Seite 2 Nr. 129
Wiesbadener Tagblatt
Freitag, 4. Juni 1943
. 1257 Sowjetflugzeuge im Monat Mai vernichtet
m ^nördlSSTÄ« er * im »i8«~ F ,d""ter abge schaffen — Luftwaffe bekämpfte den sowjetische» Rachschubverkehr — a,Sn ®,9mcer zwei Bewacher versenkt - Kampfflugzeuge versenkte» -or Kap B-q ein Handelsschiff
Oer italienische Wehrmachtbericht
Rom, 4. Juni (Funkmeldung). Der italienische Wehrmachtbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:
Dao Hauvtouartier der Wehrmacht gibt bekannt:
Lor Cap Son (Tunesien) griffen deutsche Kampfflugzeuge am spaten Nachmittag des 3. Juni «inen Seleitzug an. Sie versenkten «inen Dampfer und setzten einen zweiten in Brand.
Die feindlich« Luftofsensive gegen di« Insel P a n t« l - lerra ging werter. Zwei weiter« Flugzeuge wurden in Luftkämpfen o»n italienischen und deutschen Jägern abgeschoffen.
Bomben- und MG-Angriffe feindlich«« Flugzeuge auf die K ü st t n M a l ab r iens und Sardiniens forderten einige Opfer und riefen Schäden von geringer Bedeutung hervor.
Schnelle deutsche Kampfflugzeug« griffen «inen feindlichen Se- >ug im Seegebiet vor Kap Bon an. Sie versenkten ein Handels- f und warfen ein zweites in Brand.
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• 5m Monat Mai wurden an der Ostfront 1257 feindliche l » g 3 e u 9 e vernichtet. Im gleichen Zeitraum gingen
143 eigene Flugzeuge vevloren. s 8
Finnlanö feiert den Geburtstag Manuerheims
,, Helsinki, 4-, Suni. (Funkmeldung.) Der 76. Geburtstag des Mar- schalls Mannerheun wird am Freitag in aller Stille gefeiert. Der offizielle Flaggentag der finnischen Wehrmacht wurde bekanntlich im vergangenen Sahr durch einen Erlaß der Regierung auf diesen ^ag Erlegt und wird ebenfalls in schlichter Form begangen. Sn der Hauptstadt und im ganzen Lande haben alle öffentlichen und privaten Gebäude reichlich Flaggenschmuck angelegt. Die Schulen und vaterländischen Organisationen werden im Lause des Tages kurze Feierstunden abhalten. Die Presse hat dieses Tages bereits gestern gedacht.
Britische Gemeinheit und spanischer Edelmut
Madrid, 3. Suni. Wie aus Pontevedra gemeldet wird, bootete m arn, nach Marin zurückgekehrte spanische Fischdampfer
„Loonite Jtuneg ‘ einen Tote» seiner Besatzung, sowie sechs abgeftürz- te englische Flieger aus. Der spanische Fischdampfer wurde von einem n. "lugzeug mit Maschinengewehrfeuer angegriffen, wobei das -l Sahre alte Befatzungsmitalred Benito Sobreira getötet wurde. Infolge dieses Angriffes entschloß sich der Kapitän zur Heimfahrt.
.e8 er kurz nach dem Angriff auf ein Schlauchboot, in dem sich fCRS Besatzungsmitglieder eines über dem Meer abgeschossenen eng- lsich^n pslugzeuges befanden. Trotz des feige* Angriffes eines britischen Flugzeuges auf den Fischdampfer nahm der Kapitän die Britey «n Bord. Sm weiteren Verlauf der Heimfahrt wurde der Fischdampfer nochmals von einer englischen Flugzeugstaffel angegriffen, die die Beschießung erst einstellte, als die an Bord befindlichen Engländer durch abgegebene Zeichen die Einstellung des Angriffes erbaten. Die Bevölkerung ist über den neuen britischen Übergriff äußerst empört und gibt offen der Absicht Ausdruck, daß angesichts der gemeinen britischen Handlungsweise abgestürzte englische Flieger es nicht verdient hatten, von spanischen Schiffen gerettet zu werden.
