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Seite 2 Nr. 127

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 2. Juni IMS

35 000. Einsatz eines Kampfgeschwaders

die mit den 166 Soldaten und einer das

Neuwahlen in Irland

Stockholm, 1. Juni. Der Präsident Eires, Dr. Douglas Hyde, et« lieh eine Verordnung, durch die allgemeine Wahlen angesetzt werden und die Abstimmung für den 22. Juni festgelegt wird.

380 000 BRT und beschädigten wertere 10 Schiffe, «einet wurden »en der Kriegsmarine und Luftwaffe eine Korvette ein Unterseeboot, em Borpostenboot und sieben Schnellboote versenkt. Drer Zerstörer, em Untetjeebeei, sieben Schnellboote und ,wer Vorpostenboote wurden darüber hinaus beschädigt.

Oer italienische Wehrmachtbericht

Stern, 2. Juni. Der italienische Wehrmachtbericht vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut: ,

Dar Hauptquartier der Wehrmacht grbt bekannt:

Ein feindlicher Flottenoerband begann gestern nachmrttag die B e s ch i e h u ng von P a n t e l l e r i a. Die sofortige Gegen­wirkung unserer Artillerie zwang 4>te feindlichen Einheiten, die Be- schiehung abzubrechen. Ein Zerstörer wurde schwer beschädigt.

Wiederholte feindliche Einslüge aus die Insel »erursachten «rohen Gebäudeschaben.

Feindliche Flugzeuge warfen Bomben auf die Umgebung von Neapel, auf Paola, sowie auf Orte in Sizilien und Sar­dinien. Es werden leichte Schäden und einige Opfer gemeldet.

In Lusitämpsen schossen unsere Jäger drei Flugzeuge über Sar­dinien ab. Neun weitere Flugzeuge wurden vom Feuer der Flat­artillerie getroffen und stürzten ab. Drei fielen bei Pantelleria ins Meer, drei stürzten bei Olbia Sassari und drei bei Marsala ab.

Oie Verluste der Amerikaner aus Attu

Tokio, 2. Juni. Der Kampf aus Stttu ist beendet. Alle Javaner, die dort eingesetzt waren, sind den Heldentod gestorben, nachdem sie noch einen letzten Angriff gegen die amerikanischen Truppen unter­nommen hatten. Die Härte des Kampfes erhellt aus einem Bericht, den der USA.-Kommandeur am 30. Mai herausgab. Danach wurden am 30. Mai um 1.43 Uhr die USA-Turvven von den Javanern in Stärke von etwa 300 Mann auf das schwerste angegriffen und zuruck- geworsen. Die Kämvfe dauerten bis zum Morgengrauen. Um 5,26 Uhr meldete der Kommandeur der USA-Truvven, baß der japanische An­griff noch immer andauere

Zu diesen Meldungen des USA-Befehlshabers ift noch zu be­merken, dah es sich nicht um 300, sondern nur um 100 Mann javanischer Truppen gehandelt hat, die zum letzten Angriff antraten. Bis zum 26 Mai hatten die Amerikaner bekanntlich bereits 6000 Mann ver­loren. Stellt man den Nachtangrff der Javaner vom 30. Mai noch in Rechnung, so ergibt sich für die Amerikaner aus Attu ein Verlust von etwa rund 8000 Mann. Die javanischen Truppen auf Attu waren bekanntlich etwas über 2000 Mann stark, die USA.-Streitkräfte da­gegen betrugen, über 20 300 Mann.

Roosevelt sucht den Mordterror totzuschweigen

Wieder ME.-Feuer auf italienische Frauen und Kinder

Aus dem Führerhauptauariier, 2. Juni (Funkmeldung). Das Ober­kommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront des Kuban-Brückenkopfes und bei W e l i s h griffen die Sowjets gestern mit starken, von Panzern und Schlachtfliegern unterstützten Kräften an. In schweren Kämpfen wur­den alle Durchbruchsoersuche unter hohen feindlichen Verlusten zum Scheitern gebracht.

Marineartillerie versenkte in der Kronstadt-Bucht ein sow­jetisches Wachschiff.

Im rückwärtigen Gebiet des mittleren Frontabschnittes wurde in schwierigem Sumpf- und Waldgelände ein weiteres Unternehmen gegen bolschewistische Banden erfolgreich adgeschlosien. 3 8 Lager wurden zerstört, zahlreiche Waffen und Bersorgungsgüter er­beutet.

