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Seite 4 Rr. ISS

Wiesbadener Tagblatt

Freitag, 4. 3uni 1943

Wiesbadener Nachrichten

Landmacht greift ein

?Eemll'ch früh am Morgen und ein grauer, ungemül- eL? T°g °8 ,eldlt der Hatzlinger Franz, der alte Jagdaufseher des r» T^f06COterS unb auch Postenführer der Landmacht, gar $c£-“us m“S «US den Federn, Da wird von draußen , 5Lrl ® an seine Tur gepocht. Der Hatzlinger ist trotz seiner sechzig Jahre mit einem Satz aus dem Bettkasten, ’

bln 5; 6cr Toni", antwortet es rhm auf seine Frage, ßloufie. du mutzt die Landmacht alarmieren, da oben sind bie mir «ar nicht geheuer Vorkommen", Und fäsJf* s. blr, I?EN Freund einlägt und eilig in seine Kleider .der Toni, wie er eben zu seinem Bergacker gewollt habe und sich darüber gewundert hätte, da« die Tür zum Heustadel m0Wlrte? °rr?" ^and, die doch gestern abend noch geschlossen

«J? ?,cbcr zugemacht und weiter gegangen sei, habe er D-?cn “ü1 Wald ein paar Männer entdeckt, drei oder vier, die lchlcunigst verschwanden, als sie seiner ansichtig wurden sPP-Ctnc .^“tetfainbc später steht am Kirchplatz des kleinen c,n 9U‘«S halbes Dutzend Männer im Regen bei- fammen. Nicht mehr die Jüngsten eben, aber rüstig genug, um es mit zedem Jungen aufzunehmen. Alle sind bewaffnet, und am linken Arm tragen sie die weftze Binde mit der Aufschrift „Landwacht", die L,,.-L„ rt3C^°n8 elt Lner Selbstschutzorganisation des Landvolkees auswmst, die zum Schutze des Landes gegen asoziale Elemente, gegen ' 5?twichene Kricgssangene und anderes umhcrstreunendes Volk von der

*°V.ie‘ *iujge6aut wurde. Alle daheimgebliebencn Männer, die eben verfügbar sinh, gehören ihr an und es gibt niemanden, der sich diesem LOrcitOienit an der Seite und unter Führung der Eendarincrie ver­tagen wurde. Auch jetzt wieder steht der Unterivirt neben dem Winkel­bauern, der Eemeindediener neben dem Dorfschmied, der Knecht neben bauf Bürgermeister, und sogar dessen Sohn, eben auf Urlaub vom Wehrdienst daheim, ist dabei. Mit knappen Worten setzt der Hatzlinger ^inen Mannern auseinander, was der Toni vorhin beobachtet hat. «chtwll werden drei Streifen zu je zwei Mann eingeteilt, die von verschiedenen «eiten gegen den Wald Vorgehen. Eine vierte mit dem Gendarmen als Führer wird sich außerhalb des Waldes aus Lauer • legen, um die Verdächtigen in Empfang zu nehmen, falls sie durch­brechen sollten.

Mit einem kurzen Gruß gehen die Männer auseinander und mar­schieren, eiliger als es sonst ihre Gewohnheit ist, den Berg hinauf ge­gen den Wald zu. Der Hatzlinger mit seinem Freund Toni chwenkt wett ausholenh nach rechts, um dort auf das Ziel loszugehen Der Schnürlregen macht nicht gerade gesprächiger. Nur als lic am Acker aom Tont vorbeikommcn, zeigt der nach oben und fugt: „Genau oott zwischen den beiden Lärchen sind sie mir aus den Augen ge- kommen. ‘

Der Hatzlinger drängt weiter, denn gar zu viel Zeit 'darf man den Burschen nicht lassen, sonst sind sie am Ende doch noch oer= schwu"ben oder finden ein Dickicht, das sie den Augen der Späher - entzieht. So wird der Wald erreicht, und das geübte Auge lätzt kein Versteck aus. » °