Oer erste Schlag gegen Tschungking
Tokio, 3. Sunt. Die japanischen Operationen am nordwestlichen User des Tungtingsees südlich des Sangtseflusses bilden, so schreibt der militärische Sachverständige der Domei, den ersten Schlag gegen das Verteidigungsbollwerk' Tschungkinzs westlich von Stchang, das Tschungking für uneinnehmbar betrachtet hatte. Das Unternehmen hat Tschunakings „uneinnehmbare" erste Verteidigungslinie in der Zeit von 14 Tagen zerschmettert und das große Eetreidegebiet in Nordhuan und Südhupeh unter die Herrschaft der Sapaner gebracht. Die im Gang befindliche Schlacht erstreckt sich über eine Front von mehr als 300 Kilometer und reicht mehr als 100 Kilometer in das von Tschungking beherrschte Gebiet hinein; sie führte zur Demoralisierung aller feindlichen Verbände, die eine Stärke von mehr als 120 000 Mann haben. Die Truppen gehörten zu Eliteeinheiten.
Massendemonstration hungernder Inder
Genf, 3. Suni. Aus Madras wird am 26. Mai gemeldet, daß es in Vizagapatan zi^ Massendemonstrationen der hungernden Bevölkerung gekommen ist. Es war in der Stadt bekannt geworden, daß 20 000 Tonnen australischer Weizen angekommen seien, die an die hungernden Masten zur Verteilung gebracht werden sollten. Es stellte sich aber sehr bald heraus, daß von diesen 20000 Tonnen nur 4000 Tonne n für die, Bevölkerung der besonders hungernden Gebiete in den Zentralprovinzen und in 'Madras bestimmt waren. 16 000 Tonnen wurden von der britisch-indischen Regierung sofort der Armee zur Verfügung gestellt. Die empörte Bevölkerung konnte nur mit schwerstem Polizeiaufgebot auseinandergetrieben werden.
Auch in der Nordwestgrenzprovinz kam es zu Aufständen unter "der Bevölkerung, die ein scharfes Eingreifen der Regierung gegen die Hamsterer forderte, da durch die Masseneinkäufe der wohlhabenden Kreise und durch den Schwarzhandel die Nahrungsmittelpreise in unerschwingliche Höhen getrieben würden.
Äönigstotau vor dem internationalen Judentum
Rgucs britisches Kriegsziel:
BI’D. $ic unlösbare Verfilzung auch der britischen Krone mtt den iüdisch-sreimaurerischen Weltverfchwörern tst soeben durch eine sensationelle Veranstaltung der Eroßlogen von England erneut unter Beweis gestellt'worden. Der englische König erschien plötzlich auf einer Sitzung der Vereinigten Eroßlogen, in London, wo er schon einmal den Rang eines Großmeisters innehatte, um dort als neuen Großmeister seinen Schwager den Earl o f Harem ood einzusühren. Der Letztere ist der Logennachfolger des verstorbenen Herzogs von Kent, der bis zu seinem Tode den Posten des Großmeisters der vereinigten britischem Logen bekleidete. Während der Logentätigkeit des Herzogs von Kent war Lord Harewood als stellvertretender Großmeister tätig. Seine jetzige Einführung durch den englischen King wird in den Zeitungen als eine Besonderheit bezeichnet, da er seit 1874 der erste englische Logengroßmeister sei, der nicht unmittelbar königlichen Geblütes wäre.
Die Hosberichte über den in großem Rahmen inszenierten Logen- befuch des King überschlugen sich natürlich in Lobpreisungen der indischen Freimaurerei. Man erzählte, in blumenreicher Sprache, daß der König von großem Gefolge begleitet war und bei Betreten der Loge mit Fanfarenstößen begrüßt wurde. Nachdem die Einsührungs- feierlichleit stattgesunden hatte, wobei der König selbst als oberster englischer Freimaurer fungierte, las er eine Rede ab, deren politischer Charakter unzweifelhaft war. Er beklagte, daß in gewissen Län- dern die Freimaurerei aufgelöst worden sei und bezeichnete dies als eine „traurige Phase" in der Geschichte der internationalen Logentätigkeit. Er verfehlte jedoch nicht hinzuzufügen: Sobald es die Umstände erlaubten, würde die englische große Mutterloge jederzeit freudig ihre Hilfe anbieten, wenn die Freimaurer- Logen „auf der ganzen Erve wieder hergestellt" würden.
