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Nr. 141

Samstag/Sonutag, 19./20. Funi 1943

91. Jahrgang

Unsere Toten fordern Rache

Rede des Reichsministers Dr. Goebbels bei der Trauerfeier für die Opfer des Luftterrors in Wuppertal

Die Stund r der Vergeltung kommt

Wuppertal, 18. Juni. Reichsminister Dr. Goebbels traf am Freitagsrüh zu einem Besuch der von britischen Terrorangrissen heim- gesuchten Westgebiete in Düss « ldors ein. Der Minister wurde bei seiner Anlunst von Gauleiter Florian begrübt, der ihm aus­führlich über die bereits «etrossenen Hilfs- und Fürsorgemabnahmen unterrichtete. Rach eingehenden Besprechungen mit den örtlichen Führungsorganen der Partei und der össentlichen Verwaltung befich- tigte Dr. Goebbels eine Reihe von Schadenstellen in der Stadt, wo­bei er weiter» Mabnahmen sür die schwer beschädigte Bevölkerung traf.

Am Mittag begab fich Dr. Goebbels nach Wuppertal, wo di« Bevölkerung dieser Stadt in einer eindrucksvollen Stund« dr» Ge­dächtnisses von den Männern, Frauen und Kindern Abschied nahm, die ein grausiger britischer Terror in der Rocht zum 30. Mai d. 5. aus dem Leben rib. Als überzeugenden Ausdruck für die tiefe Ver­bundenheit, mit der das gesamte deutsche Volk den harten Kamps der Bevölkerung der lustbedrotzten Gebiete um Sein «der Nichtsein »erfolgt, hielt Reichsminister Dr. Goebbels die Eedenttede. In Worten höchster Anerkennung rühmte der Minister, wie schon so oft das Heldentum der Kriegsfront der Heimat, das stch in jeder Stunde neu bewähren muh, und würdigt« das Opfer der Gefallenen, das ein unerbittliches Schicksal von ihnen forderte.

Reichsminister Dr. Goebbels führte dazu aus:

Es ist ein trauriger und ergreifender Anlah, der mich heute in diese Stadt meiner jungen Mannesjahre zurückruft. Ich stehe hier als Beauftragter des Führers und des ganzen deutschen Volkes, um Abschied zu nehmen von den Gefallenen von Wupper­tal die als Opfer auf dem Trümmerfeld des britischen Luftierrors liegen' Für Front und Heimat sichtbar möchte ich mich bei dieser Gelegenheit in Trauer und Stolz verneigen vor allen Gefallenen des zivilen Lebens, die in den Luftkriegsgebieten ihre Treue zum Reich mit dem Tode bezahlten. Mich persönlich stimmt die Stunde dieses ergreifenden Ereignisses besonders wehmütig, da es eine Stadt be­trifft, in der ich die schönsten Jahre meines politischen Kampfes durch­lebt babe.

Ungezählte grohe und stolze Erinnerungen verbinden mich mit tiefer Stadt, ihrer Bevölkerung und der Bevölkerung der ganzen rheinisch-westfälischen Provinzen. Ich spreche zu ihnen als Sohn dieses im Frieden gesegneten, in Liedern gepriesenen Landes, der, wohin ihn auch seine politische Aufgabe führen mochte, niemals die innigen Bande "zerrissen hat, die ihn mit seiner Heimat verbinden. Unter ihrer Bevölkerung habe ich viele Jahre gelebt und gearbeitet. Hier liegen die Wurzeln meines Wirkens in der Öffentlichkeit. In dieser Stadt hat stch zum ersten Male in den Jahren 1924, 1925 und 1926 ein Kreis treuer nationalsozialistischer Kameraden um mich ge­bildet, Von hier aus haben wir die Fahne der nationalsozialistischen Revolution weit in das Rheinland und in das Ruhrgebiet hineinge­tragen. Es ist unsere gemeinsame Heimat, vor deren Gefallenen wir »Ns in dieser Stunde verneigen.