Da mit einem Mal, man ist schon eine gute Stunde zuwege, ent­deckt der Toni hinter einem Felsbrocken eine Bewegung „Hallo wer da? hallt feine Stimme durch den morgenstillen Wald. Natürlich'keine Antwort! Doch wie sie näher kommen, springt es plötzlich auf. Ein Mann! Da noch einer, und jeder versucht im wilden Lauf zu ent­kommen. Jetzt gibt es kein langes Überlegen mehrt „Steht, oder es wird geschossen! Und als das nicht wirkt, jagt der Hatzlinger den

Spruch zum Tage

Hart «erden! fordert die Stunde.

Hart jein ist gut.

Zur Raube Wiegt sich die Wunde, hart bleibt im Herzen der Mut!

Karl Rheinfurt

Vorsicht vor feindlichen Ballonen

Eine Warnung an die Bevölkerung

Der Feind lätzt seit einger Zeit frei fliegende Gummi- ballone in das Reichögebiet einfliegen. Die Ballone v b • kugelförmig und haben zwei bis

drei Meter Durchmesser. An diesen Ballonen hangen in manchen Fällen Drähte. Andere Ballone tragen Glas- flaschen mit Brandflüssigkeit etwa in der Grütze einer Selterswasserflasche, die nach einer bestimmten Flugzeit selbsttätig abgeworfen werden und bei ihrem Aufschlag Ernte-Wald- und Heide­brande erzeugen können. In neuester Zeit hängen an den Ballonen aud) S ädc mit Holzwolle, die durch eine elektrische Vorrichtung entzündet werden, sobald der Ballon gegen einen Baum oder ein Ge­bäude treibt. Der Ballon selbst verbrennt dabei mit explosionsartiger Stichflamme. Die Bevölkerung wird gewarnt, splche Ballone zu be­rühren.

Es ist jedoch eine selbstverständliche Pflicht eines jeden Volksge- "dssen. sobald er einen derartigen Ballon sichtet, die nächste Polizei- oder Wehrmachtdienststelle zu benachrichtigen, damit der Ballon durch Fachkräfte unschädlich gemacht werden kann. Von gelandeten Ballonen sind bis zum Eintreffen der Polizei Unbefugte, insbesondere Kinder und Neugierige, fernzuhalten.

- Ddr Rundfunk am Samstag bringt an bemerkenswerten Sen­dungen tm Rcichsvrogramm: 15.30: Ausschnitte aus der PK- Produktion für die deutschen Wehrmachtssender: 16.00; Bunter Sams­tag-Nachmittag: 18.00: Vorschau für das Rundfunkvrogramm der Woche; 19.45: Sans Fritzsche spricht: 20.15: Neuzeitliche Unterhaltungs­musik; 21.30: Vertraute Klänge. — Im Deutschlandsender: 1130: Über Land und Meer; 17.15: Von Rossini bis Hessenberg (kleines Konzert); 20.15: C.M. Ziehrer (Ein musikalischer Hörfilm). „ .— Strandgut des Rheins. Wie alle groben Flüsse mit starker Strömung, fuhrt auch der Rhein viele Fremdkörper mit sich, Beson- bets Sei hohem Wasserstand und Hochwasser kann man beobachten, wie Bohlen, Balken, Breiter, Fäsier, Tonnen usw. talwärts treiben, die der Strom von ufernahen Lager- und Stapelplätzen entführt und weggeschwemmt hat. Das machen sich bejahrte Einwohner in den llferorten zunutze indem sie unter Zuhilfenahme von Enterhaken und anderen geeigneten Werkzeugen die antreibenden oder vorüber- fchwimmenden Bretter und Balken länden. Angetriebenes und ge­borgenes Gut, das einigen Wert darstcllt, ist übrigens — ähnlich wie bei Fundsachen — anmeldepflichtig, damit der rechtmätzige Eigen­tümer wieder in seinen Besitz gelangt. Meistens scheut dieser aber die Transportkosten; er verfügt vielleicht, zumal jetzt in der Kriegszeit, auch nicht über Fuhrwerk und Arbeitskräfte, um das abhandcngc- kommene Gut wieder herbeizuschaffen. In einem solchen Falle ist der- jenige, der das Gut aus dem Rhein geborgen hatte, nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist'von einem Jahr Eigentümer.

