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Wiesbadener Tagblck

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91. Jahrgang

Montag, 7. Juni 1943

Nr. 131

Ungebrochener deutscher Leistungs- und Siegeswille

Rekordhöhe unterer Rüstunc

Die Ansprachen der Reichsminister Dr. Goebbels und Speer auf der Kundgebung im Berliner Sportpalast

Rechenschaftsbericht des Reichsministers Speer

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Ein kraftvolles Porträt

ra. Berlin. 7. Juni.' (Eig. Drahtbericht unserer Berliner Schrijt- leitung.) Die Atmosphäre, in der am Samstag die grobe Kund­gebung im Berliner Sportpalast stattfand, war in ihrer Berbindung von kühler Sachlichkeit und politischer Leidenschaft das getreue Spiegelbild der Haltung des ganzen deutschen Volkes, das weib, das es nur aus dieser Synthese die zum Siege erforderliche Kraft gewinnen kann. Wie so oft schon haben sich Tausend- im Ber­liner Sportpalast zusammengefunden, um aus berufenem Munde Orientierung, Ausrichtung und neue Kraft zu empfangen. Neben dem Betriebsführer sah der Arbeiter, neben dem hohen Offizier der einfache Soldat. In den ersten Reihen die Ehrenbürger der Nation, uwsere Verwundeten. Immer wieder unterbrachen starke Zustimmungs- kungebungen die Ausführungen der drei Redner, Dr. Goebbels, Sperr und Liebl, und verdichteten sich am Schluß zu Beifallsstürmen, die sich noch verstärkten, als neun Arbeitern und führenden Männer bet' Rüstungsindustrie von Ritterkreuz- und Eichenlaubträgern das Ritter­kreuz zum Kriegsverdienstkreuz überreicht wurde. Eine Kundgebung, die die unerschütterliche Einsatzbereitschaft des deutschen Volkes, die Geschlossenheit von Front und Heimat unmißverständlich zum Ausdruck brachte.

Mit Spannung hat man die ersten genaueren Angaben über den Stand der deutschen Rüstung zur Kenntnis genommen. Auch dies­mal konnten natürlich keine absoluten Ziffern genannt weiden aber die mitgeteilten Hundertsätze und Verhaltmszahlen ergaben ein eindrucksvolles Bild der steil ansteigend-n^Kurv-, auf bet sich die deutsche Rüstung entwickelt. Rerchsmmrst-r Epeer hat darüber hinaus höchst interessante Einblicke in die Methoden gegeben, mit denen er und seine Mitarbeiter den Auftrag des Führers vom Februar des vergangenen Jahres, der eine Verviel­fachung der wichtigsten Waffen vorsah, durchgeführt haben. Gerade weil man ja auch schon vorher Anstrengungen gemacht hatte, die man damals für maximal hielt, war die Erfüllung des Auftrages so un­geheuer schwer. Zwei Sauptursachen find dafür zu nennen, daß der gewünschte Erfolg — und mehr — erreicht wurde: Die organisatorische und leistungsmäbig- Grundlage des Vierjahresvlanes, d. h. die schon im Frieden erprobten sehr straffen L em k u n g s f o r m e n unserer Wirtschaft, aus denen aufgebaut werden konnte und der im letzten Jahre eingeleitete und weitgehend durchgesuhrte, vorbehaltlose Erfahrungsaustausch unter den Betrieben, durch .die Organisation der Selbftverantwortung der Industrie. Unter diesem Begriff kann sich der Laie zunächst wenig vorstellen, aber Reichs- Minister Sveer hat darüber im einzelnen berichtet Viertausend der besten Ingenieure und Betriebstechniker haben ihr überdurchschnitt­liches Willen und Können der Eesamtwirtschaft zur Verfügung ge- stelli und dies mit größtem Erfolg. Der wichtigste Bestandteil dieses Meinungsaustausches war der Umstellungsprozeh tn der Verar­beitung der Metalle, durch den der Bedarf an Mangel- metallen erheblich absank. Die fortschreitende Dezentralisierung im Aufbau unserer Energiewirtschaft, die durch auherste Rationallsle- rung des Arbeitsvorganges erreichte Einsparung von Ur- beit-zeit. der Zugang von neuen, zweieinhalb Millionen Ar­beitskräften in fünf Monaten und .schließlich die durchgreifende Ver- befierung vorhandener und die Erfindung vollständig neuer Waffen. 'Unter Ausnutzung aller dieser Faktoren ist eine Vroduktionssterge- • xuna vom doppelten bis zum über Sechsfachen des bis­herigen Durchschnittes erreicht worden. Unter diesen Um­ständen war die von Reichsminister Sveer angekündigte Absicht be­sonders aufschlußreich, „im Lause des Jahres 1943 die erreichte Zahl des Mai 1943 auf breiter Basis nicht nur zu halten, sondern bis sum nächsten Frühjahr die monatliche Fertigung wiederum wesentlich ,u steigern." Daß aller Erfindergeist und alle Organ,saffonskunst vergeblich wäre, wenn sich nicht der deutsche Arbeiter nt