Wenn ich heute hierher zurückkehre, um Abschied zu nehmen von den Toten dieser Stadt, so zähle ich mit Trauer unter ihnen eine ganze Reihe mir persönlich nahe st eb ender Menschen, mit denen ich ungezählte Stunden der Freude und des Frohstnns, aber auch der Sorge und Enttäuschung im ewigen Kampf um das Reich geteilt habe. Ich habe also das Recht, als Abgeianvter des Führers nicht nur im Namen des ganzen deutschen Volkes, zu Ihnen zu sprechen, son­dern auch im Namen der schwer geprüften Bevölkerung dieser so schönen Provinzen vor der weitesten Öffentlichkeit das Wort zu er­greifen. Ich drücke dabei die Gefühle der Trauer und einer stolzen Verbissenheit aus die. in diesen Tagen die Herzen aller Deutschen bewegen. Leid und Schmerz, die in den hart getroffenen Städten der Luftkriegsgebiete in so manche Familie einzi-hen, sind ein Teil des Leides und des Schmerzes, die heute das ganze deutsche Volk um die teuren Toten empfindet. So wie wir in der großen Ver­gangenheit die Freuden und die stolzen Erhebungen unseres nationa­len Lehens gemeinsam getragen und brüderlich geteilt haben, so tragen wir heute gemeinsam und teilen wir brüderlich Slbmerzen und Leiden, die der Krieg über so viele deutsche Familien bringt

Ich stehe an dieser Stelle mitten unter Ihnen um 3Bnen, meine rheinisch-westfälischen Landsleute zu sagen, daß die Bevölkerung dieser Provinzen ihren schweren Kampf weder allein noch aus verlorenem Po st en kämpft. Das ganze deutsche Volk ist bei ihr und umgibt sie mit seiner Liebe und Treue. Mit stolzer Bewun­derung schaut die Nation auf das trotzig verbissene Aus- Harren dieses Teiles unseres Volkes gegen den feindlichen Luft­terror. Der zwar Städte und Dörfer in Schutt und Äsche legen mag, niemals aber die Herzen der Menschen brechen kann. Die ungeheuren Sorgen und Belastungen, Schmerzen und Peinigungen, die auf die Schultern dieser Bevölkerung gelegt werden müssen, sind ein Teil des Eesamikrieges. Es ist eine Ehrenpflicht der deutschen Nation, ihr so­fort und ohne Zögern soviel davona bzunehmen, wie überhaupt mög­lich ist. Was jetzt schon zur Linderung ihres materiellen Leides ge­schehen kann, das geschieht. Die Reichsregierung ist unentwegt be­müht, ihr in Zusammenarbeit mit den örtlichen Partei- und Ver­waltungsstellen ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Wenn der Feind ihre Häuser und Wohnungen in Trümmer verwandelt, |e kann sie davon überzeugt sein, daß das ganze deutsche Volk nach errungenem Siege seine ungeheure materielle Kraft »usammensassen wird, um die zerstörten Dörfer und Städte dieser Provinzen schöner denn je wieder erstehen zu lassen. Neues Leben wird dann aus den Ruine« er­blühen, die uns heute umgeben. Die verbrannte Habe wird in »ollem Umfange ersetzt werden, ja, apch jetzt schon tun wir alles, um der Be­völkerung das Leben, wenn auch in primitiven Zuschnitt, weiter zu er­möglichen.