Schnelle deutsche Kampfflugzeuge stieben gegen die englische Süd­ost- und Südküfte vor und bekämpften im Tiefflug Anlagen der Hafen­stadt Margate und auf der Insel Wight. Ein Flugzeug wird vermiht.

Über dem Atlantik schosien deutsche Aufklärungsflugzeuge drei feindliche Bomber und ein Transportflugzeug ab.

Im Kampf gegen die britischen und nordamerikanischen Seever­bindungen versenkten Kriegsmarine und Luftwaffe im Monat Mai 76 feindliche Handelsschiffe mit 430 000 BRT., 24 weitere Schiffe wur­den beschädigt. Hiervon versenkten Unterseeboote 65 Schiffe mit

Wechsel ttn italienischen Generalstab

Rom, 1. Juni. Der bisherige Ches des Generalstabes des Heeres, General Enzio R o f j i, ist von seinem Posten abberufen und zum Befehlshaber einer Armeegruppe ernannt worden.

Zum Chef des Eeneralstabes des Heeres wurde General Mario R o a t a ernannt.

Ferner ist der Armeegeneral Alfredo E u g g i o n i am 30. Mai zum Befehlshaber einer Armeegruppe ernannt worden.

Im Monat Mai 430000 BRT. versenkt

Starte Sowjctangrisse am Kuban-Brückenkopf und bei Welish gescheitert Hohe feindliche «erlöste 38 Bandenlager tm rückwärtigen Gebiet der Ostfront zerstört - Englische Hafenstadt Margate ,m Tiefslug bekämpft

Frauen bei der japanischen Eisenbahn

Tokio, 1. Juni. Im Zusammenhang mit den kürzlich veröffent­lichten Maßnahmen der Regierung zur weitgehenden Mobilisierung von Arbeitskräften beschloß das javanische Eisenbahnministerium, die Gründung eines Ausbildungsjnstitutes füi Frauen. Hier sollen in grobem Ausmabe Frauen für die Tätigkeit'bei der Eisenbahn uno Verwaltung verschult werden, um allmählich immer mehr Posten von Männern zu übernehmen, die auch Frauen ausfüllen können.

jedenfalls hat nichts davon zu sehen bekommen, sie sind in die Taschen .e,s'V-u?35J?.ni>an,3et ^ssilscht, die immer nach Washington schiel- Gtnnabmcauene ist gerade jetzt für sie einträglich, wäh- $W$mt5me$ttancr hungern und fronen mutz. Einst hieb EL.;3 Mexiko, der Erzfeind sei der Ponkee und ein mexikanisches Sprichwort fast, man könne ihn nicht einmal gemalt ertragen, da ionst die Pistole ziehen und auf dieses verhakte Bild schieben müsse. Aber die Regierung Camacho ist völlig in den Sanden Washingtons bes dollarreichen, und ihr Autzenminister Exeauiel Pa- dilla erst recht Seit dem Amtsantritt Camachos 1940 ist in dem mo- » rn«rllr®c?oaö^ !" de* Avenida Suats in Mexiko eine Politik gegen Deutschland und für die Gtingos, für die Pankees, getrieben worden, 7lS!.e.r.t9e Verhältnis geradezu umkehrte. Bergesien war, dah noch 1914 Wilson Vera Cruz besetzen ließ, vergessen mar, dab sich ge- radc das totalitäre Deutschland bereit erklärt hatte, mexikanisches -Petroleum zu kaufen, als die Pankees und Briten während des Streites um die Llquellenoerstaatlichung unter Cardenas systematisch bas schwarze Gold Mexikos boykottierten. Die lächerlichsten Sensations­meldungen über Achsenumtriebe wurde verbreitet, die Bolschewisten aus Spanien mit offenen Armen ausgenommen und sogar ihre über­fahrt bezahlt, kurzum, das Weltiudentum hatte in Mexikos Re­gierungskreisen willfährige Diener.

Und das mexikanische Volk? Jetzt zahlt es die Zeche und darbt!