unermüdlicher Anstrengung einsetzen würde, haben Reichsminister Sveer, wie Reichsminister Dr. Goebbels wieder mit gfWem Nach­druck unterstrichen. Bei der Betrachtung der krlegswirtschast.ichen Zugänge und ihrer Zukunftsmöglichkeiten ist man allzulelcht geneigt, die Pröduktionsverhälnisie ohne ausreichende Berücksichtigung dieses entscheidenden Faktors zu bewerten, der doch unerläßlich ist, nämlich zur vollkommenen Leistung gehören nun einmal die drei Faktoren: optimale Wirtschaftsführung und -Organisation., Arbeitsleistung und Rohstoffe, untrennbar zusammen. Alle Arbeiten erwachsen schlietz- lich aus der doppelten Verpflichtung gegenüber den an der ertönt kämpfenden Soldaten und gegenüber dem Schicksal der Rat,on. Zu den von Reichsministei Sveer und Retchsministe,: Goebbels in Er­widerung der feindlichen Agitation angeführten Eefichtsqunkte ließe sich auch noch darauf Hinweisen, daß die anglo-amerikainsche Pro­duktion praktischen Wert erst dann gewinnen kann, wenn sie den über Ozean und Meere führenden höchst gefährlichen Weg zu den Kriegs­

schauplätzen zurückgelegt hat. Sie ist also ungleich schwerer einsatz­fähig als die deutsche Erzeugung. Der Femd hat auf diesem Gebiet einen Ausgleich durch Luftangriffe zu schaffen versucht. Aber die schon erwähnte fortschreitende Dezentralisierung aus dem Rüstungsgebiet und eine künftig immer mehr verstärkte Abwehr dürften ihm auch hier solche Möglichkeiten nehmen. Die Hinweise auf neue Waffen und auf den Begriff des E e g e n t e r r o r s schließ­lich gewinnen dadurch nur an Gewicht, daß sie recht allgemein formu­liert und im Stimmaufwand sozusagen nur verhalten vorgebracht wurden Gerade deswegen sollte man sich auf der Feindseite hut-n, diese Stellen etwa zu überhören. So sind von den beiden Rerchs- ministern zwar keine präzisen und in solcher Genauigkeit auch gam unangebrachte Voraussagen gemacht worden, aber es entstand ein kraftvolles Porträt unserer nicht nut nicht geschwächten, sondern er­heblich gesteigerten Kraft und unseres ungebrochenen Leistungs- und Siegeswillens.

Reichsminister Sveer führte in seiner großen Rede im Sport- palast am Samstag aus:

..Mitarbeiter an der Rüstung!

Parteigenossen und 'Parteigenossinnen!

Vor einem Jahr wurde bereits in einer feierlichen Stunde der Leistungen der deutschen Rüstungswirtschaft gedacht. Damals find die deutschen Rüstungsarbeiter in einmaliger Welle dadurch hoch geehrt worden, daß einem von ihnen — als erstem Deutschen überhaupt das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz verliehen wurde. Heute nach einem Jahr, haben wir besondere, erfreuliche Grunde, wieder eine solche Feier zu veranstalten. Heute darf ich zu Ihnen sprechen, um Ihnen die Erfolge, die Unsere Rüstung in einem Jahr zu verzeichnen hat, bekanntzugeben Wenn iw auch, nicht Einzelheiten angeben kann, um dem Feind keine Anhaltspunkte für seine Angriffe auf unsere Industrie zu geben, so wird das heute der Öffentlichkeit übergebene Zahlenmaterial Ihnen doch die Gewißheit geben, daß unsere Rü­stungsindustrie Außergewöhnliches und Gewaltiges geleistet hat.

Höchstleistungen auf allen Gebieten

Bereits lange vor dem Krieg zwang uns unsere Armut an ver­schiedenen Rohstoffen dazu, unsere Wirtschaft straff zusammenzufassen, sie konzentriert aufzubauen und einheitlich zu steuern. Sei Vleriahies- vlan hat hier, vor allem durch den Aufbau vollständig neuer Indu­strien zur Herstellung fehlender Werkstoffe ein gewaltiges Werk voll­bracht. In diesen vier Kriegsjahren erhofften sich- die wirtschaftlichen Sachverständigen des Feindes von Jahr zu Jahr em stetes Absinken unserer Rüstung aus Mangel an Rohstoffen. Demgegenüber kann ich heute feftstellen, daß die deullche Rüstung von Jahr zu Jahr gestiegen ist und im Mai 1943 auf allen Gebieten Rekordhöhe e 11 c i d) f fiöt.