Aber ein Rest wird immer ungelöst bleiben. Die Toten können wir dem Leben nicht zurückschenken. Sie stnd, wie der Soldat an der Front, im Kampfe um Deutschlands Freiheit und Größe auf dem Felde der Ehre gefallen. Ob Mann, ob Frau, ob Kind, sie haben "in ihrer letzten Stunde den Zynismus eines Feindes zu spüren bekommen, der durch seinen boshaften und heimtückischen Luftterror den grausamen Versuch unternimmt, die Kriegsmoral eines Volkes zu zerbrechen, das er mit Waffengewalt nicht bezwingen kann. Ich brauche darüber kaum noch Worte zu verlieren. Wir wissen' alle, worum es in diesem Kriege geht. Der Feind hat es uns selbst oft genug ins Gesicht geschrien, daß er uns, wenn wir schwach wären, einen Frieden auferlegen würde, demgegenüber der Krieg nur als wahre Wohltat empfunden werden kann. Gegen einen solchen niederträchtigen Versuch der Ausrottung des größten und stolzesten Kulturvolkes der Erde erhebt fich in geschlossener Einheit die deutsche Nation, stark an Waffen, aber auch stark an Männer-, Frauen und Kinderherzen. Mit einer moralischen Haltung ohnegleichen stemmt fie sich in den Provinzen, die der Feind zum ersten Ziel seiner heim­tückischen Wünsche machen will, gegen die feige Bedrohung ihrer nationalen Ehre, Einheit und Standhaftigkeit. Unsere Toten sind unsere Zeugen. Ihnen gegenüber allem fühl« wir uns verpflichtet.

Wenn wir sie in die mütterliche Erde zurückbetten, dann wissen wir, daß sie im selben Ehrengrabe ruhen, in dem unsere Soldaten draußen an den Fronten schlafen. Ihr Erbe übernimmt das deutsche Volk. Es wird einmal der Tag kommen, an dem wir fie rächen können und werden.

Laut und allen vernehmbar will ich in dieser Stund» reden, daß niemand mich überhört. Ich stehe hier als Ankläger vor der Weltöffentlichkeit. Ich erhebe Anklage wider einen Feind, der sich mit seinem brutalen Luftterror nicht» andere» zum Ziele gefegt hat, al» eine wehrlose Zivilbevölkerung zu analen und fie damit zum Verrat an ihrer nationalen" Sache zu erpressen. Niemals kann ein solcher Versuch gelingen. Aber ewig mit Schande bedecken wird sich mit dieser feigen Untat der nationale Ruf der Völkers deren Regie­rungen zu solchen verwerflichen und heimtückischen Mitteln der Kriegführung gegen Frauen, kreise und Kinder greisen.

Der Feind weiß ganz genau, daß die Schädigungen, die er uns in unserer Rüstung»- und Kriegsindustrie , ujügen kann, nur von ganz relativem Wert find. Darum geht es ihm auch garnicht. Es - geht ihm vor allem darum, die wehrlose Zivilbevölkerung zu a u ä I e n, den Tod in ihre Häuser uno Wohnungen hineinzutragen und damit den Versuch zu machen, die deutsche Kriegsmoral zu brechen. Hierin sieht er den letzten Ausweg seiner sonst ausweglosen Krieg­führung. Zahlreiche hingemordetete Frauen, Greise und Kinder zeugen wider die anglo-amerikanischen Plutokratien. Sie erheben Mit mir Anklage gegen eine Kriegführung, die jeder Menschlichkeit hohnspricht. Ungezählte zerstörte Schulen, Krankenhäuser, Kirchen und Kulturdenkmäler in den Luftkriegsgebieten erheben mit 'hteft Trümmerresten gleichsam wie anklagend ihre Hände, um vor aller Welt ihr Verdammungsurteil über ein- Kriegführung auszusprechen, die sich solcher Verbrechen schuldig macht.

Es nutzt dem Feind gar nichts, wenn er heute nach der altbe­währten Methode seiner jüdischen Hintermänner den Soieß umzu- drehen und uns dem Angeklagten Ankläger sowie aus Anklägern An­geklagte zu machen versucht. Die Schuld am Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung liegt eindeutig bei den westlichen Pluto- kraticn. Davon kann die feindliche Kriegführung stch niemals mehr reinwaschen. Im kranken Gehirn der vlutokratischen Weltzersetzung ist diese Art hes Luftterrors geboren worden. Der Führer hat nichts unversucht gelassen den Krieg zu vermeiden und, wo er uns aufge­zwungen wurde, ihm wenigstens humane Formen zu geben. Vor allem England hat all diese Versuche in den Wind geschlagen. Vom Kinder mord in Freiburg am 10. Mai 1940 bis zum heutigen Tage zeugt eine lange Kette von Leid und tiefster menschlicher Not in allen durch ben britisch-amerikanischen Bombenkrieg heimgesuchten deutschen Städten wider England und USA. und ihre feigen und grausamen vlutokra­tischen Führungsschichten.