Es erübrigt sich den bombastischen Unfug dieser neuerlichen Verbrüderung des englischen Königshauses mit der Sudenfreimaurerei weiter im einzelnen zu schildern. Als politische Dokumentation kommt ihr int gegenwärtigen Augenblick jedoch eine besondere Bedeutung zu. Gerade in der letzten Zeit richteten sich die Augen aller politisch tätigen englischen Logen immer stärker nach den USA, wo Roosevelt als Hochgradbruder immer öffentlicher seine enge Verbrüderung mit dem Logentum herausstellt. Die amerikanischen Logen, die sich fast ausschließlich in den Händen der Juden befinden utto deren unheilvolle Macht und wüste Kriegshetze eine der Hauptursachen
Wiederherstellung der Logen in alle« Welt
dieses von den Süden inszenierten und weiter getriebenen Krieges war, gewannen dadurch in der Freimaurerbewegung einen wachsenden Einfluß. Er trat besonders bei den imperialistischen Exvansions- plänen des Weißen Hauses und bei der langsamen Kaltstellung Englands in seinen Dominien wie z. B. in Kanada, Australien und Neu- Seeland in Erscheinung.
Mit der jetzigen Londoner Logenkundgebung, zu der der englische König als willige Marionette herhalten mußte, wurde von den Engländern der. Versuch unternommen, diese unliebsame Entwicklung hinter den Kuliffen der jüdisch-plutokratischen Freimaurerei im bri- tischen Sinne ju beeinflussen. Man meldete gewisser- maßen gegenüber den Amerikanern die „älteren Freimaurerrechte" des englischen Königshauses ttn und wiegte sich dabei in der Hoffnung, daß dieser englische Königskotau vor dem Sudentum bei den Freimaurerlogen auf der ganzen Erde auch den gebührenden Beifall finden würde. Der neue Logenzirkus in London gehört deshalb in sie Reihe jener verzweifelten britischen Bemühungen, sich xiet immer stärkeren Vorherrschaft der USA auf allen Gebieten der internationalen Kulissenschieberei zu erwehren. Er stellt also eine Art von Verzweiflungsaktion dar, die nicht gerade für die Solidität der immer stärker abbröckelnden englischen Machtstellung zeugt.
Sm übrigen ist beachtlich, daß zu den viele* Kriegsvrogrammen unserer Feinde jetzt auch das vom englischen King proklamierte Logen- vrogramm einer „Wiederherstellung der Freimaurerei" tritt. Das ist vom Eesichispunkt der britischen Emvirevrovaganda durchaus »u »er- stehen. denn gerade in den von Süden beeinflußten Freimaurerlogen hatten die Briten Sahrzehnte hindurch willige Werkzeuge für die Unterdrückung aller nationalen Freiheitsbewegungen in Europa. Dieses Sviel möchte man gern fortsetzen. Daß dadurch die Richtigkeit radikaler Ausrottung des Logenunwesens auf dem Kontinent durch die Achsenmächte jetzt auch durch die Briten bestätigt wird, scheint den englischen Logenjuden und ihren Agenten nicht einmal eingefallen zu sein. Sie haben aber erreicht, daß die unlösbare Verbindung der englischen und amerikanischen Machthaber durch die Londoner Logenkundgebung jetzt auch den Blindesten zum Bewußtsein kommen muß. Die Freimaurerei ist und bleibt ein Werkzeug des Judentums und der Plutokraie. Ihre Vernichtung auf dem Kontinent hat bereits zahllose trübe Kanäle der Beeinfluffung und Hetze verschüttet. Der deutsche Sieg wird auch in Zukunft eine Wiederkehr dieser Snstitute genau so verhindern wie eine Erneuerung und Ausbreitung der jüdischen Weltdiktatur.
Der Bandenkrieg
Von Oberstleutnant a. D. Senat»
Sn den letzten Wochen lasen wir zu wiederholten Malen in den Berichten des deutschen OKW von erfolgreichen Heeresstreifen gegen Banden im Hinterland der O st f r o n t und auf dem Balkan Auch in den Wochenschauen sahen wir Bilder von ihrem ' Verlaus. Bei einem derartigen Streifzug sind z. B. 74 Lager mit 370 Wohnbunkern und 157 Kampfstätte« genommen und zerstört und große Vorräte an Lebensmitteln, Munition und Kriegsgerät aller Art erbeutet worden.
Wiederum sind wie im Weltkrieg die ausgedehnten und schwer zugänglichen Wälder und Sümpfe im Nord- und Mittelabschnitt des Hinterlandes an der Ostfront die bevorzugten Schlupfwinkel der Banden. Auf dem Rückzug abgeschnittene Truppenverbände entlaufene Kriegsgefangenen, fanatisierte Einwohner bilden ihren Kern; allerlei auf Raub und Plünderung bedachtes Gesindel findet sich hinzu. Das Flugzeug bietet der bolschewistischen Heeresleitung die Möglichkeit, die Banden durch Ah springen und Ab fetzen von Fallschirmjägern zu verstärken und sie mit Waffen, Munition und Kriegsgerät zu versehen, der Funk, ihre Bewegungen zu leiten. Bei der Länge der Nachschubstraßen und der Weitmaschigkeit des Sicherungsnetzes fehlt es nicht an günstigen Ansatzpunkten, zumal die Banden in der durch Luft- und Funkpropaganda aufgehetzten Bevölkerung oder durch blutigsten Terror Helfer finden, die sie über die deutschen Schutz- und Gegenmaßnahmen auf dem Laufenden halten.
An der Spitze bei Banden stehen meist Agenten, die für den Kleinkrieg besonders geschult, mit Weg und Steg vertraut und von keinerlei Bedenken beschwert sind. Shre Angehörigen sind Männer, die — außer dem Leben — nichts zu verlieren haben und die an Wetter- unbilden des Ostens gewöhnt, von ihrem Räuberdasein sich nur Vor» teile versprechen.
Der Bandenkrieg stellt das Hinterland vor ganz neue Ausgabe« die Sicherung der Städte und Dörfer, des Verkehrsnetzes, in Sonderheit der Kunstbauten, der Flugplätze, der Verpflegungs- und Munitionslager und.anderer lebenswichtigen Anlagen muß sorgfältig durchdacht und vorbereitet fein.- Das idyllische Bild des Landsturmmannes, der — seine Pfeife schmauchend — an einer Eisenbahnbrück« Wacht hält, paßt nicht in die Wirklichkeit des heutigen Ostkrieges. Seiet Posten muß Tag und Nacht auf der Hut fein, muß gewärtig fein, sich mit der Waffe selber seiner Haut zu wehren., Sicherungsabteilungen muffen in Alarmquartieren bereit gehalten werden, um in kürzester Zeit an von Banden bedrohten Punkten «ingreifen z» können.
Ein rein passives Abwehrverfahren wird aber nie zu einer restlosen Beseitigung des Bandenunwesens führen. Es kann nur.durch rücksichtslosen Angriff, durch Ausräumen feiner Schlupfwinkel, durch Zerstören seiner Hilfsquellen ausgerottet werden. Hierzu bedarf man einer gut geschulten und gut disziplinierten kampfkräftigen Truppe, wie wir sie im Osten in erster Linie in unseren Polizeieinheiten besitzen. Neuzeitliche Kampf- und Verkehrsmittel werden ihr dabei von großem Nutzen fein. Flugzeuge werden ihnen Aufschluß über die Lage der Verstecke und Stützpunkte der Banden geben und sie mit Bombenwürfen und Maschinenwehrfeuer im Kampf unterstützen. -Panzerwagen und gepanzerte Mannschaftstransporte werden sie über jedes Gelände hinweg verhältnismäßig ungefährdet gegen Feueiüber- fälle aus dem Hinterhalt an die feindlichen Widerstandsnester herantragen. Granat- und Flammenwerfer, Handgranaten und geballte Ladungen werden ihnen das Knacken und das Ausräuchern der Bunker erleichtern. Funk und Draht werden das Zusammenwirken weitauseinander operierender Einheiten sicherstellen. Die neuzeitliche Einkreisungstaktik kehrt im Kleinformat wieder. Sn weitausholenden Umfassungsbewegungen werden die Banden von allen Seiten angepackt, in planmäßigem Durchkämmen des Geländes auf engstem Raum zusammengedrängt und durch die schweren Waffen aus der Luft und von der Erde vernichtet. Die von den Banden terrorisierten und dem Bolschewismus abholden Teile der Bevölkerung werden der Kampfführung wichtige Fingerzeige geben und der Truppe vielfach als Führer dienen.
Der Bandenkrieg stellt an die Voraussicht und Umsicht bei Führung, an die Einsatzbereitschaft und Kampftuchtigkeit bei Truppe hohe Anforderungen. Er ist nicht ärmer an Erfahrungen, Mühen und Entbehrungen als bei Kampf an der Front. Wenn er aus ben OKW- Berichten hervorgeht, so kann die Heimat unb die Front ben in ihm kämpfenden Männern nicht dankbar genug fein.
200 Waggons Heil- und Teekräuter geerntet
Sm Ärztehaus der Eauhauptftadt fand eine Tagung der Eauabteilung RfH. (Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenbeschaffung) im Amt für Volksgesundheit unter Beteiligung von zahlreichen Vertretern von Partei, Staat, Wehrmacht und Wirtschaft statt. Durch den Bienenfleiß zahlloser Kinder und die Einsatzbereitschaft der Erzieherschaft des Gaues Heffen-Naffau und bet Formation der Hitlei-Sugend konnte ein überaus günstiges Ergebnis erziehlt werden. Es wurden im vergangenen Sagte geerntet: 382 000 Kilogramm trockene Heil- und Teekräuter (entsprechend 200 Eisenbahnwaggons), wovon auf den Gau Heffen-Naffau rund 317 000 und auf den ©au Kurhessen 65 000 Kilogramm entfallen, 38 000 Kilogramm frische Kräuter, 107 000 Kilogramm frische Wildfrüchte. 70 000 Kilogramm Bucheckern, 70 000 Kilogramm Roßkastanien. Der Gau Heffen-Naffau hat damit feine Leistung im Sagte 1942 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht und steht an der Spche der besten Reichsgaue. Dieses ausgezeichnete Ergebnis konnte Gausachbearbeiter Ripperger in einem abschließenden.Leistungsbericht melden. Anschließend sprach im Auftrag des Reichsapothekerführers und Leiters bet RfH. Bezirksapotheker- sühter Pharmazierat Zenet allen an diesem Erfolg beteiligten Stellen insbesondere den Kreissachbearbeitern unb ben vertretenen Partei- und Behördenbienststelleit für die stets bewiesene Unterstützung der Arbeit Dank und Anerkennung aus.
Kleines Drama auf einem SLeinsockel
Von Paul Eippe«
An einem Sonntag ging ich durch den Park von Rheinsberg, und weil dicke Gewitterwolken das Firmament ernennten die Atmung durch Schwüle erschwert war, setzte ich mich auf halber Anhöhe ins Gras, sah zum See hinunter und erwartete das Gewitter.
Da bemerkte ich eine kleine dunkle Ameise, rückwärtsgehend am Boden. Das heißt, Metst sah ich einen schwarzglänzenden, schmalen Bockkäfer, der ruckweise zwischen den Grashalmen sich bewegte. Der Zusammenhang war so, daß die winzige Ameise sich am Kavs des Käfers festgebissen hatte unb ihre Beute hinter sich Herzog; ihre Beute, die gut achtmakgrößer war als sie. Vergessen war die atmosphärische Bebrückung, vergessen ber malerische Blick auf See unb Schloß; hier bot sich ein Schauspiel aus ben Herzkammern der Natur. Was wird, diese Ameise alles unternehmen in der nächsten Stunde?
Sch habe, noch zu erwähnen, daß ich — im Etase hockend — mich an einen behauenen Eranitblock lehnte. Auf dieser Parkanhöhe steht nämlich ein Ob«lisk, von irgend einem Fürsten zu irgend einem Gedächtnis errichtet. Die metallene Riesennadel wächst aus einem Stein-' fnnbament hoch, aus einem Sockel in brei Stufen, »eien jede vielleicht 35 Zentimeter hoch ist. Weil aber bej^ Grunbriß wohl mm Meter Länge hat. besteht bei Steinsockel aus einzelnen Eranitblöcken, bie zwar geglättet, aber doch vertikal aneinanbergefügt sinb.
Auf bie(e Steinroanb zielte bei Weg ber Ameise, ein schnurgeraber Weg, trotzbem bas Tier rückwärts ging unb sich niemals urngedreht .hat. Run war bas Ziel erreicht, hanbhreit links von meinem ange- zogenen Knie stieß bie Ameise auf bas senkrecht hochsteigende Hindernis.
Wer nun glaubt das Snsett sei erschrocken, als seine Hinteren Füße den Stein berührten, der int sich. Ohne eine Sekunde zu zögern, ging bie Ameise weiter, nut baß bie Richtung jetzt nicht mehr in bei Ebene lag, sondern beigauf ging. Wollen mit einmal überlegen! Die Ameise ist bestenfalls drei Millimeter lang; ber erste Eranitsockel 35 Zentimeter hoch, so baß das Tier etwa die hundertzwanzigfache Länge seines Körpers zu erklimmen hat. Aber nicht allein, denn die Ameise denkt nicht daran, ihre Beute loszulassen. Deshalb muß sie auch ihre Äletter- tour rückwärts unternehmen.
Noch eine rechnerische Betrachtung- Der Käfer, mindestens zwei Zentimeter lang, hat für Ameifenoethältniffe ein starkes Gewicht. Und wenn wir uns die Sache in menschliche Relationen bringen, würde das heißen: du hast eine senkrechte Eebirgswand von 200 Meier Höhe zu erklettern, kannst dich zwar mit Händen und Füßen in den Sieinrillen anilaminetn, aber bu mußt bich kopfabwärts hochstemmen; denn mit ben Zähnen sollst du einen Sack von 15 Meter Länge festhalten, ber mit einem Breigemisch vollgestopft ist.
Man wird sagen, dieser Vergleich hinke; denn der Mensch habe nur zwei Hände und zwei Füße; bie Ameise jeboch sechs Beine. Und schließlich könne ber Mensch ja anderes leisten als die Ameise.
Gewiß! Sch vermag aber auch andere Beispiele zu nennen, immer zugunsten der Ameise. Als ich mit hem Zirkus reifte, erlebt ich das Kraftwunder der Traktoren, staunte immer wieder wie solch ein Zwerg oon Motor einen Käfigwagen mit fünfzehn ausgewachsenen Tigern spielend über aufgeweichten Lehmboden und durchs grabendurchfurchte Gelände zog. Aber wenn ich die Ameise als einen lebenden Traktor und den Bockkäfer als jenen Käfigwagen mir denke, so muß ich sagen, daß ein mechanischer Traktor weder vorwärts noch rückwärts eine senkrechte Mauer hinauskäme.
Die Ameise tat's ohne Atempause, obwohl — unb bas war geradezu schauerlich — etwa auf halber Höhe der Käfer sich plötzlich bewegte. Aber die Traktorameise rückte Schritt für Schritt bergan, unb als sie auf bem Absatz bes ersten Eranitblockes angelangt war, ließen ihre Kieferzangen los. Sie rannte um ben wieder reglos gewordenen Käfer herum, kletterte von hinten auf feinen Leib und verharrte dort für ein vaar Sekunden. Da zuckte ber Käfer noch einmal, streckte sich dann. Wahrscheinlich hat die Ameise Gift in ihn gespritzt.
Auch die zweite Etappe, wieder eine Eranitwand von 35 Zentimeter Höhe wurde bewältigt, ohne Zwischenfall, Weil bei Käfer reglos blieb, gönnte sich bie Ameise keine Erholungspause, erklomm bie dritte Wand, wieder senkrecht, wieder mit den Hinterbeinen voran, wieder den Käferkopf in den Zangen haltend.
Aha, dachte ich. die Ameise wird zu einem Staat gehören, der oben, wo um ben bronzenen Obelisken Gras wächst, seinen Gemeinschaftshügel hat. Doch warum muß biefe eine Arbeiterin ihr« Last allein schleppen? Warum kommt ihr kein Arneisenbruder zu Hilfe?
Hatte ich bisher nur eine Soloszene aus dem Ameisenleben gesehen, ein Duett bestenfalls, sollte ich nun auch den Chor kennenlernen. Denn plötzlich purzelten in großer Hast sechs, sieben, zehn Ameisen aus einem Spalt im Granit.
• Zunächst irrte ich mich, sah Planlosigkeit, wo schon treffliche Überlegung war. Denn zwei Ameisen verabreichten bem Käfer auf alle Fälle noch ein paar Eiftinjektionen; bie anderen schafften sich ebenfalls Arbeit, zwängten sich unter ben — für sie riesengroßen Leib bes Beute- tieres unb gaben ihm durch kaum sichtbare Hilfe die notwendige Richtung. Dann, wie auf ein Kommando, stießen alle zugleich den Käferkörper, ber fast wie mit einem Satz in bie Höhle hineinflog, das heißt, nur [ein^oof und Nackenschild; der Körper war zu dick für die Öffnung.
Ich würde diesen Berichr auf den Umfang einer stattlichen Broschüre bringen, wollte ich mit allen Einzelheiten die nun folgenden Geschehnisse erzählen.
Ursprünglich lag ber Käser auf dem Rücken; plötzlich schwankte er,
.drehte sich um [eine Längsachse, fag auf bem Bauch. Aber auch so ging er nicht durch ben Tunnel. Deshalb wieder zurück; ich sah wie alle Ameisen nach hinten zerrten, sich gegen den Boden stemmten, jo ihre langen Leiber krümmten. Kurz barauf bewegte sich bie tote Käfer- mässe in ber Art eines Uhrzeigers; statt mit bem Kopf voran, glitt nun ber Hinterleib des Käfers ins Ameisenloch — umsonst. Wieher Drehung auf ben Rücken, wieher Kopf voran. Das Unheimliche, ®e= svensterhafte, bas mir an jenem schwülen Auguftnachinittag Schauer auf der Haut verursachte, lag daran, daß ich die motorische Kraft der Bewegungen bes Käfers eigentlich nicht entdeckte, daß alle diese Verwandlungen aus sich selbst zu kommen schienen. Denn baß hie wirr durcheinander, krabbelnden zehn Ameisen, von denen immer wieder einige verschwanden, die Ursache seien, war nicht anzunehmen. Und doch bestätigte es mir die Logik meines Gehirns, folgerte ich weil ich la vorhin bas Heraufzerren sah.
Eine halbe Stunde dauerte nun schon ber Kampf um das Bergen der Beute. Da hatte eine Ameise sichtlich eine Erleuchtung sie biß ben
Fühler bes Bockkäfers ab, gleich darauf auch ben rechten. Weil diese Fühler bekanntlich sehr lan^sind, waren sie in ber Tat eine sperrende Hinderung. Nun fielen die Schattenstriche, eines nach dem andern die Beme des Kasers, fo daß nur noch bie eigentliche Walze seines Leibes auf bem Eranitvlateau lag
., 3ebn Ameisen rückten, mit allen Kräften unb ber halbe Käfer schnellte sofort in bte Hohle. Aber seine Leibesmitte war immer noch äu hick, her Transport gelang nicht, unb es muß befonbers schwer gc »eien sein, letzt bas festgeklemmte Tier wieher herauszustoßen. Fast sieben Minuten vergingen. 1
«.roat wie zu Anfang, stieg eine Ameise auf ben Rucken bes Toten unb begann, ben Kopf vom Leib bes Käfers abzu-
. Weil bas Gewitter in hiefem Augenblick mit einem tollen Platz- regen losbratb, mußte ich fliehen. Aber ich bin überzeugt, bie Ameisen gaben sich in her Vollbringung ihrer Arbeit keineswegs stören lassen.
Overn-Auftrag su« L. -o. Kaussmann. Der durch die in Straß- burg uraufgefugtte Over „Die Geschichte vom schönen Annerl" und einer Reihe oon Orchester- und Kammermufikwerken bekannt gewordene Straßburger Komponist Leo Justinus Kauffmann hat oon der Dresdner Staatsover den Auftrag für zwei Ooern erhalten Die eine bringt einen Stoff aus der Antike, die zweite soll einen modernen etotf zur Grundlage haben.
Di« heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten
f BuchdillSerci, OTIesbabtntr Icgbtalt Mc-baden. »liamttettung: Dr.vknt. babtl. Gustav Tchellcnberg unb Otto «atser >>aurt. schnstleitki: Friz Süntber. fämtl. in Wirsbabcn Zur Zru ist ‘Brcisnite Nr. 11 gültig '
