rumänien der loyale Verbündete Deutschlands in diesem Kampf für die Verteidigung der Zivilisation und für seinen nationalen Bestand. Der Krieg ist jetzt in seine akute
Phase getreten. Unsere Armee ist von der gleichen Entschlosienheit und von dem gleichen Vertrauen wie zu Anfang beseelt. An der Svitzk aller Kräfte steht Marschall Antonescu. Blicken wir daher mit Vertrauen in die Zukunft, denn nach allen Prüfungen wird die Stunde unserer Erfüllung kommen. Wünschen wir unserer Armee vollen Sieg über bte Feinbe Rumäniens."
Sowjetische Industriewerke bombardiert
Berlin, 20. Juni. In bet Nacht zum 19. Stifti griff ein deutscher Kamvffliegerverbanb erneut sowjetische Jndustriewerko weit im seinblichen Hinterland an. Schwere Sprengbomben schlugen reihenweise in den langgestreckten Montagehallen ein. Sie riefen Grohbrände hervor, die beim Abflug von unseren Besatzungen noch aus weiter Entfernung beobachtet werden konnten. Verluste traten bei diesen neuen, für die feindliche Abwehr überraschenden Luftangriffen, nicht ein.
Rumänisch« Kamvfflieger-Einheiten fügten den Bolschewisten am 18. Juni durch wirksame Tiefangriffe auf Trupven- bereitstellungen und belegte Ortschaften im Raum östlich Matjewskoje und Krypmins schwere Verluste bei, während deutsche Kampfflugzeuge den ganzen Tag über erfolgreiche Angriffe gegen Nachschubbahnhöfe, Gleisanlagen. Transvortziige und Flugplätze des Feindes im Südabschnitt bei Ostfront richteten. Sturzkamvfverbänbe bombarbierten Stavelgüter bet Sowjets auf dem Lanbekopf Noworossijsk.
Der italienische Mi n i (t e t r a t beschloh am Samstag die Gründung eines „Instituts zur Ausbildung und Fortbildung des italienischen Arbeiters". Dieses Institut wird die bisher von verschiedenen Stellen durchgeführte Aus- und Fortbildung des italienischen Arbeiters zusammenfasseu, um die Leistungsfähigkeit der italienischen Arbeitskräfte besonders im Hinblick aus die Nachkriegszeit zu steigern.
Am Samstag sand die Einweihung der Kriegsversehrienjiedlung Martilla, einige Kilometer nördlich von Helsinki, im Beisein des finnischen Staatspräsidenten R y t i, des Ministerpräsidenten Linkomies und des Kriegsministers General Walden statt. Rach einer Ansprache des finnnischen Feldbischoss wurden den Besitzern die Schlüssel ihrer seftlich geschmückten Häuser feierlich überreicht.
Dro GuLonborg-Iosttcrgo 1943 in fHafnz
Die hehren Klänge Beethovenscher Musik (bas Stäbtische Orchester unter Leitung von Eeneralmustkbirektor Karl Maria Z w i h l e r spielte bte Fünfte Sinfonie bes Meisters) füllten bett festlich geschmückten Saal ber Stabthalle, wo sich mehrere hunbert Gäste zu einer Feierstunbe eigener Art versammelt hatten, mit ber bte Mainzer Gutenberg-Festtage 1943 eröffnet würben.' An ber Spitze ber Ehrengäste aus Partei, Staat unb Wehrmacht war ber stellv. Gauleiter ßinbet erschienen. Oberbürgermeister Ritter legte in seinen' Erußworten ein Bekenntnis ab zur kulturellen Senbung des brutschen Volkes, ber bie Stabt Mainz in diesen Tagen erneut biene, wenn sie roieberum ihre Festtage unter ben Namen ihres größten Sohnes stelle. Der Dichter Ernst Bacmeister hatte sich in seinem Festvortrag „Vom Naturgöttlichen zum Geistgöttlichen" eilt* Thema gewählt, bas zwar mit bem Anlas ber Festtage, bem Namen unb Wirken Johann Gutenbergs, kaum lose zusammenhing, boch gab er in seinen philosophisch begrünbeten unb wistenschaftlich burchbachten Ausführungen ein fesselnbes Bilb von bet Entwicklung bes Menschen unb bes Menschengeistes unb seiner Stellung in unb zur allumfassenden Natur. Seinen Worten voran stellte et ein Gedicht „Meine Volksgenossen", in bem es mahnenb hecht:
„Ihr tragt noch nicht ben Kranz bet freiesten Frommen, ben bie Jahrtausenbe euch ausgesoart.
