Einzelbild herunterladen
 

Seht 5h. 1«

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 2. Juni 1943

— Wiesbadener Nachrichten

Hie Strohsack — hier Empirebett

iEorauf soll der Landser denn schon träumen.

. b.em Bettenbau beginnt die soldatische Existenzform. Wie war mit stolz geschwellter Brust und einem be- scherdenen Pavvkofferchen deinen Einzug in die Kaserne hieltest — ettnnctft du dich noch daran? Bevor dir noch Uniform' und Stiefel verpaßt wurden, hielt der Rekrutengefreite schon einen durch An- !§^^^""Eerrtcht unterstützten Bortrag über die Wichtigkeit des Bettenbaues. Doch unter dem Ansturm der vielen neuen Eindrücke des ersten Tages vergastest du dann alle guten Lehren und am nächsten -Uiotgen hattest du andere Sorgen, als an den Bettenbau zu denken.

s.ch^kll Kapfkeil und Decken glattgestrichen, mit einer grostzügigen und überlegenen Geste gegenüber solchen dir nebensächlich et|6cinen= een Gepflogenheiten des Kasernenlebens. Du lieber Himmel, als du nach zwei Stunden wieder atemlos und nastgeschwitzt auf die Stube getagt kamst, dachtest du die Welt ging unter. War es nicht so? Der Spiest höchst persönlich trieb dir und den meisten Kameraden die großzügige Überlegenheit aus, mit Blitz und Donner und einem solch mörderischen Stimmenaufwand, Last ihr ganz klein und häßlich wurdet und den heiligen Schwur ablegtet, nicht zu rasten und zu ruhen, ehe ihr es nicht zur vollendeten Meisterschaft im Bettenbau gebracht haben wurdet. Inzwischen bist du ein alter Soldat geworden, hast nicht emen, sondern mehrere Feldzüge mitgemacht, doch dem Bettenbau ge­hört immer noch deine ganze Liebe und Sorgfalt, mag es sich nun um einen verwanzten Strohsack in einer Panjehütte handeln, oder um »reitausladendes Emvirebett mit Daunenkissen und seidenen StBdv- decken in einem feudalen Hotel an der Kanal- oder Atlantikküste.

Das Bett oder, genauer gesagt, die Schlasgelegeuheft steht nun einmal im Mittelpunkt des soldatischen Ledens. Schlafen ist genau so wichtig, wie essen und trinken und rauchen, manchmal must der Schlaf ja sogar alle diese drei angenehmen Betätigungsmöglichleiten ersetzen, jtein Wunder, dast der Soldat beim Betreten eines neuen Quartiers immer zuerst nach den Betten ausschaut und erst dann ganz zufrieden ist, und ans waschen und essen denkt, wenn er einen Platz gefunden hat, worauf er sich betten kann. Dieses Bett, die Ofenbank oder das Bündel Stroh richtet er dann mit loviel Liebe und Sorgfalt her. als ob er hier Wochen und Monate zu bleiben gedächte, wenngleich er meist ganz genau weist, dast es am anderen Morgen schon wieder weitergeht. Mit Zeltbahn und Decken baut er sich ein Lager, schlevvt