Der Feind gibt seine Schuld auch in unbewachten Augenblicken offen zu. Er macht gar kein Hehl daraus, daß er sich mit seinem (Fortsetzung auf Seite 2)

Die kost pielige Zeit

Bon Heinrich Karl Kun»

Chamberlain prophezeite 1939 eine fünfjährige Kriegsdauer. Er glaubte damit einen ge,ürchteten Trumpf gegen uns aussusvieleik. Was wollte dieses Deutschland schon! Eingekeilt zwischen die Maginot» linie und die gewaltigen Armeen der Sowjets, deren man sich schon damals versichert hatte, zwischen die Alpen und die See, blieb ihm ja kaum noch Raum zum atmen. Die britische Fernblokade, das erfolg­reiche Rezept aus dem ersten Weltkrieg, sollte dafür sorgen, daß mit jedem Jahr die Rohstoffdecke kürzer und das Brot in Deutschland knapper würde. Die Lords sprachen damals noch von demreizenden Krieg" und glauhten ihn mit einem Mindestauswand an Kraft durch­stehn, beauemer noch, durchsitzen zu können. Vier von diesen fünf Jahren sind inzwischen nahezu vergangen. Sie haben mit. Vorurteilen und Illusionen gründlich aufgeräumt. Die Engländer mußten die Maginotlinie abstreichen, dazu die bolschewistische Offensivkraft und manches andere, was sie sich im Herbst 1939 noch nicht träumen ließen. Die Klammer, die sie um Deutschland gelegt glaubten, ist gesprengt. Unsere Ernährungs-, Rohstoff- und Arbeitsbasis breiter und gefestig­ter, als wir selbst es zu ahnen vermochten. Die Blockade aber. Eng­lands große Hoffnung, erwies sich worüber man auch in London nicht mehr zu diskutieren wagt, als Fehlschlag. Umgekehrt ist England in eine gefährliche Situation hineingeschliddert. Die Hoff­nung, den Krieg ous dem Überschuß zu finanzieren, ist dahin, ja, die Substanz ist bereits weitgehend ausgezehrt und man mutz schon lange von den Krediten der sogenannten Freunde leben. Jeder Tag, den der Krieg länger dauert, kostet Geld, jeder Tag macht die Schulden Englands größer und belastet heute bereits den Frieden, wie er auch aussehen möge, mit einer Riesenhyvothek, die kaum noch eine Er- olgschance übrig läßt. Kein Wunder, daß Churchill sich bei einem letzten Besuch in Washington zu der Feststellung gezwungen ah ganz im Gegensatz zu den Prophezeihungen von 1939 die Lange des Krieges gefährde die Existenz der Demokratien.

Der Demokratien, eine Verallgemeinerung, die man in Washing­ton mit einem ironischen Lächeln aufnahm. Die USA suhlen sich durch diese Bemerkung keineswegs getroffen. Sie haben es nicht so eilig, wie Mister Churchill, Schließlich arrangierten die Wallstrvet- Juden diesen Krieg nicht nur, um die jungen Völker, Deutschland, Italien und Japan $u vernichten. Darüber hinaus geht es ihnen um die Weltherrschaft, wobei das Empire als unangenehmer Rivale von vornherein in Rechnung gestellt worden* war.' Je länget der Krieg dauert umso weniger aber ist dieser Konkurrent zu fürch­ten. Der Ausverkauf des britischen Reiches begann ja Bereits 1940, als Churchill in sturer Verblendung den von Deutschland angcbotenen Frieden auchchlug, und sich von den Amerikanern ins Schlepptau neh­men lieb. Mit jedem Tag nimmt dieser Ausverkauf katastrophalere Formen an, und in Washington hofft man auf diese Weise, auf falten