Es mutz euch höher flammenb überkommen, noch harrt bie Welt bet brutschen Himmelfahrt."
Dieses oerbinbenbe Wort umkleidete bet Dichter mit einer Welt- schau als Auslegung, inbem er seine Zuhörer tief in bie Jahrtausenbe zurück unb wieber herauf zur Gegenwart führte. Die Schlußworte seiner großen Rückschau roibmete ber Dichter bem Erjinber ber Druckkunst. Oberbürgermeister Ritter dankte dem Dichter für seinen Vortrag, und die Lieder der Nation schloßen die Feierstunde.
Am Samstag wurde in dem geschichtlich merkwürdigen Haus zum römischen Kaiser (Gutenbergmuseum) am Liebftauenvlatz die Ausstellung „Deutsche Holzschnitte unb Kupferstiche" burch den Oberbürgermeister eröffnet. Die Sonderschau, meist aus Nachbildungen, aber auch aus Originalen bestehend, gibt einen vortrefflichen Überblick über eine der deutschesten aller Künste. Während unsere großen Meister in bet Ölmalerei mit bet Farbe ringen mußten. wähtenb sich infolge ber Ungunst ber Zeitverhältnisse eine monumentale Freskokunst fast gar nicht entwickeln konnte, gehen die Deutschen in ber Graphik allen anbeten Volkern voran. Hier sindi sie, um mit Albrecht Dürer zu reden, „innerlich voller Figur", hier offenbaren sie den „versammelten heimlichen Schatz ihres Herzens". Es ist unmöglich, tm Rahmen eines kurzen "Referates dem Reichtum bet Ausstellung gerecht zu werben, man müßte bmn eine deutsche Kunstgeschichte vom vierzehnten Jahrhunbert bis jur Zeit bes Klassizismus am Anfang des 19. Jahrhunderts schreiben. Man kanji nur den Vex-
anstaltern, Prof. Dr'. Kuppel und Frl. Dr. M e i n e ck e herzlichen Dank aussprechen. Dir ältesten Holzschnitte wurden für bte Zeug- btucke seit bem 13. Jahrhunbert vetweiwet, sogar für große bekorative Teppiche, wie die mit vielen historischen Darstellungen geschmückte Tapete von Sitten (Schweiz). Es folgten bie mit Metallvlatten ausgeführten Teigbiucke. Die ersten wirklichen Holzschnitte sinb die für Spielkarten. Auf diesem Gebiete haben sich auch bekannte Meister wie Schäusfelin und Jost Amman beschäftigt. Um bas Jahr 1400 treten bie schönen, vielfach übermalten Umrißzeichnungen auf. Unter ihnen ragt ber Olmützer Holzschnitt „Die Ruhe auf bet Flucht" hervor. Silber mit Text — es hanbelt sich zunächst um Plattenbrucke —' tauchen etwas später auf, so ber Christophorus von 1423. Die sogenannten Blockbüchrr, die meist belehrende Texte haben, führen ihren Namen von dem Holzblock, mit dem sie gedruckt wurden. Entstehungsort ist hauptsächlich Harlem. Beispiel« sinb bie biblia faupetum, bas cinticum canticorum, der Decalodus u. a. m. Das älteste illustrierte Buch entstand erst im Kreise Gutenbergs. Vorbildlich wurde die in Nürnberg gedruckte Scheddel'sche Weltchronik mit ihren über 2000 Holzschnitten, von denen viele von Wolgrmut und Plaqdenwurff stammen. Dir Schrotblätter sind eigentlich Metallschnitte, deren Schönheit in der Wirkung des weißen Grundes besteht. Ein Meisterwerk der Holzschnittkunst ist vor allem ber mit Holzschnitten Schäusfelein unb Burgkmair gezierte THeuerbank, ber 1517 in Nürnberg erschienen. Der größte Meister bes Holzschnittes, Albrecht Dürer, ist mit Meisterwerken wie ber Avokalyvie, bet Ehrenpforte, ber großen Passion unb bem Marienleben gut vertreten. Farbenholzschnitte sehen wir von Hans Burgkmair unb. Lucas Cranach b. Ae. Auch Sans Salbung Grien burfte nicht fehlen. Unter den Nieberlänbern der Renaisiance bietet Lucas van Leyben ben größten Genuß.