Herden die sich auf der Weide befinden, wurden von den Lustgangstern unter Maschinengewshrfeuer genommen. Bei Olbia nahm ein Flreger eine Frau aufs Korn, die mit ihrem Säugling an der Brust auf einem Esel reitend, ihrem auf dem Acker arbeitenden Mann, das Mittag- effen bringen wollte. Bei einem anderen Ort wurde ein Frau ge­tötet die mit einem Wagen voll Heu nach Hause fuhr. *

Den nordamerikanischen Zeitungen und Nachrichtenbüros wurden drakonische Weisungen erteilt, im Inland nichts über die Verbrechen der USA.-Bomber verlauten zu lasten," erklärtRegime Fascifta" zu den immer neuen Morden und ©reueltaten der anglo-amerikanischen Luft- gangster.. Man will die Millionen in Amerika lebender Italiener, die Roosevelt als den damaligen Verfechter absoluter Neutralität wählten, nicht misten lassen, dab ihre häuslichen Herde, ihre Ange­hörigen, ihre Verwandten und Freunde tagtäglich bombardiert und mit Bordwaffen beschossen werden.Roosevelt, der das ihm anoer­traute Mandat in echt jüdischer Weise verriet, fürchtet die Reaktion bet "Italiener und sieht sich so zu den zynischen Fälschungen ge­zwungen."

Druck und Verlag: L. ScheUenbera'iche Buchdruckerei, Wiesbadener Tagbiav. Wiesbaden, ©eiamttettung: Dr. pbil. habil. Sustav Schellenberg und Otto Kaiser. Haupt- schriftleit-r: Fritz Günther, siimil. in Wiesbaden. Zur Zett ist Preisliste Nr. 11 gültig

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten

Eichenlaubträger Generalleutnant Grase

Berlin, 1. Juni. Generalleutnant Martin Grase, seinerzeit noch Oberst und Kommandeur eines Königsberger Erenadierregiments, er­hielt für feine kühne und energische Kampfführüug Beim Angriff in Richtung auf Leningrad am 18. 10. 1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Seit Anfang 1942 führte der damalige General­major Grafe eine oftpre u f i f ch e Infanterie-Division, an deren Spitze er sich in der Winterschlacht 1941 42 und während der über 10 Wochen andauernden Abwehrkämpfe südlich des Ladogasees im Winter 1942 43 hervorragend bewährte. Bor allem ist es sein Ver­dienst, dab ein wichtiger Höhenzug südlich des Ladogasees gegen die wiederholten Angriffe zahlenmäßig weit überlegener Kräfte behauptet wurde. Als am 17. Januar 1943 die Sowjets von Norden eingebrochen waren und die deutschen Höhenstellungen aufrurollen drohten, schlug er an der Spitze zweier eilig herangezogenen Grenadier- Bataillone die Bolschewisten zurück.

Der Führer hat dem hochverdienten Divisionskommandeur, wie bereits gemeldet, am 23. Mai 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als 248. Soldaten der deutschen Wehrmacht ver­liehen.

Berlin, 1. Juni. (Ein an der Ostfront unter Führung des Ritter­kreuzträgers Oberstleutnant Freiherr von Beust eingesetztes Kampf­geschwader meldete am 30. Mai seinen 35 000. Einsatz, Mit Beginn des Krieges flogen die Besatzungen des Geschwaders im Feldzug der 18. Tage gegen Polen, dann nahmen sie teil am Siegeszug im Westen und schließlich auch an den harten Einsätzen gegen die britische Insel.

Von Juni 1940 bis Juni 1941 zeichnete sich das Geschwader hervor­ragend in diesen Flügen aus, die sich gegen Rüstungswerke und Häsen, Flugplätze und Schiffe richteten. Die Zahl der vernichteten feindlichen Tonnage und zerstörten Flugzeuge ist bemgemäß groß. Wiederholt fand das Geschwader im Wehrmachtbericht ehrenvolle Erwähnng und erhielt eine besondere Aner­kennung durch den Reichsmarschall. Seit dem 22. Juni steht es in ununterbrochenem Einsatz gegen den Bolschewismus, trug zum Siege in verschiedenen Angriffs- und Kesselschlachten, ebenso bei wie zur Abwehr der immer wieder anbrandenden sowjetischen Waffen in den beiden schweren Wintern. In den letzten Wochen liegt der Schwer­punkt der Einsätze in der Bekämpfung des feindlichen Nachschubes auf Eisenbahnen und Straßen des rückwärtigen Gebietes. Zahlreiche Auszeichnungen, die an Angehörige des Geschwaders verliehen wurden spiegeln gleichfalls die ruhmvolle Leistung wieder, 35 000 Einsätzen verbunden sind. Nicht weniger als tragen das Deutsche Kreuz in Gold, 14 das Ritterkreuz Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Beförderungen In der Wehrmacht

Im Heer:

Mit Wirkung vom 1. 2. 1943: Zum Generalmajor den Oberst Wenck. Mit Wirkung vom 1. März 1943: zu Generalleutnanten die Generalmajore Schmidt (Friedrich), Grasse, Hobbach, Wuthmann; zu Generalmajoren die Obersten Rodt. Freiherr von Liebenstein. Mit Wirkung vom 1. Avril 1943: zum General der Infanterie den Generalleutnant Riebel: zu Generalleutnanten die Generalmajore Schubert, Eimmler, Zellner, von Avell. Matzky von Saucken, Becker (Fritz). Fischer, Hermann, Dr. Franek, Lasch, Lübbe, Rühricht. Winter- gerst, Reymann; »um Generalmajor den Oberst Jost. Mit Wirkung vom 1. Mai 1943: zum General der Infanterie den Generalleutnant Schneckenburger; zum General der Panzer truppe den Generalleutnant Gramer; zu Generalleutnanten die Generalmajore Raithel, von der Chevallerie, von Senget und Etierlin. von Beeren, Nöldechen Schüne­mann, Graf von Svoneck, Freiherr von Broich, Borowietz, Kreiß. von Ravvard, Beukemann; zu Generalmajoren die Obersten Freiherr von Falkenstein, Graf von Griota, de Salengre Drabbe, Versock: Freiherr von Bodenhausen, Rhein, von Ludwiger, von Manteuffel von Le Suite, von Hülsen (Heinrich-Herrmann). Mit Wirkung vom 1. Juni 1943: zu Generalen der Infanterie die Generalleutnante Osterkamv, \ Wöhler von Zangen; zum Generalleutnanten die Generalmajore Habenicht, Lieb, Fremerey, Dr. ins. Rüdiger, Demohl, Lendle, Sixt, Freiherr von Mauchenheim, genannt Bechtolsheim (Anton), von Kutowski, Hoppe Chill; zu Generalmajoren die Obersten von Wedel, Roth, Dreschet, Fries Zimmer, Gerlach, Beißwänger, Sieberg, Flörke, Reichsfreiherr von Edelsheim. von Sengenborff, Sauck Raavke, Felz- mann, Sieienius, Niehoff, Maifel, Charles de Beaulien, Abraham, Seyne, Kogler, von Nida, Vierkotn.

In der Kriegsmarine:

Mit Wirkung vom 1. Juni 1943: zu Konteradmiralen die, Kapitäne zur See Hartmann, Breuning.

Sn der Luftwaffe:

Mit Wirkung vom 1. Mai 1943: zum Generalleutnant bet General­major Cabanis. Mit Wirkung vom 1. Juni 1943 > zu Generalleut­nanten die Generalmajore Kettenbeil, Hofmann, Krüger, Grosch, Fran». v. Rantzau; zu Generalmajoren die Obersten Gnamm, Fink; »um Generalarzt der Oberstabsarzt Dr. Kritzlei-Kosch.

Eichenlaub für einen A-Bootskommandanten

Berlin, 1. Juni. Der Führer verlieh am 31. Mai das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Kapitänleutnant Ro­bert Ey ! a « , Kommandant eines Unterseebootes, als 250. Soldaten der deutschen Wehrmacht.

Kapitänleutnant Eysae, dem am 31. 12. 1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen wurde, hat mit seinem Unterseeboot 23 feindliche Handelsschisfe mit zusammen 165 000 BRT. aus stark gesicherten Geleitzügen im Nord- und Südatlantik sowie Im Indischen Ozean herausgeschossen »nd versenkt. Er gehört in die Reihe der er­folgreichsten Unterseeboots-Kommandanten.

Rom 1. Juni. Bei den im italienischen Wehrmachtbericht vom Montag gemeldeten Luftangriffen auf Foggia, Lucera und andere Ortschaften Apuliens hatten es die feindlichen Mordbrenner wie gewöhnlich auf die Zivilbevölkerung abgesehen. Mehrere frei­stehende Bauernhöfe wurden mit ME.-Feuer belegt. In ber Nähe von Foggia traf eine Bombe ein Bauernhaus, wobei der Bauer, die Bäuerin und ihr kleines Töchterchen ums Leben tarnen. Frauen und Kinder, die auf offenem Felde Zuflucht gesucht hatten, wurden von den Gangsterfliegern mit MG.-Feuer beschossen. Zehn Frauen und sechs Kinder fielen dem Angriff »um Opfer. In dem kleinen Städtchen Lucera beträgt bi« Zahl der Opfer sechs Tote unter der Zivilbevölkerung.

Der Sonberberichterstatter besPovvlo bi Roma" stellt fest, bah die amerikanischen Luftgangster die Verfolgung von Eisenbahnzielen ' und Wagenkolonnen auf den Landstraßen, aber auch einzelner Ge­jährte auf einsamer Dorfstrabe, einzelner Reiter auf den Feldern uob Menschenansammlungen an Markttagen sich neuerdings als Ziel für ihre Bomben gesucht haben. Aber auch grobe Schaf- und Rinder-

Zossf Ponton *

Zum 60. Geburtstag des verstorbenen -Dichters am 3. Juni

Als Josef Ponten, der am 3. Juni 60 Jahre alt geworden wäre, vor drei Jahren starb, war et mitten in der Arbeit an seiner Ro- man-ReiheVolk auf dem Wege"; der gröbere Teil war geleistet, der Heinere lag noch vor ihm. Mit Leidenschaft, ja mit Besessenheit hatte Ponten, aus mannigfachen eigenen Erlebnissen heraus, die Idee er­griffen, jene Schicksale zu verfolgen und dichterisch zu gestalten, die sich an bas grobe Heer beutscher Auswanberer im Auslanb knüpfen. Er wollte bic ganze Welt danach abhorchen, wo deutsche Menschen gelebt und gewirkt haben. Diese Romanfolge, die dem Deutschen et­was Ähnliches, zreilich aber auch Höheres sein sollte als Gustav FreyiagsAhnen" ist nicht am Schreibtisch entstanden; sondern Ponten ging in die Welt, ging auf Reisen und suchte den deutschen Menschen und seine Nachkommen im Ausland, beginnend im Jahre 1925 mit der ergiebigen Fahrt zu den Wolga-Deutschen. Dann hat ex, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, alle Strapazen auf sich ge­nommen, um in Afrika und Amerika der gestellten Aufgabe »u dienen.

Als ihm, dem Rheinländer der aus Raeren bei Eupen stammte und in Aachen grob geworden ift, 1936 der Rheinische Literatur-Preis verliehen wurde, ist ihm nicht nur seinekämpferische Gesinnung" bestätigt worden, also seine aktive Bereitschaft und sein Bekenner- tum zumdeutschen Standpunkt", sondern für seine Roman-Folge wurde es ausgesprochen:Fast wie ein Mythos von dem ewigen Deutschtum mutet das Werk an. Es hat die Phantasie der echten Dichtung und die Objektivität des Dokuments", über diesem grob an­gelegten Werk Pontens darf nicht übersehen werden, dab er sich seinen Ruhm vordem mit einer Anzahl Novellen erworben hat, die wirkliche Meister-Arbeiten sind. Zu ihnen gehören:Die Insel",Die Bockreiter",Der Meister",Der Urwald",Der - Gletscher",Die Uhr von Gold",Die letzte Reise".

Für das tiefere Erfassen dieser Novellen »u ihnen kommt der grobartige Generations« und Familien-RomanDer Babylonische Turm" muß man wissen, daß Ponten in seiner akademischen Aus­bildung Geograph und Kunsthistoriker ist. Das ist in seiner Dichtung fruchtbar geworden; er hat die Landschafts-Darstellung auf eine gan» neue Ebene gebracht und für sie einen neuen Stil gesunden, so in denGriechischen Landschaften" und in derLuganesischen Land­schaft". Der Architekt in ihm, der sich ja auch in dem oft großartig angelegten Bau, in der architektonischen Form seiner Dichtungen zeigt, hat das verlockende Buch geschaffen:Architektur, die nicht ge­baut wurde", eine Würdigung von Bau-Plänen großer Architekten, die niemals zur Ausführung tarnen und gerade in ihrer Vision und Phantastik den Dichter reizen mußten.Fragt mich" so sagte Pon­ten in einemSelbstbildnis"von jungen Mitstrrbcnden einer, wo man Kunst, soweit sic lernbar sei, lernen könne, so weife ich dort­hin, wo ich sie am meisten lernte, soweit sie lernbar war: in bi« gotischen Dome". So bat Ponten Zügelung und Form, Haltung und Ausdruck, Maß und Würde sich erarbeitet, und was er im Ringen um den Ausgleich zwischen Gefühl und Kraft, zwischen Traum und

Gestalt wachsend sich erboert hat, bas ist in den letzten Jahren dem Roman der deutschen Unruhe" zugute gekommen, über bem ihm ein Größerer zu früh bie Feber aus ber Hanb genommen hat.

Dis noDQlla eine LichLsrischs Aufgabe unfarar TsLL

Von Friedrich Stan» von Unruh.

Wenn heute ein Stoßtrupp unter bet Leserschaft Vorliebe für bie kurze Erzählung zeigt, so verrät er bamit einen sichern Instinkt: bie Zielrichtung auf eine Kunstgattung, bie ber Zeit ganz bejonbers ent­spricht, auf bic eigentliche unb oberste Kunstform ber kurzen Er­zählung auf bie Novelle.

Unlängst noch war cs beinah bie Regel, bah von bet Erzählung vor allem Fülle, Vielfältigkeit ber Probleme unb Dinge erwartet würben, bafj deshalb die straffe, streng geformte Novelle hinter bem dickleibigen, in gehöriger Weise buchfüllenden Roman zutückstehen mußte, daß als Mangel empfunden wurde, was Ausdruck eines ge­sonderten Wollens unb Könnens ist.

Unsere Zeit wertet anbets. Selber bis in ben letzten Nerv ge­loben mit Spannung, lernt sie eine Kunstsotrn zu würbigen, bie aus bem Gesetz solcher Spannung geboten ist. Denn wie bet Bogen bie Brücke, trägt vorn ersten »um letzten Wort ein einheitlich in sich ge­spanntes Geschehen ben Sinn der Novelle. Kein Abschnitt, kein Satz fällt heraus. Richts ist bloß Füllsel, unb wie in ber Gegenwart auch das scheinbar Entlegenste unb Belangloseste bem Gesamten verhaftet, Stütze einer einzigen Willensmacht ist, so hat in ber echten Novelle jeve Einzelheit strukturellen Charakter.

Der Roman glänzt burch epische Breite. Er barf es sich leisten, weit auszuholen, reich ausjumaten unb liebevoll zu verweilen. Die Novelle muß barauf verzichten. Hier ist alles eingesvannt unb brängt vorwärts. Wirb dennoch verweilt, so geschieht es, um den Sinn zu erhellen und dadurch noch wuchtiger dvrzustoßen. Was im Roman seinen Eigenwert hat, die Landschaft zum Beispiel, ist hier bloß ein Mittel. Die Menschen sogar find nicht ihrer selbst wegen da, sondern 1 tragen nur das Geschehen. Der Akzent ist im Gegensatz zum Roman, der um die Personen kreist vom Individuum fortgenommen; ber einzelne ist bloß bienenbes Gtieb, fei er noch so scharf charakterisiert. So steht rn ber größten beulschen Novelle, inMichael Kohlhaas", selbst bieser eigenwilligste Mann doch nut für ein dämonisches Rechts­gefühl feines Volkes.

Das Gespräch, das im Roman breit auellend Seite um Seite die Personen gestalten hilft, tritt in der Novelle nur selten, in wenigen gerafften Momenten, hervor, nicht um des Redenden, sondern wieder nur um des Sinns der Erzählung willen, und manchmal fährt es wie der Blitz aus ber Nacht, in einem Nu biefen Sinn enthüllend.

Aus all bem ergibt unb beftätigt sich, daß bic Novelle eine karge, strenge Art hat. Ihr Ton ist verhalten, bringlich unb ernst, auf Er­schütterung, nicht auf Erbauung ober Unterhaltung gestellt. Sie prahlt nicht mit Worten. Sie berichtet wahrhaftig, knapp, auf bas Wesent­liche bedacht; schlicht, aber einprägsam. Sie bleibt unpathetisch, auch wenn st» von heimlichem Pathos bebt. Sie will lieber zu hart als

zu weich erscheinen. Sie stellt Gefühl nicht zur Schau, sie beherrscht es, sie birgt es in gewappnetem Herzen. Sie hat eine männlich-soldatische, eine adlige Haltung.

Solang man diese als Sonderfall ansah, nur für kleinste Schichten verbindlich, war das Stoffgebiet der Novelle dementsprechend be­schränkt. Eine Zeit, der solch eine Haltung als Norm gilt, muß es er­weitern.

Wohl wird auch künftig da» Haupfthema der Novelle das Ur­sprungsgebiet jener Haltung, das Heroische, (ein: also Opfer unb Ehre, Treue unb Tapferkeit unb die Leidenschaften, die sich ins Heroische steigern. Darüber hinaus aber wird sie das Schicksal in jeder Form einbeziehen.

Sie hat das Recht, das Furchtbarste, Lebenfeindlichste aufzu­rühren; denn sie hat die stählerne Seele, deren Kraft sich erst ganz an dem schlimmsten, ausweglosen Schicksal erweist. Sie darf auch bas Zarteste, Empfindsamst« spiegeln, denn sie hat ben männlichen Geist, bet ein Slbglciten unb Zerfließen ins Weiche, Schwärmerische ver­hütet. Sie wird noch im stillsten, unscheinbarsten Los das Vorbild heldischer Haltung erstellen^ vielleicht umso packender, als Heroismus gerade im unauffälligen, danklosen Standhaften feine schwerste Probe besteht.

Sie wirb, alle Lebensgebiete durchmeffenb, noch stärket, noch gül­tiger werden, was sie ihrem Wesen nach ist: bas hohe Lieb der Be­währung. ________

' NeuinszenierteDaphne" ht der Wiener Staatsoper. Da sich die Wiener Staatsepcr dem Schaffen von Richard Strauß besonders vsr- bunben fühlt, unb Karl Bohm, ihr künstlerischer Leiter, als Strauß- Dirigent Weltruf genießt, wird ihr Plan, »um 80. Geburtstag von Richarb Strauß die Hauptwerke in neuer szenischer Gestaltung heraus- äubringen, ebenso ben Meister ehren wie seinen Interpreten. Die Neu infaenietung nonDaphne" ließ bereits erkennen, baß der Strauß- Zyklus im Jahre 1944 als authentische Wiedergabe betrachtet weiden muß, zumal die künstlerischen Vorarbeiten pom Meister selbst über­wacht werden, der den größten Teil bes Jahres in Wien seinen Wohn­sitz hat. Die bukolische TragödieD a P h n e, bie Karl Böhm ge- wibmet ist, hat au4 in ihm einen souverän geftaltenben Sachwalter, bet mit Liebe unb Besessenheit bem kostbaren Alterswerk zugetan ist. Die Geigen bet Wiener Philharmoniker mit Wolfgang Schneiderhan am ersten Pult entfalteten denn auch wie bie übrigen Otcheftetgtuppen eine ideale Klangverwirklichung, die wohl als unüberbietbar gelten darf. Die Neuinszenierung (Regie: Rudolf Hartmann a. G., Bühnen­bilder: Robert Koutsky) wies gegenüber bet bisherigen manche Stift verbefferungen auf. Das heikle bühnentechnische Problem, den Davhne- Baum vor unseren Augen wachsen »u lassen, wat diesmal besonders illusionskräftig gelöst. Maria R e i n i n g war eine in jeder Hin­sicht vollkommeneDavhne". Melanie Frutschnigg. von der Wiener Hochschule an bie Staatsoper berufen, fang bicGäa. Das Ensemble schöner Stimmen glauben wir mit dieser jungen, vielversprechenden Künstlerin esentlich bereichert. Auch die übrigen Mitglieder bes En­sembles (Torstey Ralf, früher Frankfurt -a. M., Anton Dcrinota. Herber« Alfen, früher Wiesbaden), hielten hohes N-veau. Unter ben Festgäften sah man Reichsleiter Baldur von Schirach. Der an­wesende Komponist wurde vor ben Vorhang gerufen unb auf bas herzlichst« mit seinen Helfern gefeiert. Julius A. Flach.