Indien unter Militärverwaltung gestellt

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)

ra. Berlin, 19. Juni. Am Mittwoch tauchte zum ersten Mal die Nachricht auf, Churchill habe die Absicht Sir John Ander- s o n anstelle von Lord Linlitgow zum Vizekönig von Indien zu machen, nachdem dieser feit nunmehr sieben Jahren mit mehreren Amtsverlängerungen auf seinem Posten ausgehalten hat. Die Kan­didatur Andersons nach vielen anderen, die vorher genannt wurden, gab einen ersten, deutlichen Hinweis auf die besonderen politischen Absichten, die London diesmal mit dieser wichtigen Berufung ver­bindet. Anderson, lange Jahre hindurch Gouverneur von Bengalen, war auch einmal britischer Innenminister, wobei er freilich auf stärksten Widerstand stieß. Zeigte schon dieses Projekt ganz klar den Willen der englischen Regierung, künftig in der Behandlung des Jndienvroblems wieder schärfere Methoden anzuwenden, so hat die jetzt bekannt gegebene und recht Lberrafchende Ernennung von General W a v e l l zum Vizekönig diesen Eindruck bestätigt und erhärtet. Nunmehr ist vollends klar, was Churchill und seine Leute in Indien beabsichtigen. Das Crivvs-Zwischenspiel ist längst vergessen. Die Rückkehr zu den Grundsätzen, die vorher für die englische Negierung und vor allem für Winston Churchill stets in Jndienfragen maßgebend gewesen sind, ist mit einer geradezu demonstrativen Kundgebung auch nach außen hin endgültig vollzogen worden. Die Entwicklung in Indien während der letzten Monate hat einen Verlauf genommen, der es den maßgebenden englischen Politikern nunmehr offenbar als ratsam erscheinen läßt, die Zivilverwaltung in Indien ganz offiziell durch eine militärische abzulösen. General Wavell ist in England ein sehr volkstümlicher Mann, sicher in sehr viel höherem Maße, als sein« Verdienste es recht­fertigen. Er hat in diesem Krieg Schlappen, auch schwere Nieder­lagen, dann aber wiederum gewisse Erfolge erzielt; aber er hat es gut verstanden, durch geschickte Propaganda für seine Person zu wer­ben und um fich den Nimbus des groben Feldherrn, des Mannes mit der starken Hand zu verbreiten und dieser Ruf ist es in erster Linie gewesen, der zu seiner jetzigen Berufung geführt hat. Hinter ihm aber steht selbstverständlich Winston Churchill und es wäre grund- verkehrt, dessen Einstellung zum Problem Indien an seinen Äuße­rungen zu messen, die et während des Krieges getan hat, also zu einer Zeit, als er wußte, daß er mehr oder weniger auch auf die Hilfe Indiens angewiesen jein würoe. Zuverlässige Auskunft über seine wahre Jndienvolitik können nur Worte geben, die vor dieser Zeit gesprochen wurden. Im tiefsten Frieden, im Januar 1931, zu einer Zeit also, in der man auch vielleicht tu London noch nicht an Krieg dachte, erklärte Winston Churchill in Manchester:Anstatt die Regierung übet Indien der dünnen Oligarchie indischer Politiker auszuliefern, sollten wir uns klatmachen, dab wir für eine sehr lange, praktisch unbegrenzte Zeit entschlossen find, in allen wesent­lichen Fragen die wirklichen Herren in In­dien zu bleiben. Ein Dominionstatus, wie der von Kanada oder Australien, kommt in einer Epoche, deren Dauer mit noch nicht einmal absehen können, nicht in Frage". Noch sehr viel deut­licher wurde er in derselben Zeit, in einet Rede vor einem kleinen Kreise im Constituttonal-Club.Es widert mich an, penn ich den Außenminister von Indien sagen höre, Indien wird was tun, Indien wird jenes tun. Indien ist eine abstrakte Repräsentation durch eine Handvoll von politischen Klassen, die, um miteinander zu sprechen, kein anderes Mittel haben, als die englische Sprache, Indien ist ein geographischer Begriff. Es ist ebensowenig eine geeinte Nation wie der Äquator". So denkt Churchill über Indien auch jetzt, man möchte sagen, erst recht, weil so viel andere, wertvolle Bestandteile de» britischen Empire im Sinne der Londoner Politiker unficher, feit gbtrüMig geworden stutz.