Nicht tninber lehrreich ist bie Übersicht über den>Kupferstich. Hier beginnt bie Entwicklung mit bem Meister ber Liebesgärten unb dem rätselhaften in ben Formen so zierlichen Meister E, S., auch Meister bes Hausbuches genannt. Die Blüte fällt in bas 16. Jahrhunbert. Reben Heinrich Albegrever lernen wir auch bie vielseitigen Klein- meister kennen. Bei Henbrick Eoltzius wirb bet Einfluß Italiens spürbar. Einzigärtig bie Zeichnungen, mit denen Dürer das Gebetbuch Maximilians schmückte. Et zeigt sich auch mit seinen berühmtesten Kupferstichen, mit bet Melancholie, mit Ritter Tob unb Teufel unb vielen anbeten, sobaß man seine ganze Entwicklung verfolgen kann. Ein Raum ist ber [»genannten Schabkunst gewibmet, deren jammetweiche Schattenwirkungen bei einigen Bildnisien besonders wirksam sind. Dem Ptunkftil des Barock entsprechen bie Stiche nach Rubensgemälben. während die Stiche von Matthäus Merian berühmte Stadtansichten bieten. Sehr reizvoll sind die Fatbenstiche des 18. Jahrhunderts und das Rokoko gibt sein Bestes mit kleinen, zierlich illustrierten Buchausgaben. Leidet vermag diese katalogartige Aufzählung nur zu einem Besuche anzutegen, ha jedes einzelne Kunstwerk zu einer Kunstbetrachtung, einem Essay ober einem Eebicht an» regen könnt». Dr. Wolfram Waldschmibt.
Juden in freiwilligen Ghettos
Strengste Absonderung des uordamerikanischen Judentums
Von unserem Berichterstatter .
. (6.) Lissabon, Anfang Juni 1948.
Das amerikanische Jübentum, bas ungefähr zehnmal so stark jst wie bas in Palästina unb von bem mehr als 2)^ Millionen in New Volk wohften, hat sich vom Setteljuben, bet frisch importiert würbe, bis zum Wallstreetmillionär, nach einheitlichen Gesichtspunkten unb nach unburchsichtigen Prinzipien zu einer geschlossenen Nation innerhalb des Yankregastvolkes entwickelt. Von den 48 Nationen, bte bte USA gebilbet haben, haben bie Juben allein ben Vorrang, eine anet. kannte Rassengemeinschaft zu fein, ähnlich übrigens wie in bet Antike. Diese' Geschlossenheit wirb von den Rabbinern ständig betont Ganz bezeichnend ist ihr Zetern gegen jüdische Mischehen, seitdem der Rabbi Nathan Kraß vom Emanuel-Tempel.in New Potk im Iahte 1924 seinen Feldzug gegen sie begann, unb sogar bet sog. Reform- rabbiner Stephän S. Wise, einer ber ganz Großen bet zionistischen Weltorganisation, sagte, im Kampf gegen jene Juben, bie ihre Kinbet zum Traualtar in bie christlichen Kirchen führten,' werbe er niemals ermüben. Chajim Bloch schrieb: „Die zahlreichen Mischehen haben bie New Parket Juden aufgerüttelt. Das Problem Mischehe macht den leitenden Männern schwere Sorgen. Spät aber noch rechtzeitig haben sie die Gefahr erkannt, die dem amerkanischen Judentum voll innen droht und daß dieses Übel geeignet ist, bie Erunb- sesten des Judentums zu erschüttern. Jetzt ist dieser zersetzenden Krankheit -ein Damm gesetzt worben." .