... — Soldaten im bürgerlichen Beruf. Das LKW. stellt in einet Ver­fügung lest, datz es in vielen Fällen erwünscht sei. Lab Wehrmachts­angehörige bei Ausübung eines bürgerlichen Berufes bürgerliche Kleidung tragen, z. B. als Rechtsanwälte beim Auftreten vor Gericht in Zivil- oder Strafverfahren und dergleichen mehr. Durch eine Er­gänzung der bestehenden Bestimmungen werden deshalb die Diszi- vlmarvorgesetzten beauftragt, bei Nebenbeschäftigung von Soldaten

Wehrmachtsbeamten im Einzelfall zu prüfen, ob die Art der Be- fchafttgung das Tragen bürgerlicher Kleidung erfordert. Gegebenen­falls haben die Diszivlinarvorgesetzten dies anzuordnen.

— Wieder eint Kartenlegerin verurteilt. Gewisse Volkskreise geben sich immer noch dem Aberglauben hin, man könne die Zukunst und Menschenschickjale aus den Karten weissagen und wollen nicht ein- sehen, datz das alles Schwindel ist. Deshalb ist auch das dunkle Ge­werbe der Kartenlegerinnen noch nicht ausgestorben, die sich eine der- arttge Leichtgläubigkeit zunutze machen und anderen Leuten damit das Geld aus der Tasche ziehen. Es handelt sich hierbei nicht etwa nur um men groben Unfug und gewissermaßen eine Privatangelegenheit bei- beteiligten, sondern um eine, besonders jetzt im Kriege recht ernfte Angelegenheit, gegen die mit aller Schärfe vorgegangen wird. Das zeigt auch mit aller Deutlichkeit ein Urteil des Oberlandesgerichis

■ ?n Wiesbaden war die 47jährige Elsa Schmidt als Kartenlegerin bekannt. Sie lebte in guten wirtschaftlichen Verhält- nt[fen und hat das Kartenlegen aus reiner Geldgier betrieben. Da sie teotz mehrfacher Verwarnungen durch die Polizei ihr gemeinschädliches ^.reiben tortgejetzt hatte, wurde sie mit drei Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust bestraft.

A PI.

KRIEGSMFLFSWERK1943

HAUSSAMMLUNG AM 6. JUNI

Heimat die beste die der Wiederher­dienen. Wenn am

Alle Opfer DER HEIMAT VER­BLASSEN VOR DEM HEROISMUS DES FRONTKÄMPFERS a77________________________

Hast Du schon Dein Teil beigesteuert — ? Säume nicht, — auch von Dir erwartet die Spinnstoff- und Echuhsammlung eine Gabe!

kommenden Sonntag der ehrenamtliche Heiser mit der Sammelliste bcs Kriegshilsswerkes für das Deutsche Rote Kreuz zu uns kommt, wollen wir daran denken, datz unsere Spenden für die Berwundeteu- betreuung bestimmt sind. t

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Vergiß cs nicht!

Jedem verwundeten Soldaten schuldet die Pflege, Betreuung und Heranziehung aller Mittel, ftcllung feiner, Gesundheit und feiner Erholung

beiden einen Schutz nach, der haarscharf über ihren Köpfen ins Ge­äst fegt.

Da ble.iben sie stehen und wenden sich mit erhobenen Händen ihren Verfolgern zu. „Nix schietzen, gutie Leit!" bitten sie und lassen sich freiwillig abführen.

Unten im Dorf sind schon die anderen mit noch zwei Gefangenen angetommeii, und es stellt sich heraus, datz man einen guten Fang gemacht hat: Zigeuner, die aus einem Arbeitslager entwichen sind und seit Tagen die Gegend unsicher machen mit Diebereien und Räubereien auf Einsiedelhösen und abgelegenen Gehöften. Sie werden vorläufig im Gemeindehaus hinter Schloß und Riegel gesetzt, da kann sie der Gendarm dann weiter ins Verhör nehmen. Für die Männer der Landmacht aber ist die Sache damit erledigt. Sie streben eilends ihrem Tagwerk zu. Polizeiberichter Werner Gilles

— SBer ist der Radfahrer? Am 19. Jun- gegen 19.30 Uhr wurde eine (VuBgängcrin beim Überschreiten der Rheinftratze. in Höhe des Radfahrweges, zwischen Kirchgasse und Moritzstratze von einem Rad- taJjrer angefahren und verletzt. Eine Krankenschwester soll den Namen des Radfahrers notiert haben. Die Anschrift des Radfahrers, die der Verletzten von der Krankenschwester übergehen wurde, hat sich als unrichtig herausgestellt. Die Krankenschwester wird gebeten, sich um= Sehend bei der Verkehrspolizei, Lu isenstratz e Nr. 35, Zimmer 15, zu melden. Desgleichen wird der Radfahrer erfudit. wegen bes Unfalles sich umgehend bei der Verkehrspolizei zu melden.

— Unfälle. 'In der 9lftgafie wurde ein Arbeiter von einem Eis- wagen-truhrwerk erfaßt und überfahren. Er erlitt schwere Fußauek- ichungen und mußte ins städtische Krankenhaus transportiert werden. — Beim allzu wilden Spiel.rutschte ein Junge aus und fiel die steinerne Treppe, die zu den Abortanlagen führt, hinunter. Das Kind erlitt eine Gehirnerschütterung sowie Kinnverletzungen und wurde sofort zur Scknikätswoche getragen, die den Verunglückten ins städtische Krankenhaus brachte.

Arbeite-, Straßen-, Sport-, Hausschuhe, Gamaschen, Schaff-, Mersch- und Arbeitestiefel aus Leder, Gummi oder Stoff werden xu Arbeitsschuhen für die Schaffenden der Heimat und zu Aus- rustungsgegenständen für die Front verarbeitet. Heraus mit den alten Schuhen, die nutzlos in den Schränken und Kästen liegen und für den Eigentümer selbst keinen Wert mehr haben zur SPINNSTOFF- UND SCHUHSAMMLUNG 1943

VOM 23. MAI BIS 12 JUNI

brüchig, aber immerhin noch da. Und so zeitigte der Aufruf zur erst- j maligen Schuhabgabe ein Über Erwarten gutes Ergebnis bereite i in den ersten Tagen. Es türmen sich geradezu die mehr oder weniger 3 gut erhaltenen Schuhe, paarweise zusarnmengebunden, je,nach ihrer Be-z schasfenheit der Verwendung harrend. Dank umfangreicher Versuch-1 und Vorarbeiten tst es garantiert, daß die erhaltenen Rohstoffe voll 1 ausgewertet werden daß notwendige Reparaturen gut und schnell ven j sich gehen, um für Wehrmacht und Arbeitskräfte der Rüstungsbetrieb, 1 angefordertes Schuhwerk bereit zu haben. Besonders erfreulich ist csl natürlich, wenn noch gut erhaltene, ohne weiteres verwendungsfähigc Schuhe gebracht werden. Co hatten wir beispielsweise herrlich-derbe Skistiefel in der Hand. Reitstiefel und pelzgefütterte Schaftstiefel, di> eine alte Dame hingab. deren Sohn gefallen,wir'sahen genagelte Wanderschuhe, die wohl manche schöne Bergtour hinter sich gebracht, haben, Schlittschuhstiefel. — alles besonders wertvolle Gaben, von denen ihre Besitzer sich gewiß nicht immer ganz leicht getrennt haben Aber die kluge Einsicht, daß cs z. Z. wichtiger ist, das Entbehrliche ab­zugeben für den allgemeinen Nutzen und Bedarf, zerstreute die Er Wägungen, daß man vielleicht später diese Schuhe selbst noch einmal hätte gebrauchen können.

Das war ein lebhaftes Kommen und Gehen auf allen diesen Sammelstellen; die Eebefreudigkeit der deutschen Volksgenossen über­steigt wieder einmal die Erwartungen! Darum immer weiter gut nachgeschaut in Mansarden und Schranken, in allensikcken und Schub , laben. — nichts ist zu gering und schadhaft als datz cs nicht noch seine' gute Verwendung finden würde. Es kann alles ausgewertet werden 1 in welchem Zustand es auch sei./

Spinnstoff- und Schuhsammlung in Wiesbaden

Rekardergebnis, das nach ständig steigt

Wir nahmen Gelegenheit, verschiedene Sammel st eilen in unserer e t a b t aufzusuchen und können nun von einem geradezu Rekord-Ergebnis berichten, das bereits in den ersten 10 Tagen 3U verzeichnen ist und sich immer noch steigert, wie uns ein kurzer Äusenthalt belehrte.

Das deutsche Volk hat verstanden, um was es geht, daß Oofer ge­bracht werden müsien und daß andererseits aber auch alles Alte, alle Reste zur weiteren Verwertung abgegeben tperden können und müssen. Spinnstoff und Schuhe, bzw. Ledersachen! Dies Gebiet ist groß und umfaßt sehr, sehr vieles was an Gegenständen aller Art in einem Haushalt vorhanden ist, was zur täglichen Lebensführung gehört. Und so finden wir auch unter den zu Bergen sich türmenden abgegebenen tathen, — von allen Sammelstellen inußten bereits mehrmals die Be­stände in die Auffanglager abgeführt werden — die verschiedensten Dinge, — alle mit gebefreudigem Herzen gebracht, alle gespendet, um damit helfen zu wollen. Mit Undicht und Fleiß walten die freiwilligen Heilerinnen und Helfer ihres Amtes: — sortieren, zählen, bündeln zur Weiterleitung. Durch viele prüfende Hände geht jedes Stück, ehe es seiner zweckmäßigsten Bestimmung, seiner Auswertung zugeführj wird.

Da liegen hohe Stapel von Flicken und Lumpen, alte Handschuhe, Strumyflängen, weiße Herrenkragen, Ledergürtel. Sosaktssen, Eardinenrestc und dergleichen. Aber auch gut erhaltene Kleidungs­stücke gibt es in Mengen, ausgewachsene Kinderkleider. Lodenmäntel, Wollröcke, Blusen, verwaschene Dirndl; voller Stolz werden uns einige besonders schöne Stücke gezeigt, aus einem Nachlaß stammend, ein sehr gut erhaltener Herrenanzug mit 2 Hosen, ein tadelloses Wollkleid, ein schöner schwarzer Damenmaiitel und so fort.

Da die Schuhbestände weder in Friedens- noch Kriegszeiten ein­mal abgesammelt sind, war statistisch zu errechnen, daß viel altes Schuhwerk vorhanden fein mußte, abgetragen, zu eng geworden,

Santtätöhelfennncn der Luftwaffe!

In steigendem Matze werden grauen auch bei der Wehrmacht eingesetzt, um Soldaten für den Fronteinsatz freizumachen, Line be- besonders dankbare und fesselnde Ausgabe erwartet jünge Frauen und Mädchen im Sanitätsdienst der Lustwaffe.

Die Luftwaffen-Helferinnen im Sanitätsdienst, kurz San-Hel- '• ferinnn genannt, werden zu einer 2—3' Monate dauernden j Sonderausbildung zusammengefatzt, um später in den Krankenrevie- | rett und Lazaretten der Luftwaffe eingesetzt zu werden.

Die Ausbildung ist sehr vielseitig und umfatzt alle Verrichtungen, ] welche für den Sanitätsdienst in Frage kommen. Zum Dienst in'ber Behandlungsstunde und auf der Krankenabteilung kommt hier die Einführung in die laufenden Arbeiten im Laboratorium und im Geschäftszimmer. Alles in allem eine anregende und vielseitige Tätig­keit im Dienst unserer Soldaten, bei der cs ebenso auf einen klaren , Kopf wie auf flinke Hände und nicht zuletzt auf cirr warmes Herz , ankommt. ,

Die San-Helferinen werden gemeinsam mit den im Nachrichten- n dienst, bei der Flak usw. eingesetzten Lw-Helferinnen in den Flieger- | horsten, bei Abteilungsstäben usw. untergebracht.

— Wiesbadener Gerichtsurteile. Zwei ausländische Arbeiter dran- l gen verschiedentlich in ein Bootshaus ein und stahlen eine Paddel- boothaut und verschiedene andere, zum Teil unerietzliche Gegenstände, bte sie weiterveräußerten. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Ein- steigdiebstähle raffiniert und mit großer Unnerfroreiffieit durchgeführt : wurden. Das Gericht erkannte auf Zuchthausstrafen von einem Jahr ftchs Monaten im einen und zwei Jahren im anderen Fall. Die er­littene Untersuchungshaft wurde ansterechnet.

Ein tapferer Mainzer Offizier

Generalleutnant Freiherr von Thüngen erhielt da» Ritterkreuz

NSG. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehr­macht hat, wie bereits berichtet, dem aus Mainz gebürtigen Generalleutnant KaA Freiherr von Thüngen, Kommandeur eine Panzer-Division. mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreu­zes für feine erfolgreiche KamvffLhrung in her Winterschlacht um Drei ausgezeichnet.

An dem Schreibtisch des Generalleutnants hatten noch vor kur- zem die Panjebauern gesess-m und ihre Mahlzeiten eingenommen. Ein Stück dunklen Stoffes, das über die Platte gebreitet und mit Heftzweckeu sorgfältig befestigt war, Schreibgerät und ein paar Schriftstücke gaben dem Tisch nun ein büromäßiges »Aussehen. Es stan­den ein paar Stühle und cir Klapptisch aus dem Befehlsomnibus für die Besprechungen mit den Offizieren des Stabes in der Stube mit den üblichen kleinen Fenstern. Die Decke und die Wände waren mit alten, umgewendeten Karten beliebt. Auf diese Weise hatte sich bet Raum wenigstens soweit erhellen lasten, daß man bei Tage an ben ringsum aufgehängten Meßtischblättern die Stellungen der Trup­penteile des Frontabschnittes ohne besondere Mühe erkennen konnte. Das war das Sencralsauartier, von dem man, zuvor den Posten er­blickend, sich eigentlich doch etwas mehr versprochen hatte!

Hinter seinem Schreibtisch sitzend, erzählt der General: „Rußland habe ich wie die meisten von uns im ersten Weltkrieg tennengelernt. 3d) kam 1917 als Oberleutnant und Ordonnanzoffizier ins Ka­vallerieregiment an den Stochot unb machte den damaligenVormarsch tm Süden mit, über Charkow, Rostow, Taganrog, über die Krim bis tn ben Kaukasus. Nun, es war damals noch ein buntes Land, in bem bie meisten recht gut in ben Tag hineinlebten, ein Land mit einer Fülle der verschiedenartigsten Menschentqoen, und man war ast verwundert über bie geradezu fantastischsten Gegensätzlichkeiten unter den vielen Völkerschaften des Zarenreiches.

In diesem Kriege wurde ich nun als General im mittleren Ab­schnitt der Ostfront eingesetzt. Nur noch bie Landessprache hat mich an bie Menschen unb an bas Leben von damals erinnert. Beide Male hatten unsere Soldaten zuvor im Westen, in Frankreich ge kämpft. Der Gegensatz zwischen bem Ostei> unb dem Westen, von dem wohl die meisten Kameraden ein Lied zu singen wisten, hat sich erst in diesen 25 Jahren so verstärkt, daß man von zwei verschiedenen Welten sprechen muß.

Das spürt, meine ich, jeder von uns und erkennt darin bie uner­bittliche Notwendigkeit des Kamvjes, in dem wir heute stehen Wir Soldaten an der Ostfront sind die lebendige Grenze des Reiches. Was Deutschland ist, und was es uns bedeutet als Welt, in der zu leben sich lohnt, das wissen wir im Osten am besten, wenn wir bloß unsere Quartiere ansehen, die Erabenstellungen, die Bunker, die Unter« hie Panjehütten, die Menschen hier und die Lebensver- haltnige jeglicher Art, und wenn wir dann an die Heimat denken, an unser Zuhause! Das haben wir hier am Mittelabschnitt am stärk­sten verspürt, aber ohne Zeit zu haben daß man ein Wort darüber fagen konnte in den Monaten der Kämpfe der harten Winterschlacht um Drei, als wir ben nicht endenwollenden Ansturm der Sowjets immer wieder auffingen und zurückschlugen, als wir zu unserem Teil der Schutzwall der Heimat waren.“

3n dem von vielen Limen des Lebens gezeichneten Gesicht des noch nicht fünfzigjährigen Generals bleibt der Blick an feinen Augen haften. Es steht in ihnen viel Güte und Ernst, und man denkt an den

des Generals, vor allem bei seiner allen Panzerdivision, dak er in einer besonderen Weise ein Herz für seine Soldaten habe, und day ihm die Herzen seiner Kämpfer gehörten. Er verlange zwar von seinen .truppen das Höchste im Einsatz, verkenne jedoch niemals die Grenzen menschlicher Kraft. Selbst in den Stunden der Krise habe er [ie einäuhaltcn gewußt. Dies sei das Geheimnis seiner soldatischen Leiitung. als es ihm in b.-t Winterichlocht um Drei gelang mit (einer Division unter fast unerträglichen Belastungen den Flanken­

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schütz unserer Armee' durchzuhalten, und damit einen entscheidenden Beitrag für den Abwehrerfolg zu erkämpfen. Die Dvfer, die der ) General in. diesem Kriege für Deutschland selber gebracht hat — cs fielen 1941 und 1942 seine beiden Söhne, einer nach seiner fünften ! Verwundung, und ein künftiger Schwiegersohn — mögen seinen eigen]djaften, seiner Bereitschaft zum Verständnis und seiner Güte, i sowie seiner klarsichtigen Härte, ohne die keiner von uns im Dftcn : - vor allem kein Truppensührer, bestehen kann, die große Reife ge- i geben haben.

Der General beendet bas Gespräch: „Wir haben schwere Wochen hinter uns. Wir wissen nicht, was uns bas späte Frühjahr oder der . Sommer an Ausgaben bringen mögen. In diesen Wochen ist uns eine Zeit begrenzter Ruhe gewährt. Wir nutzen sie aus jede Art zur Vor­bereitung auf das. was kommen mag. Gerade jetzt mag jeder Ka­merad sich hier mit offenen Augen Land und Leute immer wieder ' , aniehen unb bann an bie Heimat benten. an alle Werte unb Güter unserer Herzen und unserer deutschen Kultur, damit er weiß Ab suhlt, wofür er im Osten an der Front steht, bereit zur Verteidigung 1 ober zum Angriff, was nun die kommende Stunde von uns verlangen mag. Gerade jetzt möge, so meine ich» jeder Kamerad noch einmal auf das klarste bedenken und sich Rechenschaft darüber ablegen,, wa- - , rum er hier für bas Reich und die Heimat im Einsatz steht. Das ""i wollen Sie von mir den Rameraden sagen, vor allem denen niemer lieben alten Panzerdivision, mit denen mich für alle Zeiten so viele 1 Erlebnisse verbinden, als deren Kommandeur ich für sie alle die i , ausäetWnung bcs Ritterkreuzes erhielt, unb bie Vorbildliches ge- 1 tltl bon, zuletzt in den uns unvergeßlichen Wochen her Winker- 1 schlacht!" Kriegsberichter Christian Diederich Hahn

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