’ Es ist das historische Verdienst des Reichsmarschalls Hermann Göring, uns durch den V i e r j a h r e s v l a n die Grundlagen zur Aufrechterhaltung und Steigerung der deutschen Rüstungsindustrie oefidiett 311 haöen.

Als der Führer mir im Februar vorigen Jahres die präzise Aufgabe stellte, für fast alle Waffen, alle Panzer und für das ge­samte Gebiet der Munition ein Vielfaches des bisherigen Aufbrin­gens zu schaffen, -schien diese Aufgabe mir und meinen Mitarbeitern zunächst kaum lösbar. Denn der Ausstoß an Rüstungsgut war durch die' straffe in mehreren Friedensiahten erprobte Lenkungsform unse­rer Wirtschaft schon sofort nach Kriegsbeginn auf einer außerordent­lich beachtlichen Höhe und wurde in intensiver Arbeit von Jahr zu Jahr werter gesteigert und verbessert. ...

Es wurde daher errechnet, daß zu diesem vielfachen Ausstoß ein vielfacher Zuwachs an Arbe-tslrästen, die Neubeschaffung von Zehn­tausenden von Werkzeugmaschinen, eine Vervielfachung der Bereit­stellung von Eisen, Kupfer, Aluminium und anderer mangelnder Metalle notwendig sei und außerdem der Bau von neuen Fabrik­

Hallen mit einem Kostenaufwand von mehreren Milliarden Mark in Angriff genommen werden müßte.

Es war uns allen tlar, daß die Durch,vlruug der gestellten Ausgaben unter diesen Bedingungen nicht möglich ist.

Es mußte ein neuer Weg gefunden werden, um eine Steige- tuns in der Rüstung durchführen zu können. , .

Es hatten nun in dieser Zeit bereits zahlreiche wichilge Betriebe damit begonnen, ihre neuen Fabrikationsmethoden, die sich aus den Erfahrungen der ersten Jahre des Krieges ergeben hatten, untereinander vorbehaltlos auszutauschen. Eine planmäßige Aus­wertung dieser Ergebnisie fand zunächst bei der Luftwaffe und dann bei verschiedenen Fertigungen für das Seer statt. Der Erfolg war überragend. Bei Vergleichen zwischen Betrieben mit derselben Pro­duktion konnte festgeftellt werden, daß einzelne Firmen bedeutend weniger Arbeitskräfte einsetzen oder weniger Material oder weniger Werkzeugmaschinen benötigten, um die gleiche Stückzahl in derselben Zeit herzusteyen.

Führende köpfe ln eigener Verantwortung

Zweifellos waren also in der Industrie zahlreiche führende Kövfe vorhanden, die auf Grund ihres Könnens bei den Fertigungen ihrer Firmen Verbesierungen so durchgeführt hatten, daß diese weit über dem Durchschnitt der anderen- lagen. Es galt nun, für die All­gemeinheit der Rüstung diese Männer verantwortlich einzuschalten.

Es galt, diese Tausende von, fähigen Bettiebsfühiern, Tech­nikern und Betriebsleitern von ihren betrieblichen Bindungen zu befreien. Es galt, sie systematisch einzuordnen und zu gliedern, um sie dann mit diktatorischen Vollmachten auszustatten. Sie konnten dann ihre Kenntnis auch bei den weniger guten Betrieben vorbe­haltlos durchsetzen. *

Dabei mußten sie allerdings den Vorsprung, den ihre dtima durch bessere Bearbeitungsmethoden hatte, zugunsten der Allgemein heit vreisgeben, und es ist heute festzustellen, daß sie dies auch ohne jede Rücksicht mit der dem echten Ingenieur und Techniker ange­borenen Leidenschaft durchgesührt haben.

Aus diesem Gedanken, der am 18. Februar 1942 vom Führer und vom Reichsmarschall zur Verwirklichung freigegeben wurde, entstand eine Organisation, die heute ettzigartige Erfolge aufzuweisen hat. Den Mitarbeitern wurden Vollmachten für ihre Arbeit mitgegeben, die «s ihnen gestatteten, beliebig in die Fertigung sämtlicher Be- triebe einzugreisen, diese vollständig neu aufzugliedern, die Ver­lagerung von Aufträgen zur Bereinigung des Auftragsbestandes voi- zunehmen oder Betriebe stillzulegen.

Unterdes besteht diese mächtige Organisation der Selbstver- antwortung der Industrie seit Über einem Jahr. Sie ist inzwischen auf weite Nebengebiete ausgedehnt worden. Sie umfaßt heute 4000 der besten Ingenieure und Betriebstechniker, die sich alle für diese Tätigkeit ehrenamtlich zur Verfügung gestellt haben, und

Das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes für neun verdiente Männer der Rüstung

Links: Erste Reihe von Itnfs: ^°n,eiarbetter AlbinSawadk,, Db et iwiS«3*«es ZT.-Front-rbeite^ vinketohe. ÄIriwswtWen^wuMStaus|e»eUneten Rüstung^

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