Denn gleichzeitig fast gingen alle Synagogen gegen die Mischehen an, und mit Erfolg. In ben USA bestehen nicht weniger als 2 350 Synagogen, zu benen noch 3118 jüdische Kongregationen kommen. Daneben gibt für bie verschieben«» Sekten noch zahlreiche Bethäuser unb Talmub Thora-Schulen. Seht bemerkenswert ist aber auch, baß sich bte Juben gesellschaftlich abschließen, denn die 300 „Community Centers", bie oftmals seht kostbar ausgestattete Gebäude im Synagogenstil unterhalten, sind die Sammelpunkte jüdischer Jugendorganisationen. Dazu kommt die dem „Christlichen Verein junger Männer" nadjgebilbefe „Poung Men Hehrem Association" und für Jüdinnen die „Young Women Hebtew Association" (8). N. H. 21. und $). W. H. A. ). Diese unterstehen mit etwa 500 000 Mitgliedern dem Jewish Welfare Board, dem jüdischen Wohlfahrtsrat, der wiederum an den American Jewish Congreß bezw. an das American Jewish Committee angeschlossen ist. Sieben jidifch geschriebene Tageszeitungen, etwa 20 jiddische, 10 jiddisch-englische, 6 hebräische und tb. 100 in englischer Sprache geschriebene Wochen- unb Monatsschriften sorgen bafüt, daß diese Juden sich als ganz besonders auserwählt fühlen. Die Preße für die amerikanischen Gois ist ja sowieso unter jüdischem Einfluß, aber man ist doch bester unter sich. Der Verbreitung zionistischer Staatzideen dienen in den USA nicht weniger als zehn Theater für Juden, unter denen bas „Jiddish Art Theatre" in Rew Bork als orthodoxes Ghetto-Theater bie höchst« Stellung einimmt. Viele' Verbiinbe sorgen für bie Verbreitung jüdischen Eebankenungutes, so bie Histtaduth Jvrith unb bie Central Jewish Cultural Organisation, währenb die Jewish Publication Society für bie Verbreitung jübischen Wissens in englischer Sprache sorgt. Zahlreiche Orbensbrüderschaften, Lanbsmannschaften, Frauen» unb Jugendorganisationen sinb durch bie Vorstände an die Zentralorganisationen angeschlossen, wobei besonders bemerkenswert eine jüdisch» Einwanderer- Hilfsgesellschaft ist, bie bereits im Jahre 1935 48 Millionen Dollar zur Sicherung unb Versorgung Mischer Einwanderer ausgab und jetzt unter bet Leitung von Samuel Dickstein steht. Alle biese Organisationen münden in dem Eeheimbund Independent Order os B'nei B-Rith mit seinen 150 000 hochgeschulten politischen Aktivisten.
Jedenfalls haben bie Juben in ben USA nicht sich bem Einschmelzungsprozeß bargeboten, sonbern haben sich in freiwilligen Ghettos gesammelt. In ihren Organisationen, bte keinen Fremd- blütigen hereinlassen, haben sie einen Ersatz für ihre östlichen Ghettos geschaffen. Rur bie Talmubistik unb bie Rachegesänge werben dort wie in ben alten Ghettos gelehrt, unb bie Ausnutzung ber bummen Yankees! \
Zeindhetze in Finnland völlig verpufft
vetfinki, 19. Juni. Zu Beginn ber Sommetfitzungsperiobe bes Reichstages gab bas führende Mitglied ber Vaterländischen Volkspartei, Rikko 1 a, bei feinem (Eintreffen in Helsinki der Zeitung „Aian Suunto“ ein Interview über bie Stimmung unter der Bevölkerung in feinem Wahlkreis Südöfterbotten. Der Abgeordnete betonte u. a. das feste Verbundenho-itsgefühl, bas bie Bevölkerung zu bem Waffenbruder Deutschland empfinde unb bie allgemeine feste Überzeugung, baß serabe die Waffenbrüderschaft und bas Biinbnis mit Deutschlanb ber Weg seien, bte jahrhunberte alte Gefahr aus bem Osten zu bannen. Deutschlanbs Sieg sei auch ber Sieg Finnlanbs. Die Agitation Englanbs unb Amerikas gegen Deutschlanb hätte unter bet finnischen Bevölkerung serabe bas ©egen teil hervorgerufen unb ber. deutschfreundlichen Stimmung in keiner Weise Abbruch getan.