Es ist sichet mehr als ein Zufall, man könnte es als ein sehr deutliches Zeichen der Zeit bewerten, daß fast in der gleichen Stunde, in bet die Ernennung General Wavells zum Vizekönig bekannt wird, die Meldung überall durch den Äther geht, daß der Vorkämpfer der indischen Freiheit Subhas Chandra Bose aus Deutschland in Japan angekommen ist, um von dort aus die Führung der indischen Freiheitsbewegung, soweit sie zur Zeit noch außerhalb der indischen Staatsgrenzen otganistett ist, zu übernehmen und zu aktivieren Der Vorteil, der stch aus dem neuen Standort für Bose ergibt, liegt auf der Hand. Et ist begründet in bet unmittelbaren Nachbarschaft des heutigen javanischen Machtbereiches zu Indien und in der Tatsache, daß hier für das nach Freiheit strebende Indien der stärkste Be­stand außerhalb der eigenen Grenzen liegt. In Berlin, Tokio und Rom wird man es aufrichtig begrüßen, daß Subhas Chandra Bose nunmehr unter erheblich günstigeren Bedingungen Gelegenheit Beben wird, an seinem großen Lebenswetk der Befreiung Indiens vom englischen Joch zu arbeiten, wobei er der tatkräftigen Hilfe der heute maßgebenden ostasiatischen Macht Japans gewiß sein kann. Der Rück­griff auf einen General und noch dazu auf diesen General, ist für das politische Prestige Londons gerade im Falle der Auswahl des neuen Vizekönigs in Indien gwiß kein gutes Vorzeichen, ja es ist im Grund die Bankrott-Erklärung der bisherigen englischen Jndien- politik durch die Regierung in London. Die Entwicklung drängt auch hier unaufhaltsam einem Ergebnis zu. basx gewiß nicht den Wünschen Churchills, wohl aber dem indischen Freiheitsdrang und der Arbeit seiner nationalen Führer gerecht werden wird.

Japan begrüßt Subhas Chandra Bose

Tokio. 19. Juni. (Funkmeldung.)In Subhas Chandra Bose be­grüßt das gesamte javanische Voll einen der größten Vorkämpfer für die Freiheit und Unabhängigkeit Indiens", so schreibtTomei in einem ersten Kommentar zum (Eintreffen Boses in Tokio, bas hier grobe Überraschung auslöste.

Wie inzwischen bekannt wirb, so schreibt Domei weiter, hat Boses bereits an bet kürzlichen Sonbersitzung des javanischen Reichstags teilgenommen, in der bekanntlich der Premierminister T o j o sich auch mit dem Jndienvroblem befabt hat und dazu erklärt«, daß Japan alle Mittel und Möglichkeiten erschöpfen werde, um sich für die Befreiung des indischen Bolles vom fremden Joch und für seine Unabhängigkeit einzusetzen.

So stellen diese Erklärungen Tojos, wieDomei" betont, die beste Begrüßung Subhas Chandra Boses in Japan bat. Man nimmt an, baß sich Subhas Chanbta Bose alsbalb in bie Südgebiete begeben werde, um dort an vorderster Front noch aktiver als bisher für die Befreiung seiner Heimat zu kämpfen.

Telegramm des Relchsaußenministers

Berlin, 19. Juni (Funkmeldung) Reichsaußenmiuister von Ribbentrop sandte aus Anlaß der Ankunft Subhas Chandra Bose» in Tokio au diesen folgende» Telegramm:

Zn Ihrer Ankunft in Ost-sien schicke ich Ihnen meine herz­lichen Grüße. Bei dieser Gelegenheit danke ich Ihnen auch für Ihre an den Führer und an mich gerichteten Abschiedstelegramme, in denen Sie auf Ihre Solidarität mit Deutschland im Kampf gegen die gemeinsamen Feinde Hinweisen. Wir wünschen Ihnen für den weittreu Freiheitskampf des indischen Volkes alleq Ekf»lg". (gez.) Ribbentrop