Bretter herbei, hatxt Nägel in die Wand, ruht nicht eher, bis et sich einen wohlabgegrenzten Bezirk seines persönlichen Daseins gesichert hat. Arn nächsten Morgen reist er dann alles mit eigener Hand und blutendem Herzen wieder zusammen, oergistt auch die Nägel nicht, die gerade igt Osten zu den kostbarsten Besitztümern zäblen, und beginnt am darauffolgenden Abend, wenn ihm das Glück einer Unterkunft zuteil wird, von neuem mit seinem Werk. Weilt die Truvve aber ein­mal längere Zeit an einem Ort oder bezieht sie Bunkerstellungen, dann schmückt der Soldat die Wand über seinem Bett mit Bildern, bringt Brettchen an und erfindet allerlei Vorrichtungen, die ihm den Aufenthalt auf seinem Lager noch erstrebenswerter machen, z. B. einen Kerzenhalter. Hat das Bett und der umgebende Bezirk allmählich Vollkommenheit erreicht, dann kommt der Abmarschbefehl. Der Soldat ist jedoch durchaus nicht von jenem falsch verstandenen spartanischen Geist beseelt, der ihm etwa befiehlt, sich vor das Bett zu legen oder einen Stuhl zu benutzen, wenn ein Sessel zum Ausruhen einladet. Kommt et also auf abenteuerliche Weise von dem Osten nach dem Westen, dann dehnt er sich behaglich unter der weichen Daunendecke, knipst die Nachttischlampe an und wieder aus, aus spielerischer Freude an dieser fremd.gewordenen Lichtauelle. Aber cs ist doch alles nicht das Richtige. Es ist alles »so fertig. Nichts bleibt ihm hier mehr zu tun. Noch nicht einmal .einen Nagel kann man angesichts der seidenen Tapeten in die Wand schlagen. Er seufzt und dreht sich auf die an­dere Seite. Wie scholl war cs doch in den Bunkern vor Leningrad Damals hakte er nur einen Strohsack als Bett. Jetzt liegt er in einem kostbaren Schlafmöbel aus dem Emoire, tja, so ändern sich die Zeiten. Das Emvirebett paßt nicht zu seiner Uniform, zu seiner Aufgabe. Er weih aber auch, daß dies nur eine Etappe ist auf dem Wege von Osten nach Westen. Morgen kann et schon in einem Bunker irgendwo an der Küste liegen, auf einem Strohsack und mit nackten Deckenbalken über sich, genau so wie im Osten. Heute aber ruht er noch unter einer seidenen Steppdecke. Also kostet er das Vergnügen aus. Wer weih, wiclange es dauert. Dem Empirebeit gehört seine schwärmerische Zu­neigung, dem StrohsqD aber seine treue Liebe. »

Kriegsberichter Werner v. Elsbergen.

Am kommenden Sonntag

Bei 6er Dritten Hausjämmlung des Kriegshilfswerkes für bes Deutsche Rote Kreuz denken wir daran, bog uns bet Führer zu einem ganz besonderen Einsatz aufgerufen hat und erwartet, da'g die Heimat sich im diesjährigen Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz selbst übertreffen wird.

Aus der Geschichte des Ium

Mit dem deutschen Kalendernamen heißt der Juni Brachmonat »der Brächet. Und diese Bezeichnung schreibt sich daher, daß das Feld, das in der Dreifelderwirtschaft unbestellt liegen blieb, im Juni mit Wildpflanzen begrünt mar und nun umgebrochen wurde. Die Brache war mit einer Art Gründüngung verbunden, wie wir sie heute noch beim Umpflügen von Lupinensaat, manchmal auch Sonnenblumensaat kennen. Daher also heißt der Juni in der deutschenKalcndersvrache Brachmonat.

Mancher Leser mag finden, daß dieser deutiche Monatsname etwas weit hergeholt ist, da es doch schon reichlich hundert Jahre seit der Auf­gabe der Dreifelderwirtschaft und der Einführung des regelmäßigen Fruchtwechsels her ist. Allein der lateinische Name Juni bat noch eine viel ältere und — viel verworrenere Vorgeschichte Man weiß nicht genau, ob der Juni nach der Göttin Inno, der eifersüchtigen Gemahlin des Jupiter, des Obersten der römischen Heidengötter, oder nach L. Junius Brutus, dem ersten Konsul Roms, benannt ist.

Mit dem Juni verbindet sich noch eine andere sehr interessante Er­innerung^ Vor 100 oder 150 Jahren war der Juni int Volksbcwußt- !cin noch recht — gefürchtet. Damals waren örtliche Hungersnöte noch durchaus an der Tagesordnung, lind Ihr Ausgleich war wegen der fehlenden Verkehrsmöglichkeiten schwierig. Es konnte damals ge­schehen. daß in einem gar nicht fehl großen Gebiet ein sehr empfind­licher Mangelbedarf bestand, während 100 oder 200 Kilometer entfernt olles in bester Ordnung wat. Solche Mißlichkeiten wurden gesteigert, wenn zwischen Uberschuß- und Bcdarfsgebietcn Gebirge lagen, die mit den damaligen schlechten Straßen eine sehr bemerkenswerte zusätzliche Verkehrsschwierigkeit darstellten. Trat noch eine Verzögerung der neuen Ernte durch schlechtes Wetter ein, so wurde der schöne Früh­sommermonat Juni, bei uns gemeinhin als Rosenmonat bekannt, zu einer ausgesprochen schwierigen Jahreszeit. Darum hat sich in Nord- friesland noch heute für den Juni der Name Hungermuun erhalten, und der Schweizer nennt die magere Zeit ,von Pfingsten bis Jakobi (25.3uli) den „langen Brache!". wobei im Worthild die Erinnerung an, das Brachfeld übertragen wird auf die leeren Scheunen und Kästen. In Kurhessen aber galt das Sprichwort: „Wenn de Sao’r wächst über die Zäu. guckt de Sona’ o zum Fenster rei.“

Diese Erinnerungen verkümmern uns nicht die Freude an dem Frühfommer int Juni. Sehr zum Gegenteil. Sie unterstreichen, daß der Mensch über sehr schwierige Lagen und Zeitvunkte seiner rein körvcx- Itdjen Existenz schließlich doch erfolgreich hinweggekommen ist und, hundert Jahre nach der Einführung der Eisenbahnen gar^nicht mehr/ weiß, daß der heimelige Juni einmal als Hungermonat gefürchtet ge­wesen ist.

— Der Rundfunk am Donnerstag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsvrogramm: 15 00: Lustige Musikanten; 16.00: 'Kleine Klastische Musik; 17.15: Klingende Seimatbilder: 20.35: „Wie es euch gefällt“. Wagners „Tristan und Isolde“ <3. Akt). — Im Deutschland je über: 17.15: Klastische Musik: 20.15: „Münchner Geschichten" (Große Abendunterhaltung).

— Die Ausnützung der Güterwagen. — Das Reichsverkehrs­ministerium hat seine Anordnung, wonach für die Zeit her Höchst- beansvruchung der Eisenbahn die Güterwagen bis zu 2 t über hie Tragfähigkeit hinaus beladen werden dürfen, mit sofortiger Wirkung dis auf weiteres außer Kraft gefetzt. Lediglich für die gedeckten Wagen mit 151 und mehr Ladegewicht (Wagen der O-Größe) ist, um den Benutzern dieser Wagen die llmstellung auf die neue Regelung zu erleichtern, die llberbeladung in dem bisherigen Umfang bis zum 30. Juni 1943 einschließlich zugelassen worden. Aus dem gleichen Grunde finden die für den Fall der Wagenüberbelastung in der Eisen­bahn-Verkehrsordnung § 59 (3) und § 60 gegebenen Bestimmungen bis zum 31. Juli 1943 einschließlich noch keine Anwendung. Von sofort an dürfen daher die Güterwagen mit Ausnahme der oben erwähnten gedeckten Wagen höchstens Bis zu der an den Wagen angeschriebenen Tragfähigkeit nach den Bestimmungen der Eisenbahn-Verkehrsordnung f 59 (2) beladen werden.

-Meine Frau Theresa"

Originelles Film- Lustspiel im Thalia-Theater

Diese kleine 3rau Theresa in dem heiteren neuen Tobis-Film (Drehbuch Willy Clever nach einem Roman von Ellen Fechnerj geht mit glücklicher Sicherheit durchs Leben und scheint Freude rings um sich zu verbreiten. Auch ihre junge Ehe ist-natürlich wolkenlos un­getrübter Simmel, indes gerade bas vollkommene Glück wird hier selt­samerweise für den Ehemann zu beruflichem Hemmnis. Als bekannter Schriftsteller muß er vertragsmäßig ein Buch mit düsteren Seelenkon­flikten liefern, alle die«. Konflikte zerwehen in nichts vor Frau The­resas fröhlicher Gegenwart. Da kommt der gepflegte und vom Verleger gedrängte Peter schließlich auf den Gedanken, fein eigenes erfülltes Eheleben und die Personen seiner Umwelt als Stoff zu nehmen: und sein Buch hat stärksten Erfolg, nur Frau Theresa ist Bitter gekränkt, ihr Wesen und Fühlen, ihre zärtliche Liehe derart in die Öffentlich­keit gezerrt zu sehen. Die wirklichen Konflikte find nun plötzlich da, Freunde, die vermitteln wollen, machen sie nur schlimmer. Theresa verläßt Peter, das gute ZusammenleBen scheint in die Brüche ge­gangen, doch Peter läßt sich nichts verdrießen, seine Frau wieder­zugewinnen, Bis sie denn auch den wahren und schönen Sinn des an- kangs soviel Ärgernis erregenden Buches begreift. Ein origineller Stoff, witzig und originell behandelt, mit spritzigem, seinironisch ge­formtem Dialog. Als Spielleiter versteht sich Arthur R a 6 e n a 11 gut auf humorige Wirkungen er Bringt mancherlei Einfälle von ganz per­sönlicher Komik und läßt es auch an heiter Beschwingtem Tempo nicht fehlen. Stimmungentsprechend geschieht die tönende Untermalung durch Ernst Erich Buder. Die Titelrolle verkörpert Elfte Mayer- Hofer prächtig mit gewinnender Anmut und Sicherheit und mit reis« voller'Echelmerei; man glaubt ihr die heitere Lebenssriiche ebenso wie später die gekränkte Liebe. Als Peter Zwischen Glück und notwendig gebrauchten Kotkfliktcn weiß Sans S ö h n k e r. flott, launig und

Mittwoch: Berdunkelung van 22,41 bi» 4,40 Uhr

Einkommensteuer und Umsatzsteuer

Die Veranlagung für das Kalenderjahr 1942

Der Reichsminister der Finanzen hat angeordnet, daß die Ver­anlagungen zur Einkommensteuer und zur Umsatzsteuer für das Kalenderjabr 1942 zusammen mit den Veranlagungen für das Kalenderjahr 1943 erst im Lause des Kalenderjahres 1944 vorgenom­men werden. Eine Veranlagung für 1942 soll im Laufe des Kalender­jahres 1943 nur in einer kleinen Zahl bestimmter Fälle durchgeführt werden, soweit es die Arbcitslage bei bett Finanzämtern ermöglicht.

Die Finanzämter werden in den anderen Fällen, wenn sich aus de* Steuererklärung ergibt, daß das Einkommen im Kalctzderjahr 1942 erheblich größer gewesen ist als im Kalenderjahr 1941, zunächst einen vorläufigen Bescheid erteilen. Es kommt vor, daß die Steuerschuld, die sich aus der Einkommensteuererklärung für das Kalenderjahr 1942 ergibt, kleiner ist als die Summe der Vorauszahlung für das Kalenderjahr 1942. Das Finanzamt wird in dem Fall einem Antrag des Sonderpflichtigen auf nachträgliche Herabsetzung der Voraus­zahlungen für 1942 in der Regel in der Form der Veranlagung für 1942 entsprechen und auf diese Weise die Veranlagung für 1942 schon im Kalenderjahr 1943 durchführen.

Ein einheitlicher Eewerbesteuermcßbetrag für das Rechnungs­jahr 1943 wird in leiftem Fall festgesetzt. Der einheitliche Gewerbe« steuermeßbetrag für das Kalenderjahr 1943 wird erst ins Kalenderjahr 1944 festgesetzt werden.

— Förderung von Kriegerwitwen durch die Reichsausleselager. Die Reichsausleselager zur Begabtenförderung im Berufsleben haben sich bereits mit Erfolg auch in den Dienst der Förderung von Krieger­witwen und anderen weiblichen Hinterbliebenen Gefallener stellen können. Das zeigt ein Bericht des Arbeitsgebietes „Berufswettkampf und Begabtenförderung" des DAF-Arnts- für Leistungsertüchtigun«. Danach hat sich in der Praxis gezeigt, daß besonders die jüngeren Kriegerwitwen, aber auch Töchter und sonstige weibliche Hinter­bliebene gefallener Soldaten vielfach den Wunsch haben, sich eine neue berufliche Lebensbasis zu schaffen. Sie möchten damit nicht nur er­reichen, daß ihre wirtschaftliche Lage zusätzlich zur Hinterbliebenen- versorgung verbessert wird, sondern mehr noch eine Aufgabe zu er­füllen haben. Der totale Kriegseinsatz hat bei anderen wieder den Wunsch nach Übertritt in einen neuen, kriegswichtigen Beruf entstehen , taffen. Diese ganze Entwicklung zeigt sich in der altersmäßigen Zu­sammensetzung der Teilnehmerinnen der Neichsausleselager. Während im Normalfall die Fachschulausbildung unmittelbar an den Schul­oder Lehrabschluß und die RAD-Zeit anschließt, .wurden in der För­derung meist ältere Kameradinnen ersaßt. So waren von den Lager­teilnehmerinnen des Jahres 1942 35 Prozent 20 Jahre alt. 44 Prozent waren über 21 Jahre, davon 12,4 Prozent über 25 Jahre. Die Alters­grenze ist in den ersten Monaten 1943 noch gestiegen. Erleichtert wird die Entscheidung nach Berufswechsel, wenn sich die besondere Ver­anlagung mit dem Bestreben nach einer ursprünglich der Frau oor- behaltenen häuslichen, sozialvflegerischen oder erzieherischen Tätigkeit deckt. So wird citte ehemalige Berufswettkampf-Reichssiegerin und Arbeiterin in der Textilindustrie, deren Mann kurz nach der Ehe­schließung gefallen ist, auf ihren Wunsch, „erziehen und betreuen“ zu können, zur sozialen Betriebsarbeiterin ausgebildet und einen schönen Einsatz in einem größeren Betrieb finden.

— Neue Militäranwärter-Anstellungsversorgung. Im Reichsgesetz­blatt Teil I Nr. 54 ist eine Militäranwärter-Anstellungsverordnung verkündet worden, die die Reichsregierung erlaffen hat. Sie bringt wesentliche Verbesserungen für die Anstellung der Militäranwärter und der Anwärter des Reichsarbeitsdienftes im Beamtenverhältnis. Das Bewerbungsverfahren und das Meldeverfahren werden fo ver­einfacht. daß der Militäranwärter möglichst sofort im Anschluß an seine Militärzeit in den Beamtenberuf eintreten kann. Militär­anwärter, die infolge des Kriegsdienstes über ihre zwölfjährige Ver­pflichtung hinaus im Wehrdienst stehen, werden bevorzugt behandelt. Für die Überführung der Militäranwärter, die im Felde stehen, ins Beamtenverhältnis wird noch eine besondere Übergangsbestimmung erlassen.

temperamentvoll, schnell alle Sympathien zu erobern. Mady R a h l und Rolf Weib geben lebendig das Paar der Freunde, eine amü­sante Studie schafft Harald Pn u l se n, mit dem Fassadenkletterer, der zum wohlerzogenen Kammerdiener wird. — Im Vorprogramm läuft ein sehr interessanter, inhaltsreicher Bildstreifen aus der Welt des Varietes. der artistische Glanzleistungen aller Art sefthäli.

Heinrich Leis.

„So ein Mädel vergißt man nicht"

Heiterer Kriminalfilm imy Walhalla-Theater

Unter diesem Titel bringt her Nordisk-Film, der in Erstauf­führung läuft, eine recht amüsante und ansprechende Importware. Er schildert die bewegten, überraschenden und komischen Erlebnisse der jungen unternehmenden Flora, die so gern Sensationsberichterstat­terin einer großen Zeitung werden möchte. Sie sucht mit allen Mitteln zum Ziel ihres Ehrgeizes zu gelangen, richtet im Übereifer ober allerlei tolle Verwicklungen an. Auf der Jagd nach einem begehrten Interview bringt fie es soweit, daß sie selbst in den Verdacht einer zweifelhaften Abenteurerin gerät. Und schließlich gibt es noch eine wirkliche Verbrecherjagd mit stürmischen Zwischenfällen, wobei das den ganzen Tumult auslösende ehrgeizige Mädel Flora doch das Glück auf feinet Seite hat. Es ist ein flott und filmgerecht gestaltetes Spiel, dem es an Schmiß und Tempo nicht fehlt. Die Spannung wird geschickt gtfteigert, der Humor wirkt oft recht drastisch, und die Mischung von Abenteuerlichkeit und Komik sorgt für gefällige Unterhaltung. Marguerite Viby zeichnet das „Mädel, das man nicht vergißt" mit Temperament und Laune, ansprechend gibt Sigsred Johannsen ihren Partner in frischer Natürlichkeit. Aus der Bühne bietet die bekannte und vorzügliche Maria Valente ihre manigfaltige musi­kalische Schau. Sie ist erstaunlich vielseitig und von fabelhafter Beweglichkeit, dix verschiedensten Instrumente mit starker Musikalität beherrschend und’ selbst rhythmisch beschwingt bis in die Fußspitzen. Ihre Helfer assistieren ihr gut in dem schwungvollen Programm, das gerade auch durch musikalische Komik zündende Wirkung übt.

Heinrich Leis

Städtische Grünanlagen im Dienste dsr Ernährung

In Letzter Zeit sind schon alle deutschen Stadtverwaltungen dazu tibergegangen, ihre Gärten und Grünanlagen in den Dienst der Ernährung zu stellen. Ganz besonders eifrig wird der Gemüsebau betrieben. Die Blumen- und Zierpflanzenzucht wunde zugunsten des Gemüsebaues überall auf das äußerste eingeschränkt. .

Ein markantes Beispiel, in welch ausgezeichneter Wetje Dte städtischen Garten- und Grünanlagen zur Verbesserung der Er­nährungsbasis und zur Hebung des Gemüsebaues beitragen können, liefert das Städtische Eartenamt in Stuttgart, das für seine Leistungen mit dem Gaudiplom ausgezeichnet wurde und auch die 1. Anerken­nung als Kriegsinusterbetricb erhalten hat. Der Reichsntinister für Ernährung und Landwirtschaft hat diesen Betrieb dadurch noch besonders ausgezeichnet, daß er ihn im Leistungswettbewerb im Gemüse- und Obstbau 1942/43 zum Reichssieger erNärle.Jm Jahre 1Ä0 yourde mit dem Gemüseanbau begonnen. 6 ha betrug die damals angebaute Fläche. 1943 erlügt das Gartenamt über rund 42 ha An­baufläche. Rund 10 ha Sdländereien find urbar gemacht worden. Verschiedene alte Steinbrüche und A u f s ü 11 p 1 ä tz e mit einer Fläche von 12 ha wurden eingeebnet, mitMutterboden übergrunbet und als Dauerkleingartenanlagen eingerkljtet. Durch diese Aktion sind sämtliche unbebauten Grundstücke und Ldländc- reien im Gebiet von Groß-Stuttgart durch das Gartenamt für die Ernährung sichergestellt. Weiter wurden schon im Jahre 1941 rund 7 ha öffentliche Grünanlagen, denen im Jahre 1942 weitere 12 ha folgten, als Grabeländer äufgeteilt und an Volks­genossen zum Gemüsebau abgegeben. Stadtgärtnerei und Baumschulen haben sich völlig auf den Gemüsebau umgestellt und betreiben haupt­sächlich die Heranzucht von Setzlingen zur Abgabe an Kleingärtner »sw. In den öffentlichen Anlagen, insbesondere auf den größeren Rasenflächen, wird planmäßig der Gemüseanbau betrieben, um da­durch besonders den großen Bedarf von FrüWcmüse für die Laza­rette, städtische Krankenhäuser und Kliniken, Kinderheime, Alters­heime und die Versorgungsbetriebe sicherzüstellen.

3m Jahre 1942 wurden 80 v H. der Glasfläche und 10 ha Frei­landfläche mit Gemüse bebaut. Diese Fläche erfährt im Jahre 1943 noch eine wesentliche Steigerung. Auch die vorhandenen Gewächs­häuser und Frühbeetfenster der Stadtgärtnerei wurden restlos für die Gemüsetreiberei und für ’ die Heranzucht von Setzlingen ausge­wertet. Die Leistungssteigerung bei der Heranzucht von Eemüsesetz- lingen ergibt sich daraus, daß die Zahl von 5 00ü Setzlingen im Jahre 1939 auf 1703000 Stück im Jahre 1943 gesteigert werden konnte. In erster Linie werden fettsparende und knappe Gemüsearten angebaut. Eine Sonderstellung nehmen neben Salat, Früh- und Spätkohlrabi auch die Tomaten und Rettiche ein.

Dieser verstärkte Anbau wird, was besonders beachtet ist, mit einer verringerten Gefolgschaft durchgeführt. Zeitweise sind auch weibliche Angestellte der Stadtverwaltung mit großer Begeisterung und Einsatzfreude in den Betrieben und Anlagen des Gartenamtes tätig und packen hier kräftig zu. Auch die HI. ist miteingesetzt. Die kleineren und mittleren Grünflächen werden von ihr überwacht und gereinigt. Soweit die Rasenflächen nicht als Grabeländer und für den Gemüsebau herangezogen sind, stehen sie den Kleintierzüchterit zur Grünfutternutzung zur Setfügung. Auch die Düngerbe- schaffung ist gut gelöst worden. Alle Reserven der städtischen Einrichtungen, sei es Vieh- und Schlachthof, die Kläranlage, die Müllverwcrtung oder die Straßenreinigung, werden zur Dünger- und Kompostgewinnung herangezogen. Das Stöbt. Gartenamt verfügt über einen technisch erstklassigen Apparat. Modernste Maschinen, Motorpslüge und Fräsen stehen zur Verfügung. Die gesamte Arbeit und der gewaltige Erfolg ist aber in erster Linie Verdienst der Männer und Frauen, die in diesem städtischen Betrieb ihr Äußerste» zur Verbefserüng unserer Ernährung Tag um Tag leisten.

— Zur «Baabe von HJ-Kleiduna. Der Kauf vunktvflichtiaer HI» und BdM-Kleiduna wird bestimmungsgemäß in die Vierte Kleider­karte mit dem Vermerk eingetragen, auch dann, wenn Punkte der Zweiten oder Dritten Äleiiertarfe entnommen weiden. Die Reichs­zeugmeisterei der NSDAP teilt dazu mit, daß die Eintragungen so erfolgen müssen, daß fie beim Abtrennen der Punkte unversehrt bleiben. Der Name des Mitgliedausweises oder sonstigen gültigen Ausweises, die dem Einzelhändler beim Kauf von HI.» oder BdLk.« Kleidung vorzulegen find, muß mit dem der Kleiderkarte überein« stimmen. Köverdienstblusen — kurze Form mit Seitenhasen — für HI. und alle übrigen Gliederungen find uniformbezugsscheinvflichtig. Auch Braunhemden aus Popeline dürfen nur gegen Uniform-Bezugsschein verkauft werden. Auf Kleiderkartenvunkie (neun Punkte) darf nur das lange HJ.-Braunhemd aus Köper abgegeben werden. Kleider- kartenpflichtige HI;- und BdM.-Kleidung kann auch gegen Fl.-Bc- »ugsscheine, die die zuständigen Wirtschastsämter ausstellen, abgegeben werden. Auch hier muß Eintragung in die Vierte Kleiderkarte erfol­gen. Die Abgabe auf Fl.-Bezugsschein ist jedoch auch dann möglich, wenn im Versorgungsabschnitt nach Eintragungen der Kleiderkarte ein gleiches Stück schon gekauft wurde.

— Wieder Poftpakete nach der Türkei. — Der Mitte Mai wegen Anhäufung von Brief- und Paketposten gesperrte Poftvaketdienst nach der Türkei ist — auch für Pakete aus Hinterländern Deutschlands — wieder aufeenotpmen worden.

— Sondermarke der böhmisch-mährischen Post. Am 28. Mai hat die böhmisch-mährische Ppst eine Gedenkmarke mit dem Bilde des Reichsvrotektors in Böhmen und Mähren, ^-Obergruppenführer» und Generals der Polizei, Reinhard Heydrich, zu 60 Heller heraus« gegeben. Der Zuschlag zur Marke von 440 Heller fließt der Reinhard- Seydrich-Gedächtnis-Slistung zu. Das Bild der Marke, die, bei den Dienststellen der Deutschen Reichspost nicht abgegeben wirb, zeigt eine Wiebergabe der von Prof. Rotter angesertigten Totenmaske des Reichsviotektors.

— »eschäftsjubiläum. .Am „1. Juni kann die Glas- und Gcbäubc« reinisung Ferdinanb H o r n st a d t, Wiesbaden, Schwalbacherstr. 79, auf ein 59-jähriges Eeschäftsbestehen zurückblicken. Die Gauwirt­schaftskammer Hai dem ^Betrieb aus diesem Anlaß die Jubiläums- Medaille in Silber zuerkannt, die vom Kreishandwerksmeister Pg. Skoki dem. Jubilar mit herzlichen Glückwünschen überreicht wurde.

Denk jetzt im Sommer schon an den Wrfff^rl

Durch eine Ritze dringt manchmal mehr Kälte em, als ein Sode Kohle an Wärme im Ofen erzeugt. Und wenn wir im nächsten Winter auch Heizmaterial sparen müssen — zu frieren brauchen wir deshalb noch lange nicht! Also her mit Holzleisten, mit Filz- und Stoffstreifen aus der Flickentruhe, mit alten Vorhängen und Decken, mit Holzwolle und Zei­tungspapier I Und dann: ran an alle Türen und Fenster mit dem Schlachtruf: „Wo zieht's durch?" Vater nagelt Leisten auf abgetretene Türschwellen, die Kinder dichten die Fenster mit Filz- oder Papierstreifen ab, Mutter „zaubert" aus Resten Vorhänge für besonders „windige" Gesellen unter den Türen und mit Papier oder Holzwolle ausgestopfte Rollen zum Ein­legen zwischen die Doppelfenster! Aber: bald anfangen! Der Winter ist schneller da, als man denkt. Und wer dann nicht fertig ist, hat zum Schaden des Frierens noch den Spott van „Kohlenklau"I

Wer jetzt sich etwas Mülie macht, im Winter über diesen WDD lacht!