Die rumänische Staatsführung hat die Ausdehnung des Kriegseinsatzes auf alle Studenten beschlossen. Sie weiden in der Verwaltung und bei öffentlichen Einrichtungen überhaupt, wie bisher schon die Militärftndenten, verwendet. Der Kriegseinsatz wird in den Ferien ab Anfang Juli geleistet.
Der italienische Statthalter in Albanien, General Pariani, übereichte in Anwesenheit einer großen Volksmenge die de« ersten vier albanischen Jägerregimentern verliehenen Fahnen.
&us Runff unö Coban
* Klosterneuburg in Reichsverwaltung. Die kulturell wertvollen Gebäude und weltberühmten Kunstschätze des Chorherrenftifetes Klosterneuburg in Wien wurden in Reichsverwaltung übernommen. Die größten Sehenswürdigkeiten der durch ihren Obst- und Weinbau bekannten Stadt bilden die kulturellen Gebäude und weltberühmten Kunstschätze des Stiftes Klosterneuburg. In erster Linie ist seine überaus wertvolle Bibliothek zu erwähnen. Bis zur Gegenwart sinb biese Schätze auf nicht weniger als 130 000 Bände, 1200 Handschriften aus bem 9. bis 15. Jahrhunbert unb rund 1U00 Wiegendrucke aus der Zeit Gutenbergs angewachsen. Hierzu kommen noch viele Gemälde, Kirchengeräte, Münzen und Plastiken der bedeutendsten ostmärkischen und italienischen Meister. Schließlich gehört zu den Kunstschätzen von Klosterneuburg auch der dreiflügelige, weltberühmte Altar von Verdun ber im Jahre 1181 hergestellt würbe unb aus 51 vergoldeten Kupfertäseln besteht. Man hat ihn auf Kriegsdauer an einen anderen Ort in Sicherheit gebracht.
* Hanns Hein, Ewers gestorben. In Berlin ist im Alter von 72 Jahren der Schriftsteller Hanns Heinz Ewers gestorben. Ewers, der am 3. November 1871 in Düsseldorf als Sohn eines Malers geboren wurde, studierte Jura, wandte sich aber bald der Kunst zu. Um die Jahrhundertwende war et an Wolzogens Überbrettl beteiligt unb über bresen Umweg ist er zur Literatur gekommen. Seine ersten Bücher schrieb er zusammen mit Theodor Retzel; er wollte dann so etwas wie einen neuen deutschen Märchenftil schaffen. Ausgedehnte Reisen durch die ganze Welt gaben ihm bann den Stofs für bas, was er selbst „seltsame" Geschichten nannte, eine spannende Mischung von Wirklichkeit und Traum. Während bes elften Weltkrieges war Ewers in USA interniert. Mit einem leinet letzten Werke, einem Horst Wesiel-Buch, wollte er ber Jugenb ber Bewegung ein Denkmal setzen.
* Wer hat Material? Die in Aussicht genommene kritische Gesamtausgabe bet Werke bes großen Musikbramatikers Chr. W. Gluck bebingt eine umfassende Bereitstellung des Quellenmaterials. Es ergeht daher an die privaten Besitzer von zeitgenössischen (aus bem 1% Jahrhunbert ftammenben) Handschriften Eluckfcher Werke sow.i« Eluckfcher Eigenschriften (Autogtavhen) die Litte, die Manuskripte zwecks photographischer Reproduktion bem Unternehmen der Eluck- Gesamtausgabe zur Verfügung zu stellen. Anfragen unb Angebote find zu richten an bas Staatliche Institut für beutsche Musikforschung, Berlin C. 2, Klosterftraße 36.
Druck unb Strlag: L. Schegenbera'sche Buchbruckeret, IBiesbabentr Zagbiatt, Wiesbaden. Seiamtleitung: Dr. Phil, habil. Gustav Schellenberg unb Otto Kaiser. Haupt, schkiftleiier: Fritz Günther, BmtL in Wiesbaden. Zur Zett « Preisliste Nr. II gültig
Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten
